150 Jahre Wintertourismus – Graubünden im Nostalgie-Rausch

16. Dezember 2014 - Katharina Teudt

Eine atemberaubende Alpenlandschaft, die Heimat von Heidi und seit 150 Jahren beliebtes Urlaubsziel bei Wintersportlern – all das und noch viel mehr ist Graubünden. Diesen Winter feiert der größte Kanton der Schweiz 150 Jahre Wintertourismus. Anlässlich des Jubiläums beleuchten wir die Vielfalt der Skiregionen und ihrer Events.

Tradition und Moderne © Graubünden Ferien

150 Jahre Wintertourismus in Graubünden ist auch ein Fest der Nostalgie. Die Einheimischen besinnen sich anlässlich des Jubiläums auf ihre lebendige Tradition und werden nostalgisch – und zwar so richtig. In diesen Tagen werden in den Pionierorten St. Moritz und Davos viele Geschichten erzählt, die mit „Weißt Du noch…“ und „Damals war es so, dass…“ beginnen. In einer großen Event-Reihe können Urlauber diesen Winter den traditionellen Wintersport und die ganze Urtümlichkeit der Bündner Dörfer intensiv miterleben. Im Rahmen verschiedener Veranstaltungen leben nostalgischer Wintersport, Tradition und Brauchtum wieder auf. Dieser starke Traditionsgedanke kommt nicht von ungefähr, denn Graubünden wurde schon vor langer Zeit als Ski- und Urlaubsregion entdeckt.

Wiege des Wintertourismus Der Ferienkanton Graubünden mit seinen drei Sprachregionen und 150 Tälern bezeichnet sich gerne als Wiege des Wintersports. Eine Legende besagt, dass der Wintertourismus in Graubünden im Jahre 1864 mit einer Wette begann. Der Engadiner Hotelier Johannes Badrutt lud englische Gäste nach St. Moritz ein, um ihnen zu beweisen, dass das Wetter in den Schweizer Alpen um einiges besser sei als in London. Er versprach ihnen, sollten sie nach ihrem Aufenthalt nicht überzeugt sein, ihnen die Reisekosten zu erstatten. Doch sie waren überzeugt und blieben. So nahm der Winterbetrieb seinen Lauf, oder, wie man so schön sagt: Der Rest ist Geschichte. Heute ist ein 5-Sterne-Hotel in St. Moritz nach Badrutt benannt und auch sonst ist St. Moritz zum Synonym für exklusiven Winterurlaub avanciert. Jedes Jahr kommen viele Prominente zu großen Events in die Stadt.

Der Zauberberg Sehr früh nahm auch der Wintersport in Davos an Fahrt auf. Im höchstgelegenen Ort der Alpen wurde 1934 der erste Bügelskilift der Welt in Betrieb genommen. Bereits Jahrzehnte zuvor, im Jahr 1853, war der Mediziner Alexander Spengler der erste, der das Potential von Davos als Luftkurort erkannte. Gemeinsam mit dem Niederländer Willem Jan Holsboer errichtete er dort 1868 die Kuranstalt Spengler-Holsboer. Die gesunde Bergluft tat den von Tuberkulose gebeutelten Menschen gut und so zog es immer mehr Patienten nach Davos. Dies war der Beginn eines regelrechten Baubooms für Sanatorien und Kurhotels in prächtiger Jugendstil-Architektur. Historische Bauten wie das Hotel Schatzalp oder das Waldhotel Davos (damals Waldsanatorium) begrüßen bis heute die Kurgäste.

Die Schatzalp damals und heute © Graubünden Ferien

Nach seinem Besuch im Waldsanatorium, wo seine Frau behandelt wurde, schrieb Thomas Mann sein Meisterwerk „Der Zauberberg“ und setzte dem Kurort Davos zudem ein literarisches Denkmal. Die Anziehungskraft des Zauberbergs ist geblieben, so dass die Schatzalp und ganz Davos heute als wohl berühmtester Ski- und Luftkurort der Schweiz gilt.

Auswahl in 40 Skigebieten Neben den Pionierstädten hat Graubünden jedoch noch viel mehr zu bieten. Die Skiregionen im Kanton offerieren über 40 Skigebiete mit insgesamt 2.200 Pistenkilometern, 1800 Kilometern Loipen, dutzenden Snowparks und ein riesiges Freizeitangebot für den kleinen und großen Geldbeutel. Neben den bekannten Skidestinationen wie St. Moritz, Davos, Arosa, Lenzerheide oder Laax gibt es noch viele weitere Skidörfer mit besonderem Schweizer Alpencharme. Da wären im Dunstkreis von St. Moritz schnuckelige Orte wie Celerina, Pontresina oder Zuoz, deren Skigebiete zur Wintersportregion Engadin St. Moritz mit insgesamt 350 Pistenkilometern gehören.

Bergstation in Davos Klosters © Graubünden Ferien/Davos Klosters BB

Auch attraktiv ist das Familienskigebiet Savognin, in dem diesen Winter eine neue Kinderpiste und ein Lawinensuchfeld das ohnehin vielseitige Angebot erweitern. Das Skigebiet von Disentis hat zwar 60 gepflegte Pistenkilometer, doch viele zieht es hier ins Gelände, denn die dortigen Hänge sind ein wahres Freeride-Eldorado. Kleinere Areale finden sich ebenfalls viele, etwa Bivio mit herrlichen Naturschneepisten mit bis zu 4 km langen Abfahrten oder die 20 überschaubaren Pistenkilometer in Chur-Brambrüesch, nur 15 Minuten von der Kantons-Hauptstadt Chur entfernt. Man kann guten Gewissens sagen, dass jeder Skifahrer jeden Alters und jeder Könnerstufe im Kanton bestens bedient wird.

Vielfältige Aktivitäten Über den weitläufigen Skigenuss hinaus wird ein großes Freizeitprogramm geboten. Wer gerne wandern geht, findet im Kanton 1.400 Kilometer präparierte Winterwanderwege. Allein der Ferienort Arosa hält 60 km Wege für Wanderer und Spaziergänger bereit, während um Savognin sieben Schneeschuhtouren führen, die mit GPS erfasst und online abrufbar sind. Ein weiterer Pluspunkt ist die Schweiz-weite Bahnvernetzung. Die Skiresorts sind dank der Rhätischen Bahn bestens erschlossen. Auf einem 384 km langen Streckennetz bringt die moderne Bahn die Gäste direkt zu ihrem Urlaubsziel und liefert dazu ein tolles Alpenpanorama. Der Glacier Express zum Beispiel fährt von Chur bis nach Zermatt im Wallis, oder, wenn man so will, vom Piz Bernina bis zum Matterhorn. Der Berina Express startet in Chur und passiert die höchste Bahn-Transversale der Alpen, den Berninapass. Die Strecken der Linien Bernina und Albula zählen sogar zum UNESCO Welterbe. Die Bahn, die dieses Jahr 125 Jahre alt wird, fährt im Albulatal unter anderem ins Bergdorf Preda auf 1.800 m Höhe. Von dort können Rodelfans auf der verschneiten, für den Autoverkehr geschlossenen Passstraße ins Tal sausen. Die beleuchtete Schlittelbahn von Preda nach Bergün ist rund 6 km lang und weltberühmt. Überhaupt bieten sich in Graubünden unerschöpfliche Möglichkeiten für eine Schlitterpartie auf insgesamt 59 Rodelbahnen.

Historisches Schlittenrennen in Bergün Filisur © Graubünden Ferien

Auch schlemmen können Gäste in den Bündner Dörfern besonders gut. Kulinarisch ist Graubünden für das klassische Bündnerfleisch, Bündner Birnbrot oder Capuns (in Mangoldblätter gewickelte Spätzle) bekannt. Egal wo die hungrigen Skifahrer, Rodler, Wanderer und Langläufer einkehren, sie werden mit Gastfreundschaft und großen Portionen herzhafter Hausmannskost versorgt – Käsefondue und -Raclette inklusive.

Region der Innovationen Die ursprüngliche Lebensart, Brauchtümer und historische Architektur haben im Bündnerland einen ebenso großen Stellenwert wie der Drang zu Innovation, Fortschritt und Modernisierung. Das Engadin liefert hierfür als moderner Vorreiter einige gute Beispiele: Das Hotel am Muottas Muragl im Obberengadin ist ein Plusenergie-Haus, das mehr Energie produziert, als es verbraucht. Ebenfalls Energieüberschuss wird im Skigebiet Tenna generiert. Hier dreht sich der erste Solarskilift der Welt. Die Parzellen auf dem Dach der Liftstation generieren mehr Solarstrom als der Lift benötigt, so dass die nicht benötigte Energie an das EW Tenna weitergegeben wird. Ein neuer Maßstab bei modernen Liftkonstruktionen ist seit 2012 auch in Laax zu bestaunen, wo ein Skilift im Porschedesign in Betrieb ist. Neben modernen Konzepte werden auch ausgefallene Ideen im Bündnerland umgesetzt. In Davos setzt man zum Beispiel auf Entschleunigung und Ursprünglichkeit. Bestes Sinnbild dafür und passend zum Nostalgie-Thema ist das Langsam-Skigebiet „Slow Mountain“ auf der Schatzalp, dem „Zauberberg“ oberhalb von Davos. Die Lifte transportieren in gemächlichen Tempo auf die Pisten, die nicht künstlich beschneit werden.

Verbindungsbahn von Arosa-Lenzerheide am Hörnli © eq/Johannes Fredheim

Abseits der Skigebiete warten besondere Bergerlebnisse wie das Lama-Trekking auf die Gäste. Die Kameltiere haben sich als treue Begleiter bei hochalpinen Wandererlebnisse bewährt, so dass mehrere Bauernhöfe die putzigen Tiere mit dem flauschigem Fell und dem gutmütigen Blick für außergewöhnliche Wanderungen zur Verfügung stellen. Eine weitere Kuriosität sind die Graubündner Maskottchen Gian und Giachen. Sowohl den Einheimischen als auch den Gästen haben es die beiden schelmischen Steinböcke angetan, die mit ihren lustigen Sprüchen eine große Fangemeinde erobert haben. Zahlreiche kleine Videoclips brachten Millionen zum Schmunzeln und in diesem Winter sind die gehörnten Sprücheklopfer auch in einem Wandkalender verewigt. Nein, Kreativlosigkeit und Einfalt kann man den Graubündnern wahrlich nicht vorwerfen.

Der Graubünden-Kult: Gian und Giachen © Graubünden Ferien

Nostalgische Feierlichkeiten Kein Jubiläum ohne großes Zeremoniell. Nostalgisch angehauchte Feierlichkeiten während der Saison untermalen diesen Jubiläumswinter in Graubünden. Die Ski-Destination Davos-Klosters zum Beispiel fährt groß auf und lässt unter dem Motto „The Pioneer“ das Leben von damals in einer Eventreihe von Dezember 2014 bis März 2015 wieder aufleben. Mit einer großen Eröffnungsfeier in Davos wird der Nostalgie-Winter eingeläutet. Darauf folgen viele Aktionen, etwa ein Nostalgie-Eishockey-Spiel, bei dem die legendäre Partie zwischen dem HC Davos und dem EHC Arosa nachgespielt wird, ein Schlittenrennen mit ehemaligen Olympiasiegern und Weltmeistern, ein Curling-Turnier und ein Skitourenrennen von Davos nach St. Moritz. Außerdem stehen kostenloses Schlittschuhlaufen, ein großes Dinner, eine Lichtshow und die Pioneers Party mit Nostalgie-Charme auf dem Programm.

Hübscher Nostalgie-Banner © Davos Klosters

St. Moritz startete bereits Anfang Dezember mit einem großen Eröffnungswochenende ins Jubiläum. Zur großen Jubiläumsfeier kamen Gästen aus der Wintersportgeschichte, es gab eine Modenschau, eine Filmpräsentation, ein Live-Konzert von Xavier Naidoo und ein City Race, bei dem die Piste in die Stadt verlegt wurde. Herausragendes Artwork aus 150 Jahren Skitourismus in St. Moritz zeigt eine Nostalgie-Plakatausstellung und bei der Nostalgie-Eventwoche beteiligen sich Skischulen aus der gesamten Schweiz mit unterschiedlichen Programmpunkten. Mit dem Buch „Schnee, Sonne und Stars. Wie der Wintertourismus von St. Moritz aus die Alpen erobert“ ist die Wintersporttradition nun auch in gedruckter Form verewigt worden. So zieht sich das Traditions-Thema durch den ganzen Winter, was die Graubündner Gäste in jedem Ort spüren werden.

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