Von der Autobahn auf die Harakiri: Ski- & Gletscherwelt Zillertal 3000

1. April 2014 - Nina Vogt

Der Schnee ist perfekt planiert. Bildet eine ebene Fläche, in die die scharfen Kanten der Skier eine Furche ziehen. Eine schmale Furche. Hier ist Carven angesagt. Die Kurve wird bis zum letzten ausgefahren, denn der Platz ist da. Und die sanfte Neigung der Piste lässt die perfekte Geschwindigkeit dafür zu. Die Rede ist von so genannten „Autobahnen“. Der Traum vieler Wintersportler. Ein Traum, der auf dem Hintertuxer Gletscher Realität wird. Ganz am Ende des Zillertals befindet sich Österreichs einziges Ganzjahresskigebiet mit seinen 59 Pistenkilometern. Und wer hier die Fahrt in den 3 Gletscherbussen bis ganz nach oben auf 3.250 m Höhe erst einmal hinter sich hat, der wird belohnt. Denn wer der Gondel des Gletscherbusses 3 entsteigt, der blickt direkt auf die beiden Olperer-Schlepplifte. Und damit auf die perfekten Pistenautobahnen rechts und links davon. Das optimale Terrain für die ersten Fahrten zum Aufwärmen. Breit sind sie, die Abfahrten, nicht sonderlich steil und gerade am Vormittag noch wunderbar planiert. Der Skitag kann beginnen. Übertroffen werden die Pisten an den Olperer-Liften nur noch von denen an den Kaserer-Schleppern, quasi auf der anderen Seite des Berges. Noch breiter und auch noch ein Stückchen länger sind die Hänger hier. Carving-Genuss pur. Wer hier rutscht, der ist selbst Schuld…

Blick auf die schönen Pisten an den Olperer-Liften.

Doch der Pistenspaß beschränkt sich bei fast 60 Pistenkilometern natürlich nicht nur auf die Pisten in Gletschernähe. Bei guten Bedingungen – sprich: am Vormittag – sind auch die 3er und die 2er Piste ein Genuss, die von der Gefrorenen Wand bis hinunter zur Talstation des Gletscherbus 2 führen. Anspruchsvoll wird es auf den zahlreichen Skirouten, die das Gebiet durchziehen. Traumhaft sind zum Beispiel die Tiefschneestrecken im Bereich Lärmstange, die zwischen nackten Felswänden hindurch führen.

Perfekte Pisten zum Carven.

Und dann wären da noch die Freestyler. Auch für die hat man hier oben natürlich geeignetes Terrain geschaffen. Um genau zu sein einen der höchsten Freestyle-Hotspots des Landes. Auf 3.200 m Höhe befindet sich der Einstieg in den Betterpark Hintertux an den Olperer Liften. Ein großer Snowpark mit 5 Lines und einer Superpipe. Auf seine Kosten kommt hier jeder vom Einsteiger bis zum Pro. Allerdings nur von April bis Dezember (mit einer kurzen Unterbrechung im Sommer). Von Dezember bis April ist hier Pause angesagt. Dann gibt es jedoch Ausweichmöglichkeiten. Denn in dieser Zeit öffnet der Family Park am Sommerberg. Der ist sicher nicht so anspruchsvoll wie sein „großer Bruder“, aber das perfekte Terrain, um sich wieder einzugrooven.

Breit wie Autobahnen sind die Pisten am Gletscher teilweise.

Freilich mögen einem in einer Woche knapp 60 Pistenkilometer vielleicht zu wenig sein. Im Zillertal ist das jedoch kein Problem. Man hat dem Tal nicht umsonst den Beinamen „aktivstes Tal der Welt“ gegeben. Insgesamt sind es 487 Pistenkilometer, die sich vom Hintertuxer Gletscher am Ende des Tals bis zur Zillertal Arena verteilen. Wer im hinteren Teil des Tals wohnt, für den bietet aber bereits der Zusammenschluss „Ski- & Gletscherwelt Zillertal 3000“ jede Menge Abwechslung. 245 Pistenkilometer um genau zu sein. Diese verteilen sich neben dem Gletscher auf die Skiberge Eggalm, Rastkogel, Penken, Ahorn und Horberg in Tux, Finkenberg und Mayrhofen. Verbunden sind sie alle – bis auf die Gletscherpisten und den Ahorn. Für eine schnelle Verbindung sorgen jedoch die kostenlosen Buslinien, die regelmäßig im Tal verkehren. Die fahren zuverlässig – und zu Stoßzeiten sogar mit mehreren Ersatzfahrzeugen, um die Meute auf den Berg zu bringen. Für ein erstes Kennenlernen haben die Liftgesellschaften praktischer Weise bereits einen passenden Tourenvorschlag gemacht. 60 Pistenkilometer und 15.000 Höhenmeter an einem Tag – das ist die Gletscherrunde. Von Blau bis Schwarz – hier ist alles an Pisten dabei, was das Skifahrerherz begehrt. Inklusive der lohnenden Talabfahrt am Hintertuxer Gletscher übrigens. Die ist allein schon wegen des Panoramas ein Erlebnis.

Schöne Pisten gibt es am Wanglspitz-Lift.

Zurechtfinden kann man sich jedoch auch ohne Tourvorgaben. Empfehlenswert ist es zum Beispiel, an der Eggalm oder am Rastkogel in den Tag zu starten. Hier gibt es einige wirklich schöne Pisten, die entspannt zum Aufwärmen dienen können. Die schöne Talabfahrt an der Eggalm beispielsweise, die die Wintersportler auch zur Rastkogel-Talstation bringt. Oder die Carving-Strecke Nr. 3 am Rastkogel sowie die wunderbar breiten Hänge am Horbergjoch- oder Wanglspitz-Lift. Gerade frisch präpariert sind diese ein Genuss.

Achtung, hier wird es steil!

Von hier oben aus gelangt man dann auch über eine Verbindungspiste zum Penken. Zum „Actionberg“, wie man ihn getauft hat. Das liegt vor allem an 2 Highlights, die Wintersportler in diesem Gebiet finden. Da wäre einerseits der Vans Penken Park, ein Snowpark der Extraklasse. Ein Riesenareal mit 6 Areas vom Kids Park bis hin zur Pro Area erwartet Freestyler hier – inklusive parkeigenem Sessellift. Ein Halt am Park lohnt sich auch für diejenigen, die sich nicht auf Kicker & Co. trauen. Was die Cracks hier zeigen, ist teils wirklich spektakulär. Ebenso spektakulär wie die zweite Attraktion des Berges. Harakiri. Dieser Name steht für Adrenalin pur. 78 Prozent Gefälle hat die Piste am Knorren-Lift an ihrer steilsten Stelle. Wer sich nicht hinuntertraut, umfährt sie einfach auf den schönen Strecken mit den Nummern 3 und 5. Vom Lift aus kann man die Mutigsten trotzdem dabei beobachten, wie sie sich in den Hang stürzen – oder auch den Hang hinunterstürzen, denn wer hier fällt, der stoppt erst am Ende der Piste…

Die Verbindungspiste vom Rastkogel zum Penken.

Wer es so knackig mag, dem sei zusätzlich die Piste Nr. 17 am Schneekar-Lift wärmstens empfohlen. Lang und schwarz ist sie und garantiert das optimale Training für die Oberschenkelmuskulatur… Etwas beschaulicher geht es da auf den Umfahrungen mit den Nummern 7 und 7a zu. Spaß machen diese aber genauso. Bei all der sportlichen Herausforderung sollte man im Zillertal das leibliche Wohl nicht außer Acht lassen. Denn das gastronomische Angebot in den Skigebieten kann sich sehen lassen. Gerade am Gletscher hat man im vergangenen Jahr ordentlich investiert. Aus dem Tuxer Fernerhaus und dem Spannagelhaus sind zwei topmoderne Gastro-Tempel geworden. Stylisch und doch urig das Interieur mit viel Holz und offenen Kaminen, top die Speisenauswahl und bequem die Liegestühle und die lammfellbezogenen Betten, die man hier auf den Sonnenterrassen findet. Da kann die Pause schon einmal länger ausfallen. Einfacher, aber eben auch charmant ist die Gletscherhütte, von deren Terrasse aus man einen unvergleichlichen Blick in Richtung Schlegeis Gletscher genießt.

Die spektakuläre Schneekarhütte

Auch in den anderen Skigebieten hat man die Wahl. Urig-gemütlich oder doch lieber stylisch-luxuriös? Für Letzteres ist die Schneekarhütte mit ihrer beeindruckenden pyramidenförmigen Bauweise die richtige Adresse. Einfach, aber auch günstig geht es an der Kressbrunnalm zu. Und ein unvergleichliches Panorama genießt man vom Bergrestaurant Lämmerbichl aus – hier blickt man bis auf die Gletscherpisten.

Bekannt für gute Après-Ski-Partys ist die Hohenhaus Tenne an der Talstation des Hintertuxer Gletschers.

Beendet wird der Skitag im Zillertal in einer der zahlreichen Après-Ski-Locations. Die Auswahl ist groß. Am Gletscher ist ein Besuch in der legendären Hohenhaus-Tenne Pflicht. Eine Leberkäs-Semmel und einen Apfelstrudel-Schnaps gibt es vorher an der Sandler-Bar. In Tux und Finkenberg locken zum Beispiel der Hexenkessl, der Laterndl Pub, die kleine Tenne und das Kaser Mandl. Bei einem naturtrüben Zillertaler Radler kann man hier den Skitag ausklingen lassen – Ende offen…

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