Alpbachtal: Monoski-Kurse für Menschen mit Handicap

25. Februar 2016 - Katharina Teudt

Das Alpbachtal in Tirol bietet allen Wintersportlern ein tolles Ski-Revier, und zwar wirklich allen. Denn Skischulleiter Sepp Margreiter bietet spezielle Monoski-Kurse für Menschen mit körperlicher Behinderung an – und das, obwohl er selbst querschnittsgelähmt ist. SnowTrex hat den außergewöhnlichen Skilehrer auf einen Plausch getroffen.

Sepp Margreiter auf seinem Monoski.

Wer im Februar ins Alpbachtal reist, den erwartet eine weiß gepuderte Zauberlandschaft. In dem schmalen Tal ist es ruhig und beschaulich, es ist touristisch nicht überlaufen und verfügt über ein ansehnliches Skigebiet. Zur besten Reisezeit machte ich mich also auf, um dem Skigebiet Alpbachtal-Wildschönau einen Besuch abzustatten. Beinahe pünktlich zu meiner Ankunft fiel üppiger Neuschnee, sodass mir ein paar grandiose Pulverschnee-Tage vergönnt waren. Die Skischaukel ist erwachsen aus den beiden Skigebieten Alpbachtal und der benachbarten Wildschönau. Die Verbindungsgondel in Inneralpbach wurde 2012 eröffnet und das Skigebiet in „Ski Juwel“ getauft. Seitdem genießen die Gäste insgesamt 109 Pistenkilometer in Falllinie (145 km sportliche Abfahrt) vom Schatzberg bis zum Wiedersbergerhorn. Das Ski Juwel zählt zu den Top-Skigebieten in Österreich – und es hält eine Besonderheit bereit: Auch Wintersportler mit Handicap, also körperlich oder geistig behinderte Menschen, können im Alpbachtal wunderbar Skifahren.

Pistentraum am Gmahkopf im Skigebiet Alpbachtal.

Skifahren ohne Beine

Das barrierefreie Ski-Konzept interessierte mich, also traf ich mich in Alpbach mit Sepp Margreiter, dem Leiter der Ski- und Snowboardschule Alpbach-Inneralpbach. Sepp ist staatlich geprüfter Skilehrer und Skiführer aus Leidenschaft und übt auch noch mit 64 Jahren seinen Beruf mit voller Hingabe aus. Und das, obwohl ihn vor nunmehr 17 Jahren ein herber Schicksalsschlag ereilte. Bei Holzarbeiten verunfallte er folgenschwer und blieb querschnittsgelähmt. Er musste sein Leben komplett umstellen. Die Diagnose war niederschmetternd, doch dank der Unterstützung seiner Familie und der Liebe zum Schneesport, schaffte er es zurück ins Leben – und auf die Skier. „Skilehrer kann man auch im Sitzen sein“ sagt Sepp und Recht hat er. Als gutes Beispiel möchte er nun auch andere behinderte Menschen ermutigen, das Skifahren zu erlernen. Schließlich hat es ihm selbst auch so viel gegeben.

Ausblick vom Gmahkopf (1.900 m) Richtung Reith.

Sepp gibt heute Skikurse auf seinem Monoski und beeindruckt mit einer Körperkontrolle und Kraft, die ihresgleichen sucht. Den ansteigenden Weg vom Skischulbüro hinüber zur Postalm, wo wir uns einen Drink genehmigten, zieht er in seinem Rollstuhl rauf wie nichts. In der urigen Hüttenbar in Alpach, wo man sich am späten Nachmittag zum geselligen Après-Ski trifft, erzählte mir Sepp mehr über das Monoskifahren.

Sportgerät Monoski

Der Monoski besteht aus einer Sitzschale, an die eine große Sprungfeder montiert ist, die wiederum über eine Schuhplatte mit dem Ski verbunden ist. Die Schuhplatte simuliert praktisch einen Skischuh, sodass sie mit normalen Skibindungen kompatibel ist. Die Beine kommen in eine speziell gefertigte, geschlossene Fußschale. Zu dem eigentlichen Fahrgestell kommen zwei separate Skikrücken hinzu, die der Fahrer in den Händen hält. Sie dienen der Lenkung und als Stütze. Für das Fahren im Ankerlift gibt es eine Vorrichtung zum Einhängen und für den Sessellift lässt sich die Sitzschale in eine erhöhte „Einstiegsposition“ verstellen. Zur Veranschaulichung holt Sepp eine Hochglanz-Broschüre des Monoski-Herstellers seines Vertrauens hervor. Die belegt zusätzlich die technische Präzision der Geräte: Handmade in Austria, in verschiedenen Ausführungen für Erwachsene und Kinder erhältlich, sogar Race- und Langlauf-Modelle sind dabei. Es scheint so, als wäre mit diesem Sportgerät praktisch alles genauso machbar wie mit normalen Skiern.

Anspruchsvolles Fahren

Am liebsten möchte ich das Fahren mit dem Monoski gleich selbst ausprobieren. Doch das ist nichts, was man einfach mal so ausprobieren kann, mahnt Sepp. Es bedarf reichlich Übung, erst recht bei Menschen ohne Behinderung. Ja genau, die haben nämlich nicht das gleiche Körpergefühl wie jemand, der seine Beine nicht mehr spürt. Man bewegt sich intuitiv anders. Die richtige Balance und den Rhythmus zu finden, das dauert. Bei Menschen mit Handicap wiederum sei der Grad der Behinderung entscheidend. Ist der Rumpf nicht stabil und beweglich, werde es nahezu unmöglich, den Monoski auf Kurs zu halten. Das sei ein entscheidendes Kriterium für jeden, der Monoskifahren lernen möchte. Die Beine sind komplett in der Fußschale des Geräts eingeschlossen, die Steuerung erfolgt nur mit dem Körpergewicht und den Skikrücken. Das will gelernt sein und braucht mehr als nur einen Tag Übung. Sepp empfiehlt Wochenkurse, das oft zitierte Konzept „Ski in a day“ gilt hier nicht.

Mit den Skikrücken hat Sepp eine zusätzliche Stütze und Lenkhilfe.

Monoskifahren im Alpbachtal

Wer nun also trotz Handicap Skifahren möchte, kann ganz einfach eine Anfrage an die Skischule in Alpbach-Inneralpbach schicken. Sepp kümmert sich höchstpersönlich darum. Er besorgt auch die Sportgeräte, die individuell für jeden Schüler ausgewählt werden, und stellt jedem Schützling eine Begleitperson zur Seite. Pro Saison nehmen rund 20 behinderte Menschen an Sepps Monoski-Kursen teil, es können aber ruhig noch mehr werden. Auch das Alter spielt keine Rolle. Sepp hieß bereits ganze Gruppen von lernwilligen Kindern willkommen und führte sie an die Kunst des Monoskifahrens heran. Im Skigebiet des Alpbachtals gibt es laut Ausschreibung des Tourismusbüros „sowohl für Anfänger als auch für fortgeschrittene Monoskifahrer die passenden Pisten“. Das Personal an den Liften und Gondeln ist auf die Skifahrer mit Handicap gut vorbereitet. Vor allem die Pöglbahn in Inneralpbach und die Reitherkogelbahn im nahe gelegenen Reith sind bestens für das Monoskifahren geeignet.

Auf und abseits der Pisten ist Fahrspaß garantiert.

Fest steht: Menschen mit Handicap sind auf den Alpbacher Pisten bestens aufgehoben und herzlich willkommen, betont Sepp. Niemand muss aufgrund seiner Behinderung auf das Skifahren verzichten müssen.

Reisetipps

In der Hauptsaison findet einmal wöchentlich am Böglerlift in Alpbach eine öffentliche Ski-Show statt. Dabei begeistern die Skilehrer und -lehrerinnen der drei im Tal ansässigen Skischulen mit aberwitzigen Abfahrten. Von der Ski-Choreographie über den Stelzen-Skilauf bis zur Feuershow wird ein buntes Programm geboten. Musikalische Untermalung und ein Glühweinstand sorgen zusätzlich für Stimmung.

Feuerakrobatik bei der Ski-Show.

Wer in Alpbach direkt an der Piste wohnen möchte, dem empfehle ich den Kolberhof. Der rustikale, gemütliche Gasthof liegt direkt an der Talabfahrt nach Alpbach und wird von Wirtin Gertraud Moser mit großer Herzlichkeit geführt.

Die Talabfahrt nach Alpbach am Morgen. Sie kann komplett beschneit werden.

Wer gerne Shoppen geht, findet in Alpbach und Reith eine ganze Reihe attraktiver Geschäfte, von Dorfläden mit hausgemachten Köstlichkeiten wie Käse oder Schnaps bis hin zu Trachten-Shops und dem Giesswein-Outlet. Etwa 30 Minuten Autofahrt von Alpbach liegt der Eingang zum Zillertal, wo ebenfalls diverse Sport-Outlets mit Schnäppchen locken.

Mehr zum Thema:

www.skischule-alpbach.at

Ski Juwel Alpbachtal-Wildschönau

Print Friendly and PDF
Turrach – Skigebiet Turracher Höhe

Das Skigebiet Turracher Höhe zwischen Kärnten und der Steiermark bietet kleinen und ...

Die Top 10 der größten Irrglauben über Skiurlaub

Jeder Wintersportler hat diese Freunde, die immer wieder fragen, warum in Teufels ...