Was ist eigentlich ein Boardercross?

6. August 2015 - Katharina Teudt

Nach den Funslopes widmen wir uns nun den Spaßpisten für Snowboarder. Denn auch sie haben ihre besondere Abfahrtsform: den Boardercross. Er bietet maximalen Fahrspaß und ist zugleich ein spektakulärer Wettkampfsport.

Im BK Park im französischen Les Menuires messen sich Snowboarder und Skifahrer auf dem Boardercross-Parcours. © TVB Les Menuires – Philippe Royer

Beim Snowboardcross, auch SBX genannt, handelt es sich um eine Mischung aus Hindernisparcours und Abfahrtsrennen, bei dem mehrere Snowboarder eine begrenzte Spur mit Freestyle-Elementen durchfahren. In Skigebieten gibt es speziell präparierte Strecken, auf denen sowohl Familien mit Kindern als auch echte Freestyler ihren Spaß haben. Es werden dort aber auch Trainings und Rennen abgehalten, denn der SBX ist eine ernstzunehmende Wettkampfsportart.

Fordernde Abfahrt im Skigebiet Neben der normalen Pisten mal kurz eine Spezialstrecke nehmen, die mit Snowpark-Elementen bestückt ist – dieses Prinzip ist uns schon von den Funslopes bekannt. Der Boardercross ist jedoch eine Slope-Variante, auf der sich mehrere Boarder gleichzeitig in Fahrkönnen und -geschwindigkeit messen. In den Skigebieten gibt es oft Beginner-Cross-Strecken, die dank einer einfachen Fahrlinie für jedermann befahrbar sind, so dass auch weniger Erfahrene einmal über die Wellen und durch Steilkurven düsen können. Für Fortgeschrittene gibt es schwierigere Spuren, auf denen man neben Schnelligkeit und Fahrgeschick auch das Stehen von Tricks auf Hindernissen unter Beweis stellen kann. Dazu liegen kleine Sprünge, Buckel oder Tunnel auf dem Weg, die es geschickt zu um- oder überfahren gilt. Ziel ist es, dabei die Gegner zu überholen. Im Skigebiet geht das Crossfahren relativ gesittet vonstatten, hier kann theoretisch jeder den Parcours auch allein und in seinem eigenen Tempo abfahren. Oder aber man liefert sich mit Freunden oder der Familie ein kleines Spaß-Rennen. Auf Boardercross-Strecken tummeln sich übrigens durchaus auch Skifahrer, die Skicrosser. Für sie gelten die gleichen Regeln wie für Snowboarder. Beide Varianten, Skicross und Boardercross, dienen nicht nur als besonderer Pistenspaß im Skigebiet, sondern sind zugleich richtige Wettkampfdisziplinen, bei denen es sehr rasant und actionreich zugeht.

Boardercross als Wettkampfsport Beim SBX treten vier oder sechs Snowboarder gleichzeitig an und fahren gegeneinander einen Parcours, der mit Schanzen, Kurven, Senken, Absätzen und Toren gespickt ist. Dabei bieten die Profis all ihr Trickreichtum auf, um die Hindernisse schneller und eleganter als ihre Mitstreiter zu bewältigen. Es gibt quasi keine Einschränkungen, so ist auch die Verletzungsgefahr nicht unerheblich. Die Fahrer tragen daher ausreichend Körperschutz in Form von Protektoren und einen Motocross-ähnlichen Sturzhelm mit Kinnschutz. Die zwei bzw. drei schnellsten Fahrer kommen schließlich eine Runde weiter.

Boardercross-Weltcup in Schruns

Der Snowboardcross ist auch eine Disziplin beim Snowboard-Worldcup sowie seit 2006 bei den Olympischen Winterspielen. Vergangenen Winter fand am Kreischberg die Ski- und Snowboard-WM statt, bei der auch der Snowboardcross ausgetragen wurde. Ein weiteres Event-Highlight fand außerdem in der Silvretta Montafon statt: In Schruns stieg im Dezember 2014 erst der Snowboardcross-Weltcup, bei der die Elite der Szene antrat, danach die Österreichischen Snowboardcross-Meisterschaften sowie der FIS Ski- und Snowboardcross Europacup. Der Boardercrosser ist somit auf allen Ebenen gefragt!

Beliebte Boardercross-Strecken

Frankreich Das Gletscherskigebiet Les 2 Alpes gilt als Paradies für Snowboarder. Die unzähligen Freeride-Möglichkeiten und der riesige Funpark sprechen für sich. Da darf natürlich auch der Boardercross nicht fehlen, der hier gleich mit zwei Strecken vertreten ist. Eine ist sehr freestyle-lastig mit vielen Sprüngen und Rails, die zweite ist ein Family-Cross mit moderateren Elementen. Wo wir gerade in Frankreich sind: Auch im größten zusammenhängenden Skigebiet der Welt, den Trois Vallées, wimmelt es nur so von Cross-Strecken. Im Family Park in Courchevel sind Snowpark und Boardercross zusammen angelegt, so dass Einsteiger die leichte Wellenbahn nehmen können, und Fortgeschrittene auch mal auf die Kicker und Rails nebenan wechseln können. Auch im BK Park in Les Menuires warten in 2.500 m Höhe am Sessellift La Becca zwei Strecken für Rookies und Pros. Im Parcours von Val Thorens legen die Boardercrosser auf einer Länge von 1,4 km über 350 Höhenmeter zurück und nehmen dabei Whoops, Tables, Sprünge und erhöhte Kurven mit.

Im Freestyleland in Les 2 Alpes gibt es gleich zwei Boardercross-Strecken.

Italien Im italienischen Livigno geht es auf zwei Boardercross-Lines besonders bunt zu. Im Carosello-Skigebiet gibt es mit dem Boarder Zoo einen Funpark mit Boardercross für Familien. In dem kinderfreundlichen Parcours stehen lebensgroße Tiersilhouetten auf der Piste. Gleich nebenan, beim Snowpark Carosello, wartet der neue Boarder Banzai, in dem sogar große Schaumstoffhindernisse zum Hindurchfahren und Geschicklichkeitstests aufgebaut sind. Die Strecke besitzt außerdem viele Steilkurven, Bodenwellen und starkes Gefälle.

Österreich Der Skicircus bei Saalbach-Hinterglemm bietet am Bernkogel einen modernen Ski- und Boardercross. Ausgeklügelt und erbaut hat ihn Boardercross-Profi Mario Fuchs. Hier kommen gerne mal Profi-Snowboarder zum Training vorbei und auch offizielle Wettkämpfe finden hier statt. In der Olympia Skiworld Innsbruck, genauer gesagt im Kühtai-Skigebiet am Alpenrosenlift, liegt der KPark. Auch hier darf der Boardercross mit dem üblichen Setup nicht fehlen. Er befindet sich oberhalb der Superpipe (die übrigens eine Höhe von 7,2 m hat), wo ab und an auch Snowboardcross-Events stattfinden. Gleich neben der Skiregion Innsbruck liegt das Stubaital mit seinem beliebten Familien-Gletscher. Hier lädt an der Murmelbahn der BIG Family Boardercross alle Kinder mit ihren Eltern auf eine abwechslungsreiche Strecke mit Wellenbahnen und Steilkurven ein.

Schweiz Auch bei den Eidgenossen lässt man sich in Sachen Boardercross nicht lumpen. Ein Beispiel ist der Boardercross im Skigebiet Toggenburg im Kanton St. Gallen. Hier geht es ab der Startrampe rund 700 m durch sichelförmige Steilwandkurven, über Doppel- und Dreifach-Wellen, Step-ups, Corner Jumps und RS-Schwünge. Diese Line wird täglich präpariert, von den Betreibern allerdings nur für Fortgeschrittene empfohlen. Auch in Laax gibt es am Crap Sogn Gion (2.252 m) einen Beginnerpark mit Kidscross sowie einen ausgewachsenen Boardercross im Ils Plauns Snowpark.

Soweit, so umfangreich. Klar, es gäbe noch viele weitere tolle Boardercross-Strecken zu nennen, doch nun gilt es erst einmal, diese feine Auswahl kennenzulernen. Los geht’s!

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