Ski einmal anders: Andorra in den Pyrenäen

15. Februar 2008 - SnowTrex

Wer seinen Skiurlaub einmal nicht in den alpinen Skigebieten in Österreich, der Schweiz oder Frankreich verbringen möchte, der findet im Kleinstaat Andorra in den Pyrenäen eine interessante Alternative.

Pistenpanorama aus dem Skigebiet Grandvalira.

So fassten auch ich und drei weitere Freunde diese interessante Alternative ins Auge und brachen am 12. April 2007 in einem Golf IV um 21 Uhr von Köln nach Andorra auf. Getreu dem Motto „Auch der Weg ist ein Ziel“ wollten wir nicht einfach quer durch Frankreich rasen, sondern uns unterwegs einige sehenswerte Städte anschauen. Hier der Bericht von Niels, einem altem Fahrensmann in Sachen Skiurlaub, der sich das Andorra-Abenteuer natürlich nicht entgehen lassen wollte:

„Nach der Nachtfahrt von Köln über Belgien und Paris machten wir morgens früh um 9 Uhr im südfranzösischen Toulouse Station. Vom Parkhaus ging es über einen sehr großen Marktplatz in die Toulouser Altstadt mit ihren engen verwinkelten Gassen, wo wir auf einem schönen Platz zu Mittag aßen.

Die Stadt wirkte sehr gepflegt und renoviert, was den Stadtbummel sehr angenehm machte. Der Platzmangel scheint manchen Franzosen auf sehr kreative Lösungen beim Parken seines Autos zu bringen, wie dieses Bild beweist. Wo bei uns in Deutschland über jeden Kratzer am Lack gejammert wird, kann man hier schon mal das Auto halb aus der vermutlichen zu vollen Garage herausragen lassen, diese aber per Rolltor auf der Motorhaube trotzdem schließen.

Unser Bummel führte uns weiter zur Garonne, wo es sich sehr schön am Ufer flanieren ließ. Um 16 Uhr verließen wir Toulouse und kamen bereits nach einer Stunde im berühmten Carcassonne an. Wer hat nicht schon von diesem malerischen Ort in Südfrankreich mit seiner riesigen Burganlage gehört?

Dort hatten wir ebenfalls keine Schwierigkeiten, einen zentralen Parkplatz zu finden. Zunächst haben wir uns auf einer Mauer am Flüsschen niedergelassen und den Blick von unten auf die nahe gelegene Burg genossen, bevor wir uns auf die Suche nach einem Hotel machten. Wir wurden auch relativ schnell und zentral fündig, aber vor allem der sehr günstige Preis hat uns überrascht. Wir belegten im Hotel de la Poste zwei sehr einfache Doppelzimmer für jeweils nur 36 € – pro Person und Nacht also gerade mal 18 €. Das hätten wir an diesem malerischen Fleckchen Erde mit dem bekannten Namen nicht erwartet.

Als wir gegen 18 Uhr eingecheckt hatten, gingen wir erstmal in einem in der Nähe gelegenen Supermarkt einkaufen, um schließlich um 19.30 Uhr in der Dämmerung die Burg zu erreichen. Zunächst genossen wir einfach die wunderschöne Aussicht auf die Stadt und flanierten ein bisschen an der Stadtmauer entlang. Die wahre Größe der Anklage bekamen wir allerdings erst zu sehen, als wir ins Innere aufbrachen, um ein Restaurant zum Abendessen zu suchen. Das Burginnere ist sozusagen eine kleine Stadt in der Stadt. Neben zahlreichen Restaurants, die abends sehr gut besucht sind, findet man ebenfalls sehr viele Souvenir- und Klamottenläden. Wir entschieden uns für eine sehr wohlschmeckende Pizza, die wir unter freiem Himmel, wie übrigens die meisten der übrigen Gäste auch, einnahmen. Die Temperaturen waren im April angenehm mild. Wir hielten noch bis Mitternacht durch, bevor es ins Hotel zurückging. Morgens früh um 9 Uhr kauften wir uns ein Frühstück auf dem Marktplatz und trafen auf einen sehr netten Bäckereiverkäufer, bevor es um 10 Uhr weiterging nach Andorra.

Wir hatten uns schon zu Hause mit zwei Aufklebern für die Autoscheibe eingedeckt, das Logo von Andorra auf der Frontscheibe und jenes von unserem Skigebiet „Granvalira“ auf der Heckscheibe, um bei den Grenzbeamten schon mal gut Wetter zu machen.

Die Grenze von Frankreich zu Andorra ist bereits 2.000 m hoch, kurz dahinter liegt der Skiort Pas de la Casa auf 2.100 m Höhe, wo wir um 13 Uhr ankamen und erstmal Mittagspause machen. Es war sehr voll an diesem Samstagnachmittag, lange Autokorsos zurück nach Frankreich zeigten an, dass es aufgrund der Zollfreiheit Andorras und der niedrigen Mehrwertsteuer einen ausgeprägten Einkaufstourismus gibt. Da wollten auch wir nicht nachstehen und kauften Essen und Spirituosen ein. Naja, v. a. Spirituosen. Zuallererst selbstverständlich einen Pastis, einen der populärsten Getränke in Frankreich wie in Andorra. Der unschlagbare Preis von 2 € für 1,5 Liter kommt wohl jedem unglaubwürdig vor, der diese Geschichte aufgetischt bekommt. Neben ein paar anderen ausgewählten Getränken entschieden wir uns für ein regionales Produkt, das man dort überall zu kaufen bekommt, einen Likör mit Kräutern samt Stengel, der von Kristallzucker umhüllt ist. Dementsprechend süß und bunt war auch das Getränk, wie auf dem Foto mit dem Schaufenster zu sehen.

Vor der Weiterreise nahmen wir in Pas de la Casa noch ein Mittagessen ein, oder zumindest das, was man dort als solches bezeichnet. Matthias bekam drei verschiedene Sorten Wurst, die allerdings nicht sofort als Wurst identifiziert werden konnten, eine war fast weißlich-transparent, das folgende Foto soll davon einen Eindruck vermitteln. Martins Essen war ebenfalls ziemlich fettig und das Fleisch nicht wirklich durchgebraten. Gut, man muss sich eben an die heimische Küche herantasten.

Danach fuhren wir entlang der Skipisten über den höchsten Pass der Pyrenäen, den Port d’Envalira (2.405 m). Die Passstraße ist gesäumt von Tankstellen, die hauptsächlich von den Franzosen angefahren werden. Neben Einkaufstourismus gibt es also auch Tanktourismus in Andorra. Als Alternative zum Pass wäre auch der kostenpflichtige Tunnel d’Envalira möglich gewesen, aber da wir keine Eile hatten und das Wetter gut war, kam der Tunnel für uns nicht in Frage. Es gibt übrigens nur zwei Zugänge nach Andorra, einmal von Frankreich über den Pass bzw. durch den Tunnel und zweitens von Süden aus Spanien.

Unser Endziel Soldeu erreichten wir schließlich um 16.30 Uhr und trafen auf eine sehr nette ältere Vermieterin, mit der wir dank der Sprachkenntnisse, hauptsächlich von Matthias, Spanisch sprechen konnten. Alternativ wäre auch Englisch oder Französisch möglich gewesen. Angekommen schnupperten wir noch etwas das Flair des Orts und besuchten ein paar Après-Ski-Kneipen, wo tatsächlich so einiges los war. Auffällig zu dieser späten Jahreszeit war eine recht große Menge an Naturschnee auf den Hängen und im Ort.

Wir kehrten in unser Quartier zurück, ein familiär eingerichteten 3-Zimmer-Appartement in einem mehrgeschossigen Holzhaus im regionalen Baustil. Es war sehr urig und gemütlich und wir hatten eine sehr gute Aussicht auf die gegenüberliegenden Bergmassive. Die Unterkünften in Grandvalira befinden sich in Pas de la Casa, Soldeu, El Tarter, Canillo und Encamp (dort keine Talabfahrt). Auch für den kleineren Geldbeutel ist fast überall etwas dabei. In allen Orten gibt es ein ausreichendes bis vielfältiges Angebot an Sport- und Freizeitmöglichkeiten wie Tennis/Squash, Schwimmen und Sauna.

Die Anreise fällt mit rund 1.400 km aus dem Herzen Deutschlands zwar um einiges weiter als in die Alpen aus, dafür entschädigen die Exotik des Ziels und die sehr niedrigen Benzin- und Einkaufspreise. Zudem kann man sich in Grandvalira einer sehr gepflegten Infrastruktur mit modernsten Liftanlagen erfreuen, wie wir direkt am nächsten Morgen feststellen konnten. Dieses größte Skigebiet der Pyrenäen und das größte Europas außerhalb der Alpen ist noch sehr jung und existiert in seiner heutigen Form erst seit der Saison 2003/2004. Zu dieser Zeit haben sich die zwei damaligen Hauptskigebiete Pas de la Casa/Grau Roig und Soldeu/El Tarter zu einem Gebiet europäischen Maßstabs mit 193 Pistenkilometern zusammengeschlossen. Zudem sind 50 weitere Pistenkilometer auf französischer Seite in Planung. Unsere Skipässe kosteten 180 € für sechs Skitage, sind also preislich mit einem großen Skigebiet in den Alpen vergleichbar.

Wir fanden ein relativ leeres Skigebiet vor, im Funpark war allerdings immer einiges los. Die Schneequalität war top, für Tiefschnee-Abenteuer neben der Piste lag aber nicht mehr genug Pulver. Die Saison im 1.710 m bis 2.640 m hochgelegenen Grandvalira dauert von Dezember bis Mitte April. 40% des Skigebiets können künstlich beschneit werden. Zudem gibt es noch das recht kleine Skigebiet Vallnord auf der anderen Seite Andorras mit dem Ort Arcalis, der schon häufig Bergankunft der Vuelta und Tour de France war und den Radsportfans (gibt’s die noch?) ein Begriff sein wird.

Andorra Skigebiet Grandvalira

Vom absoluten Anfänger bis hin zum sehr versierten Fahrer findet sich mit 110 Pisten alles was das Herz begehrt. Der Schwerpunkt liegt auf den leichten und mittlelschweren Abfahrten. Zudem gibt es neben zwei permanenten Boardercross- und vier Off-Pist-Strecken noch drei Freestyle Areas, wobei auch hier sorgsam auf unterschiedliche Schwierigkeitsgrade geachtet wurde.

 

Der Slope Style Grau Roig ist gut für Einsteiger geeignet, der Snowpark Pas de la Casa zieht die fortgeschrittenen Jibber an und im Snowpark El Tarter wird den Experten mit richtig hohen Kickern Rechnung getragen. Es ist schon ungewöhnlich für die Ohren, wenn man hört, wie sich die Boarder in spanisch oder katalanisch anfeuern und abklatschen.

Unser Aufenthalt sah natürlich auch eine Fahrt in die von Soldeu nur etwa 20 km entfernte Hauptstadt Andorra la Vella vor, der wir Mitte der Woche einen Besuch abstatteten. Wir kamen gegen 18.30 Uhr an und fanden eine Stadt mit sehr modernem Stadtbild und einer Altstadt mit Schmuckstücken romanischer Bauweise vor.

Die Shopping-Area hingegen ist eine verkehrsberuhige und verspielt illuminierte Straße mit vielen architektonisch interessanten Glasfronten. Hier findet man ein besonders reichhaltiges Angebot zollfreier Waren – ein Einkaufsparadies für alle Besucher! Gemessen an der Einwohnerzahl sind die Shopping-Möglichkeiten völlig überdimensioniert. Neben dem erwähnten Pastis kauften Matthias und Martin in einem wahren Prachtladen edle Zigarren deutlich günstiger als in der Heimat. Generell lohnt sich für Touristen der Kauf von Spirituosen, Tabakwaren wie bspw. Zigarren, Kosmetika oder auch Designerklamotten. Preislich wird man für diese Produkte keine Alternative zu Andorra finden.

Unsere weitere Planung sah für die Rückfahrt eigentlich noch einen Kurzaufenthalt am Meer in Südfrankreich nahe Perpignon vor. Am Samstag, um 10:30 Uhr, fuhren wir im Schneetreiben über den Pass mit Vorfreude auf 25° C, Strand und Meer. Kurz danach, hinter der Grenze in Frankreich muss man sich entscheiden: rechts nach Südfrankreich, links nach Nordfrankreich. Nach einem Anruf bei einem Freund mit der Bitte um einen aktuellen Wetterbericht aus dem Internet fuhren wir links… Tja, tatsächlich, an der Küste war Dauerregen vorhergesagt, in Mittel- und Nordfrankreich jedoch Sonne. Beim Blick auf die Karte blieb der Finger schließlich bei einem uns zuvor unbekannten Ort in Zentralfrankreich hängen: Limoges in der Region Limousin. Keine Ahnung, was uns dort erwarten würde, aber die Lage fast direkt an der Autobahn auf halber Strecke Richtung Köln schien uns ideal. Um 16 Uhr kamen wir dort bei strahlendem Sonnenschein und 20° C an.

In Limoges ging es erst einmal ins Zentrum. Da alles sehr gut ausgeschildert war, fanden wir auch relativ schnell eine Touristinformation, bei der wir uns einen Unterkunftsplan besorgten. Es fanden sich genug Übernachtungsmöglichkeiten, die auch alle relativ dicht beieinander waren. Wir klapperten einige ab und entschieden uns schließlich für das Hotel de la Paix, einen zentralen Bau mit schöner Aussicht im Stil des Fin de Siecle. Preislich hatten wir dort sofort ein Deja-vu zu Carcassonne: Wir mieteten ein 4-Bettzimmer für knapp 50 €, also etwa 12 € pro Person, was wir bei diesem einwandfreien Etablissement (nur die alte Rezeptionistin war ein Drachen) nicht erwartet hätten.

Im T-Shirt ging es los durch eine hübsche Altstadt, bis wir auf einer Bank vor dem Rathaus Rast machten. Dieses, Ende des 19. Jh. errichtete Bauwerk wird von einem Park gesäumt, ist sehr stimmungsvoll beleuchtet und ist eine kleine Ausgabe des Pariser „Hotel de Ville“.

Nachher nahmen wir das zweite Mal in Frankreich eine Pizza zu uns und wurden auch diesmal nicht enttäuscht. Generell lässt sich sagen, dass französische Pizza sehr kreativ belegt sind und vieler Leute Geschmack treffen wird. Wir zogen weiter auf der Suche nach etwas Nachtleben und blieben schließlich in einer Jazzkneipe in der Altstadt hängen.

Touristen trafen wir keine, dafür allerdings einen jungen Einheimischen, der sich sehr über den Preis des von uns importierten Pastis wunderte und uns einiges über Limoges aus Insidersicht erzählte. Nach diesem sehr gelungenen letzten Abend verließen wir am Sonntag um 11 Uhr Limoges und kamen um 20 Uhr wieder in der Heimat an. Zur Abwechslung und zum Bequatschen der Reiseeindrücke kehrten wir abschließend in ein kölsches Brauhaus ein.“

Ja, genau so war das, da hat sich der Kollege mit seinem Bericht richtig in’s Zeug gelegt, vielen Dank dafür.

Als Fazit kann festgehalten werden, dass im Vergleich zu einem alpinen Skigebiet die Anreise nach Andorra zwar länger aber vielleicht auch schöner ist. Bringt man Zeit mit, gibt es genug Möglichkeiten, auf der Strecke Halt zu machen und sehenswerte Orte zu besuchen, die man sonst nie sehen würde. Zudem ist der Kontrast zwischen einem Skiurlaub im Bergnest Andorra und einem Stop-Over im französischen Tiefland, evtl. sogar an der Mittelmeerküste, extrem reizvoll. Das würde einem jedenfalls entgehen, wenn man das Flugzeug nimmt und z. B. nach Gerona bei Barcelona fliegt. Von dort kann man mit öffentlichen Verkehrsmitteln in ca. drei Stunden Andorra erreichen.

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