Skifahren in … Deutschland – ein Wintermärchen

9. September 2014 - Katharina Teudt

Für viele Deutsche ist Österreich nach wie vor das erste Reiseziel für einen erfüllten Skiurlaub. Doch gerade für Familien haben die deutschen Mittelgebirge und die Bayerischen Alpen auch einiges zu bieten. Warum also weit fahren, wenn schöne Pisten quasi vor der Haustür liegen? Man muss nur genau hinsehen.

Traumhafte Tiefschneehänge im bayerischen Oberstdorf © Kleinwalsertal Tourismus/Hans Wiesenhofer

Betrachtet man die Landkarte, befinden sich in Mittel- und Süddeutschland beinah flächendeckend tolle Landschaften, die mal kleinere, mal größere Skigebiete beherbergen. Insgesamt finden sich auf deutschem Boden über 180 Skigebiete. Zählt man jeden Hausberg im noch so kleinen Dorf hinzu, sind es sogar weit über 200. Das Schöne an den Wintersportregionen in Deutschland ist ihre Vielseitigkeit. Wenn die Höhenlage und die Flächenkapazität kein großes Skigebiet hergeben, ist das alternative Sportprogramm umso größer. Das Gelände ist vielerorts weit und relativ flach, so dass sich beispielsweise Langlauf-Zentren gebildet haben, die mit einem tollen Loipennetz punkten.

Langlaufen ist in Mitteldeutschland sehr beliebt© TVB Harz-Goslar

Überhaupt ist der Nordic Sport nach wie vor ein großer Trend, gerade in den neuen Bundesländern wie Thüringen oder Sachsen. Auch das Rodeln kommt nirgends zu kurz. Beim Angebot von Schlittschuhlaufen über Rodeln bis Winterwandern stehen die deutschen Skidestinationen den österreichischen in Nichts nach.

Berge für Familien Viele kleine, einfache aber nicht weniger schöne Skigebiete tummeln sich in den größeren Mittelgebirgen Deutschlands. Für Familien und Anfänger ist etwa der Große Arber (1.456 m) im Bayerischen Wald ein gefragtes Ziel. Hier befindet sich nicht nur der höchste Gipfel der Region, sondern mit 10 Pistenkilometern auch das größte Skigebiet im Bayerischen Wald. Großes Plus ist das Anfängerareal mit vier Zauberteppichen und dem trefflichen Namen ArBär-Kinderland. Es liegt nahe, dass das hiesige Maskottchen in Form eines Bären die Kinder beim Lernen unterstützt.

Am Großen Arber ist der Bär los© Arber Bergbahn

Vor allem bei den Westdeutschen beliebt ist Winterberg im Herzen der Skiregion Sauerland. Die Liftanlagen und das gastronomische Angebot wurden dort in den letzten Jahren stark aufgestockt, so dass es mittlerweile 10 Skigebiete mit 50 km Piste zu bieten hat. Zu den Highlights im Skiliftkarussell zählt vor allem das Nachtskifahren unter Flutlicht und im Zusammenhang damit ein ausgewachsenes Aprés-Ski-Angebot.

Skifahren im Osten Die nächstliegende Region für Skifahrer aus Sachsen, aber auch eine tolle Region für alle, die romantische, tief verschneite Traumlandschaften suchen, ist der Fichtelberg im Erzgebirge. In der Heimat von Holzpyramiden, Schwibbögen und Räuchermännlein finden sich über 20 Abfahrten in verschiedenen Skigebieten. Das beliebteste und größte Skigebiet Ostdeutschlands liegt direkt an der tschechischen Grenze bei Oberwiesenthal. Mit 15 km Abfahrt, einem Kinderland und Snowboard-Funpark wird es unterschiedlichsten Ansprüchen gerecht. In Thüringen geht es in kleinen Arealen wie Oberhof (2 km) ruhig und beschaulich zu. Diese Region ist vor allem eine beliebte Anlaufstelle für Langläufer. Höchster Berg im Harz und bekanntestes Urlaubsziel in Sachsen-Anhalt ist der Brocken (1.141 m). Unweit des Aussichtsbergs finden sich mehrere kleine Skigebiete, unter anderem am Bocksberg in ruhiger Lage mit schönstem Harzblick.

Halfpipe im Snowpark Oberwiesenthal

Umso südlicher, desto sportlicher die Pisten. So könnte man meinen, schließlich geht es auf die Bayerischen Alpen mit Höhen bis über 2000 m zu. Doch auch in Bayern finden sich tolle Familienregionen wie das Berchtesgadener Land mit dem majestätischen Watzmann (2.713 m). In fünf Kurorten werden unterschiedliche Niveaustufen, aber vornehmlich Eltern mit jüngeren und älteren Kindern glücklich.

Berge für sportliche Fahrer Richtung Alpenrand finden sich neben Familienpisten auch abwechslungsreichere und schwierigere Abfahrten. Nicht nur Genussfahrer sondern auch Pistencracks und Offroad-Fahrer werden hier in zahlreichen Skigebieten bestens bedient. Abfahrten mit Anspruch hat zum Beispiel der Liftverbund Feldberg am gleichnamigen Gipfel (1.493 m) zu bieten. Es ist das größte zusammenhängende Skigebiet im Schwarzwald mit 15 Liften und 26 km Abfahrt. Insgesamt 5 km sind schwarz, darunter die sehr anspruchsvolle FIS Weltcupabfahrt, aber auch schmale Waldabfahrten.

Morgenstimmung am Feldberg © Achim Mende/Schwarzwald Tourimsmus GmbH

Nennenswert für sportliche Fahrer ist das Brauneck in Lenggries-Wegscheid mit 34 Abfahrtskilometern und vor allem Oberstdorf im Kleinwalsertal, wo von Fellhorn und Kanzelwand insgesamt 33 km Piste abgehen. Die Pisten der südlichsten Gemeinde Bayerns beweisen, dass man auch im Oberallgäu exzellent Skifahren kann. Das flächenmäßig größte Skigebiet Deutschlands befindet sich am Sudelfeld in Bayrischzell, etwa 70 km südlich der Landeshauptstadt München. Das Gebiet gehört mit seinen 31 km Pistenlänge zwar nicht zu den richtig großen Playern, die sich hinter der österreichischen Grenze erstrecken, jedoch besticht es durch seine Vielseitigkeit und die idyllische oberbayerische Alpenlandschaft. Einsteiger finden am Sudelfeld ebenso ihre Abfahrten wie Könner auf den schwarzen Pisten und Freestyler einen durchgestylten Funpark.

Deutschlands höchstes Skigebiet Nicht zu vergessen unter den deutschen Top-Gebieten sei die Zugspitze, Deutschlands einziges Gletschergebiet, das bis auf 2.720 m hinauf reicht. Auf der obere Sektion, dem Zugspitzplatt, sind eher einfache und mittelschwere Pisten vereint, wohingegen das etwas niedriger gelegenen, größere Skigebiet Garmisch Classic umso mehr steile Abfahrten zu bieten hat. 10 km tiefschwarze Pisten schlängeln sich vom Kreuzjoch, Kreuzeck und Hausberg hinab. Die berühmteste ist sicherlich die rund 3 km lange Kandahar-Weltcup-Abfahrt. Zugspitzplatt und Garmisch Classic sind unabhängig voneinander und mit unterschiedlichen Liften erschlossen, also führt leider von ganz oben keine Piste bis ganz nach unten. Dafür gibt es mit dem „Terrain Park“ auf dem Zugspitz-Plateau einen wohl geshapten Funpark.

Die Auflistung toller Skigebiete in Bayern und Baden-Württemberg könnte noch lange weitergeführt werden, und auch in den übrigen mitteldeutschen Skiregionen haben wir noch lang nicht all die schönen Pisten erwähnt, die es zu befahren lohnt. Da behaupte mal noch einer, dass es in Deutschland keine richtigen Skigebiete gäbe!

Alternative Skihalle Die deutsche Skination wäre nicht vollständig, wenn nicht jedermann auch abseits jeglicher natürlicher Erhebung Skifahren könnte. Für den spontanen Skigenuss geht es kurzerhand auf die künstliche Piste in einer Skihalle. Selbst diejenigen, die nicht in der Nähe einer der oben genannten Skiregionen wohnen, können so mal kurz eine Abfahrt mitnehmen. Seit dem Bau der ersten Halle in Neuss wurden insgesamt sechs Standorte aufgebaut: in Bottrop, Neuss, Senftenberg, Wittenburg, Oberhof und Bispingen. Der Vorteil: Indoor-Skifahren ist das ganze Jahr über bei gleich guten Schneebedingungen möglich. Der Nachteil: Die Abfahrt ist sehr kurz und das Bergpanorama fehlt. Einen Skiurlaub in den Bergen kann die Skihalle also keinesfalls ersetzen!

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