Ski Innsbruck-Stubai – Kontroverse um neue Skiverbindung

10. März 2015 - Katharina Teudt

In der Axamer Lizum und im benachbarten Stubaital träumt man von der neuen Skiverbindung Ski Innsbruck-Stubai. Das Projekt „Brückenschlag“ versetzt jedoch seit Monaten Gemeinden, Tourismusverbände, Politiker und Umweltschützer in Aufruhe. Nun droht dem Bauvorhaben aufgrund eines Rechtsgutachtens das Aus.

Pistenplan des geplanten “Brückenschlags” © Axamer Lizum

Minimaler Eingriff für maximalen Effekt – so der Wahlspruch der Befürworter des Projekts „Brückenschlag“, das die Skigebiete Axamer Lizum und Mutterer Alm mit der Schlick 2000 im Stubaital verbinden soll. Das „weiße Dachl“ der Olympiaregion Innsbruck, wie das Skigebiet Axamer Lizum auch genannt wird, hat 40 km Piste vor tollem Alpenpanorama zu bieten. Doch es besitzt noch viel größeres Potenzial. Eine Verbindung zum nahen Stubaital wäre wirtschaftlich ein großer Zugewinn. Daher streben beide Seiten einen Zusammenschluss der Skigebiete an. Finanziell belaufen sich die Investitionen für den Brückenschlag auf rund 64 Millionen Euro, wovon bis zu 20 Prozent der Investitionen durch öffentliche Institutionen gefördert würden.

Das Bauvorhaben Das Großprojekt „Brückenschlag“ umfasst den Zusammenschluss der beiden Skigebiete Axamer Lizum und Schlick 2000 durch eine Seilbahn über die Kalkkögel. Die Gebirgskette Kalkkögel gehört zu den Stubaier Alpen und wird aufgrund ihrer markanten, schroffen Formation auch als „Dolomiten des Nordens“ bezeichnet. Hier soll über die Hochtenn-Scharte die neue Verbindungsbahn vom Hoadl zur Bergstation Kreuzjoch hinüberführen. Neben der Seilbahn über die Kalkkögel soll zudem eine Verbindungsbahn von der Muttereralm zur Axamer Lizum sowie eine von Neustift zur Schlick gebaut werden. Das Ziel ist die Vernetzung von drei Skigebieten zu einem attraktiven Liftverbund, in den man vor den Toren der Landeshauptstadt Innsbruck einsteigen kann. Von Seiten der Axamer Lizum Aufschließungs AG heißt es, man sei von einer intakten Umwelt aber auch einer guten Infrastruktur abhängig. Neue Arbeitsplätze, bessere Vernetzung und wirtschaftliche Profitabilität seien schlagkräftige Argumente, so dass der Brückenschlag nahezu unumgänglich sei. Mit anderen Worten: die lokale Wirtschaft muss angekurbelt werden. „Zukunft statt Stillstand“ titelt auch ein Videoclip zum Thema Brückenschlag auf der Innsbrucker Tourismus-Website, der vielstimmig den schon lange ausstehenden Brückenschlag fordert.

Umwelt vs. Wirtschaft Das gesamte Vorhaben ist allerdings seit Langem umstritten. Allen voran ist die Erschließung über die Kalkkögel ein heikles Thema, denn die Verbindung des Brückenschlags soll durch ein „Ruhegebiet“ führen. Und das, obwohl laut Schutzgebietsverordnung „die Errichtung von Seilbahnen und Schleppliften zur Personenbeförderung“ untersagt ist. Um dieses Gesetz zu umgehen, müsste es vom Land Tirol schlicht aufgehoben werden. Das allerdings lässt die Alpenkonvention, das internationale Vertragswerk zum Schutz der Alpen, nicht zu. Die Frage ist nun, ob für das Projekt trotz Alpenkonvention eine Ausnahme gemacht werden kann bzw. es durch eine Gesetzesänderung durchführbar wäre. Um dieses Problem und weitere Hürden zu überwinden, wurde die Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Brückenschlag gegründet. Darin sitzen die Tourismusverbände von Innsbruck und dem Stubaital, die Planungsverbände Westliches Mittelgebirge und Stubaital mit ihren elf Gemeinden sowie die betroffenen Skigebiete Muttereralm, Axamer Lizum und Schlick 2000. Auf brueckenschlag-tirol.com informiert das Konglomerat über die Vorteile, die das Projekt mit sich bringt und versucht, Bedenken über harsche Umwelteingriffe zu zerstreuen. Darüber hinaus erklärte die ARGE bereits in einer eidesstattlichen Erklärung, sie strebe ausschließlich die Umsetzung einer seilbahntechnischen Verbindung per 3S-Seilbahn vom Hoadl zum Kreuzjoch an und verfolge keinerlei weitere Erschließungspläne. Damit sollte den letzten Zweiflern der Wind aus den Segeln genommen werden. Doch die Debatte polarisiert weiterhin.

Starke Fronten Zu den Befürwortern des Projekts gehören Interessengruppen, die direkt oder indirekt wirtschaftlich von der Verbindung profitieren, wie der Tourismusverband Innsbruck, die Fachgruppe Seilbahnen in der österreichischen Wirtschaftskammer sowie politische und tourismus-wirtschaftliche Vertreter der Gemeinden. Auch viele Einheimische finden: Kleine Skigebiete können nur überleben, wenn sie sich zusammenschließen und attraktiver werden. Auch die Skiregionen informieren über die Vorteile des geplanten Zusammenschlusses auf ihren Websites, so verkündet zum Beispiel axamer-lizum.at: Es werde im Schutzgebiet kein Baum gefällt, keine neue Piste gebaut und lediglich 150 m² Fläche für die Seilbahnstützen benötigt. Das sieht die Opposition anders. Der österreichische Alpenverein und diverse Umweltschutzgruppen finden, dass in ein Ruhegebiet nicht eingegriffen werden darf und der blinde Bauboom sensible Naturräume zerstöre – unabhängig vom Nutzen für den Menschen. Vor allem im Internet erheben sie ihre Stimmen. Auf der Website kalkkoegel-retten.at sind Statements von prominenten Bergsportlern, Umweltaktivisten und alpinen Verbände zu finden und es wird zur Petition gegen das Projekt aufgerufen. Auch die Initiative Pro-Kalkkögel informiert mit Flyeraktionen über die Nachteil des Projekts und wehrt sich mit umweltpolitischen Argumenten. Auch die Facebook-Gruppe „Rettet die Kalkkögel“ wurde gegründet, in der Neuigkeiten in der Debatte gepostet und diskutiert werden. Die Gruppe versammelt über 2.000 Likes kontra das Projekt.

Die Kalkkögel-Gruppe mit eingezeichnetem Verlauf der neuen Verbindungsbahn. © Axamer Lizum

Die Entscheidung Das Hauptargument gegen das Projekt ist jedoch die Gesetzeslage um eine eventuelle Verletzung der Alpenkonvention. Seit einer guten Woche liegt dem Tiroler Landtag ein ausführlicher Prüfbericht dazu vor. Aus dem Gutachten vom Institut für öffentliches Recht der Universität Innsbruck geht hervor, dass es „starke verfassungsrechtliche Bedenken“ bei der Umsetzung des Projekts Brückenschlag gebe. Das Naturschutzgesetz müsste geändert werden, um das Projekt mit der Bebauung im Schutzgebiet der Kalkkögel wie geplant umzusetzen. Landtagspräsident Herwig van Staat von der ÖVP ließ bei der Präsentation der Prüfungsergebnisse durchblicken, dass eine Realisierung nur sehr schwer durchzusetzen wäre. Nun sehen viele schon das Aus für den Brückenschlag. Die ARGE ist jedoch zuversichtlich: „Wir sehen in den uns zurzeit bekannten Prüfergebnissen nach einer juristischen Analyse absolut kein K.O. des Brückenschlags, sondern vielmehr eine Bestätigung unseres Weges. Wenn es einzelne Punkte gibt, die nachzubessern sind, dann kann dies jederzeit stattfinden. Jedenfalls wurde bestätigt, dass der Brückenschlag wirtschaftlich sinnvoll, tourismus-strategisch notwendig und auch technisch umsetzbar ist“, so der Axamer Bürgermeister Rudolf Nagl. Tatsächlich fallen die Gutachten der Seilbahnbehörde des Verkehrsministeriums, der Abteilung für Raumordnung sowie ein Gutachten zur Wirtschaftlichkeit des Projekts positiv aus. Die Wirtschaftskammer prüft diese Gutachten derzeit. Letztlich muss aber der Tiroler Landtag über die Realisierung abstimmen.

Der Ausgang der Kontroverse und somit die Zukunft des Projekts ist also noch längst nicht entschieden.

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