Serie: Sommer am Berg – Gletschersafari am Pitztaler Gletscher

22. Juli 2014 - Katharina Teudt

Mondlandschaft oder Gletscher? © TVB Pitztal/ Bergführervereinigung Pitztal

Auf Safari im ewigen Gletschereis Willkommen in der „Welt des Steinbocks“ – so begrüßt das Pitztal seine Besucher. Das gehörnte Ziegentier ist in den Tiroler Bergen allgegenwärtig und somit auch das regionale Wahrzeichen. Beobachten kann man die Tiere auf den zahlreichen Wanderwegen, die sich in einem riesigen Netz um das Pitztal und das benachbarte Kaunertal spinnen. Hier wird jedoch noch eine ganz besondere Disziplin der Bergbegehung geboten: Die Gletschereis-Safari. Hoch oben auf den Höhenwanderwegen geht es auf geführten Touren direkt ins ewige Eis. Sowohl auf der Wildspitze als auch an der Weissseespitze liegen zwei große Gletschergebiete, in denen Aktive wunderbar Eiswandern- und Gletscherklettern können. Zusammen mit der Ferienregion Imst ergeben die Eisriesen beider Täler den „Gletscherpark“, in dem Wander- und Kletterfans in alpinen Höhenstufen von 900 bis 3.440 m ein umfangreiches Areal aus Eis und Stein vorfinden. Am Talabschluss ragt der Pitztaler Gletscher auf 3.440 m auf, im benachbarten Kaunertal bildet die Weissseespitze mit 3.518 m den Abschluss des Tals. Genug Territorium, um eine spannende Erkundungstour ins ewige Eis zu machen.

Die Gletscherformationen sind teilweise extrem ausgeprägt. © Alpin Center Hochzeiger

Faszination Gletscherwelt Das majestätische Gletschereis hat zu jeder Jahreszeit seinen ganz eigenen Reiz. Wo im Winter die Skiurlauber ihren Fahrspaß finden geht es im Sommer mit Steigeisen, Seilen und Karabiner in eine ganz andere Welt. Eine Gletscherbegehung gleicht ein wenig einem Spaziergang auf dem Mond. Die weite Eisfläche knirscht unter den Wanderstiefeln. Ummittelbar am Gletscher ragen immer wieder Gesteinsflächen mit gleichmäßigen Mustern hervor. Das Gestein wird hier durch das sich darüber bewegende Gletschereis geschrammt und erhält dadurch seine typische rillenförmige Oberfläche, den Gletscherschliff. Durch diese Erosion entstehen tolle Muster auf dem Fels und geben dem Gestein ein schönes Antlitz.

Das zerklüftete Gletschereis erstreckt sich über riesige Flächen © TVB Pitztal/ Bergführervereinigung Pitztal

Das eisige Gelände wirkt wie eine große steinerne Fläche, doch der Anblick täuscht. Lediglich Schotter und Geröll bedecken das massive Eis. Unter dieser Oberfläche schimmert das Jahrhunderte lang gewachsene gefrorene Wasser hindurch. Hier und da züngeln große Gletschermoränen Richtung Tal und überall haben sich Gletschermühlen gebildet. Die spiralförmigen Hohlräume im Eis haben sich durch abfließendes Schmelzwasser geformt und geben der Szenerie etwas Mystisches. Mit jedem Schritt über das Gletschereis wird einem bewusster, auf welch mächtigem Naturwunder man da herumläuft.

Abenteuer Gletscherspalte Noch deutlicher wird diese Empfindung, wenn es in die Eingeweide des Gletschers geht, direkt in die Gletscherspalte hinein. Besonders aufregend wird es beim Abseilen, indem man rückwärts an einer steilen Wand hinab in die kalten Katakomben dieses Eis-Kolosses einsteigt. Hier ist alles noch unwirklicher, und doch aufregend. Bei diesem Erlebnis im ewigen Eis vergisst man beinahe, dass man sich auf einer sommerlichen Tour befindet. Das Eisklettern wird auf geführten Touren und unter fachkundiger Anleitung durchgeführt. Man muss nicht unbedingt in die Eishöhlen absteigen, sondern kann auch auf den Kuppen der Gletscherberge einfach das unglaubliche Panorama genießen. Man wird in die Realität zurückgeholt, indem man den Blick vom Eis löst und in die Ferne schweifen lässt. Dann sieht man die steinernen Gebirgsketten rund herum, mit etwas Glück auch die Talsenke des Pitztals und den höchsten Bergsee Österreichs, den Riffelsee auf 2.232 m unter sich liegen.

Das Abenteuer Gletscherspalte kann beginnen © Alpin Center Hochzeiger

Geführte Gletschersafari Wer nun Lust auf einen Ausflug in die eisige Wunderwelt bekommen hat, findet im Sommerprogramm des Tourismusverbands Pitztal genau das Richtige: Von Juli bis Mitte Oktober finden zweimal pro Woche geführte Gletscherwanderungen statt. Jeden Dienstag und Donnerstag geht es morgens um halb elf an der Sonnenterasse des Gletscher-Restaurants los, wo sich bereits ein herrlicher Ausblick auf die Ötztaler Alpen bietet. Auf der 2,5-stündigen Tour gibt es die ganze Vielfalt der Gletscherwelt zu sehen, von tiefen Gletscherhöhlen über breite Gletscherspalten bis zu Gletscherbrüchen und Moränen. Für die Begehung ist festes Schuhwerk und unbedingt Sonnenschutz mitzubringen. Die Bergführer der Pitztaler Bergführervereinigung geleiten durch die Gletscherwelt und sorgen für die Sicherheit der Teilnehmer.

Die Bergführer achten auf die Sicherheit durch fachgerechtes Anseilen © TVB Pitztal Bergführervereinigung Pitztal/Roman Tyulyakov

Weitere Gletscher-Highlights Auf den Wanderungen im Gletschergebiet gibt es außer Eis noch mehr zu sehen. Nur wenige Gehminuten vom Gletscherrestaurant Kristall am Mittagskogel entfernt steht die „Kapelle des weißen Lichtes“. Der Tiroler Künstler Rudi Wach hat dieses Kunstwerk aus Carrara-Granit erbaut, das 8,5 m hoch in die Gletscherwelt ragt. In der Kirche steht ein 975 kg schwerer Altar, das Türportal besteht aus Titan. Zur Stärkung können mehrere Hütten im Wandergebiet Rifflesee angesteuert werden, beispielsweise die Sunna Alm. Ihre Besonderheit ist die ökologische Energieeffizienz, denn die Hütte ist das höchstgelegene Passivenergie-Haus in Österreich. Das Restaurant bezieht seine Ressourcen aus den alternativen Energiequellen Erdwärme und Solarenergie.

Tipp für Familien Um das Gletschereis in seinen vielen Facetten hautnah zu erleben muss man nicht auf eine Gletschertour gehen und sich waghalsig in Spalten abseilen lassen. Viel einfacher gelangt man in den begehbaren Gletscher im Kaunertal. Hier kann Groß und Klein ganz entspannt entlang zweier Gletscherspalten und durch eine Gletscherhöhle hindurchlaufen. Durch einen Eistunnel gelangt man zu den Spalten, die jeweils 40 Meter lang, dafür aber nur rund 3 Meter hoch und etwa 1,5 Meter breit sind. Um zum Gletscher zu gelangen lohnt sich der Erwerb einer Gletscherpark Card“. Damit können Wanderlustige und Eishungrige die Kaunertaler Gletscherstaße und insgesamt neun Bergbahnen benutzen. Außerdem ist sie Eintrittskarte für acht Museen der Region und gewährt weitere Ermäßigungen in den Tälern.

 

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