Über den Teich und auf den Berg: Abenteuer Whistler – ein Erfahrungsbericht

31. Dezember 2013 - Nina Vogt

Skifahren in Kanada ist für viele ein Traum. Unser Mitarbeiter Rira hat sich diesen verwirklicht und berichtet uns von seiner erlebnisreichen Reise.

2013 begann für mich das große Abenteuer: mein erster Skiurlaub in Nordamerika. Und dann auch noch gleich Whistler, der Olympia-Skiort von 2010! Der 10 Stunden Flug von Frankfurt nach Vancouver mit Lufthansa verlief problemlos und war für einen großgewachsenen Menschen wie mich selbst in der „Holzklasse“ bequem. Auf dem Flughafen Vancouver erst einmal Spannung: Ist mein Skigepäck heile angekommen? In meinem  Skibag befand sich meine gesamte Skiausrüstung inkl. Kleidung… Alles da. Gott sei Dank! Die Zollkontrolle bringe ich mit einem netten Smalltalk mit der Beamtin der Einwanderungsbehörde schnell hinter mich. Und vor dem Terminal finde ich auch sofort meinen Bus der mich die 130 km nach Whistler bringen soll. Die Fahrt führt durch die Innenstadt von Vancouver und ist wegen eines gesprächigen Busfahrers, der uns eine kleine Sightseeingtour gibt, sehr interessant. Aus der Innenstadt geht es direkt auf den Sea-to-Sky Highway. Dank des kostenlosen WLAN im Bus (!) kann ich die ersten Fotos der beeindruckenden Küstenlandschaft gleich gen Heimat senden.

Nach 2,5 Stunden durch die wilde Landschaft British Columbias erreichen wir Whistler. Check-In im Hotel Casacade Lodge. Die Rezeptionistin kann sogar ein paar Brocken Deutsch. Mein Studio in der 3. Etage mit Blick auf den beheizten Außenpool ist sauber, die kleine Küche komplett eingerichtet. Also erstmal einen Kaffee und dann raus und den Ort erkunden. Die Fußgängerzone ist nur 200 m entfernt, die Skilifte 600 m. Die Fußgängerzone ist geprägt von kleinen Souvenirshops, Sportgeschäften und Restaurants. Alles recht hübsch gestaltet und nicht so kitschig wie zum Teil aus den Staaten bekannt. An der Liftkasse tausche ich noch schnell meinen Voucher gegen den Skipass ein, um am nächsten Morgen direkt starten zu können, und ab ins Bett. Die Anreise hat mich doch etwas geschlaucht.

Der nächste Morgen, 6 Uhr: Ich liege wach im Bett, kann vor lauter Vorfreude nicht mehr schlafen. Der erste Skitag auf kanadischem Boden steht an. Um 8 Uhr stehe ich startklar vor der Whistler Village Gondola – leider eine halbe Stunde zu früh. Dann geht’s endlich los! Auf dem Weg nach oben treffen die ersten Sonnenstrahlen des Tages auf die verschneiten Berge. Ist das geil! Oben angekommen gibt es kein Halten mehr: Ski an und die erstbeste Abfahrt hinunter! Die Gedanken daran zaubern mir jetzt noch ein Grinsen ins Gesicht. Wegen der schier unendlichen Größe des Skigebiets verlaufen sich selbst in der Hochsaison die Massen der Wintersportler recht schnell. Teilweise hat man 30 Minuten lang die gesamte Piste für sich allein. Ein unbeschreibliches Gefühl! Gerade die etwas entlegenen Pisten an den Außenrändern der beiden Berge Whistler Mountain und Blackcomb eignen sich hervorragend zum Genuss-Skifahren und unbeschwerten Carven.

Einige Besonderheiten im Vergleich zu europäischen Skigebieten fallen mir direkt auf: Weil das Skigebiet so unglaublich groß ist, werden nicht alle Pisten täglich präpariert, sondern jeweils nur jeden zweiten oder dritten Tag. Kein Problem: Die Pisten sind nach 3 Tagen nicht so ausgefahren wie in manchen Ballungs-Skigebieten in Österreich schon zur Mittagszeit. An den Talstationen und im Internet kann man sich tagesaktuell darüber informieren, welche Pisten frisch präpariert wurden. Drängeln in der Liftschlange? Gibt es nicht. Ich habe noch nie so ein vorbildliches Verhalten in Liftschlangen erlebt: Jeder hält zum Vordermann 30 cm Abstand oder lässt einen Single-Driver in den freien Platz in seiner Reihe. Die armen Kanadier müssen ja den Kulturschock ihres Lebens  bekommen, wenn Sie über Weihnachten z.B. in Ischgl in der Liftschlange erdrückt werden…

In Europa fast überall verboten und daher hat’s auch am meisten Spaß gemacht: Tree-Skiing! Getreu dem Motto „What you can see, you can ski“ sind die Waldstücke zwischen den Pisten zum Befahren freigegeben. Teilweise wird sogar das Unterholz entfernt und einige Bäume gefällt um sicherer durch den Wald zu kommen.

Für die Mittagspause stehen zahlreiche Hütten zur Verfügung. Zentraler Punkt ist die Roundhouse Lodge am Whistler Mountain. Allerdings sollte man die Stoßzeiten meiden, weil es dann doch etwas voll wird. Am Nachmittag geht es dann mit der beeindruckenden Peak-to-Peak Gondola rüber zum Blackcomb Mountain. Diese Gondel verbindet die beiden Berge von Whistler auf Höhe der Mittelstationen. So lässt sich das Skigebiet noch leichter erkunden und man muss nicht runter ins Tal, um dann wieder auf der anderen Seite ganz hoch zu fahren. Selbst ich mit meiner leichten Höhenangst war vom Ausblick überwältigt!

Ich habe in meiner kurzen Zeit in Whistler versucht, alle Pisten mindestens einmal zu fahren. Was mir bis auf den Showcase-T-Bar Lift auch gelungen ist – der war ständig wegen starker Winde gesperrt. Da alle Pisten irgendwie miteinander verbunden sind und es unzählige Varianten für nur eine Abfahrt gibt, hat man das Gefühl, in einer Woche fast nie dieselbe Piste gefahren zu sein. Einige Pisten bin ich freiwillig mehrmals gefahren: die Ridge Runner zum Beispiel und die 7th-Heaven. Die hat ihren Namen nicht umsonst… Für die Funpark-Freaks – zu denen ich leider nicht gehöre – sei noch berichtet, dass es mit dem Nintendo-Terrain-Park einen unglaublich gut geshapten Funpark gibt. Gäbe es einen Superlativ von „extrem“, so würde ich ihn zur Beschreibung gerne heranziehen.

Und hier noch ein paar Insidertipps von mir:

1. Morgens erstmal mit der Excalibur Gondola auf den Blackcomb Mountain. Die Schlange unten ist wesentlich kürzer als bei der Whistler Village Gondola und man kann in der Gondel sitzen.

2. Jeden Sonntagabend veranstaltet die Skischool Whistler eine Fire & Ice Show mit waghalsigen Sprüngen durch Feuerreifen. Am besten genießt man die Show auf der Terrasse des Longhorn Saloons bei einem Beer-Garita…

3. Auf alle Fälle mindestens einmal pro Aufenthalt das „Fresh-Tracks Ticket“ buchen! Für 19 CAD kann man dann schon morgens um 7 Uhr zur Roundhouse Lodge hochfahren. Dort gibt es ein großes Frühstücksbuffet (inkl.) und um 8 Uhr werden die Pisten freigegeben. So kann man als erster seine Spuren in den Schnee fräsen – noch bevor die Meute im Tal überhaupt erst in die erste Gondel gelassen wird. Besonders lohnenswert an einem Powder-Day mit frischem Neuschnee!

4. Am späten Nachmittag vom Whistler Mountain Peak über die Upper-Peak-to-Creek Piste nach Whistler Creekside fahren und in Dusty’s Bar Après-Ski feiern.

5. Niemals Brot im Toaster im Hotel anbrennen lassen (ist nicht mir passiert) – sonst stehen die Firefighter auf der Matte und evakuieren morgens um 6 Uhr dein Hotel…

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