Sehnsucht nach Schnee? Ein Hoch auf die Skihalle

11. August 2016 - Katharina Teudt

Wintersport ausüben unabhängig von Jahreszeit und Wetter – nichts Geringeres bieten moderne Skihallen. Indoor-Pisten sind Vergnügungstempel, die das ganze Jahr über geöffnet haben.

Luftbild der Skihalle in Bottrop. Ihr Gefälle entsteht, da sie günstig an einen Hang gebaut wurde.

Anfang des neuen Jahrtausends brach eine neue Ära des Wintersports an: Die erste Skihalle Deutschlands eröffnete 2001 im nordrhein-westfälischen Neuss. Für viele Rheinländer und Nordlichter war der weite Weg in die Berge nun abgelöst vom spontanen Skivergnügen gleich nebenan. Die Abfahrt in Neuss mit 300 m Länge war ein echtes Highlight, es gab richtige Sessel- und Schlepplifte, im unteren Bereich Förderbänder für die Kleinsten und sogar Tannen säumten den Pistenrand. Alles war fast wie in den Bergen, nur dass die Piste von einem schmucklosen Hallendach bedeckt war. Aber für ein paar Schwünge praktisch „vor der Haustür“ nahm man das fehlende Panorama und künstliche Licht gerne in Kauf. Der täuschend echte Pistenersatz kam bei den Norddeutschen und den Niederländern so gut an, dass ein regelrechter Skihallen-Boom begann. Mittlerweile gibt es allein in Deutschland fünf kleinere und größere Skihallen, in anderen Ländern werden sogar noch größere Maßstäbe in Sachen Hallenkonstruktion gesetzt. Doch der Reihe nach.

Wie ist eine Skihalle aufgebaut?

Eine Skihalle zeichnet sich durch einen schlauchartigen, überdachten Raum aus, der mit Liftanlagen und einer oder mehrerer Abfahrten ausgestattet ist. Um einen künstlichen Berg zu erzeugen, hat das Fundament des Gebäudes ein Gefälle zwischen 10 und 35°. Damit der Kunstschnee hergestellt werden kann und sich auch hält, liegt die Innentemperatur konstant zwischen -2 und -5°C. Gastronomie mit urigem Skihütten-Ambiente und Après-Ski-Musik fehlen meistens ebenfalls nicht. In verschiedenen Ski- und Snowboardkursen kann man sein Können verbessern oder im Funpark die ersten Erfahrungen sammeln. Wer keine eigene Ausrüstung besitzt, hat die Möglichkeit sich das komplette Material vor Ort auszuleihen, zu testen und teilweise anschließend im Shop zu kaufen. Fachkundiges Personal sucht für jede Bedürfnisse das Passende heraus. Um aus dem Skiausflug ein Rundum-Erlebnis zu machen, geht das Angebot der Skihallen weit über das Abfahrtsvergnügen hinaus. Einige Standorte sind richtige Fun- und Erlebnisparks, in denen man vom Kindergeburtstag bis zum Firmenevent alles buchen kann.

BELIEBTE HALLEN IM ÜBERBLICK

Die Hauptpiste in der Jever Fun Skihalle Neuss.

Neuss: Älteste Skihalle gut gehalten

Die meisten Skihallen in Deutschland liegen im Westen und Norden des Landes. Die älteste und immer noch moderne Halle ist die Jever Fun Skihalle in Neuss. Hier gibt es neben der erwähnten 300 m-Piste eine Rodelbahn, dazu eine Outdoor-Kletterwand sowie einen Hochseilgarten. Der Deutsche Skilehrerverband nutzt die Halle außerdem für seine Ausbildungslehrgänge. Nach dem Skifahren laden verschiedene Restaurants mit alpenländlicher Küche zu Speis und Trank. Regelmäßig finden hier typische Après-Ski-Partys statt, bei denen man seinen Skitag ordnungsgemäß ausklingen lassen kann.

Die Gastronomie in der Halle ist alpenländisch rustikal gehalten.

Bottrop: Längste Indoor-Piste Deutschlands

Das Alpincenter in Bottrop bietet die längste Indoor-Piste Deutschlands! Hier werden Fortgeschrittene auf einer 640 m langen Abfahrt mit 24 Prozent Gefälle gefordert. Freestyle-Fans kommen im Funpark voll auf ihre Kosten und Materialverleih sowie eine Skischule runden das Angebot ab. In der Anlage wartet sogar noch viel mehr sportliche Abwechslung. Zur Wahl stehen ein Hochseilgarten, eine Sommerrodelbahn, eine Paintball-Anlage sowie Deutschlands einziger professioneller Indoor-Windkanal. Pause wird im hauseigenen Biergarten, dem höchstgelegenen im Ruhrgebiet, eingelegt. Ein besonderes Highlight sind die All Inclusive-Tickets: Eintritt, Pistennutzung, Material (Ski/Snowboard, Schuhe, Stöcke), Essen vom Buffet, unbegrenzt offene Softdrinks sowie drei alkoholische Getränke (Bier/Wein) gibt es zum Festpreis von ca. 26 Euro.

Bispingen: Skifahren in der Lüneburger Heide

Alpinski fahren im flachen Land zwischen Hamburg und Hannover? Seit 2006 ist auch das möglich. Der Snow Dome in Bispingen ist mit seiner 300 m-Abfahrt und 20 Prozent Gefälle vor allem für Anfänger auf Ski und Board bestens geeignet. Eine Besonderheit der Anlage ist die schön ausladende Piste, die etwa 60 m breit ist. Neben der Snow Area mit drei Liften gibt es ein Kinderland, einen Rodelhang und einen Funpark mit einem Dutzend Hindernissen.

Senftenberg: Skifahren & Erlebniswelt

Etwas kleiner und gemütlicher gestaltet sich die Snowtropolis in der Lausitz. Die 2004 eröffnete Halle besitzt eine 140 m lange Abfahrt mit bis zu 25 Grad Gefälle sowie einen kleinen Snowpark. Wie man es von den großen Hallen kennt, kann man auch hier von der Après-Ski-Bar mit großer Glasfront das Treiben im Schnee gut beobachten. Nebenan gibt es ein Tennis- und Badmintoncenter, das in den Wintermonaten in eine Eissporthalle umfunktioniert wird. Mit Bowlingbahn, Saunalandschaft und einem Badesee in der Nähe ist auch diese Halle eine richtige Erlebniswelt mit großer Aktivitätenauswahl. Für Gäste, die ihren „Skiurlaub“ über den Tagesbesuch hinaus verlängern möchten, bietet die Anlage kleine Ferienhäuser an.

Wittenburg: Hamburgs weiße Perle

Ein weiteres Alpincenter, ähnlich dem in Bottrop, wird in der Nähe von Hamburg betrieben. Indoor wie Outdoor bietet die Anlage vielerlei Freizeitaktivitäten, allen voran das Skifahren auf einer 330 m langen Abfahrt. Übungshang, blaue und rote Piste, Snowpark – alles vorhanden. Auf dem vielseitigen Gastro-Programm stehen aber auch Bowling, Bingo, Musikantenstadl, Sonntagsbrunch oder Krimidinner-Abende.

Niederlande: SnowWorld Landgraaf

Die Snowworld im niederländischen Landgraaf besitzt gleich fünf Abfahrten mit einer Gesamtlänge von 1.120 m. Die nahe bei Aachen gelegene Skihalle ist somit eines der größten Indoor-Wintersportgebiete der Welt. Sogar eine 500 m lange offizielle FIS- Rennstrecke ist vorhanden, sodass hier auch Welt-Cup-Rennen stattfinden können. Im Sommer kommen internationale Ski- und Snowboardteams zum Trainieren. In der Mitte der Hauptabfahrt liegt eine urige Graubündner Hütte, die zum Einkehren einlädt. Etwas oberhalb davon befindet sich ein Indoor-Funpark, der viel Platz zum Ausprobieren neuer Sprünge und Stunts bietet. Direkt an die Skihalle angegliedert ist ein großer Outdoorpark mit Hochseilgarten, Adventure Trail, Zip Line und Alpine Coaster, der mit einer Geschwindigkeit von 42 km/Std. ins Tal fährt.

Jede Piste im Skidome Denmark ist 740 m lang.
Die Skidome-Konstruktion überspannt sogar einen Fluss.

Weltgrößte Skihalle entsteht in Dänemark

Die genannten Anlagen bieten abseits der echten Berge viele Möglichkeiten zum Schneespaß, doch das Non-Plus-Ultra der Indoor-Skipiste ist noch längst nicht erreicht. Die größte Skihalle der Welt entsteht derzeit in der Nähe von Randers im dänischen Ost-Jütland. Die Firma Danski entwarf den „Skidome Denmark“, der in einer architektonisch sehr spannenden Konstruktion drei riesige Bögen übereinander spannt. Auf jedem dieser Bögen verlaufen zwei Pisten mit jeweils 740 m Länge in blauer, roter und schwarzer Markierung. Solange der „Skidome“ nicht fertig gestellt ist, gilt jedoch das „Ski Dubai“ als die größte Indoor-Ski-Anlage der Welt. Praktisch mitten in der Wüste häufen sich rund 6.000 Tonnen künstlicher Schnee und mehrere Attraktionen in einer riesigen Skihalle. Fünf Pisten mit einer Gesamtfläche von 22.500 m² liefern Pistenspaß in allen Schwierigkeitsstufen.

Um die Sehnsucht nach Schnee akut zu stillen, kommt man – Skihalle sei Dank – praktisch immer schnell und unkompliziert auf den Schnee. Das reicht nicht? Zum richtigen Skiurlaub in den Bergen geht es hier entlang.

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