Skilegenden: 25 Idole aus dem Wintersport

12. Januar 2023 - SnowTrex

Herausragende Skihelden wie Felix Neureuther, Justyna Kowalczyk, Lindsey Vonn, Toni Innauer und Magdalena Neuner haben den internationalen Spitzen-Skisport geprägt wie kaum jemand sonst. Sie alle sind Skilegenden, die nicht nur im Alpinbereich, sondern auch im Biathlon, im Skispringen und im Skilanglauf Unglaubliches geschafft haben und in die Wintersport-Geschichte eingegangen sind. Höchste Zeit also, auch für SnowTrex 25 ausgewählte Athleten zu würdigen und ihre Leistungen vorzustellen.

Felix Neureuther ist Deutschlands erfolgreichster Slalom-Rennfahrer und wurde so schon vor seinem Rücktritt zu einer echten Skilegende.


1. Ski Alpin-Legenden

Franz Klammer

Die wohl größte Skilegende der Skination Österreich ist Franz Klammer: Der ehemalige Skirennläufer aus Kärnten fuhr zwischen 1973 und 1984 insgesamt 25 Abfahrtssiege ein, davon allein vier auf der legendären Streif in Kitzbühel. Dazu gewann er fünfmal den Abfahrtsweltcup und ist bis heute der erfolgreichste Rennläufer dieser Disziplin in der Geschichte des Ski Alpin-Weltcups. Nach „Kaiser Franz“ ist auch die berühmte Weltcup-Abfahrt „Kärnten-Franz Klammer“ in Bad Kleinkirchheim benannt, die eine Hangneigung von bis zu 35 Grad besitzt.

Mikaela Shiffrin

Im Alter von gerade einmal 17 Jahren holte Mikaela Shiffrin im Dezember 2012 ihren ersten Weltcupsieg. Zunächst war die Amerikanerin aus dem US-Bundesstaat Colorado in ihrer Spezialdisziplin, dem Slalom, erfolgreich. So gewann sie bei den Winterspielen 2014 in Sotschi hier auch ihre erste Goldmedaille und ist damit die jüngste Olympiasiegerin in diesem Wettbewerb. In der gleichen Disziplin holte Shiffrin zwischen 2013 und 2019 auch viermal in Folge den Weltmeistertitel. Im Laufe der Jahre entwickelte sie sich aber immer mehr zu einem absoluten Multitalent des Weltcups. Mit Siegen in der Abfahrt, im Super-G, im Riesenslalom, im Slalom, in der Kombination und im Parallelslalom stand der Ski-Superstar in allen Ski Alpin-Disziplinen ganz oben auf dem Podest.

Mikaela Shiffrin holte 2014 bei den Winterspielen in Sotschi ihre erste Goldmedaille und ist damit die jüngste Slalom-Olympiasiegerin aller Zeiten.

Im Alter von 27 Jahren feierte Mikaela Shiffrin im Januar 2023 beim Riesenslalom am Kronplatz ihren 83. Weltcupsieg. Mit diesem Erfolg überholte sie ihre Landsfrau Lindsey Vonn (82 Weltcupsiege) in der ewigen Bestenliste und stieg damit auch ganz offiziell zur erfolgreichsten Skifahrerin der Geschichte auf.

Felix Neureuther

Auch die Deutschen haben ihre Skilegende: Felix Neureuther aus Garmisch-Partenkirchen fuhr im November 2017 beim Slalom in Levi seinen 13. Weltcup-Sieg ein. Das hatte vor ihm noch kein anderer Skifahrer aus der Bundesrepublik geschafft. Somit hält der Sohn von Slalomspezialist Christian Neureuther und Doppelolympiasiegerin Rosi Mittermaier dann auch den Rekord als erfolgreichster Skifahrer in der deutschen Weltcup-Geschichte, bevor er im März 2019 seine Karriere nach dem Slalom in Soldeu (Andorra) beendete:

Letztes Rennen von Felix Neureuther | ZDF SPORTextra

Lindsey Vonn

Lindsey Vonn führt mit 82 Weltcup-Siegen die Bestenliste der Frauen an und ist damit ebenfalls eine Skilegende. Mit ihrem Rekord kann sie insgesamt 20 Siege mehr aufweisen als ihrerzeit die „Weltsportlerin des Jahrhunderts“, Annemarie Moser-Pröll. Ihren größten Triumph feierte Vonn 2010 bei den Olympischen Spielen in Vancouver. Dort gewann sie Bronze im Super-G und Gold in der Abfahrt. In den USA erreichte die Athletin aus dem Bundesstaat Minnesota während ihrer Karriere den Status eines echten Sport-Superstars. Deutlich wurde das auch, als der übertragende Fernsehsender NBC im Jahr 2018 während der Ausstrahlung des Super Bowls, dem weltweit größten Einzelsportereignis, einen Olympia-Werbespot, der sich ausschließlich um Vonns Karriere drehte, zeigte.

Mit 43 Abfahrtssiegen im Weltcup, gilt die US-Amerikanerin Lindsey Vonn in dieser Disziplin als die beste Skiläuferin aller Zeiten.

Hermann Maier

Der Österreicher Hermann Maier ist nicht nur durch seine Erfolge zu einer Skilegende echten geworden. Sondern auch durch die Geschichten dahinter. Die spektakulärste ereignete sich 1998 bei den Olympischen Winterspielen in Nagano, als Maier im Abfahrtsrennen antrat und in einer Kurve nach nur wenigen Fahrsekunden spektakulär stürzte. Es grenzte an ein Wunder, dass er sich bei dem Sturz nicht verletzte:

The Most Spectacular Crash and Recovery in The Olympics | Throwback Thursday

Ebenso bemerkenswert: Nur drei Tage später fuhr er im Super-G zur Goldmedaille. Es habe ihn schon Überwindung gekostet, wieder an den Start zu gehen, sagte Maier damals rückblickend. Doch es ging alles gut und so bekam er seinen legendären Spitznamen „Herminator“. Nach zwei Olympia-Goldmedaillen, drei Weltmeistertiteln und vier Gesamtweltcup-Siegen beendete er dann aber 2009 seine Karriere.

Maria Höfl-Riesch

Drei olympische Goldmedaillen, zwei Alpine-Weltmeistertitel, ein Gesamtweltcupsieg: In 13 Jahren Profikarriere als Skirennläuferin hat Maria Höfl-Riesch fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. Mit 27 Weltcupsiegen ist die Garmisch-Partenkirchenerin nach Katja Seizinger (36 Weltcupsiege) die zweiterfolgreichste Skifahrerin aus Deutschland. Nachdem sie die deutsche Mannschaft bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi als Fahnenträgerin anführte und dort auch ihre dritte Goldmedaille gewann, zog sich Höfl-Riesch allerdings aus dem Profisport zurück. Im selben Jahr verlieh der damalige Bundespräsident Joachim Gauck ihr aber noch das Silberne Lorbeerblatt für hervorragende sportliche Leistungen, bevor sie im Dezember 2014 zu Deutschlands Sportlerin des Jahres gewählt wurde.

Maria Höfl-Riesch ist neben Katja Seizinger die einzige Skirennläuferin aus Deutschland, die mindestens einmal den Ski Alpin-Gesamtweltcup gewonnen hat.

Alberto Tomba

Muskulös, braungebrannt, charismatisch und dazu sehr erfolgreich: Der Italiener Alberto Tomba war in den 1980er und 1990er-Jahren der gefeierte Popstar unter den Skirennläufern. Dem exzentrischen Sunnyboy und Technikspezialisten aus Bologna wurden Affären nachgesagt und es herrschte stets ein großer Medienrummel um ihn. Das lag aber auch an seinen beeindruckenden, sportlichen Erfolgen: Mit 50 Weltcupsiegen, sowie dreimal Olympiagold und zwei Weltmeistertiteln im Slalom und Riesenslalom ist er einer der erfolgreichsten Skirennläufer aller Zeiten.

Marcel Hirscher

Achtmal die große Kristallkugel für den 1. Platz im Alpinen-Gesamtweltcup abzuräumen, das hat vor Marcel Hirscher niemand geschafft. Das Skifahren wurde dem Salzburger dabei schon in die Wiege gelegt, schließlich war sein Vater Ferdinand Leiter der Skischule Annaberg. Seinen ersten von insgesamt 67 Einzelsiegen im Ski Alpin-Weltcup feierte der Österreicher dann Ende des Jahres 2009 in Val d’Isère. Neben der Dominanz in der obersten Liga des Skisports holte Hirscher zudem auch sieben Goldmedaillen bei Alpinen Skiweltmeisterschaften. Seine größten sportlichen Erfolge fuhr der Ski-Superstar aber bei den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang ein. Dort gewann er nämlich in der Kombination und im Riesenslalom zweimal Gold. Abseits der Piste startete Marcel Hirscher nach seinem sportlichen Karriereende 2019 auch als Geschäftsmann durch und präsentierte im Jahr 2021 seine eigene Skimarke.

Achtmal hat Marcel Hirscher den Ski Alpin-Gesamtweltcup gewonnen. So viel wie kein Skifahrer in der Geschichte.

Ingemar Stenmark

Die größte Legende des Alpinen Skisports kommt tatsächlich nicht aus einem Alpenland, sondern aus Skandinavien. Unglaublich 86 Weltcupsiege hat Ingemar Stenmark während seiner Karriere eingefahren. Neben der Piste agierte der „stille Schwede“, so sein Spitzname, immer sehr zurückhaltend. Dafür machte er auf den Hängen umso mehr „Lärm“. Anders als etwa Franz Klammer, der hauptsächlich in der Abfahrt brillierte, war Stenmark der König der technischen Disziplinen. Im Weltcup siegte er zwischen 1974 und 1989 insgesamt 46 Mal im Riesenslalom und holte siebenmal die kleine Kristallkugel im Disziplinweltcup. Im Slalom stand er „nur“ 40 Mal ganz oben auf dem Podest, sicherte sich dafür aber achtmal den Disziplinweltcup.

Ingemar Stenmark war in den 1970er-Jahren der absolute Superstar des Skisports, dem sogar Briefmarken außerhalb seiner Heimat Schweden gewidmet wurden.

Den Gesamtweltcup holte der Mann aus Joesjö zwischen 1976 und 1979 dreimal in Folge. Dazu kommen noch zwei Goldmedaillen bei Olympia und fünf Weltmeistertitel. Wie überlegen Ingemar Stenmark gegenüber seinen Kollegen war, zeigte er 1979 im slowakischen Jasná. Den dortigen Riesenslalom gewann der Schwede damals mit einem Rekordvorsprung von 4,06 Sekunden!

Hannes Schneider

Hannes Schneider, im Jahre 1890 geboren, übte seine ersten Schwünge auf Schnee schon in jungen Jahren auf Skiern, die er sich aus altem Holz bastelte und wurde im Alter von 17 Jahren der erste Skilehrer am Arlberg. Dazu diente Schneider im Ersten Weltkrieg als Skiausbilder bei den österreichischen Bergtruppen. Nach dem Krieg gründete er 1921 die Skischule Arlberg, die heute weltweit älteste Skischule. Während andernorts noch der Telemark-Stil gelehrt wurde, unterrichtete er mit seinen Skilehrern damals schon die ersten Vorläufer des noch heute aktuellen Parallelschwungs, den sogenannten Stemmbogen. Er führte zudem die staatliche Skiprüfung für Skilehrer ein und war Mitbegründer, des bedeutenden Arlberg-Kandahar-Rennens. 1939 immigrierte er in die USA, wo er am Mount Cranmore in New Hampshire eine Skischule übernahm und den Aufbau des Ski-Resorts mitgestaltete. In den USA wird Schneider auch deshalb heute noch als „Father of American Skiing“ bezeichnet.

2. Biathlon-Legenden

Magdalena Neuner

Bevor Magdalena Neuner im Jahr 2006 die Weltcupbühne betrat, war Biathlon in Deutschland im Winter schon sehr beliebt. Doch mit ihren Erfolgen hob die Wallgauerin ihre Sportart noch einmal auf ein neues Level. Bei der Biathlon-Weltmeisterschaft in Antholz gewann sie 2007 im Alter von gerade einmal 19 Jahren ihren ersten Titel. Danach holte Neuner bis 2011 gleich elf weitere WM-Goldmedaillen und ist damit bis heute Biathlon-Rekordweltmeisterin. Mit 47 Weltcupsiegen (13 davon in der Staffel), drei Triumphen im Gesamtweltcup und zwei Olympiasiegen bei den Winterspielen 2010 in Vancouver, ist die Bayerin nicht nur in ihrer Heimat eine echte Wintersport-Legende.

Vor der beeindruckenden Haupttribüne des Biathlonstadions von Antholz, holte Magdalena Neuner 2007 ihren ersten WM-Titel.

Nach ihrem Rückzug aus dem aktiven Spitzensport im März 2012, arbeitete Magdalena Neuner zeitweise als TV-Expertin und lebt heute mit der Familie in der Region Garmisch-Partenkirchen. In Neuners Heimat Wallgau wurde neben einem Panoramawanderweg auch die Loipe in der Nähe ihres Elternhauses nach der dreifachen Sportlerin des Jahres (2007, 2011 und 2012) benannt.

Ole Einar Bjørndalen

Dass Ole Einar Bjørndalen bis heute als „König des Biathlons“ gilt, kommt nicht von ungefähr. Schließlich fuhr er zwischen 1996 und 2017 im Biathlon-Weltcup unglaubliche 94 Einzel- und 41 Staffelsiege ein! Und auch sonst zeigen die blanken Zahlen, welchen Stellenwert der Norweger im Biathlon einnimmt und warum er insgesamt als eine der größten Wintersportler überhaupt gilt. Bei fünf Olympischen Winterspielen gewann Bjørndalen 13 Medaillen (acht davon aus Gold), während er bei Biathlon-Weltmeisterschaften 45 Medaillen (20 davon aus Gold) holte sowie sich auch noch sechsmal den Gesamtweltcup sicherte. Und dabei blieb es nicht. So feierte der Ausnahmekönner aus Drammen im November 2006 im schwedischen Gällivare sogar noch einen Weltcupsieg im Skilanglauf. Damit war er der erste männliche Wintersportler, dem dieses Kunststück in zwei unterschiedlichen Sportarten gelang.

Laura Dahlmeier

Nach dem Rücktritt von Magdalena Neuner mussten die Fans nicht lange auf den nächsten Biathlon-Superstar aus Deutschland warten. Im März 2013 absolvierte Laura Dahlmeier nach außergewöhnlichen Vorstellung im Juniorenbereich am legendären Holmenkollen in Oslo ihr erstes Weltcuprennen. Es war der Auftakt einer außergewöhnlichen Karriere, die die Garmisch-Partenkirchenerin nur sechs Jahre später mit lediglich 25 Jahren beendete, um sich im Anschluss einem Sportwissenschaftsstudium und ihren anderen Leidenschaften wie dem Bergsteigen oder dem Berglauf zu widmen:

Laura Dahlmeier: Abenteuer Berglauf-WM | SPORTreportage - ZDF

Zu einem wollte sich Dahlmeier damit auch selbst aus dem Rampenlicht nehmen und zum anderen hatte sie im Biathlon zu diesem Zeitpunkt eigentlich alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. Neben 20 Einzelsiegen und 13 Staffelerfolgen in Weltcup, gewann sie 2013 mit Florian Graf auch die World Team Challenge in der Arena Auf Schalke. Ihren größten Erfolg feierte die Gesamtweltcupsiegerin von 2017 allerdings ein Jahr später in Pyeongchang. Bei den Olympischen Winterspielen 2018 holte Laura Dahlmeier im Sprint und in der Verfolgung jeweils Gold. Am eindrucksvollsten, zumindest leistungstechnisch, waren aber ihre Auftritte bei der Biathlon-Weltmeisterschaft 2017 in Hochfilzen. Dort holte sie in vier Einzelrennen dreimal Gold und einmal Silber. Zudem standen am Ende mit der deutschen Damenstaffel und der deutschen Mixed-Staffel noch zwei weitere WM-Titel auf der Habenseite.

Martin Fourcade

Dominant. So lässt sich die Biathlon-Karriere von Martin Fourcade wohl am genauesten beschreiben. Zwischen dem 14. März 2010 und dem exakt gleichen Tag, 10 Jahre später, gewann der Franzose 79 Einzelrennen in Weltcup und schrammte damit so knapp wie niemand zuvor am Rekord von Ole Einar Bjørndalen vorbei. Was der Mann aus Südfrankreich dem „König des Biathlons“ allerdings voraus hat, ist die Zahl der Gesamtweltcupsiege. Mit sieben liegt er hier knapp vor dem Norweger (6). Einzigartig ist daran auch, dass Fourcade diese Titel zwischen 2012 und 2018 jeweils in Serie holte. Zu einer echten Wintersport-Legende machten ihn aber auch seine Erfolge bei Weltmeisterschaften und Olympischen Winterspielen.

Neben 13 WM-Titeln schlummern im Haus des dreifachen Vaters in Villard-de-Lans auch fünf olympische Goldmedaillen im Trophäenschrank. In seiner Rücktrittserklärung von 2020 betonte Martin Fourcade, der sich während seiner aktiven Karriere auch immer wieder kritisch, gerade mit dem Thema Doping im Spitzensport auseinandersetzte, auch in Zukunft in der Sportpolitik aktiv bleiben zu wollen.

Magdalena Forsberg

Die erfolgreichste Athletin in der Geschichte des Biathlon-Weltcups heißt Magdalena Forsberg. Zwischen 1997 und 2002 beherrschte die Schwedin die Konkurrenz zwischen Loipe und Schießstand. Insgesamt 42 Mal stand Forsberg hier in ihrer Karriere ganz oben auf dem Podest, dazu gewann sie sechsmal den Gesamtweltcup. Dazu holte sie auch 17 kleine Kristallkugeln aus den Disziplinweltcupwertungen. Eine Marke, die beim Biathlon im Damenbereich bislang unerreicht ist. Als Trainer war der Ruhpodlinger Biathlon-Guru Wolfgang Pichler immer an ihrer Seite. Und während Magdalena Forsberg Olympiagold bis zu ihrem Karriereende 2002 verwehrt blieb, holte sie bei sechs Biathlon-Weltmeisterschaften insgesamt zwölf Medaillen (6 davon in Gold). Ihre allererste WM-Medaille sicherte sich die ehemalige Langläuferin dagegen schon 1987 mit Staffelbronze bei der Nordischen Ski-WM in Oberstdorf. Was Forsbergs Leistungen allerdings noch bemerkenswerter macht, ist die Tatsache, dass sie aufgrund der damals fehlenden Sportförderung in Schweden als Leistungssportlerin halbtags noch als Steuerberaterin arbeitete, um genügend Geld zu verdienen.

3. Skisprung-Legenden

Michael „Eddie the Eagle“ Edwards

Michael Edwards ist der wohl schlechteste Skispringer aller Zeiten. Dabei wollte er doch nur unbedingt für seine Heimat England an den Olympischen Spielen teilnehmen. Tatsächlich trat der talentfreie Ehrgeizling als erster britischer Skispringer aus dem Vereinigten Königreich bei den Olympischen Spielen 1988 in Calgary an. Er wurde mit 71 m Sprungweite Letzter und von der Presse als „Lachnummer der Nation“ verschrien. Doch Eddie hatte nach dem Motto: „Dabei sein ist alles“ seinen Kindheitstraum verwirklicht. Er bekam den Spitznamen „Eddie the Eagle“ und trotz seiner schlechten sportlichen Leistung avancierte „der Adler“ in England zur Kultfigur.

Seine unglaubliche Geschichte wurde 2016 mit dem Film „Eddie the Eagle: Alles ist möglich“ festgehalten. Mit Taron Egerton, Hugh Jackman und Christopher Walken in den Hauptrollen:

EDDIE THE EAGLE Trailer German Deutsch (2016)

Kamil Stoch

Skispringer Kamil Stoch gilt heute als legitimer Nachfolger des polnischen Nationalhelden Adam Małysz. Mitte der 1990er-Jahre löste der mit seinen Duellen gegen Martin Schmitt und den damit verbundenen Erfolgen im Weltcup sowie bei der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft in seiner Heimat einen wahren Skisprung-Boom aus. Und den nutzte Stoch. Nach seinem Einstieg in den Weltcup 2005 dauerte es knapp sechs Jahre, bis er seinen ersten Einzelerfolg feiern konnte. Und der glückte ihm natürlich in Polens „Skisprung-Hauptstadt“ und seinem Geburtsort, Zakopane. Es sollte einer von dutzenden großen Siegen für den Polen werden. So hatte knapp zehn Jahre zuvor etwa Sven Hannawald in Bischofshofen einen Rekord aufgestellt, den erst der Skisprung-Superstar aus der Hohen Tatra 17 Jahre später einstellen sollte. In der Saison 2001/2002 gewann der Deutsche nämlich als erster Skispringer überhaupt alle vier Springen der Vierschanzentournee.

Der Pole Kamil Stoch zählt zu einem von nur drei Skispringern, die den Grand Slam bei der Vierschanzentournee geschafft haben.

Diesen bis dato einmaligen „Grand Slam“ wiederholte Stoch dann 2018/2019 als zweiter Sportler überhaupt und gewann damit den zweiten seiner bislang drei Tournee-Titel. Mit zwei Gesamtweltcupsiegen, drei olympischen Goldmedaillen, zwei Weltmeistertiteln und eben den Erfolgen bei der Vierschanzentournee ist Kamil Stoch auch einer von nur fünf Skispringern, die bislang jeweils in den vier wichtigsten Wettkämpfen ihrer Sportart triumphierten. Die anderen vier aus diesem erlauchten Kreis sind Espen Bredesen, Thomas Morgenstern, Matti Nykänen und Jens Weißflog.

Jan Boklöv

Ohne Jan Boklöv wäre der Skisprung nicht das, was er heute ist. Schließlich gilt er als Erfinder der V-Sprungtechnik. Nach eigener Aussage wurde er per Zufall bei einem Trainingssprung im Jahr 1985 gewissermaßen dazu „gezwungen“. Denn nur indem er die Skier in der Luft auseinanderriss, konnte der Schwede nämlich in Falun einen schweren Sturz vermeiden. Im Wettbewerb nutzte Boklöv die neu entdeckte Technik sofort und segelte durch den gewonnen Auftrieb teilweise bis zu 20 Meter weiter als seine Konkurrenten:

Erfinder des V-Stils: Wie Jan Boklöv das Skispringen aufmischte | Sportschau

Sie sprangen schließlich zunächst auch weiter in der klassischen Paralleltechnik. Für die „Victory“-Pose bekam Boklöv aber immer wieder Abzüge in der Haltungsnote. Trotzdem war er als fünffacher Sieger bei Einzelweltcups und als Gesamtweltcupsieger 1989 so erfolgreich, dass sich sein Stil doch durchsetzte. Denn so sah es eines Tages auch das Sprungkomitee ein, dass mit dem V-Stil größere Weiten möglich waren, sodass dieser im Jahr 1990 offiziell und endgültig die Parallelsprung-Technik ablöste.

Toni Innauer

Anton „Toni“ Innauer wurde in den 1970er-Jahren als Skispringer zum Idol der Alpennation. Er war der erste in der Geschichte des Skispringens, der fünfmal die Bestnote 20 für einen perfekten Flug erhielt. Im Jahr 1982, mit gerade einmal 22 Jahren, endete die Karriere des ultra-talentierten Österreichers aber nach einem schweren Sturz jäh. Später war er Sportdirektor des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV) und arbeitete seine Karriere-Erlebnisse in dem Buch „Am Puls des Erfolgs“ auf. Darin wirft der heutige Sportphilosoph einen kritischen Blick auf den Spitzensport und stellt fest, dass er selbst nicht als (Volks)-Held angesehen werden wollte.

Sven Hannawald

Als die Skispringer in Deutschland Anfang der 2000er-Jahre wie Popstars gefeiert wurden, war Sven Hannawald mittendrin. Nach seinem ersten Einzelerfolg im Skisprung-Weltcup in Bischofshofen im Januar 1998 sollte es noch etwas dauern, bis der heutige TV-Experte dort auf den Tag genau vier Jahre später den Mythos der Vierschanzentournee knackte. Nachdem er bei der Austragung des prestigeträchtigsten aller Skisprung-Wettkämpfe in der Saison 2001/2002 bereits die Wettkämpfe in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen und Innsbruck gewonnen hatte, triumphierte Hannawald am 6. Januar 2002 zum zweiten Mal beim Dreikönigsspringen. Damit holte er als erster Skispringer der Geschichte den „Grand Slam“ bei der Tournee.

Und obwohl es für Hannawald in seiner Karriere nicht für den Gewinn des Gesamtweltcups reichte, ist er mittlerweile einer der erfolgreichsten Skispringer aus Deutschland und damit auch eine echte Wintersport-Legende. Denn neben jeweils zwei Goldmedaillen bei der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft und bei der Skiflug-Weltmeisterschaft schnappte sich der Schwarzwälder in Salt Lake City 2002 gemeinsam mit Stephan Hocke, Martin Schmitt und Michael Uhrmann auch den Olympiasieg im Teamskispringen.

4. Langlauf-Legenden

Justyna Kowalczyk

Im polnischen Langlaufsport hat sie die Skispitze vorn: Justyna Kowalczyk. Sie war die erste Polin, die eine Olympiamedaille im Langlauf gewann und viermal einen Gesamtweltcup-Sieg einfuhr. Zudem ist Kowalczyk mit vier Gesamterfolgen die alleinige Rekordsiegerin bei der Tour de Ski. Und als zweifache Olympiasiegern (2010 und 2014) eine der erfolgreichsten polnischen Skilangläuferinnen der Sportgeschichte. Legendär wurde ihr Lauf in Sotschi 2014, als sie trotz eines Knochenbruchs im Fuß den 10-km-Lauf im klassischen Stil tapfer meisterte und bei frühlingshaften Temperaturen olympisches Gold gewann:

Cross-Country Skiing - Ladies' 10km Classic - Kowalczyk Wins Gold | Sochi 2014 Winter Olympics

Bjørn Dæhlie

Das 10 km-Langlaufrennen in der klassischen Technik bei den Olympischen Winterspielen 1998 in Nagano ging aus zwei Gründen in die Geschichte ein. Zum einen, weil Bjørn Dæhlie dort seine bis dahin unerreichte, sechste Goldmedaille bei Winterspielen gewann und er damit seinen Status als bester Langläufer aller Zeiten zementierte. Und zum anderen wegen des Auftritts von Philip Boit aus Kenia. Als erster Winterolympionik seines Landes war er in der Loipe natürlich hoffnungslos unterlegen. So erreichte er an 92. Position und damit als Letzter mit über 20 Minuten Rückstand auf den Sieger das Ziel. Doch genau dort kam es wenige Sekunden später zu einem echten olympischen Moment. Denn statt sich seine Medaille abzuholen, war Dæhlie als einziger Athlet im Zielraum geblieben. Den Kenianer persönlich in Empfang zu nehmen, war für ihn schließlich mehr als nur ein Zeichen des Respekts.

Seitdem sind die beiden Männer gute Freunde und Boit benannte sogar seinen Sohn Daehlie nach der Wintersport-Legende. Für den Norweger selbst fiel der Sieg in Nagano in den Herbst einer bis heute unerreichten Karriere. Insgesamt gewann er bei drei Winterspielen achtmal Gold im Langlauf. Bei den Nordischen Ski-Weltmeisterschaften holte sich der norwegische Nationalheld sogar neunmal den WM-Titel. Und im Langlauf-Weltcup stand der sechsfache Gesamtweltcupsieger zwischen 1989 und 1999 in Einzelrennen 46 Mal ganz oben auf dem Podest.

Tobias Angerer

Dass es ausgerechnet ein Skilangläufer aus Deutschland sein sollte, der rund um den Jahreswechsel 2006/2007 Geschichte in der nordischsten aller Sportarten schrieb, damit hatte wohl niemand gerechnet. Als Höhepunkt der Weltcupsaison fand damals nämlich die erste Tour de Ski statt. Und der Gesamtsieger des, wie die berühmte Tour de France auch, aus mehreren Etappen bestehenden Rennes war am Ende tatsächlich Tobias Angerer. Nachdem seine Landsmänner René Sommerfeldt (2004) und Axel Teichmann (2005) den Gesamtweltcup gewonnen hatten, war es Angerer auch, der die Serie der Deutschen mit seinen Triumphen 2006 und 2007 fortsetzte. Mit 16 Weltcupsiegen (Einzelrennen und Staffel) sowie sechs Silber- und fünf Bronzemedaillen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Winterspielen, zählt der Bayer heute auch zu einem der besten Langläufer aus der Bundesrepublik.

Marit Bjørgen

Der inoffizielle Titel der besten Langläuferin aller Zeiten geht in das Mutterland des Sports, an Marit Bjørgen. Nach ihrem Rücktritt 2018 konnte die Norwegerin insgesamt 15 Olympiamedaillen ihr Eigen nennen. Dieser Lebenslauf machte sie zur erfolgreichsten Winterolympionikin der Geschichte. Die letzten beiden ihrer acht Olympiasiege holte Bjørgen in Pyeongchang zum einen über 30 km und mit der norwegischen Frauenstaffel: 

Cross Country Skiing | Ladies' 4 x 5km Relay Highlights | Pyeongchang 2018 | Eurosport

Neben einem Gesamtsieg bei der Tour de Ski (2015) fuhr die gelernte Sprinterin auch vier Triumphe im Gesamtweltcup (2005, 2006, 2012 und 2015) ein. Gerade in der obersten Liga des Skilanglaufs war niemand so erfolgreich wie Marit Bjørgen – auch kein Mann. Unfassbare 220 Mal stand sie im Weltcup auf dem Siegerpodest und davon nach 114 Einzelrennen sogar jeweils auf der obersten Stufe. Und auch mit dem Team (Sprint und Staffel) war die Norwegerin hier 30 Mal erfolgreich.

Dario Cologna

Die Tour de Ski war sein Ding. Denn so oft wie Dario Cologna fuhr hier bei den Herren niemand den Gesamtsieg ein. Insgesamt viermal holte sich der Schweizer am Ende des Final Climbs auf die Alpe Cermis auch das gelbe Leibchen des Führenden des Etappenrennes. Im Münstertal im Kanton Graubünden erblickte der Tour-Rekordsieger 1986 das Licht der Welt und begann im Alter von 5 Jahren zunächst mit dem Alpinen Skisport. Mit 13 wechselte er dann aber von der Piste in die Loipe und stieg dort bis zu seinem Rücktritt 2022 zum besten Langläufer der Eidgenossen auf. Im Weltcup gewann Cologna neben 15 Einzelrennen auch viermal den Gesamtweltcup. Bei der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft 2013 im Val di Fiemme holte er im Skiathlon zudem seinen einzigen WM-Titel.

2010 (in Vancouver), 2014 (in Sotschi) und 2018 (in Pyeongchang) unterstrich der Münstertaler dazu seine besondere Motivation für die Olympischen Winterspielen. Viermal holte er hier Gold für die Schweiz. Aus Anerkennung für seine Leistungen taufte die Rhätischen Bahn im Jahr 2010 in der Schweiz einen ihrer Züge auf den Namen „Dario Cologna“. Während die Gemeinde Tschierv in der Nähe seines Geburtsortes eine Straße nach der Wintersport-Legende benannte.

FAQs zu Wintersport-Legenden

Wer ist der beste deutsche Skifahrer aller Zeiten?

Mit 13 Siegen bei einzelnen Weltcup-Rennen gilt Felix Neureuther in dieser Kategorie als der beste deutsche Skifahrer. Übertrumpft wird er allerdings von zwei Landsfrauen. Denn Katja Seizinger (36 Weltcup-Siege) und Maria Höfl-Riesch (27 Weltcup-Siege) haben nicht nur mehr als doppelt so viele Rennerfolge, sondern sind mit zwei (Seizinger) sowie einer (Höfl-Riesch) großen Kristallkugel auch die bislang einzigen beiden Ski Alpin-Gesamtweltcupsiegerinnen aus Deutschland.

Wie heißt der erfolgreichste österreichische Skifahrer?

Sagenhafte acht Ski Alpin-Gesamtweltcupsiege hat Marcel Hirscher in seiner Karriere einstreichen können. Damit gilt er nicht nur als der erfolgreichste Skifahrer aus Österreich, sondern auch als einer der erfolgreichsten Skifahrer aller Zeiten. Mit sechs großen Kristallkugeln in ihrem Trophäenschrank kann sich Hirschers Landsfrau Annemarie Moser-Pröll bei den Damen bis heute als erfolgreichste Skifahrerin der Welt bezeichnen.

Wer ist der beste Skifahrer aus der Schweiz?

Der beste Skifahrer aus der Schweiz heißt Pirmin Zurbrüggen. Neben vier Ski Alpin-Gesamtweltcups gewann er zwischen 1980 und 1990 insgesamt 40 Weltcuprennen, elf kleine Kristallkugeln im Disziplin-Weltcup, vier Goldmedaillen bei Ski Alpin-Weltmeisterschaften und 1988 einmal Olympiagold. Als beste Skifahrerin aus der Schweiz gilt wiederum Verni Schneider, die dreimal den Ski Alpin-Gesamtweltcup gewann.

Welcher Wintersportler hat die meisten Abfahrtsrennen gewonnen?

Die meisten Abfahrtsrennen in der Geschichte des Ski Alpin-Weltcups hat die US-Amerikanerin Lindsey Vonn gewonnen. 43 Mal stand sie in dieser Disziplin ganz oben auf dem Podest. Mit 36 Abfahrtssiegen liegt die Österreicherin Annemarie Moser-Pröll hier in der ewigen Bestenliste auf dem 2. Platz. Vor ihrem Landsmann Franz Klammer, der 25 Siege in der schnellsten aller Ski Alpin-Disziplinen aufzuweisen hat, allein vier davon bei der legendären Hahnenkamm-Abfahrt in Kitzbühel.

Wer ist der beste Skispringer der Welt?

Die meisten Gesamtweltcupsiege im Skispringen teilen sich die Japanerin Sara Takanashi (2012/13, 2013/14, 2015/16 und 2016/17), der Pole Adam Małysz (2000/01, 2001/02, 2002/03 und 2006/07) sowie der Finne Matti Nykänen (1982/83, 1984/85, 1985/86 und 1987/88) mit jeweils vier. Damit gelten sie als die besten Skispringer der Welt. Die meisten Einzelsiege im Weltcup hat dagegen der Österreicher Gregor Schlierenzauer eingefahren, der 53 Mal ganz oben auf dem Siegerpodest stand.

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