Wie wird Kunstschnee gemacht?

3. Juli 2008 - Thomas Bartel

Wir alle wollen im Skiurlaub auf Pisten mit dicken Schneedecken die Abfahrt genießen. Doch leider meint es Frau Holle nicht immer gut mit uns. Die Lösung: Kunstschnee.

Moderne Schneekanone in Aktion.

Wie entsteht die künstliche weiße Pracht?

Wenn durch zu wenig Schneefall oder durch Tauwetter der Schnee auf den Pisten nicht zum Skifahren oder Snowboarden ausreicht, kommen die sogenannten Schneekanonen zum Einsatz. Das Grundprinzip dieser Beschneiungsanlagen wurde Ende der 40er Jahre zufällig entdeckt, als ein amerikanischer Forscher Wasser in einen Windkanal bei niedrigen Temperaturen sprühte, um die Vereisung von Düsentriebwerken zu untersuchen und dadurch unerwartet Schnee erzeugte.

Die meisten technischen Verfahren zur Erzeugung von Kunstschnee ahmen die natürliche Entstehung von Schnee nach, bei der kleine Wassertropfen langsam gefrieren und so die typische Form von Schneekristallen annehmen. Das für die Produktion benötigte Wasser kommt meist aus Bächen oder (künstlichen) Seen aus der Umgebung.

Meistens wird die Propellerkanone zur Erzeugung von Kunstschnee verwendet. Das Kernelement hierbei ist ein Propeller, der mit Wasser und Strom versorgt wird und einen starken Luftstrom erzeugt. Durch Düsen wird das Wasser vor den Propeller gesprüht und von dem verdichteten Luftstrom an die kalte, trockene Winterluft transportiert. Je nach Witterungsbedingungen kann die Größe der Wassertropfen angepasst werden, damit ein möglichst optimaler Kunstschnee erzeugt wird. Bei einer niedrigen Luftfeuchtigkeit (ca. 30 %) kann dieses Verfahren bereits bei +1°C angewendet werden, bei 80 % Luftfeuchte sind unter -4°C erforderlich. Je höher die Luftfeuchtigkeit ist, desto niedriger müssen die Außentemperaturen sein.

Vorteile von Kunstschnee

Der große Vorteil von Kunstschnee ist, dass seine Beschaffenheit nahezu immer gleich ist. Naturschnee hingegen kann je nach Wassergehalt von sehr pulverig bis sehr pappig sein. Kunstschneepisten sind grundsätzlich härter als Naturschneepisten. Das liegt daran, dass natürlicher Schnee einen höheren Anteil an Luft enthält als der künstlich erzeugte Schnee. Während ein Kubikmeter Naturschnee bis zu 400 kg schwer sein kann, wiegt dieselbe Menge Kunstschnee bis zu 800 kg. Durch die komprimierte Form eines Korns taut Kunstschnee im Vergleich zu Naturschnee deutlich langsamer ab. Aus diesem Grund kann eine Kunstschneepiste durch die tägliche Glättung und Festigung mit Pistenraupen auch nach mehreren Tagen Tauwetter noch für den Skibetrieb erhalten bleiben. Wenn man also im Frühjahr auf ausgeaperten Hängen noch weiße Schneestreifen sieht, dann handelt es sich dabei höchstwahrscheinlich um Kunstschnee.

Europas leistungsfähigstes Netz von Beschneiungsanlagen befindet sich nach eigenen Angaben in Sölden (Ötztal). Hier können elf Pumpenanlagen bis zu 1,8 m³ Kunstschnee pro Sekunde zu erzeugen. Die Anlage könnte also mit anderen Worten in zwei Stunden ein Fußballfeld mit einer Schneeschicht von einem Meter Höhe bedecken.

Sölden besitzt sehr moderne Schneekanonen.

Der Einsatz von Schneekanonen ist nur zu bestimmten Zeiten sinnvoll. So sollte bereits im Vorwinter die Basis für den Aufbau der Pisten geschaffen werden. Innerhalb der Skisaison können dann problematische Bereiche bearbeitet werden. Im Spätwinter hingegen kann eine künstliche Beschneiung schnell zu „Schneematsch“ führen, denn durch die verhältnismäßig langen und warmen Tage hat der Kunstschnee nicht genug Zeit, auszutrocknen.

Umwelteinflüsse

Immer wieder wird darüber diskutiert, ob Kunstschnee der Natur schadet oder nicht. Unumstritten hierbei ist der hohe Energie- und Wasserverbrauch, der langfristig die Umwelt belastet. Es ist bewiesen, dass der Boden unter einer mit Kunstschnee präparierten Piste weitaus weniger auskühlt als der einer Naturschneepiste. Durch die niedrigen Temperaturen auf Pisten mit Naturschnee wachsen dort andere (widerstandsfähigere) Arten als auf künstlich präparierten Pisten. Das verlangsamte Abtauen des Kunstschnees bringt eine Verzögerung des Pflanzenwachstums mit sich. So finden sich auf solchen Pisten Pflanzenarten, die an Hängen mit sehr später Ausaperung wachsen. Allerdings bietet eine Kunstschneedecke Pflanzen einen besseren Schutz vor Skifahrern. Denn durch die braunen Flecken (Flächen ohne Schnee), die auf Naturschneepisten schnell entstehen, können die Pflanzen im Boden leicht von Skiern beschädigt oder zerstört werden.

Nicht zuletzt sind die Auswirkungen von Kunstschnee bzw. den darin enthaltenen Schneezusätzen weiterhin umstritten. In Italien, Frankreich und den USA werden zum Teil abgetötete Bakterien zur besseren Kristallbildung eingesetzt. Zusätze dieser Art sind aber in Deutschland und Österreich nicht erlaubt. Laut des Deutschen Skiverbandes werden chemische Mittel lediglich auf Skirennstrecken eingesetzt, um konstante Wettkampfbedingungen zu schaffen. Grundsätzlich sind also keine Chemikalien für die Erzeugung von Kunstschnee nötig.

Infos zur Präparierung mit Pistenraupen gibt’s hier.

Quellen: http://de.wikipedia.org/wiki/Schneekanone www.slf.ch/lebensraum-alpen/kunstschnee-umwelt-de.html http://www.ski-online.de/2026-Technischer_schnee_und_pisten.htm Broschüre Bergbahnen News. Lenzerheide Süddeutsche Zeitung, 23./24.02.2008

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