Im Paradies: Unterwegs auf der ISPO in München

29. Januar 2014 - Nina Vogt

Es ist mein erstes Mal. Ich bin zwar schon auf Brettern unterwegs seit ich 4 Jahre alt war, aber für meinen 1. Besuch auf der ISPO in München musste ich erst 31 werden… ISPO – die 4 Buchstaben stehen für die Internationale Fachmesse für Sportartikel und Sportmode. In diesem Bereich ist sie die weltweit größte Fachmesse und verwandelt das Münchner Messegelände jedes Jahr Ende Januar/Anfang Februar in einen Umschlagplatz für die heißesten neuen Trendteile – egal ob Bekleidung oder Hardware – aus den Bereichen Outdoor, Ski, Action Sports, Performance, Health und Fitness. Mehr als 2.500 Aussteller aus über 50 Ländern waren in diesem Jahr dabei – und das auf einer Fläche von mehr als 100.000 m². Zahlen, die meinen Kopf schwirren lassen, als ich den ersten Blick auf den Geländeplan mit den 16 verschiedenen Hallen werfe…

Und ich habe noch nicht einmal einen Fuß in eine dieser 16 gesetzt. Denn erst dann wird dir das volle Ausmaß dieser Messe bewusst. Die A1 steht auf meinem Plan ganz oben. Ein erster Schritt und mein Auge erfasst bereits mehrere Schriftzüge: Arbor, Flow, Ride, im Hintergrund die Logos von Quiksilver, Roxy, Burton, Anon. Reizüberflutung! Messestände so groß wie meine gesamte Wohnung türmen sich vor mir auf. Musik dringt an mein Ohr, zig verschiedene Songs auf einmal. Und dann: Boards. Boots. Bindungen. Kleidung in allen Farben des Regenbogens. Mützen. Handschuhe. Brillen. Helme.

Mein erster Gedanke: Ich bin im Himmel! Einziger Haken: Die Devise lautet zwar nicht „Nur gucken, nicht anfassen“, dafür aber „Nur gucken und anfassen, nicht mitnehmen“. Das schmerzt. Denn an den Ständen präsentiert jedes einzelne Label die neusten Trends. Das, was noch niemand auf der Piste trägt oder fährt. Erst hier auf der ISPO fangen die Händler an, das zu ordern, was die Firmen in der kommenden Saison für Must-Haves halten. Gut, so sind es an den Messeständen der großen Namen natürlich eben diese Fachleute, denen man die Aufmerksamkeit widmet. Für alle anderen, für mich zum Beispiel, ist nur Umschauen angesagt. Was mir persönlich nichts ausmacht. Ich bin eine Frau. Ich liebe Schaufensterbummel. Zumal wenn es so viele Schaufenster gibt…

Und schließlich gibt es auch noch die Stände der kleineren Firmen. Dort hat man Zeit. Dort komme ich ins Gespräch mit Menschen, die mir gerne persönlich erklären, welche Neuigkeiten es in ihrem Sortiment im kommenden Winter geben wird. Und deswegen sind für mich solche Stände genauso ISPO-Höhepunkte wie die Festungen von Burton und Co. Denn natürlich ist es beeindruckend, wenn Ride einen alten amerikanischen Schlitten mitten auf dem Messestand positioniert, wenn Quiksilver und Co. über den Köpfen der Besucher ihres zweistöckigen Messestandes ihre Boards an einem Seilzug entlang laufen lassen oder wenn K2 gleich ein ganzes Camp mit kleinem See und Hütte aufbaut. Ich staune Bauklötze über die gigantischen Ausmaße von Ständen wie denen von Head, Rossignol, Nike oder Salomon. Alles vor allem optische Eindrücke. Andere Firmen können mich aber auch über das Optische hinaus für sich gewinnen. Weil man sich die Zeit nimmt, mir zu erklären, was hinter dem Messeauftritt steckt.

So spricht mich beispielsweise ein Mitarbeiter von Switchback Bindings direkt an, als ich völlig fasziniert vor einer Wand mit bunten Highbacks, Straps und mehr stehe. Das Konzept: Baue dir deine eigene Bindung! Bei Switchback kann jeder Fahrer selbst entscheiden, welche Art Highback oder Strap am besten zu seinem Fahrstil passt, welche Farbe am besten zu seinem Board und welcher Preis am besten zu seinem Kontostand. Die Idee dazu hatten die beiden isländischen Snowboard-Pros Halldor und Eiki Helgason. 2014/2015 startet für das Unternehmen mit Sitz in Amsterdam die 3. Saison. Bei Arbor, dem US-Hersteller für Snow- und Skateboards, nimmt man sich sogar die Zeit, jedes einzelne Modell zu erklären. Dabei erfahre ich, dass die Boards für alle Märkte mittlerweile mit viel Handarbeit an einem Standort in Dubai produziert werden. Man hat sich mit dieser Firma für den Schutz der Umwelt verschrieben. Die Stahlkanten der Bretter bestehen daher zum Beispiel aus 60 Prozent recyceltem Material. Zum Einfärben des benutzten Holzes werden natürliche Hilfsmittel benutzt – Kohle für schwarze und Zucker für goldene Farbe etwa.

Sympathisch treten zudem die Jungs von goodboards auf. Seit 4 Jahren tummeln sie sich auf dem Markt, seit der aktuellen Saison auch mit goodschi, also mit Skimodellen. Unternehmenssitz ist der schöne Ammersee. Man stelle Boards und Skier für Erwachsene her, erklären mir Maik und Frank am Messestand – also für Sportler etwa ab 25. Heißt: keine schrill-bunten Designs, sondern zurückhaltende. Verarbeitet wird nur hochwertiges Material. Und das nur in Europa, maximal 1.500 km vom Point of Sale entfernt wird produziert – mit Holz aus Europa. Das Ergebnis sind zeitlose – und trotzdem nicht weniger stylische – Bretter, die halten und die sich etabliert haben. Auch im Skisegment. Deswegen konnte man von 2 Ski-Modellen in dieser Saison auf 4 in der kommenden hochgehen.

Fast 8 Stunden pilgere ich auf der ISPO von einem Stand zum nächsten. Alle Hallen schaffe ich nicht, das ist schlichtweg unmöglich, wenn man wie ich nur einen Tag zur Verfügung hat. Ich beschränke mich auf die Bereiche Ski und Snowboard. Mehr Eindrücke kann ein Mensch kaum an einem Tag aufnehmen. Am Ende des Tages will ich nur noch eins: Sitzen! Nun ja, zu dem Bier, das man mir schließlich noch an einem Stand  anbietet, sage ich auch nicht Nein. Beim Party-Marathon, der ab ca. 17 Uhr an den Theken der Messestände startet, muss ich aber passen. Vielleicht im nächsten Jahr. Denn ich glaube, es lohnt sich…

2015 findet die ISPO vom 5. bis 8. Februar statt. Mehr Infos zur Messe  und dazu, wer sie besuchen kann, gibt es unter www.ispo.com. Mehr zu neuen Trends und Produkten, die man dort in diesem Jahr bewundern konnte, folgt hingegen bald hier im Blog!

Und hier noch einige visuelle Eindrücke:

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