Skiort wird umgekrempelt: Was wird aus Andermatt?

28. Juni 2007 - SnowTrex

Milliardär aus Ägypten plant Großprojekt in Andermatt

Vor kurzem haben wir vom schweizerischen Skigebiet Ernergalen berichtet, das zum Verkauf steht. Nun geht es in Andermatt nicht um den Verkauf des Skigebiets, das v. a. unter Tiefschnee-Freunden hohes Ansehen genießt. Stattdessen soll im Ort ein eigenes Dorf aus 6 Hotels mit 800 Zimmern, 600 Appartements, 100 Villen, Golfplatz, Badelandschaft und Einkaufszentrum entstehen. Derzeit hat Andermatt 1.500 Gästebetten und 1.400 Einwohner. Angesichts der Dimension des Projekts mag sich mancher fragen: Liegt die Bergidylle auf dem Basar zum Verkauf?

Andermatt zwischen Furkapass, Oberalppass und Gotthard:

(Quelle: www.montainsurfclub.ch)

Samih Sawiris, einer der reichsten Männer Ägyptens, ist Besitzer von Orascom Hotels & Development und ist vertraut mit großen Projekten. So entstand 1990 am Roten Meer das Ferienresort El Gouna, so groß wie das Zentrum von London. Es umfasst nicht nur 14 Hotels und 2.100 Ferienwohnungen, hinzukommen zwei Häfen, ein Krankenhaus, ein Flugplatz und diverse Schulen für die Bewohner und Familien des Ortes. Andermatt ist das erste Projekt in Europa für den Rockefeller Ägyptens und eine echte Herausforderung, wie er selbst sagt. Nach seiner Aussage steht nicht der Massentourismus im Vordergrund, sondern der sorgsame Umgang mit der Umwelt und die Erschaffung neuer Arbeitsplätze für die Bevölkerung des Örtchens.

Andermatt auf 1.444 m ist ein intakter Ort mit vielen Landreserven, wobei angeblich kein Gefühl der Enge entsteht soll, wenn die Landschaft zusätzlich bebaut ist. Die Präsentation seiner Pläne übernahm er persönlich, um einen guten Eindruck bei der Bevölkerung zu hinterlassen, was ihm offensichtlich gelungen ist. Zusätzlich hat er einen PR-Berater engagiert. Spatenstich für das 500 Millionen teure Projekt soll im Frühjahr 2009 sein, Ende 2010 wird sich Andermatt deutlich verändert haben.

Gegner der „Ferienoase“ in der Minderheit Es gibt nur Wenige, die sich gegen den Bau sträuben und lieber ihr Leben wie bisher weiterleben wollen, aber es gibt sie. So zum Beispiel die Bauernfamilie Regli, welche ihr Land um keinen Preis verkaufen möchte. Sie sehen die Reaktion der Behörden als überstürzt und sind der Meinung, dass die Folgen und nachteiligen Auswirkungen nicht genug überdacht worden sind und die Seele der Region verloren gehen wird. Zudem sehen sie sich als unqualifiziert für die neue Berufssparte. Für die Behörden hingegen ist der Besuch Sawiris wie ein Geschenk. Andermatt befindet sich in einer wirtschaftlichen Krise und nun kommt jemand daher um alles zu verbessern. Arbeitsplätze werden geschaffen und nicht benötigtes Land kann verkauft werden, was Geld einbringt. Mit diesen Argumenten wurden die Minderheiten überstimmt und der Realisierung steht nichts mehr im Wege.

Weitere Projekte Zur Ruhe setzen wird sich der Unternehmer so schnell nicht, so schielt er schon auf sein nächstes potentielles Projekt im Ort Sonthofen. Ein noch größeres Vorhaben, in diesem Fall von der TUI, ist bereits beschlossene Sache: Europas größter Reisekonzern hat in der Toskana einen ganzes Dort (Tenuta de Castelfalfi) samt Umgebung mit Feldern, Wiesen und Wäldern gekauft.

Weiterführende Infos zu dem Großprojekt in Andermatt:

– Protest gegen einen Persil-Schein für das Projekt – Projektbeschreibung bei Orascom – Projektbeschreibung von staatlicher SeiteAndermatt und das Projekt bei Wikipedia

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