Skirennen für Hobbysportler

7. Juni 2010 - SnowTrex

Bei den meisten Ski- und Snowboardfahrern steht auf der Piste der Spaß an erster Stelle, während die sportliche Leistung eher zweitrangig ist. Aber natürlich hat das Messen mit anderen Amateuren oder sogar Profis auch für Hobbysportler einen gewissen Reiz. In vielen renommierten Wintersportorten der Alpen besteht die Möglichkeit, an sogenannten Volksskirennen teilzunehmen. Während Profis ihre persönliche Bestzeit knacken oder sich sogar einen Platz auf dem Siegertreppchen sichern, können Amateure und Einsteiger etwas Wettkampf-Luft schnuppern. Fest steht, dass bei den traditionellen Rennen der Spaß im Vordergrund steht, ganz gemäß dem Motto: Dabei sein ist alles. SnowTrex stellt die bekanntesten Skirennen für Jedermann in Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz vor. Skier sind angeschnallt und die Skibrille sitzt? Alles klar: 3 – 2 – 1 – GO!

Skirennen bereiten eine Menge Vergnügen. Nicht nur als Zuschauer.

Der Weiße Ring (Lech am Arlberg/Österreich)

Der Weiße Ring ist ein Volksskirennen der Superlative. Es ist das längste Skirennen der Welt und gilt auch als eines der anspruchsvollsten. Insgesamt 5.500 Höhenmeter werden auf einer Gesamtstrecke von 22 km auf Ski zurückgelegt. Es besteht die Möglichkeit, während der sechs Liftfahrten kurz durchzuatmen, trotzdem sollte man eine gute körperliche Verfassung und eine ordentliche Kondition mitbringen. Die Strecke verbindet die Orte Lech, Zürs, Zug und Oberlech und existiert mittlerweile seit über 60 Jahren. Während die Strecke damals noch auf herkömmlichen Holzski bezwungen wurde, sind die Rennläufer heute mit modernem Equipment ausgerüstet. Der Spaß und die Herausforderung sind jedoch über die Jahre nicht abhandengekommen. Wintersportler, die gemäß dem Motto „Dabei sein ist alles“ am Rennen teilnehmen, können sich auf zwei Aussichtsplattformen freuen, die zum kurzen Innehalten und Genießen der malerischen Ausblicke einladen. Natürlich ist der Weiße Ring nicht nur im Rahmen des Rennens zu befahren und Wintersportlern, die ihren Skiurlaub in der Region verbringen, sei geraten, die legendäre Strecke zu erkunden.

Allalin Rennen (Saas-Fee/Schweiz)

Das Allalin Rennen ist ein Event mit langer Tradition, welches mittlerweile schon knapp 40-mal im schweizerischen Saas-Fees stattfand. 1946 gingen erstmals 12 mutige Skifahrer an den Start der legendären Abfahrt, allerdings kamen nur fünf im Ziel an. Heutzutage wird die Piste natürlich bestens für das Rennen vorbereitet, sodass Teilnehmer keine Angst haben brauchen. Trotzdem sollten die Pisten nicht unterschätzt werden, denn Profis und Amateuren wird definitiv einiges abverlangt. Der Start befindet sich am Fuße des Allalin Horns (4.027 m) auf einer Höhe von sage und schreibe 3.500 m. Das Ziel der Gletscherabfahrt befindet sich in Saas-Fee. Die 1.800 Höhenmeter werden auf einer Gesamtstrecke von 8,5 km zurückgelegt. Steilhänge wechseln sich mit kurzen Gleitpassagen ab und verlangen absolute Kontrolle über den Ski oder das Board. Die mutigsten Rennläufer erreichen teilweise Geschwindigkeiten von mehr als 140 km/h. Diese Geschwindigkeiten sind natürlich kein Wert, an dem sich weniger erfahrene Wintersportler orientieren sollten. Wer gediegener fahren möchte, wird zwar nicht erster werden, hat jedoch die Möglichkeit das atemberaubende Bergpanorama voll auszukosten. Außerdem gilt auch bei diesem Volksskirennen: Dabei sein ist alles und Hauptsache der Spaß kommt nicht zu kurz.

Seilrennen (Hochfügen/Österreich)

Hoch über dem Zillertal in Hochfügen wird der Winter seit mehr als 50 Jahren traditionsreich und familiär verabschiedet. Das Hochfügener Seilrennen genießt Legendenstatus und ist ein Wettkampf der ganz besonderen Art, bei dem der Begriff „Zusammenhalt“ eine tragende Rolle spielt. Profis, Nachwuchssportler und ambitionierte Amateurskiläufer gehen hier an den Start und rasen die Rennstrecke gemeinsam hinab. Die Besonderheit bei diesem Event: Die drei Wintersportler eines Teams sind mit einem Seil verbunden. Während Profis in klassischen Rennanzügen antreten, sind auch Teams zu beobachten, die in Dirndl, Jägerkluft oder anderen Verkleidungen ihre Technik unter Beweis stellen. Ab 2019 findet das Seilrennen auf dem Lamark-Hang in Hochfügen statt, sodass Zuschauer gute Sicht auf die Rennläufer genießen. Außerdem werden fortan auch Ski-Cross-Elemente Teil der Strecke sein, die spektakuläre und teils bestimmt auch lustige Sprünge mit sich bringen werden. Auch Nachwuchssportler im Kinder- und Jugendalter haben die Möglichkeit sich anzumelden und den Wanderpokal in ihrer Altersklasse zu ergattern. Das Event zum Abschluss der Saison wird durch ein abwechslungsreiches Programm abseits der Piste ergänzt. Besucher können sich auf Partys, Konzerte, die traditionelle Winterverbrennung sowie den Alpenmarkt freuen.

Das Seilrennen verbindet. Dieses Dreiergespann stellt im traditionellen Look ihr Können unter Beweis.

Hexenabfahrt (Belalp-Blatten/Schweiz)

Die Hexenabfahrt ist wohl das skurrilste Volksrennen in der Schweiz. Vor langer Zeit soll auf der Belalp eine Hexe ihr Unwesen getrieben haben. Zum Gedenken an ihre Opfer wird seit mehr als 30 Jahren die Hexenabfahrt von Amateuren und Profis bezwungen. Teilweise verkleiden sich die Rennläufer als Hexen und rasen, ja fliegen fast schon, talabwärts. Die Strecke ist mitunter recht steil, sodass die schnellsten Teilnehmer Geschwindigkeiten über 110 km/h erreichen. Der Start befindet sich auf 3.100 m Höhe, das Ziel auf 1.300 m. Auf der 12 km langen Abfahrt wird den Rennläufern hinsichtlich ihrer Kondition einiges abverlangt, aber da bei diesem Event definitiv der Spaß im Vordergrund steht, können sich die Hexen auch guten Gewissens Zeit lassen und sich bei den kulinarischen Stationen entlang der Strecke mit Walliser Spezialitäten und Walliser Wein verwöhnen lassen. Da die Teilnehmerzahl auf 1.000 Personen begrenzt ist, ist es empfehlenswert, sich frühzeitig anzumelden. Vorteil ist, dass so auf jeden Fall genügend Zeit bleibt, ein schaurig-schönes Kostüm zu entwerfen.

Pitztal WildFace (Pitztal/Österreich)

Beim Pitztal WildFace handelt es sich nicht um ein Rennen der klassischen Art. Die Rider fahren die Abfahrt einzeln und gehen an ihr Limit, um eine bestmögliche Zeit herauszuholen. Allerdings geht es hier nicht auf bestens präparierten Pisten talabwärts, sondern durch das raue Gelände am Mittagskogel und zwar abseits der Pisten des Skigebiets Rifflsee. Das Event steigt seit 2014 im Rahmen der Freeride World Tour und ist ein Freeride World Qualifier-Event. Das heißt, die Teilnehmer können durch ihre Zeiten Punkte sammeln, mit denen sie sich bestenfalls einen Startplatz für den Hauptwettbewerb der Freeride World Tour sichern können. „Teilnahmeberechtigt ist jeder, der den Berg mit Ski oder einem Snowboard bewältigen kann“, heißt es in den Teilnahmebedingungen. Teilnehmer sollten sich jedoch bewusst sein, dass das Skirennen im Gelände grundlegend von einem auf der Piste unterscheidet. Zum einen erfordern die unberührten Hänge des Pitztals viel Erfahrung und eine gute Technik. Zum anderen braucht man eine wirklich gute Kondition und ordentlich Muckis in den Beinen. Wintersportler, die schon mal im Gelände unterwegs waren, wissen, wie schnell die Oberschenkel anfangen zu brennen. Wer sich das Bezwingen der Adrenalin-Abfahrt zutraut, wird sich jedoch mit Sicherheit sein Leben lang an diese sagenhafte Abfahrt erinnern.

Weißer Rausch (Arlberg/Österreich)

Alljährlich am Saisonende treffen sich in St. Anton am Arlberg 500 Skifahrer und Snowboarder, um sich nach dem Startschuss vom höchsten Punkt des Skigebiets aus zeitgleich ins Tal zu stürzen. Von der Valluga aus hinab nach St. Anton brauchen die besten Fahrer weniger als acht Minuten, die meisten schaffen es nicht unter zehn. Und die Gaudi-Fahrer nehmen sich eine halbe Stunde lang Zeit für die 9 Kilometer lange Strecke (1.350 Höhenmeter). Dieses Top-Event lockt außerdem mit einem rauschenden Fest für die Zuschauer.

Der Start des Weißen Rauschs kann etwas chaotisch sein.

Inferno-Rennen (Mürren/Schweiz)

Das Inferno-Rennen, 1928 erstmals von „skiverrückten“ Engländern ausgetragen, gilt heute als eines der größten und schwersten Amateurrennen des weltweiten Skisports. Die Teilnehmerzahl ist auf 1.800 beschränkt und jedes Jahr müssen mindestens ebenso viele Startwillige abgewiesen werden. Die abwechslungsreiche, spezielle Topographie macht den Reiz dieser 15,8 km langen Strecke in Mürren aus. Gute Skifahrer benötigen ca. 45 Minuten für die Abfahrt, die Sieger im Rennen weniger als 15 Minuten.

Gardenissima (Grödnertal/Italien)

Die Gardenissima im Skigebiet Seceda auf der Sonnenseite des Grödnertals ist der längste Riesentorlauf der Welt. Gute körperliche Verfassung ist für die Strecke von sechs Kilometern erforderlich. Die Fahrzeit beläuft sich auf mindestens 3’40″ bis knapp über vier Minuten. 88 Tore befinden sich auf dem Parcours, der 1.000 Höhenmeter überwindet. Unter den Teilnehmern sind auch immer etliche Stars des Alpinen Ski-Weltcups. Die Teilnehmerzahl ist auf 600 begrenzt.

Lieber Zuschauer bei Profi-Rennen? Dann gibt es hier die jeweils aktuellen Ski Alpin Weltcup-Termine.

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