Skifahren im Wilden Westen – Teil 2: Vail Resorts

15. September 2015 - Katharina Teudt

“Vail Resorts” ist der größte Skigebietsbetreiber der USA. Ihm gehören unter anderem die vier Skigebiete um Vail im Herzen der Rocky Mountains: Vail, Beaver Creek, Breckenridge und Keystone.

In der vergangenen Wintersaison waren die Skiorte Vail und Beaver Creek im US-Bundesstaat Colorado die Austragungsorte der FIS Alpinen Ski-Weltmeisterschaften. Unsere Skihelden Felix Neureuther, Fritz Dopfer und Co. fuhren in der Heimatstadt von Mikaela Shiffrin und Lindsey Vonn um die Medaillen. Immer vor Augen die einmalige Kulisse der Rocky Mountains und die Skiregion Vail – und die ist riesig. Sie setzt sich aus insgesamt vier Skigebieten zusammen: Beaver Creek, Vail, Breckenridge und Keystone (von West nach Ost).

Über Stock und Stein geht es beim Tree Skiing in Keystone. © Vail Resorts Inc.

Nicht zu verwechseln ist diese Region mit den „Vail Resorts“. Dabei handelt es sich um ein Konglomerat aus Skigebieten, die das Unternehmen „Vail Resorts Management Company“ mit Sitz in Breckenridge betreibt. Dazu zählen nicht nur die vier Skigebiete um Vail, sondern darüber hinaus das Park City Mountain Resort in Utah, drei Areale am Lake Tahoe in Kalifornien, eines in Minnesota, eines in Michigan und sogar eines in New South Wales in Australien. Doch der Ursprung dieses Imperiums liegt im kleinen Vail, wo in den 1960er Jahren der Skitourismus begann. Hier ist der American Way of Life auf wundervollste Weise mit dem Wintersport verbunden.

Vail

In gut zwei Stunden gelangt man vom Denver Flughafen über die Interstate 70 ins schnuckelige Vail. Hier ruft einem jede Straßenecke entgegen: Du bist in Amerika! Der Ort ist westlich geprägt, sehr amerikanisch. Der Ortskern der Stadt liegt auf über 2.400 m, so dass man sich auf ausreichend Flüssigkeitszufuhr einstellen sollte. Das Auto muss in Vail stehen bleiben, denn nach dem Schweizer Vorbild Zermatt ist Vail verkehrsberuhigt. Im Zentrum fahren nur innerstädtische Busse, ansonsten werden alle Wege zu Fuß zurückgelegt. Diese Entschleunigung bringt den Besuchern nicht nur ein erholsames Urlaubserlebnis näher, sondern lässt sie auch die vielen Saloons, Diners und Shoppingmeilen besser entdecken.

Der Eislaufplatz am Vail Square im Stadtteil Lionshead. © Vail Resorts Inc.

Man muss den Amerikanern zugutehalten, dass sie etwas vom Erschaffen perfekter Winterwelten verstehen. So kann auch Vail getrost als echtes Winterwonderland bezeichnet werden. Vor allem am Abend werden die Gäste diesem Winterzauber gewahr: Die sehr kalte aber trockene Luft erfrischt bei jedem Atemzug, die adretten Häuserfassaden mit Spitzgiebeln sind bunt beleuchtet, die Weihnachstannen mit ihren dick beschneiten Ästen glitzern im Lichte der goldenen Straßenbeleuchtung. Hier herrscht winterlicher US-Charme in seiner romantischsten Form. Dazu kommt der besondere Komfort: Die Gehwege sind beheizt, fast alles ist fußläufig erreichbar und es fühlt sich beinahe so an, als wäre die ganze Stadt ein einziges Ski-in-ski-out. All das macht das Ambiente in Vail einzigartig.

Ausgeh-Tipps

Die lebendigen Zentren von Vail bilden die Stadtteile Lionshead und Vail Village, wo sich die Bars und Restaurants aneinanderreihen. Es gibt Lokale in jeder Preisklasse: von kleinen Snackbars und familienfreundlichen Lokalen bis zum exklusiven Ambiente im “Elway’s” oder dem japanischen Nobelrestaurant “Matsuhisa” sowie alles, was im kulinarischen Spektrum dazwischen liegt. Von der Talstation der „Gondola One“ sind es nur 2 Minuten zu Fuß bis zur Bridge Street: Hier befinden sich die meisten Après-Ski-Lokale, unter anderem die legendäre Shakedown Bar, Vendetta’s, The Red Lion oder Pepi’s – um nur einige zu nennen.

Freizeit-Tipps

Neben dem Skifahren bietet Vail ein großes Freizeitprogramm. Eislaufplätze gibt es gleich an zwei Orten. Mitten im Vail Square im Stadtteil Lionshead befindet sich eine Eisfläche, eine weitere am Solaris Plaza im Zentrum von Vail. Eine Adrenalin-treibende, typisch amerikanische Unterhaltung wartet derweil mitten im Skigebiet: Das „Adventure Ridge“ ist ein Erlebnispark am Berg mit einer Snowtubingbahn, Möglichkeiten zum Skibike-fahren, an einer Zip-Line hinabsausen, Bungee-Trampolin springen und Schneemobil fahren für Kinder.

Kinder lieben das Schneemobilfahren im Adventure Ridge. © Vail Resorts Inc.
Das Bungee-Trampolin im Adventure Ridge. © Vail Resorts Inc.

Speziell für Kinder wird im Ort noch mehr geboten. Auf spielerische Weise lernen kann der Nachwuchs in der „Imagination Station“. Das Spielparadies der besonderen Art lädt zum Anfassen und Mitmachen ein, unter anderem bei physischen und kognitiven Lernspielen, einem hyperbolischen Trichter, der die Bewegung der Planetensysteme veranschaulicht oder Doktorspiele in einer Tierklinik. Empfehlenswert sind außerdem die familienfreundliche Kombination aus Bowling und Abendessen im „Bōl“ und die Relax-Oase im öffentlichen Spa des luxuriösen „Lodge RockResort“.

Vail Mountain

Das Skigebiet von Vail liegt am Hausberg von Vail, dem Vail Mountain. Er ist einer der höchsten Skiberge der USA mit der höchsten Bergstation auf 3.527 m. Das Skigebiet teilt sich in drei Bereiche: die präparierte „Frontside“, das unwegsame Blue Sky Basin und die berüchtigten Back Bowls.

Blick zum China Bowl am Vail Mountain. © Vail Resorts Inc.

Insgesamt sind es knapp 200 Pistenkilometer und rund 600 Abfahrten, die sich auf den 11 km von Cascade Village bis zum westlichsten Bowl erstrecken und vollgepackt sind mit breiten Pisten und bestem Ski-Terrain. Das Gelände hier ist unglaublich vielseitig. Von breiten gewalzten Abfahrten, die teilweise durch den Wald führen, bis zu tiefschwarzen Steilhängen mit Buckelpisten ist alles dabei. Überhaupt ist Vail ein Paradies für Freerider und Tiefschneefans. Einstiege ins Skigebiet gibt es an drei Stationen: Lionshead, Vail Village und Golden Peak. Die familienfreundlichen Abfahrten liegen oberhalb von Lionshead. Dort oben an der Skihütte „Eagle’s Nest“ liegt auch das Freizeitareal „Adventure Ridge“.

Am Vail Mountain wartet Tiefschnee ohne Ende. © Vail Resorts Inc.

Sieben Back Bowls

Das eigentliche Highlight von Vail liegt im Hinterland: die sieben Back Bowls. Die auch als „Backside“ benannten „Talschüsseln“ liegen auf der Rückseite der Bergkette, an der sich das Skigebiet erstreckt, und gelten in dieser Größe und Beschaffenheit als einzigartig in den USA. Hier finden Freerider ein 12 km² großes Tiefschnee-Gelände, das oft sehr steil, ist, aber nahezu ohne Felsen und Bäume ein perfektes Terrain abgibt. Noch weiter hinten, jenseits der Back Bowls, fahren drei Sessellifte ins Blue Sky Basin, einem weiteren Off-Piste-Gebiet. Hier geht es auf selbst gewählter Route vor allem durch den Wald.

Trail im Blue Sky Basin. © Vail Resorts Inc.

DIE ÜBRIGEN SKIGEBIETE

Beaver Creek

Der Nachbarort von Vail bietet eines der schicksten und exklusivsten Skigebiete der USA. Die Pistenpflege und der Service gelten als exzellent, dazu kommt ein weitläufiges Skigelände. Der Luxus auf und neben der Piste kennt hier kaum Grenzen, es fahren Rolltreppen zum Lift und die Bürgersteige sind beheizt. Ein neues Luxus-Angebot ab dem Winter 15/16 ist der White Carpet Club, ein exklusiver Rückzugsort für Resort-Gäste, die sich in einer eleganten Lounge mit W-Lan und persönlichem Service entspannen, eine private Skiaufbewahrung nutzen können und von einem Concierge bedient werden. Beaver Creek bildet eine Ski-Schaukel mit Arrowhead und Bachelors Gulch, die ein abwechslungsreiches Areal mit schön langen Abfahrten bieten. Mit dem Cinch Express fahren Geländefans zum Stone Creek Chutes auf, wo sie perfektes Tree Skiing-Gelände vorfinden. Vom ursprünglichen Hauptort Avon aus gibt es mit der Riverfront Express Gondola eine zusätzliche Verbindung zum Skigebiet Beaver Creek.

Beaver Creek Village. © Vail Resorts Inc.
Breite Piste in Beaver Creek. © Vail Resorts Inc.

Breckenridge

Noch eine Spur extremer geht es in Breckenridge zu. Gute 45 Minuten Fahrtzeit von Vail entfernt finden Extrem-Skifahrer eines der beliebtesten Skigebiete der Region – zumindest wenn es um schwieriges Terrain geht. Es liegt so hoch wie kein anderes Skigebiet in den USA (2.926 – 3.963 m) und hat mehrere anspruchsvolle Double Black Diamonds zu bieten. Über die Hälfte der knapp 190 km Abfahrten sind schwarz markiert. Dazu kommt der Ort in typischer Western-Atmosphäre und einem pulsierenden Nachtleben. Tipp: Direkt neben Breckenridge liegt der Copper Mountain, ein oft verschwiegenes und doch nicht zu verachtendes Skigebiet. Wer es nicht ganz so steil und schwierig mag, findet am „Kupferberg“ überwiegend mittelschwere Pisten.

Die Western-Stadt Breckenridge. © Vail Resorts Inc.
Die Monsterpipe im Freeway Terrain Park in Breckenridge. © Vail Resorts Inc.

Keystone

Das rund eine Stunde Fahrt östlich von Vail gelegene Resort hat für Einsteiger und Könner gleichermaßen viel zu bieten. Merkmal ist hier vor allem die Infrastruktur des gut erschlossenen Skigebiets. Über ein Dutzend Lifte transportieren zu den insgesamt 135 Pistenkilometern – die unzähligen Skirouten noch nicht eingerechnet. Große Pluspunkte sind das Nachtskifahren und Catskiing. Zu Keystone gehört außerdem das etwas kleinere Arapahoe Basin. Es ist besonders steil und unwegsam, daher vor allem bei besonders waghalsigen Sportlern beliebt. Über 100 Abfahrten warten in dem Skigebiet, das auch als „The Legend“ bekannt ist.

Powdern in Keystone. © Vail Resorts Inc.
Die Pisten in Keystone können fies sein. © Vail Resorts Inc.

Fazit

Wer nach Vail kommt, findet ursprüngliches Western-Ambiente gepaart mit einem modernen Skiresort vor, das für Familien ebenso wie für Backcountry-Fans bestens geeignet ist. Außerdem bietet es den perfekten Ausgangspunkt für eine Skisafari in den vier Skigebieten der Vail Resorts in Colorado. Daumen hoch!

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