Ski Heil – darf man das noch sagen?

7. Juli 2016 - Katharina Teudt

Seit Wochen stellen wir uns in der SnowTrex-Redaktion die Frage: Wie können wir das Sommerloch füllen? Wie wäre es mit Weisheiten aus dem Skikosmos, zum Beispiel: Was hat es mit dem Gruß „Ski Heil“ auf sich?

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Neulich erreichte unsere Redaktion die E-Mail eines Skilehrers, die mit der Grußformel „Ski Heil“ endete. Zunächst mussten wir schmunzeln, so lange hatte man dieses Wort nicht mehr vernommen. Aber warum eigentlich?

Wer in den 90er Jahren Skifahren lernte, hat häufig diesen eindringlichen Ausruf vernommen. In der Skischule war es ein regelrechtes Ritual, sich vor Beginn einer Einheit im Kreis aufzustellen, einen Ski senkrecht in den Schnee zu stemmen und gemeinsam dreimal kräftig „Ski Heil“ zu rufen. Das sollte eine verletzungsfreie Unterrichtsstunde besiegeln. Früher riefen viele die fröhliche Grußformel ihren Sportlerfreunden zu, die den Hang hinunter bretterten. Heute hört man den althergebrachten Ausruf seltener. Zu negativ war die Konnotation seit des 2. Weltkrieges.

Heikle Worthistorie

Die Grußformel „Heil“ geht auf das lateinische „Salve“ zurück, das übersetzt so viel wie „Hallo“ bedeutet. Ursprünglich war es als positiv besetzter Segenswunsch vorgesehen. Eine negative Bedeutungsschwere gewann das Wort durch die Verwendung im politischen Kontext im Nationalsozialismus. Der Hitlergruß „Sieg Heil“ und „Heil Hitler“ brachte den Personenkult um den „Führer“ zum Ausdruck und ist seit 1945 in Deutschland und Österreich verboten. Für das Wort „Heil“ gilt dieses Verbot freilich nicht. In Teilen Österreichs, wie etwa Tirol und Vorarlberg, ist der Begriff sogar heute noch durchaus gebräuchlich. Die Leute grüßen sich mit „Heil“ anstatt Servus und denken gar nicht daran, dass das Wort einen bösen Beigeschmack haben könnte.

Ähnliche Grüße

Schon im 19. Jahrhundert, also vor der Nazi-Zeit, hatten sich ähnliche Ausdrücke in der Sportwelt etabliert. Traditionsgemäß grüßen sich Jäger mit „Waidmanns Heil“, Angler mit „Petri Heil“ und Bergsteiger mit „Berg Heil“. Das „Ski Heil“ entwickelte sich schließlich auf den Pisten als geflügeltes Wort, das nichts anderes ausdrückte als den Wunsch, dass der andere unbeschadet den Berg hinunterkommt.

Bereich Grußformel
Jäger Waidmanns Heil
Angler Petri Heil
Bergsteiger Berg Heil
Skifahrer Ski Heil

Ein schönes Beispiel für die positive Besetzung des Begriffs in Sportlerkreisen sind die Veröffentlichung des Schriftstellers und Bergsteigers Walter Pause. Er veröffentlichte in den 1960er und 70er Jahren Bücher mit den Titeln „Berg Heil – 100 schöne Bergtouren in den Alpen“ und „Ski Heil – 100 schöne Skiabfahrten in den Alpen“, die von der Faszination des Kletterns bzw. Skifahrens berichten.

Freundlichkeit auf der Piste

Letztlich kommt es auf den Kontext an, in dem ein Begriff verwendet wird. In unsrem Fall ist er unbedenklich, sofern er nicht politisch sondern sportlich motiviert ist und keine negative Konnotation mitschwingt. Unter Wintersportlern sollte ein beherztes „Ski Heil“ positiv besetzt sein und ist als freundliche Geste auf der Piste durchaus begrüßenswert. Wir jedenfalls haben nichts dagegen, wenn noch mehr Freundlichkeit und Austausch auf der Piste herrschte und man sich wieder in traditioneller Manier „Hals und Beinbruch“ wünschen kann.

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