St. Anton: Wie alles begann…

18. Januar 2007 - SnowTrex

Die Entwicklung von St. Anton zum international renommierten Skiort ist eng mit der Geschichte des ersten offiziellen Skilehrers am Arlberg verbunden: Hannes Schneider

Hannes Schneider gehört zweifelsohne zu den Skipionieren des Skifahrens. 1890 in Stuben am Arlberg geboren, lernte er im Geheimen schon sehr früh das Skifahren – was eher verwegenen Versuchen auf skiähnlichen Brettern gleichkam. Seine ersten Skier baute er sich aus dem Abfallholz eines Schlittenbauers und übte nachts bei Mondschein, damit er von den anderen Kindern nicht gehänselt wurde.

Mit der Zeit perfektionierte er seine Technik und diente im Ersten Weltkrieg als Skiausbilder bei den österreichischen Bergtruppen. Während dieser Zeit lernte er eine große Zahl von Anfängern einzuweisen, was eine wertvolle Erfahrung für sein späteres Leben sein sollte. Nach dem Krieg gründete er 1921 die Skischule Arlberg, heute die älteste Skischule der Welt. Während andernorts noch der Telemark-Stil gelehrt wurde unterrichtete er mit seinen Skilehrern schon die ersten Vorläufer des noch heute aktuellen Parallelschwungs, den so genannten Stemmbogen.

Ein Werbeplakat aus den 1920er Jahren zeigt den bereits zu einiger Bekanntheit gekommenen Hannes Schneider bei einem Anfängerkurs umringt von bunten Hasen, die so ungekonnt wie frohgemut ihre erste Schritte auf Skiern probieren.

Auffällig: Bereits damals gab es offensichtlich einen Zusammenhang zwischen „Ski“ und „Hase“. Der Werbewert von Persönlichkeiten für das Destinationsmarketing war ebenfalls schon erkannt.

1927 traf sich Schneider in St. Anton mit Arnold Lunn, einem berühmten britischen Skiläufer, Bergsteiger und Schriftsteller, um mit ihm zusammen 1928 das erste Arlberg-Kandahar-Rennen zu starten. Auch heute gehört dieses Rennen noch zu einem der bedeutendsten Wettbewerbe im Skisport. Arnold Lunn rief übrigens auch das berühmte Inferno-Rennen von Mürren (CH) ins Leben, das an diesem Wochenende zum 64. Mal stattfindet (17. – 20.01.07). Ältester Teilnehmer dort: der Neffe von Arnold Lunn.

Zurück zum Arlberg und Hannes Schneider: 1928 wurde auf Schneiders Initiative hin eine staatliche Skiprüfung eingeführt. Ab jetzt durfte nur noch unterrichten, wer diese Skiprüfung erfolgreich abgeschlossen hatte. Aber auch als Schauspieler war der hochtalentierte Skiläufer erfolgreich. 1920 war er in Arnold Fancks Film „Das Wunder des Schneeschuhs“ zu sehen und spielte danach noch in weiteren Filmen Fancks mit. An der Seite von Leni Riefenstahl erlebst er seinen schauspielerischen Höhepunkt in „Der weiße Rausch“. Matthias Fanck, der Enkel und Nachlassverwalter des großen Bergfilmers Arnold Fanck, hat unseren Blog-Artikel „Tiefschneefahren vor 75 Jahren: Der weiße Rausch“ mit einem korrigierenden Kommentar beehrt. Ob er auch diesen Artikel liest?

Szenen aus „Der Weiße Rausch“ wurden später für das Buch „The Wonders of Skiing“ verwendet. Der enorme Erfolg dieses Buches trug zur internationalen Verbreitung der Arlberger Technik bei. 1930 folgte eine Einladung nach Japan. Während dieser dreimonatigen Reise hielt er Vorträge und half als Berater bei der Herstellung von Skiern. In den Jahren 1936 und 1937 folgen weitere Gastauftritte in Boston und New York.

Zwei Jahre später kehrt er unter weniger glücklichen Unständen in die USA zurück. Im März 1938 wurde Schneider von den Nationalsozialisten verhaftet, da er einen Nazi unter seinen Skilehrern aufgrund dessen Gesinnung entließ. Nach internationalem Druck sowie den Bemühungen von Arnold Lunn wurde er vier Wochen später aus dem Gefängnis in Landeck wieder freigelassen (Die genauen, abenteuerlichen Hintergründe der Freilassung lesen Sie am Ende des taz-Artikels). Jedoch wurde ihm sein Skilehrerpatent und somit die Möglichkeit zur Ausübung seiner Profession entzogen.

1939 emigrierte er mit seiner Familie in die USA, wo er am Mount Cranmore in New Hampshire eine Skischule übernahm und den Aufbau des Ski-Resorts mitgestaltete. Die Pisten am Mount Cranmore tragen heute Namen wie „Arlberg“, „Kandahar“, „Schneider“ oder „Skimeister“. In den USA wird Schneider heute als „The father of American skiing“ bezeichnet.

Nach St. Anton kehrte Hannes Schneider nicht mehr dauerhaft zurück, er verstarb 1955 hochdekoriert im Alter von 65 Jahren.

Was unter vielem anderen von Hannes Schneider bleibt, ist dieses Zitat des Skilehrers:

„Ich werde Geschwindigkeit ins Skifahren der Menschen bringen. Die Geschwindigkeit ist der Reiz an der Sache, nicht das Herumfahren.“

Dem ist wenig hinzuzufügen, vielleicht ein Buchtipp: Grundlage dieses Blog-Artikels ist das wunderbare Buch „Die Kunst des Skifahrens“, das anhand von historischen Werbeplakaten im Stil des Art Déco die Entwicklung des Skitourismus kenntnisreich und anschaulich nachzeichnet. Die Lektüre ist eine einzige Freude. Ich habe es mir von meinem Kollegen Matthias Beier geliehen, der es sich zu Weihnachten hat schenken lassen.

 

Jenny de Gex Die Kunst des Skifahrens Christian Brandstätter Verlag, Wien

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