Schwitzen im Skigebiet: Die erste Sauna-Gondel der Welt

17. Oktober 2012 - Katharina Teudt

Spätestens seit den PISA-Studien weiß man über Finnland, das Land im hohen Norden Europas, vor allem eines: das Bildungssystem gehört zum Besten, was unser Kontinent zu bieten hat und die unter anderem daraus resultierende gute Wirtschaftslage ist vorbildlich. Wenn es darum geht, was man hierzulande sonst über das Land der so zahlreichen Seen und Wälder sagen kann, dann ist es eben genau das: in Finnland gibt es Unmengen an Seen und Wäldern, die die beeindruckende Schönheit in ewigen Weiten ausmachen. Und würde man fragen, welches Tier man mit Finnland assoziiere, die Antwort wäre wohl eindeutig: den Elch.

Ein Merkmal und Exportgut darf in dieser Auflistung freilich nicht fehlen: die wohl „finnischste“ aller finnischen Erfindungen, die Sauna. Das Saunieren ist für Finnen nicht einfach nur ein Hobby, es ist eine seit Jahrhunderten gepflegte Tradition. Kaum ein Heim ohne Sauna-Häuschen oder Sauna-Keller wird man hier finden, schließlich gilt den Einwohnern die Sauna als heilender Ort. Aufgrund ihrer Reinheit und Sterilität gebar man dort früher sogar den Nachwuchs. Da überrascht es dann nicht wirklich, wenn man erfährt, dass es in Finnland mehr Saunen als Autos gibt!

Wesentlich überraschender ist es hingegen, dass man seit dem Jahr 2008 mitten in einem Skigebiet eine Sauna vorfinden kann. Nahe der Grenze zu Schweden, in der Provinz Lappland, liegt das Skiresort Ylläs, dessen höchster Punkt der gleichnamige, 718 m hohe Berg ist. Um eben jenen  zu erreichen, nutzen die Wintersportler – wie wäre es anders üblich – die dafür vorgesehenen Skilifte. Einzigartig ist jedoch, dass einer der Lifte bereits von Weitem durch seine hölzerne Verkleidung heraussticht und sich bei näherer Betrachtung als Schwitzkabine der besonderen Art herauskristallisiert. Mit Fug und Recht darf man hier nämlich behaupten, die erste Sauna-Gondel der Welt zu besitzen.

Bis zu vier Personen finden in der Sauna-Kabine Platz und geraten bei eisigen Außentemperaturen für etwa 15 bis 20 Minuten ins Schwitzen, denn solange dauert eine Fahrt. An der Bergstation wird die Gondel elektrisch aufgeheizt, um optimale Temperaturen zu erreichen. Dann startet sie ihre etwa zwei Kilometer lange Tour. Die warme Skikleidung muss allerdings draußen bleiben, geschwitzt wird schließlich, wie es sich gehört, ohne Bekleidung. Sorgen, von anderen Skifahren beobachtet zu werden, muss niemand haben, da die Kabine mit verdunkelten Scheiben ausgestattet ist.

Am Gipfel angekommen, erwartet die Sauna-Gänger das „Café Gondel“, welches Duschen, einen Jacuzzi und, wem es noch nicht genügt, weitere Saunen bereithält. Ein günstiges Unterfangen ist der Sauna-Spaß aber nicht. Wer die Gondel z. B. für zwei Stunden mieten möchte, darf stolze 1.500 € berappen.

Allein für die kurzweilige Sauna-Fahrt wird jedoch wohl kaum irgendjemand die Reise nach Ylläs antreten. Das Skigebiet hat selbstverständlich noch einiges mehr für seine Gäste im Programm. Durch schiere Größe, wie die Vertreter aus Frankreich oder Österreich, mag es sicher nicht beeindrucken. Lohnend ist es dennoch allemal, hier auf gekonnte Weise Ski und Wellness zu verbinden. Auf immerhin 55 Pistenkilometern haben Ski-Asse die Möglichkeit, entweder vor oder nach dem schweißtreibenden Saunieren ihre ganze Coolness beweisen. Unzählige Loipenkilometer dürfen natürlich in der Langlaufnation Finnland ebenfalls nicht fehlen. Obendrein sollte man sich zu später Stunde, als Abschluss eines gelungenen Tages, natürlich nicht die berüchtigten Nordlichter entgehen lassen!

Quellen:

www.reisen.t-online.de www.yllas.fi/

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