Besondere Bergfahrt: Außergewöhnliche Skilifte

30. Januar 2018 - SnowTrex

Einfach irgendwie den Berg hoch? Hauptsache ankommen? – Das war gestern. Heute haben die Skigebiete mehr zu bieten. Jedes Jahr übertrumpfen sie sich mit den modernsten Entwicklungen in Sachen Skilift. Einige Projekte stechen da besonders hervor, weil es bei ihnen nicht mehr nur um die reine Fahrt auf den Berg geht. Hier wird der Weg zum Ziel. Oder zumindest zum absoluten Erlebnis. SnowTrex zeigt spektakuläre und außergewöhnliche Skilifte.

Außergewöhnliche Skilifte: BMW Individual for Leitner

Als vor über 100 Jahren die ersten touristischen Seilbahnen in Europa ihre Arbeit aufnahmen, war der Gedanke, der dahintersteckte, simpel, das Konstrukt dafür umso komplexer. Mit fortschrittlicher Technik wurde es möglich, innerhalb kürzester Zeit Berghöhen zu erreichen, die sonst nur schwerlich erklommen werden konnten. Die Kohlererbahn im Südtiroler Bozen ist eines dieser anfänglichen Exemplare. Sie gilt als erste alpine Seilbahn, die für den reinen Personentransfer gedacht war.

Mit dem Einsetzen des Skitourismus und seiner raschen Verbreitung seit den 1950er Jahren hielt ein neuer Grundgedanke bei der Errichtung von Seilbahnen Einzug. Nun ging es schließlich nicht mehr nur darum, dass man Urlaubern das Gebirge zugänglich machte, sondern wie viele Menschen man in kürzester Zeit befördern konnte. Anstehen wollte schließlich niemand gern. Im 21. Jahrhundert gilt dies noch mehr denn je, denn Jahr für Jahr strömen Millionen Wintersportler in die weltweiten Skigebiete. Längst sind Seilbahnen zu Hochleistungstransportmitteln geworden. Allein in der österreichischen Zillertal Arena können 80.000 Skiurlauber per Lift befördert werden – in einer Stunde! Das Ganze geschieht dann noch mit einer Geschwindigkeit von teilweise 10 Metern pro Sekunde und mehr. Da wirken die vor einem Jahrhundert maximal erreichbaren Werte doch eher überschaubar: 24 Personen pro Stunde und eine Fahrgeschwindigkeit von 1,6 m/s schaffte beispielsweise die Kohlererbahn.

Durch Tempo oder höhere Beförderungskapazitäten können sich Liftgesellschaften heutzutage also kaum noch auszeichnen. Die einen transportieren ihre Gäste sehr schnell, die anderen eben nur schnell. Damit jedoch nicht nur das Danach, sondern auch die Fahrt an sich wieder zu einem besonderen Erlebnis wird, haben sich einige Betreiber ein paar extravagante Ideen einfallen lassen.

Schwebende Limousine im Zillertal

Mit einem besonders exklusiven Angebot lockt man im Skigebiet Hochzillertal-Hochfügen-Spieljoch luxusliebende Gäste. Als die „erste schwebende Limousine“ bezeichnen die Macher die VIP-Gondel, die hier Wintersportler auf 2.500 m Höhe bringt. Entwickelt wurde sie von Leitner ropeways in Kooperation mit BMW Individual. Leitner ropeways lieferte die moderne Sigma Diamond Kabine, BMW die Innenausstattung. Und die kann sich sehen lassen: edle braune Ledersitze inklusive Massagefunktion und Heizung, eine Mittelkonsole mit Klimasteuerung und das Multimedia-System, das man aus der BMW 7er Limousine kennt.

Die „erste schwebende Limousine“.

In der Frontkonsole finden die Gondelgäste eine Flasche Champagner und 2 Gläser. Musikalisch untermalt wird das Ganze durch ein Soundsystem. Umsonst ist dieses Vergnügen natürlich nicht. Möglich ist es, verschiedene Pakete zu buchen. So gibt es beispielsweise das „Early Bird“-Paket für alle, die bereits um 8 Uhr auf den Berg wollen. Hiermit parken 2 Personen auf einem reservierten Parkplatz, werden mit Champagner empfangen, gelangen in der VIP-Gondel auf den Berg und genießen auf einer Almhütte ein Frühstücksbrunch. Skipässe sind inklusive.

Porsche-Design in Laax

Im Winter 2012/2013 nahm in Laax eine Weltneuheit Fahrt auf. Im schnittigen Porsche-Look präsentiert sich die 6er-Sesselbahn Plaun Lavadinas – Fuorcla da Sagogn. Kein Wunder, wurde sie doch von der Bartholet Maschinenbau AG auch in Zusammenarbeit mit den Porsche Design Studios entwickelt. Ihr einzigartiges Design, schwarze Sessel mit roten Applikationen, mutet wie die Ausstattung eines Rennautos an. Doch das ist nicht die einzige Besonderheit. Durch ein Gelenk an der Seilaufhängung sind die Sessel um 45 Grad schwenkbar. Fahrgäste haben so freie Sicht auf das Bergpanorama statt auf den Rücken des Vordermannes. Die rund 600 Höhenmeter werden mit einer Geschwindigkeit von 6 m/s absolviert. Ein Solarpanel auf der Rückseite der Sitze deckt zudem den Strombedarf der eingebauten Sitzheizung. Und was den Namen Porsche trägt, das glänzt natürlich auch durch Geschwindigkeit: 6 m pro Sekunde macht der Lift – und ist damit der „Sportwagen unter den Beförderungsanlagen“.

Das Konzept der Weiße Arena Gruppe umfasste, abgesehen von der Konzeption des schicken Sessellifts an sich, ebenfalls die Tal- und Bergstation der neuen Anlage. Nachhaltigkeit und die Verwendung umweltfreundlicher Materialien waren den Betreibern an dieser Stelle gleichermaßen wichtig. Daher sind die beiden Stationen teilweise aus alternativen, umweltfreundlichen Materialien gebaut. Schon von Weitem ist die Bergstation durch ihren hohen Holzanteil sichtbar.

Solarenergie für Tenna

Umweltschutz ist auch in vielen Skigebieten seit längerer Zeit ein Thema. Viele Wintersportorte sind auf der Suche nach Möglichkeiten die Natur und Landschaft in und von der sie leben aktiv zu schützen und zu erhalten. Ein kleines Schweizer Dorf schrieb im Winter 2011/2012 Geschichte. Die Idee zu dieser Weltneuheit, die tatsächlich ausschließlich mit Solarstrom betrieben wird, entstand aus einer Not heraus. Nach 41 Jahren Laufzeit quittierte der alte Lift den Dienst und es musste für Ersatz gesorgt werden. Die Bedingungen zur Finanzierung eines neuen Lifts durch die Genossenschaft Skilift Tenna standen jedoch auch fest – umwelt- und ressourcenschonend sollte er sein. Daher entschied man sich zu diesem weltweit einzigartigen Projekt.

Herausgekommen ist eine hochmoderne Solaranlage, die sich nicht nur selbst versorgt, sondern auch noch einen Überschuss produziert. Durch eine spezielle Seilkonstruktion werden die Fotovoltaikzellen stets nach dem Sonnenstand ausgerichtet – in perfekter Südneigung von 30 Grad. So kann die Anlage bis zu 90.000 kWh pro Jahr produzieren. Für den Liftbetrieb werden nur rund 22.000 kWh benötigt. Heißt: Die Genossenschaft Skilift Tenna kann den darüber hinaus produzierten Strom an das örtliche Elektrizitätswerk verkaufen – und so den Lift nach und nach refinanzieren.

Diese finnische Gondel ist heiß!

Die Finnen sind bekannt für ihre Liebe zur Sauna. Diese Liebe haben die Liftbetreiber am Yllästunturi in der Skiregion Kolari auf die Spitze getrieben. Oder besser gesagt: auf den Gipfel. Nahe der Grenze zu Schweden, in der Provinz Lappland, liegt das Skiresort Ylläs, dessen höchster Punkt der gleichnamige, 718 m hohe Berg ist. Um eben jenen zu erreichen, nutzen die Wintersportler – wie wäre es anders üblich – die dafür vorgesehenen Skilifte. Einzigartig ist jedoch, dass einer der Lifte bereits von Weitem durch seine hölzerne Verkleidung heraussticht und sich bei näherer Betrachtung als Schwitzkabine der besonderen Art herauskristallisiert. Mit Fug und Recht darf man hier nämlich behaupten, die erste Sauna-Gondel der Welt zu besitzen.

Bis zu vier Personen finden in der Sauna-Kabine Platz und geraten bei eisigen Außentemperaturen für etwa 15 bis 20 Minuten ins Schwitzen, denn solange dauert eine Fahrt. An der Bergstation wird die Gondel elektrisch aufgeheizt, um optimale Temperaturen zu erreichen. Dann startet sie ihre etwa zwei Kilometer lange Tour. Die warme Skikleidung muss allerdings draußen bleiben, geschwitzt wird schließlich, wie es sich gehört, ohne Bekleidung. Sorgen, von anderen Skifahren beobachtet zu werden, muss niemand haben, da die Kabine mit verdunkelten Scheiben ausgestattet ist. Am Gipfel angekommen erwartet die Sauna-Gänger das „Café Gondel“, welches Duschen, einen Jacuzzi und, wem es noch nicht genügt, weitere Saunen bereithält.

Finnische Sauna in luftiger Höhe.

Allein für die kurzweilige Sauna-Fahrt wird jedoch wohl kaum irgendjemand die Reise nach Ylläs antreten. Das Skigebiet hat selbstverständlich noch einiges mehr für seine Gäste im Programm. Durch schiere Größe, wie die Vertreter aus Frankreich oder Österreich, mag es sicher nicht beeindrucken. Lohnend ist es dennoch allemal, hier auf gekonnte Weise Ski und Wellness zu verbinden. Auf immerhin 55 Pistenkilometern haben Ski-Asse die Möglichkeit, entweder vor oder nach dem schweißtreibenden Saunieren ihre ganze Coolness beweisen. Unzählige Loipenkilometer dürfen natürlich in der Langlaufnation Finnland ebenfalls nicht fehlen. Obendrein sollte man sich zu später Stunde, als Abschluss eines gelungenen Tages, natürlich nicht die berüchtigten Nordlichter entgehen lassen!

Ab durch den Tunnel

Im Skigebiet Heiligenblut bekommen Wintersportler bei ihrer Bergfahrt mit der Tunnelbahn kein Bergpanorama zu sehen. Dafür geht es aber von der Mittelstation Roßbach aus durch einen alten Wasserstollen hinüber zur Fleissalm und wider zurück. Bei etwa 7 Minuten Fahrtzeit legt man einen Höhenunterschied von 63 m zurück. Damit wird es also nicht wirklich steil, man hat aber Eindrücke, die man sonst in keinem Lift geboten bekommt.

Rundum-Blick

In Sattel in der Schweiz ist es völlig egal, an welchen Platz man sich in die Achtergondelbahn setzt. Die Stuckli Rondo dreht sich nämlich im Laufe der Fahrt und unabhängig von der Geschwindigkeit zweimal um ihre eigene Achse. Da kommt jeder Winterurlauber in den Genuss eines Rundum-Panoramas. Aufpassen müssen nur diejenigen, die den Blick ins Tal nicht ganz so gut vertragen.

Der Gast macht die Musik

Wer in Aspen die Silver Queen Gondel auf den Aspen Mountain nimmt, der sollte eine der roten wählen. Denn hier bestimmen die Wintersportler selbst die Musik: Die Gondeln verfügen über eine Dockingstation für das Smartphone. So wird die Bergfahrt auch zum musikalischen Erlebnis, ohne dass man dafür Kopfhörer aufziehen beziehungsweise in die Ohren stecken müsste. Wer in der richtigen Stimmung ist, macht so schon eine kleine Party bereits im Lift.

Die Cabrio-Gondel

Ein Lift nur für Schwindelfreie: Die Gondel läuft zwar nur im Sommer (April bis November), trotzdem muss die Cabrio-Bahn am Stanserhorn in der Schweiz hier Erwähnung finden. Die doppelstöckige Pendelbahn verfügt als erste weltweit über ein offenes Oberdeck. Darauf finden bis zu 30 Personen Platz, die die Fahrt von der Mittelstation bis auf 1.900 m Open-Air genießen können.

Turteln, was das Zeug hält

Mehrere Themengondeln bringen die Wintersportler auf den Großen Arber, den höchsten Gipfel des Bayerischen Waldes. Zwei von ihnen stechen besonders hervor. Märchenhaft kommt die Gondel daher, die ganz im Stile einer wunderschönen Hochzeitskutsche gestaltet ist. Imposant in roten und weißen Farben leuchtet sie bereits von Weitem zukünftigen Eheleuten entgegen. Selbst an zwei Pferde, die die Kutsche ziehen, wurde gedacht. Etwas weniger pompös, aber dennoch romantisch, präsentiert sich die Kuschelgondel. Denn wenn die Hochzeitsgondel in weißer Kutschenoptik eingehängt wird, dann läuten die Hochzeitsglocken. In der Bergstation angekommen, findet zum krönenden Abschluss natürlich eine richtige Trauungszeremonie statt. Ganz so, wie es sich für den schönsten Tag des Lebens gehört.

Also dann: Gute Fahrt!

  • Dienstag, 30. Januar 2018
  • Autor: SnowTrex
  • Kategorie: Top 10
  • Schlagwort: Aspen
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