Wie wird Kunstschnee gemacht?

16. November 2017 - Katharina Teudt

Wintersportler erwarten im Skiurlaub bestens präparierte Pisten mit dicken Schneedecken. Um das auch bei wenig Schneefall zu gewährleisten, gibt es ein probates Mittel: die Erzeugung von sogenanntem „technischen Schnee“. SnowTrex beleuchtet, wie dieser Kunstschnee hergestellt wird und welche Vor- und Nachteile er mit sich bringt.

Fest installierte Schneekanone in Aktion.

Die Wintersaison in den Skigebieten startet in der Regel im Dezember, sobald der erste Schnee fällt. Wenn die Schneedecke jedoch durch zu wenig Schneefall oder durch Tauwetter zwischenzeitlich nicht zum Skifahren oder Snowboarden ausreicht, kommt die sogenannte „künstliche Beschneiung“ zum Einsatz. Diese wird gewährleistet durch Schneekanonen und Schneelanzen, die in vielen Skigebieten nahezu flächendeckend installiert sind.

Wie entsteht technischer Schnee?

Das Grundprinzip der Beschneiungsanlagen wurde Ende der 1940er Jahre zufällig entdeckt, als ein amerikanischer Forscher Wasser in einen Windkanal bei niedrigen Temperaturen sprühte, um die Vereisung von Düsentriebwerken zu untersuchen und dadurch unerwartet Schnee erzeugte. Seitdem wird diese effektive Schneeerzeugung gewinnbringend im Wintertourismus eingesetzt.

Die meisten technischen Verfahren zur Erzeugung von Kunstschnee – der Fachterminus lautet „technischer Schnee“ – ahmen die natürliche Entstehung von Schnee nach, bei der kleine Wassertropfen langsam gefrieren und in Schneekristallen resultieren. Das für die Produktion benötigte Wasser kommt meist aus Schmelzwasserbächen oder künstlich angelegten Stauseen aus der Umgebung. Um den steigenden Bedarf an künstlich erzeugtem Schnee zu decken, werden nahe der Pisten immer weitere solcher Stauseen und Speicherteiche erbaut.

Propeller und Lanze

In den meisten Fällen wird die Propellerkanone zur Erzeugung von Kunstschnee verwendet. Das Kernelement bei dieser Maschine ist ein großer Propeller, der mit Wasser und Strom versorgt wird und einen starken Luftstrom erzeugt. Durch Düsen wird das Wasser vor den Propeller gesprüht und von dem verdichteten Luftstrom an die kalte, trockene Winterluft transportiert. Je nach Witterungsbedingungen kann die Größe der Wassertropfen angepasst werden, damit ein möglichst optimaler Kunstschnee erzeugt wird. Bei einer niedrigen Luftfeuchtigkeit (ca. 30 Prozent) kann dieses Verfahren bereits bei +1°C angewendet werden, bei 80 Prozent Luftfeuchte sind unter -4°C erforderlich. Je höher die Luftfeuchtigkeit ist, desto niedriger müssen die Außentemperaturen sein.

Mobile Schneekanone auf Rädern.

Eine weitere Methode zur Schneeerzeugung sind Schneelanzen. Diese wie dünne Laternenmasten aussehenden Geräte sind fest am Pistenrand installiert. Sie blasen zerstäubtes Wasser zusammen mit gepresster Luft aus, wodurch ein feiner Schneestaub erzeugt wird, der auf die Piste rieselt.

Alternative Methoden der Schneeerzeugung

Um die Energieeffizienz der technischen Schneeerzeugung zu optimieren, wurden in den vergangenen Jahren verschiedene Methoden erfunden. Das US-Unternehmen Snomax beispielsweise hat ein Verfahren entwickelt, bei dem in das Wasser Bakterienproteine beigemischt werden, die das schnellere Gefrieren der Wassertropfen unterstützt. Durch diese Kristallisationskeime kann Wasser sogar bei Plusgraden gefrieren. In Frankreich und der Schweiz werden diese Keime dem Wasser zugesetzt, obwohl die Methode umstritten ist. In Österreich, Deutschland und Italien ist sie verboten. Laut des Deutschen Skiverbandes werden chemische Mittel lediglich auf Skirennstrecken eingesetzt, um konstante Wettkampfbedingungen zu schaffen. Grundsätzlich sind also keine Chemikalien für die Erzeugung von Kunstschnee nötig.

Im fernen Australien greift man hingegen zu ganz pragmatischen Mitteln: Im Skigebiet Mount Buller werden die Pisten mit Abwasser beschneit. Immerhin versichert man dort, dass das Wasser vorab geklärt und völlig keimfrei sei.

Als energiesparende und umweltschonende Alternative zu diesen Methoden haben findige Wetter-Forscher aus Osttirol eine Kunstschnee-Wolke entwickelt (SnowTrex berichtete). Diese befindet sich noch in der Testphase, ist aber ein vielversprechendes Projekt, das die ökologische Schneeerzeugung revolutionieren könnte.

Die künstliche Schneewolke in Obergurgl.

Umwelteinflüsse

Naturschnee und künstlich erzeugter Schnee weisen unterschiedliche Formen auf, was sich negativ auf das Ökosystem am Berg auswirken kann. Die Flocken, die natürlicherweise vom Himmel fallen, haben eine sechseckige kristalline Form. Die gefrorenen Wassertropfen hingegen besitzen eine runde Form. Dadurch haben diese „Flocken“ eine höhere Dichte und schmelzen langsamer. Das verlangsamte Abtauen des Kunstschnees bringt eine Verzögerung des Pflanzenwachstums mit sich. Das kann den unter der Schneedecke liegenden Pflanzen schaden, wenn sie im Frühjahr noch mit dem Tauwasser des Kunstschnees zu kämpfen haben. Die Regenerations-Phase des Bodens und der Pflanzen wird teilweise empfindlich gestört, sodass noch im Sommer braune Schneisen am Berg verraten, wo eine Kunstschneepiste gewesen ist.

Immer wieder wird darüber diskutiert, ob Kunstschnee der Natur schadet oder nicht. Unumstritten hierbei ist der hohe Energie- und Wasserverbrauch, der langfristig die Umwelt belastet. Hingegen ist bewiesen, dass der Boden unter einer mit Kunstschnee präparierten Piste weitaus weniger auskühlt als der einer Naturschneepiste. Durch die niedrigen Temperaturen auf Pisten mit Naturschnee wachsen dort andere (widerstandsfähigere) Arten als auf künstlich präparierten Pisten.

Vorteile von Kunstschnee

Bei all der Kritik hat technisch erzeugter Schnee auch einige Vorteile: Seine Beschaffenheit ist nahezu immer gleich. Naturschnee hingegen kann je nach Wassergehalt von sehr pulverig bis sehr pappig sein. Kunstschneepisten sind grundsätzlich härter als Naturschneepisten. Das liegt daran, dass technischer Schnee einen höheren Wasseranteil besitzt als Naturschnee. Während ein Kubikmeter Naturschnee bis zu 400 kg schwer sein kann, wiegt dieselbe Menge Kunstschnee bis zu 800 kg. Durch die komprimierte Form eines Korns taut Kunstschnee im Vergleich zu Naturschnee deutlich langsamer auf. Wenn man im Frühjahr auf ausgeaperten (aufgetauten) Hängen noch weiße Schneestreifen sieht, dann handelt es sich dabei höchstwahrscheinlich um Kunstschnee. Dafür vereisen Kunstschneepisten schneller, was zu unliebsamen Eisplatten führt.

Europas leistungsfähigstes Netz von Beschneiungsanlagen befindet sich übrigens – nach eigenen Angaben – in Sölden im Ötztal. Hier stehen insgesamt zwölf Pumpenanlagen, die 363 Schneeerzeuger befüllen. So kann diese umfangreiche Anlage umgerechnet in zwei Stunden ein Fußballfeld mit einer Schneeschicht von einem Meter Höhe bedecken.

Generell ist der Einsatz von Schneekanonen nur zu bestimmten Zeiten sinnvoll. So sollte bereits im Vorwinter die Basis für den Aufbau der Pisten geschaffen werden. Innerhalb der Skisaison können dann problematische Bereiche bearbeitet werden. Im Spätwinter hingegen kann eine künstliche Beschneiung schnell zu “Schneematsch” führen, denn durch die verhältnismäßig langen und warmen Tage hat der Kunstschnee nicht genug Zeit, auszutrocknen.

Zusammenfassung

Für das Skivergnügen geht heute in vielen Skigebieten nichts mehr ohne künstliche Beschneiung. Diese hat Vor- und Nachteile: Die Herstellung von technischem Schnee verschlingt Unmengen an Energie und Wasser. Der künstliche Schnee hält dafür länger und ermöglicht ein längeres, angenehmes Fahrerlebnis. Zur Optimierung der Herstellungsprozesse werden teilweise fragwürdige Methoden angewendet, die jedoch zu den immer weißen Pisten führen, die wir uns alle so sehnlichst wünschen. Es bleibt zu hoffen, dass sich schonende Alternativen wie etwa die künstliche Schneewolke durchsetzen werden, damit wir auch in Zukunft möglichst ökologisch Skifahren können.

Infos zur Präparierung mit Pistenraupen gibt’s hier.

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