Skifahren in den USA – durch den Powder des Wilden Westens

1. September 2015 - Katharina Teudt

Abfahren, wo noch kein anderer war – das macht den Reiz amerikanischer Skigebiete aus. TravelTrex-Geschäftsführer Thomas Bartel schwärmt von seinen Trips in die Rocky Mountains und erklärt, was das Skifahren dort so besonders macht.

Das weite Panorama in Deer Valley ist eine Wucht.

Unendliche Weiten, meterhoch bedeckt mit einer lockeren Schicht Pulverschnee, hier und da schauen schmale Baumstämme aus dem Schnee – die perfekte Abfahrt liegt vor einem. So ungefähr sieht der Skialltag in den USA aus, das weiß auch Thomas Bartel zu schätzen. Der Geschäftsführer der TravelTrex GmbH ist leidenschaftlicher Tiefschneefan und war schon oft in den US-amerikanischen Skigebieten unterwegs. Sein Urteil: „Für mich zeichnet sich Nordamerika durch anspruchsvolles Gelände aus, das Skifahren dort ist ein Genuss.“

Die meisten Skigebiete befinden sich in den Rocky Mountains, wo sich unendlich viel wildes Ski-Gelände erstreckt. Nun gut, nicht ganz wild, denn die sogenannten Ski Area Boundaries begrenzen das Gelände, welches vor Lawinen gesichert, aber nicht präpariert ist. Doch im Vergleich zu den strukturierten und planierten Skigebieten der Alpen sind die Hänge in den Skiresorts von Colorado, Utah und Kalifornien nahezu komplett freies Terrain. Hier darf man alles innerhalb der markierten Grenzen abfahren.

Klassisches Tree Skiing in Utah.

Das sogenannte „Tree Skiing“ führt den wagemutigen Freerider zum Beispiel kreuz und quer durch Espen-Wälder. Allerdings: Diese Bereiche dürfen oftmals nur über die Access-Gates betreten werden. Typisch amerikanisch ist der Ein- und Austritt aus diesen Zonen strikt geregelt, bei Verstoß droht eine saftige Strafe. Dennoch: Die Verhältnisse sind ein Traum für jeden Freerider. „Maximal ein Drittel der Skigebiete in den USA ist gewalzt, wenn man Glück hat, ist der Rest purer Powder“, weiß Bartel.

Hier hört der Spaß auf – oder fängt gerade erst an.

Black Diamonds und Bowls

Die US-Skigebiete werden zudem von den Black Diamonds und Double Diamonds dominiert, den schwierigen markierten Terrain-Abfahrten. Dazu kommen die sogenannten Bowls, gänzlich wildes Gelände, das man zu Fuß besteigen muss, um abzufahren. Natürlich gibt es darüber hinaus auch ausreichend grüne, blaue und rote Pisten für Familien, doch solche Abfahrten gibt es auch in Europa. Für Thomas Bartel liegt der Fokus eindeutig auf den Tiefschneehängen für die Könner.

Aufstieg in einem „Bowl“ im Skigebiet Canyons (Utah).

Beste Reviere

Hierfür empfiehlt er vor allem die Rocky Mountains, genauer die Bundesstaaten Colorado und Utah. Aber auch Mammoth in Kalifornien und die sechs Resorts am Lake Tahoe an der Grenze zu Nevada haben ihren Reiz: „Landschaftlich haben mir Mammoth Mountain und der Lake Tahoe sehr gefallen. Der Ort Mammoth ähnelt eher einer amerikanischen Cowboy-Stadt, wie man sie sich im Westen der USA vorstellt, als einem klassischen Skiresort. Interessant war es auch in den Nobel-Orten in Colorado (Vail, Beaver Creek und Aspen), wobei ich da persönlich Beaver Creek am weitesten vorne sehe.“ Für ein Skigebiet entscheiden könne er sich jedoch nicht so richtig, denn jede Region habe ihren Reiz. Bei der Fülle an Angeboten ist das auch verständlich. Allein um den Lake Tahoe liegen sechs große Areale: Heavenly, Mount Rose, Kirkwood, Sierra, Northstar und Squaw Valley. Hier gibt es unendlich viele Geländemöglichkeiten, wo überwiegend gute Skifahrer unterwegs sind.

Den Skigebieten auf der Grenze von Kalifornien und Nevada liegt der Tahoe-See zu Füßen.

Viele klassische Idiotenhügel für Anfänger gibt es hier nicht. Dafür ist das Verhalten auf der amerikanischen Piste ein gänzlich anderes als in manch österreichischer Ski-Hochburg. Hier geht es sehr gesittet zu. Am Lift wird beispielsweise nicht gedrängelt und wenn man den Ski des anderen berührt, ist man direkt ein Rowdy.

Unterschiede in der Infrastruktur

Wie schon erwähnt, ist die Pistenpräparation in den USA nicht so selbstverständlich wie in Europa. Hier gibt es vor allem nicht gespurte Abfahrten. Es ist eher eine Besonderheit, wenn eine Region tatsächlich mal überwiegend planierte Abfahrten bietet. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Skigebiet Deer Valley in Utah. Dort gibt es die meisten gewalzten Pisten, wodurch es schon häufig den Titel „Bestes Skigebiet der USA“ gewann. Was für Europa normal erscheint, ist für Nordamerika ungewöhnlich. Dafür kostet der Skipass in Deer Valley aber auch 114 US-Dollar pro Tag. Tipp: In vielen Skigebieten werden morgens Tabellen mit den „groomed runs“, also den gewalzten Pisten, ausgehängt – ideal, um sich morgens warm zu fahren.

Natürlich gibt es auch das klassische Pistenambiente – wie hier in Alta (Utah).

Interessant sind auch die Liftanlagen. Unvorstellbar für Europa wäre ein Lift ohne ausreichende Sicherung. Einige ältere Sessellifte in den US-Skigebieten haben jedoch nach wie vor keine Sicherheitsbügel! Da war selbst der erfahrene Wintersport-Spezialist aus Köln erstaunt: „Darin so ungesichert in 30 m Höhe über den Baumwipfeln zu sitzen hat mich ziemlich nervös gemacht und die Fahrt kam mir ewig lang vor“, bekennt Bartel.

Après-Ski auf Amerikanisch

Was den US-Urlaub allerdings erst rund macht, ist nicht das Skifahren allein, sondern der gesamte American Way of Life. Es gibt in den USA kein Après-Ski wie zum Beispiel in Österreich. Vielmehr steht man mit einem Bier oder Cocktail in der Hand entspannt unter einem Heizstrahler und unterhält sich. Auch die rustikale Hüttenromantik gibt es dort allerhöchstens auf amerikanische Weise. Die Gastronomie im Skigebiet ist geprägt vom Kantinen-Ambiente und typisch amerikanischem Essen mit XXL-Burgern und Grilled Cheese. Immerhin zeichnet sich die Region Park City durch ein recht aktives Nachtleben aus – und das, obwohl es im Mormonenstaat Utah liegt, wo der Alkoholausschank eigentlich streng geregelt ist. In Park City gibt es viele Kneipen und Irish Pubs, die leckeres Ale verkaufen. Hier wird sogar ein obergäriges, helles Bier im „Kölsch-Style“ angeboten. „Damit haben wir uns natürlich gleich wie zu Hause gefühlt“, schmunzelt Bartel.

Ale im Kölsch-Style – gewöhnungsbedürftig.

Besuch im größten Skigebiet der USA

In Park City war Thomas Bartel auch zuletzt unterwegs. Die Stadt ist der ideale Ausgangspunkt für einen abwechslungsreichen Skiurlaub in Utah. In unmittelbarer Nähe liegen die drei Skigebiete Deer Valley, Canyons und das Park City Mountain Resort. Die beiden letzteren wurden jüngst durch eine Gondelbahn verbunden und wachsen so zum Winter 2015/2016 zum größten zusammenhängenden Skigebiet der USA mit rund 300 km Pisten (oder auch „befahrbarem Terrain“, wie es auf der Website heißt) zusammen. Deer Valley hingegen ist vergleichbar mit Beaver Creek, wo vornehmlich die Highroller (ugs. Wohlhabende) residieren. Direkt an den Abfahrten stehen die schicken Villen und auf den Pisten ist immer viel Platz. Der Bundesstaat wirbt außerdem mit dem „greatest snow on earth“, der Spruch ziert sogar die Autokennzeichen. Während Bartels Aufenthalt kamen tatsächlich 40 cm Neuschnee runter, so dass er einige schöne Powder-Runs fahren konnte.

Unberührte Hänge so weit das Auge reicht.

In den USA ist die Baumgrenze deutlich nach oben verschoben, so dass auch noch auf 3.500 m Bäume und Sträucher wachsen. Es gibt also wenige Skigebiete ganz ohne Vegetation. Utah ist beliebt, weil es viele baumfreie Pisten gibt, zum Beispiel im Skiverbund Alta und Snowbird (150 km Pisten). Colorado hingegen sei laut Bartel noch eine Spur aufregender. Es liegt noch höher als Utah und bietet noch bessere Infrastruktur und Abfahrten. Den trockenen Champagne-Powder, von dem US-Skifahrer immer schwärmen, konnte er bei seinem Besuch allerdings hier wie dort nicht entdecken. Jedenfalls würde er ihn nicht als besonderes Merkmal von US-Skigebieten bezeichnen. In der Ski amadé beispielsweise könne genauso trockener Schnee fallen, wenn die Bedingungen entsprechend gut sind.

Steil, steiler, Deer Valley. Thomas Bartel genießt die Aussicht im 40-Grad-Gefälle.

Tipp vom USA-Kenner

Den trockenen, pulvrigen Schnee gibt es aufgrund des besonderen Klimas natürlich trotzdem in den Rocky Mountains. Dazu gibt Bartel noch einen Tipp: „In Utah und Vail sollte man bewusst viel trinken. Denn in Utah entzieht der hohe Salzgehalt in der Luft dem Körper viel Flüssigkeit. In Vail und in der Summit Area kommt noch die große Höhe hinzu, da wohnt man auf bis zu 3.000 m Höhe. Um Dehydrierung und Höhenkrankheit zu vermeiden, sollte man daher immer viel Wasser trinken.“

Ausblick für SnowTrex

Künftig sollen die Skigebiete auf der anderen Seite des Atlantiks mehr in das Angebot des Kölner Reiseveranstalters einfließen. Bisher habe TravelTrex das Feld den anderen Nordamerika-Spezialisten am Markt überlassen, so Bartel. Doch das soll sich nun ändern: „Unser Ziel als Generalist ist es, das Thema Nordamerika in Zukunft adäquat abzudecken. Engländer zum Beispiel fahren deutlich häufiger in die USA, da sie unter anderem den Sprachvorteil haben und für sie dank der Pfund-Währung der hohe Euro-Wechselkurs keine Rolle spielt. Großbritannien ist unser viertstärkster Markt, insofern ist eine Erweiterung des USA-Angebots für uns durchaus interessant. Wichtig sind uns die Kerngebiete in den Rocky Mountains wie die Vail Resorts in Colorado und Utah, außerdem die Sierra Nevada mit Lake Tahoe und Mammoth Mountain.“ Diese Lücken im Angebot werde TravelTrex schließen, sobald das Unternehmen wieder Flugreisen anbiete. Das wird voraussichtlich kommenden Winter soweit sein!

Lust auf Skifahren vor den Toren von Denver/Colorado? Zum Skiurlaub in Winter Park geht es hier entlang!

© aller Bilder: Thomas Bartel

Print Friendly and PDF
Skigebiet Les 2 Alpes

Skifahren auf über 3.000 m Höhe vor Traumpanorama und ein sehr vielseitiges ...

Heiligenblut – Skigebiet Großglockner-Heiligenblut

Das Skigebiet Großglockner-Heiligenblut umfasst 55 Pistenkilometer erschlossen durch ...