Skifahren in… Frankreich – überraschend anders!

16. September 2014 - Katharina Teudt

Nirgendwo in Europa gibt es so umfangreiche Skigebiete wie in Frankreich. Das europäische Eldorado der Pistenkilometer hat mit dem Trois Vallées das größte zusammenhängende Skigebiet der Welt zu bieten, dazu mehrere Top-Spots zum Freeriden und „kleinere“ Areale ab 100 km Piste für Familien. Damit bekommt die Phrase „Skifahren wie Gott in Frankreich“ wahrlich ihre Berechtigung.

Unterkunft direkt im Skigebiet – Standard in Val Thorens © B.Longo OT Val Thorens

In Frankreich tummeln sich rund 360 Skiorte, etwa 30 % aller Skigebiete der Welt liegen auf französischem Terrain. Da verwundert es nicht, dass der sportliche Aspekt des Skifahrens in Frankreich im Fokus steht. Im Zuge des „Volkssports Skifahren“ wurden seit den 1960-er Jahren viele Skidörfer erbaut, die dem Zweck dienten, möglichst vielen Menschen das Skifahren zu ermöglichen. So entstanden in wenigen Jahrzehnten zahlreiche Skidörfer, die sich an die bestehenden Skiresorts angliederten oder kleinere neue erschlossen. Die Orte bestehen meist aus zwei Ebenen: einmal das ursprüngliche, traditionelle Dorf und darüber das moderne Skiresort mit Hotels und Appartementanlagen. Der Vorteil daran ist, dass die Gäste unmittelbar am Lift wohnen und sie vom Bett direkt auf die Piste fallen. Rasante Entwicklung, wenig Tradition? Es hat sich die weitläufige Meinung etabliert, dass den Franzosen die traditionelle Hüttenromantik abgeht. Dem ist jedoch keineswegs so. Man muss nur wissen, wo man hinab wedeln muss. Kleinere Orte wie das savoyische Saint Sorlin oder das gemütliche Valfréjus versprühen den Charme französischer Bergdörfer regelrecht. Auch in den großen Resorts finden sich nahezu an jeder Bergstation hölzerne Berghütten zum Aufwärmen – von innen und außen.

Hütte Le Spot auf der Alpe d’Huez

Auch Party im Paket

Entsprechend der Einkehrphilosophie bleibt auch die große Gaudi nach Liftschluss nicht aus. Après-Party und lange Abende in Clubs können Nachtschwärmer in den Partyzentren wie Val Thorens im Trois Vallées oder La Plagne erleben. Die riesige Gebirgslandschaft der Savoyer Alpen ist mit den neuralgischen Ski-Zentren wie La Plagne, Val Thorens, Tignes und Valmeinier ohnehin für die Kombination „Piste und Party“ prädestiniert. Es zählt jedoch immer, was der Gast selbst aus dem Abend macht. Viele möchten bei einem kultivierten Glas Wein entspannen, manche aber auch das Tanzbein schwingen. Für beides bieten die größeren Skiregionen am Tag die Hütten und Schirmbars im Skigebiet sowie im Ort oft einen In-Club, in dem sich das Partyvolk versammelt.

Abwechslung für Vielfahrer

Ganz im Osten Frankreichs und somit in den höchsten Bergen der französischen Alpen liegt das Département Haute Savoie. Es ist der absolute Hotspot des unbegrenzten Pistenvergnügens. Zu Füßen des Mont Blanc (4.810 m), dem „Dach Europas“, liegt das Megaskigebiet Portes du Soleil mit gewaltigen 650 km Piste. Fairerweise muss festgehalten werden, dass es sich hierbei nicht um ein rein französisches Skigebiet handelt, da es sich zum Teil auf das Schweizerische Wallis erstreckt. Dennoch können alle Pisten mit einem Skipass befahren werden. La Plagne und Les Arces bilden zusammen den großen Verbund Paradiski, einem weiteren Highlight auf französischem Boden, das 425 Pistenkilometer bietet.

In La Plagne ist auch abends viel los © OPGP_E.SIRPARANTA

Eine große regionale Hochzeit hat auch das Val d´Isère zum großen Player gemacht. Das gleichnamige Skigebiet hat sich mit Tignes zum Espace Killy zusammengeschlossen, ein Verbund mit 300 km Abfahrt. Da wirken die weiteren Top-Gebiete wie Chamonix mit 115 km oder La Clusaz mit 132 km gerade zu klein. Dabei ist auch hier die Abwechslung groß und vor allem das Freeriden ein Genuss.

Noch mehr Top-Spots

Damit ist es mit den Superlativen aber noch nicht genug. Die Hautes Alpes punktet – abgesehen von der Mont-Blanc-Gruppe – mit den höchsten Bergen Frankreichs, von denen mehrere an der 4.000er-Marke kratzen. Mit dem Barre des Ecrins (4.102 m) erhebt sich hier der südlichste Viertausender der Alpen. Beste Voraussetzungen für ein abwechslungsreiches Wintersportterrain. Am Massif de Dévoluy etwa stehen insgesamt 100 Pistenkilometer zur Auswahl, im Fôret Blanche sind es 185, in Serre Chevalier sogar 250 km.

Kinder willkommen

Frankreich wäre kein Skiurlaubsland der Superlative, wenn es nicht für wirklich jeden Bedarf etwas zu bieten hätte. Familien mit Kindern finden in großen wie kleineren Tälern ihre Traumvorstellung von Skiurlaub verwirklicht: Val d’Allos im Espace Lumière, das überschaubare Puy St.Vincent mit 75 km, das Anfänger-freundliche Super Dévoluy mit rund 100 km Abfahrt, Vars-Le-Claux im Forêt Blanche und das beschauliche Saint Sorlin. All diese Orte haben Auszeichnungen für ihre Familienfreundlichkeit bekommen. Der Standard dieses Gütesigels liegt in der familienfreundlichen Infrastruktur, professioneller Kinderbetreuung und einem Unterhaltungs- bzw. Aktivitätsprogramm für jedes Kinderalter.

Breite Familienpisten in Saint Sorlin

Sonniger Süden für Genussfahrer

Die Seealpen im Südosten Frankreichs sind vor allem für ihre landschaftliche Vielfalt mit imposanten Schluchten, wuchtigen Bergmassiven und bizarren Felsgraten bekannt. In dieser Szenerie liegen charmante kleine Skidörfer mit vielen Sonnenstunden und Pisten bis über 3.000 m Höhe. Eines der größten Skigebiete der Südalpen ist das Espace Lumière mit 180 km. In den ganz südlich gelegene Seealpen weht ein Hauch von warmer Côte d’Azur-Luft herüber. Die südlichsten Wintersportgebiete der französischen Alpen sind somit geprägt von klarer Luft und mildem Klima.

Heiße Tipps für Powderfans

Als Mekka für Tiefschnee-Fans gilt Les 2 Alpes mit seinem Übergang in das Freeride-Gebiet La Grave. Insgesamt haben Freerider hier 100 km Skirouten zur Verfügung. Mehr geht kaum! Ein weiterer Hot-Spot für Extremskifahrer sind die Hänge der Le Pas de Chèvre, dem Le Glacier de Rognins oder dem Vallée Blanche. Letzteres ist eine unpräparierte Abfahrt von ca. 20 km runter nach Chamonix, die zu den berühmtesten Tiefschnee-Abfahrten der Welt gehört. Da schlägt einem das Powderherz bis zum Hals. Offpiste-Freaks, die sich eher in nördlichen Gefilden der französischen Alpen an der Schweizer Grenze tummeln, sollten den Powder im riesigen Portes du Soleil austesten, wo immerhin 50 km Skirouten zur Wahl stehen.

Auf der Sonnenseite in Les 2 Alpes

Französische Rekorde

Bei solch einer Menge an Pisten ist es nicht überraschend, das sich in den französischen Gebieten viele Rekorde versammelt haben. Im Rennen um das größte zusammenhängende Skigebiet der Welt sind die Trois Vallées mit sagenhaften 650 km Abfahrt (inklusive Skirouten) sowie die grenzübergreifende Region Les Portes du Soleil mit 650 km (plus 50 km Freeride-Zone) ganz vorne mit dabei. Die längste Piste Europas ist die 16 km lange „La Sarenne“, die durch das Könner-Skigebiet Alpe d’Huez führt. Das Gletschergebiet am Pic Blanc ist besonders für seine langen und steilen Pisten bekannt. Die größte Seilbahn der Welt ist der Vanoise Express, der die Skigebiete Les Arces und La Plagne zum Paradiski verbindet. Die Gondel fasst 200 Personen auf zwei Stockwerken und bringt diese in nur 4 Minuten über 1.824 m auf den Berg. Damit ist sie die größte und gleichzeitig schnellste Luftseilbahn der Welt.

All diese Zahlen machen uns ganz schwindelig und doch ist gewiss: Frankreich ist eine Top-Destination für alle Skifahrer. Ein Winterurlaub in Frankreich kann zudem eine preisgünstige ALternative zur Reise nach Österreich sein. Es kommt nur darauf an, wann und wo Sie buchen! Prüfen Sie es gleich hier nach.

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