Projekt Neuschnee – Künstliche Wolke macht Schneekanonen Konkurrenz

8. Januar 2015 - Katharina Teudt

Kommt der Schnee bald aus künstlichen Wolken gerieselt? Diese Frage stellt man sich dieser Tage im Tiroler Ötztal. Dort läuft seit November 2014 der Test einer künstlichen Wolke, die als Freiluftlabor im Skigebiet Obergurgl-Hochgurgl installiert ist. Die neue Technologie soll die Schneeproduktion in den Skigebieten revolutionieren. Nun warten alle gespannt auf die ersten Erträge aus dem Wolkenlabor.

Die Neuschnee-Wolke bei ihrer Einweihung © pro.media

Das dreibeinige Gebilde mit dem grünen Kern sieht aus wie ein Fotostativ mit einem darauf aufgesetzten Ballon. In Wirklichkeit ist es vielleicht die Zukunft der künstlichen Beschneiung. Bei der Installation handelt es sich um ein einzigartiges Freiluftlabor, welches von einem Wissenschaftler-Team um den Ingenieur Michael Bacher entwickelt wurde. Der Osttiroler Wissenschaftler ist Entwickler und Leiter des Projekts Neuschnee-Wolke. Seit mehreren Jahren beschäftigte sich Bacher gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur Wien und der TU Wien mit dem Thema Schneeerzeugung. Nun wurde es Zeit für den Test unter realen Bedingungen. Dazu gründete Bacher 2014 das Unternehmen Neuschnee, mit dem er jetzt die Schneeerzeugung zu revolutionieren hofft. Im Rahmen des Winteropenings in Obergurgl-Hochgurgl wurde das Neuschnee-Freiluftlabor Mitte November eröffnet. Die künstliche Wolke ist strategisch günstig nahe der Mittelstation der Hohe Mut Bahn knapp über 2.000 m Seehöhe positioniert, wo sie nun im Testbetrieb läuft.

Das Team, v. l. n. r.: Harald Gohm (Standortagentur Tirol), Walter Klasz (unit koge), Michael Bacher (Neuschnee GmbH) und Oliver Schwarz (Ötztal Tourismus). © pro.media

Der Aufbau Die gesamte Anlage ist dreieinhalb Meter hoch, der Ballon hat einen Durchmesser von zweieinhalb Metern. Ein imposanter Bau also, der schon jetzt viele neugierige Blicke auf sich zieht. Auf dem Stativ sitzt ein Konstrukt, das aus zwei „Wolken“ besteht. Die innere ist die technische Komponente, die äußere die raumbildende Hülle. Letztere ist das Werk von Architekt Walter Klasz, der das futuristische Design entworfen hat. Er gehört dem Institut für Konstruktion und Gestaltung | unit koge der Fakultät für Architektur der Universität Innsbruck an. Die chemischen Prozesse im Inneren half Prof. Dr. Thomas Loerting auszuklügeln, seines Zeichens Chemiker an der TU Wien.

So funktioniert‘s Das Herzstück der Konstruktion ist eine Wolkenkammer, die es ermöglicht, Wassertropfen und Eiskeime miteinander zu vermischen. Wassertropfen werden in die Wolkenkammer eingesprüht und damit eine kleine, künstliche Wolke erzeugt. Durch die tiefe Umgebungstemperatur (unter dem Gefrierpunkt) kühlen die Tröpfchen ab, ohne dabei selbst zu gefrieren. In diesen Nebel werden Kristallisationskeime eingebracht, sozusagen kleine gefrorene Eisplättchen. Diese Keime wachsen zu größeren Kristallen und fallen schließlich als Schnee aus dem Wolkenbehälter heraus. Der Prozess ahmt den Vorgang in einer echten Wolke nach, das Resultat sind entsprechend echte Schneekristalle. Die Technologie ist so einfach wie genial.

Was bringt‘s? Die Vorteile der künstlichen Schneewolke sind einleuchtend. Sie produziert natürlichen Schnee mit relativ geringer Dichte, verbraucht deutlich weniger Energie als eine Schneekanone und weist eine effizientere Nutzung der Ressource Wasser auf. So soll sie aus einem Kubikmeter Wasser bis zu 15 Kubikmeter Pulverschnee erzeugen. Zudem kommt der Schnee aus der Wolke echtem Neuschnee sehr nahe, was dem Fahrspaß zugutekommen dürfte.

Das futuristische Konstrukt mit Außen- und Innenhülle © pro.media

Das pulvrige Resultat soll zunächst begrenzte Areale wie Funparks und Anfängerpisten aufwerten. Entwickler Bacher und die Bergbahnen erhoffen sich jedoch, bei einem erfolgreichen Testlauf im nächsten Winter eine „echte“ Wolke in Betrieb nehmen zu können. Schließlich sei das Ziel, mit der Methode zukünftig rund 40 Prozent des benötigten Kunstschnees zu produzieren.

Aktueller Stand Nach zwei Monaten läuft das Projekt genau nach Plan. Bei Temperaturen zwischen minus 10 °C und minus 3 °C konnten bereits die ersten Schneekristalle produziert werden. Die Übertragung von einem kleinen Laborgerät auf einen großen Demonstrator im Skigebiet sei generell schwierig, da zum Beispiel unterschiedliche Düsen verwendet werden müssen und somit die Nebelerzeugung anders funktioniert. Doch Bacher ist zuversichtlich, dass er und sein Team bis zur nächsten Saison entsprechende Fortschritte machen werden. „Die ersten Tests waren sehr erfolgreich und wir arbeiten jetzt an der weiteren Optimierung unseres Demonstrators“, so Bacher.

Tipp: Unweit des Testlabors an der Talstation in Obergurgl liegt die alpine Forschungsstelle der Uni Innsbruck, wo den ganzen Winter über eine Ausstellung zum Thema Neuschnee zu sehen ist.

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