Skifahren im Wilden Westen – Teil 1: Park City

8. September 2015 - Katharina Teudt

Wer im mittleren Westen der USA seinen Winterurlaub verbringen möchte, kommt an Park City nicht vorbei. Die urige Westernstadt hat seit diesem Winter das größte zusammenhängende Skigebiet der USA zu bieten.

Tiefschneetraum im Skigebiet Canyons in Utah. © Park City Mountain Resort

Der Bundesstaat Utah ist berühmt für seinen Pulverschnee. Hier wird dieser sogar mit der Ankündigung „The greatest snow on earth“ angepriesen, die auch Autokennzeichen ziert. Diese Werbebotschaft meint nicht bloß die Qualität, sondern auch die exorbitanten Mengen an Neuschnee, die Skigebiete wie Park City zu bieten haben. Hier gibt es weit mehr Schnee als in manch anderem Resort im schneereichen Colorado. In einem „üblichen Winter“ fallen im Durchschnitt 360 inches (9,14 m) Neuschnee in Utah! Das können in Europa nur wenige Regionen von sich behaupten. Kein Wunder, dass man hier als Wintersportler seine helle Freude im Powder erlebt – seit neuestem auch auf dem landesweit größten Areal.

Neues Mega-Skigebiet ab Winter 15/16

Diesen Winter lohnt sich ein Skiaufenthalt in Park City besonders. Denn ab der Saison 2015/16 sind die Skigebiete Park City und Canyons zu einem verschmolzen und bilden nun das größte zusammenhängende Skigebiet der USA! Insgesamt zählen sie rund 290 Pistenkilometer, das ist noch ein Quäntchen umfangreicher als das größte zusammenhängende Skigebiet Österreichs. Dazu kommt die Tatsache, dass viele der „Pisten“ eigentlich frei befahrbares Terrain sind, es gibt sozusagen unendlich viele Wege ins Tal, die mit feinstem Powder bestäubt und mit natürlicher Vegetation sehr vielseitig sind. Man kann hier also getrost von einem Mega-Skigebiet sprechen. Durch den Zusammenschluss mit Canyons hat Park City einen Superlativ geschaffen, der nicht nur attraktiver für die Touristen wird, sondern auch viele weitere Investitionen mit sich bringt. Zunächst einmal besitzt das neue Mega-Resort einen neuen Slogan: „There is only one. Park City.“ Mit der neuen Marke gehen diverse Verbesserungen in der Infrastruktur einher, die das Dachunternehmen „Vail Resorts“, zu dem u. a. Park City gehört, etwa 50 Mio. US-Dollar kosten.

Park City bietet sehr viele Terrain-Abfahrten. © Park City Chamber-Bureau

Herzstück der Verbindung

Ihr Arbeitstitel war „Interconnecting Gondola“, nun heißt sie offiziell „Quicksilver“: Die neue 8er-Gondel startet an der Talstation des „Silverlode-Express“ in Park City und führt hinüber zum „Flat-Iron“-2er-Sessellift im Skigebiet Canyons. Somit sind die beiden Areale nahtlos miteinander verbunden. In der Talstation des Silverlode-Lifts wurde außerdem das neue Restaurant „Miners Camp“ erbaut – benannt in Anlehnung an die Geschichte Park Citys als ehemalige Minenstadt. Weitere Neuerungen sind der Sessellift „King Con Express“, der von einem 4- zu einem 6-Sitzer ausgebaut wurde sowie der „Motherlode-Lift“, der von einem 3er-Sessel zu einem kuppelbaren 4er-Sessel aufgewertet wurde. Renovierte Restaurants und Beschneiungsanlagen runden die Erneuerung des „neuen“ Park City ab.

Auch flachere Passagen sind dabei. © Park City Mountain Resort

Ski if you can!

Wer seinen Skitag in Park City startet, hat gleich zwei Möglichkeiten zum Lifteinstieg: Der Town-Lift führt von der Main Street auf den Berg. So gelangen Skifahrer praktisch direkt vom historischen Zentrum ins Skigebiet. Der eigentliche Haupteinstieg ins Skigebiet Park City befindet sich jedoch in der „Base Area“, sozusagen der Talstation, die mit dem kostenlosen Skibus vom Zentrum aus gut erreichbar ist. Dort liegen am Einsteiger-Lift „First time“ die kinderfreundlichen Übungshänge, nebenan fährt der 3er-Sessellift „3 Kings“ zum gleichnamigen Terrain Park, wo unter anderem die „Eagle Superpipe“ und die „Merrill Mini Pipe“ stehen. Insgesamt bietet das Park City Mountain Resort 17 Skiberge und 14 Bowls, die Talkessel, in denen das anspruchsvollere Terrain liegt. Hier wimmelt es nur so von Black Diamonds, die als besonders schwierig markierte Geländeabfahrten die Könner herausfordern. Fast alle Strecken in den Backbowls sind Double Diamonds, Abfahrten der höchsten Schwierigkeitsstufe mit bis zu 45 Grad Gefälle. Zu diesen Abfahrten muss man mit eigener Muskelkraft aufsteigen. Einzig der Jupiter Bowl in knapp über 3.000 m Höhe ist mit einem 2er-Sessel erschlossen. Die Diamant-Gebiete sind den Profis vorbehalten, die eine Lawinenrettungs-Ausrüstung dabei haben und genau wissen, worauf sie sich einlassen. Denn selbst wenn dieses Terrain durch Sprengungen von den Resort-Betreibern kontrolliert wird, fährt immer ein gewisses Risiko mit.

Powdern im Puma Bowl.© Park City Mountain Resort

Großer Nachbar

Im Nachbargebiet Canyons heißt das Skicenter ab diesem Winter „Canyons Village at Park City“. Das Skiareal ist noch größer als das von Park City und erschließt mit seinen über 20 Liften so gut wie jede Bergflanke oberhalb des Ortes. So sind die Backbowls nicht ganz so wild wie auf der anderen Seite und teilweise auch „nur“ mit einem Black Diamond markiert. Das Schöne hier ist das Motto für alle Freerider: What you can see, you can ski! Dem wird auch fleißig Folge geleistet. Die Pisten für die „normalen“ Skifahrer und Boarder zeichnen sich durch breite sonnige und bewaldete Abschnitte aus, darüber hinaus gibt es einen Snowpark mit Halfpipe und eine schöne Talabfahrt.

In den Powder eintauchen und genießen. © Park City Chamber-Bureau

Luxus-Skigebiet nebenan

Neben dem neuen Zusammenschluss gibt es noch ein drittes Skigebiet, das zur Region Park City gehört: das luxuriöse Deer Valley. Es ist nicht nahtlos mit den übrigen Pisten verbunden, doch mit dem kostenlosen Skibus aus Park City Stadt ist die Talstation des Silver Lake Express‘ in Deer Valley in wenigen Minuten erreichbar. Hier warten noch einmal ca. 100 km Pisten von überwiegend rotem und schwarzem Niveau. Deer Valley Resort gilt als das exklusivste Skigebiet um Park City. Die Restaurants sind preisgekrönt, die Pisten perfekt gepflegt und die Lifte topmodern. Diese Leistungen sind entsprechend im oberen Preissegment angesiedelt.

Die Stadt

Park City selbst ist eine kleine Stadt, kaum 2 km von einem zum anderen Ende, und zählt nur rund 7.700 Einwohner. Und doch ist sie aus dem Wintertourismus der USA nicht mehr wegzudenken. Bunte Häuserfassaden und Saloons im Western-Style prägen das schnuckelige Ortsbild vor allem entlang der historischen Main Street. 64 Häuser stehen sogar unter Denkmalschutz. Dieses spezielle Ambiente kommt nicht von ungefähr. Park City war zum Ende des 19. Jahrhunderts eine aufstrebende Silberminenstadt, die vom Bergbau lebte. Vor allem die Architektur strahlt diesen ganz speziellen Workers-Charme aus – wenn auch einige der Bauten nicht mehr in ihrem Originalzustand sind. Wer sich genauer über die Stadthistorie informieren möchte, dem empfiehlt sich übrigens das Park City Museum, welches die geschichtliche Entwicklung von der kleinen Minenstadt zum pulsierenden Skiresort erzählt.

Park City bei Nacht. © Park City Chamber-Bureau

Ein weiterer Pluspunkt des Ortes ist die gute Anbindung. In einer guten halben Stunde gelangt man von Salt Lake City hierher. Kaum ein Skigebiet in den USA ist so gut an einen internationalen Flughafen angebunden wie Park City. In Kombination mit dem vielen Schnee, den drei so unterschiedlichen wie attraktiven Skigebieten und dem speziellen Flair hat sich die Stadt zu einem Mekka für Wintersportler, vor allem für Backcountry-Fahrer, entwickelt. Die Voraussetzungen könnten nicht besser sein: Die Durchschnittstemperatur liegt bei -4 bis 0 Grad, der Schnee ist trocken und pulvrig, das Ski-Terrain in den Bowls riesig. In der Stadt gibt es über 100 Restaurants, über 20 Bars und Pubs, drei Spirituosenläden und Kuriositäten wie eine „Ski-in-ski-out Whisky-Brennerei“: Der „High West“-Saloon mit eigener Brennerei liegt am Ende der Quittin’ Time-Piste am Town-Lift und schenkt feinsten Rocky Mountain Whisky aus. Das Lokal ist in dieser Form einzigartig und ideal, um das gepflegte Après-Ski einzuleiten. Für Shopaholics winken unzählige Shopping-Möglichkeiten auf der populären Main Street und in den Malls wie Bonanza Park, Redstone Village, Quarry Village, Newpark Town Center und dem Tanger Outlet Center. Für Informationen haben zwei Besucherzentren an der Kimball Junction und auf der historischen Main Street geöffnet.

Promis in Park City

Über den Wintertourismus hinaus ist die Stadt außerdem als Schauplatz des renommierten „Sundance Film Festivals“ bekannt. Es findet immer Ende Januar in Park City und Salt Lake City statt. Dann lassen sich auch einige berühmte Hollywood-Stars hier blicken. Apropos Star: Riesenslalom-Profi Ted Ligety kommt aus Park City und ist unter Umständen auch ab und an auf seinen heimischen Hängen anzutreffen.

Party on

Auch wenn US-Skigebiete nicht gerade für Après-Ski bekannt sind, haben sie doch ein tolles Nachtleben zu bieten. Park City ist hierfür ein hervorragendes Beispiel, denn es gehört trotz der strikten Alkoholgesetze Utahs zu den besten Party-Spots in Amerika. Zahlreiche Bars, Pubs und Diskotheken schenken Bier aus und sind bis in die Nacht geöffnet. Empfehlenswert direkt nach Liftschluss ist das „Legends“ in der Park City Base Area. An der Main Street lohnt sich der „No Name Saloon“, wo man zum Whiskey Shuffleboard spielen kann und ein Abstecher in den „High-West-Saloon“ sollte auch drin sein.

Aktivitäten abseits der Piste

Wie es sich für ein gutes Skigebiet gehört, gibt es neben dem Skifahren viele andere Aktivitäten, die auch mit Kindern oder in Gruppen gut machbar sind. Dabei profitieren die Gäste vor allem davon, dass im Jahre 2002 die Olympischen Winterspiele in Park City stattfanden. Insgesamt 14 Spielstätten sind immer noch geöffnet, sodass man hier sein ganz persönliches „Olympia-Feeling“ erleben kann. Es werden zum Beispiel Kurse im Bobfahren, Rennrodeln, Skeleton, Freestyle-Ski und Skispringen angeboten. Die Park City Ice Arena bietet eine Eislauffläche in Olympia-Normgröße. Eine weiterer Outdoor-Eisfläche liegt in der Base Area des Resorts unweit der Talstation.

Auch für Familien hat Park City Pisten zu bieten.© Park City Chamber-Bureau

Das auch aus europäischen Skigebieten bekannte und weit verbreitete Snowtubing ist auch in Park City der Renner. Im Gorgoza Park stehen sieben Bahnen zur Verfügung, die mit eigenen Liften versorgt werden. Das bunte Treiben im Resort von oben anschauen kann man sich bei einer Rundfahrt im Heißluftballon. Sogar Nordic-Sportler kommen hier auf ihre Kosten, denn es führen einige Loipen durch den Talgrund nahe der Stadt.

Fazit: Was auch immer man sich von einem Skiurlaub in den USA erwartet, Park City bietet es.

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