Schneekanonen – für und wider

16. Februar 2011 - Katharina Teudt

Welcher Skifahrer hat sie bei seinen Abfahrten noch nicht bemerkt? Die oftmals kurios anmutenden, rund oder konkav geformten Apparaturen, die in vielen Skigebieten Schneesicherheit bis in den Frühling hinein garantieren sollen. Dass hinter den Schneekanonen komplexe technische Systeme stecken, wird beim Vorbeigleiten oft übersehen.

Zuvorderst eine kurze technische Einordnung: Kunstschnee-Kristalle sind oft größer als Naturschnee, wobei sich die Größenordnung im Mikrometer-Bereich abspielt und für das menschliche Auge nicht zu erkennen ist. Auch die Form des Kunstschnees ist anders: während Naturschnee-Kristalle eine hexagonale Form haben, sind Kunstschnee-Kristalle eher kugelförmig. Da während des Beschneiungs-Prozesses möglichst kaltes Wasser zu feinsten Tröpfchen zerstäubt und weggeschleudert wird, gelingt das Ausfrieren zum Schneekristall am besten bei kältester Luft und niedrigster Luftfeuchtigkeit.

Meist beginnt die Beschneiung schon Ende November, um zu Weihnachten Skibetrieb garantieren zu können. So wird eine 30-40 cm dicke „Grundbeschneiung“ durchgeführt. Darauffolgender natürlich gefallener Schnee bleibt liegen und aufgrund der besseren Isolation gegen Bodenwärme länger erhalten. Während deutsche Pisten bis zu 13% mit künstlichem Schnee bedeckt sind, sind es in der Schweiz bereits 36%. Österreich hat mittlerweile 70% der vorhandenen Pisten mit Schneekanonen ausgerüstet. Dabei verbrauchen Schneekanonen (zumindest die europäischen) aufaddiert jährlich soviel Strom wie eine Stadt mit 150.000 Einwohnern. Der Wasserverbrauch ähnelt dem Hamburgs, mit seinen 1,8 Millionen Einwohnern. Nach Einschätzung von Experten kostet ein Kubikmeter Kunstschnee rund 4 Euro.

Die noch vor wenigen Jahren vorherrschende Kritik am hohen Energieverbrauch ist aber mittlerweile durch energieeffizientere Geräte entkräftet worden. Auch der immense Wasserverbrauch bewegt sich in einem „natürlichen“ Rahmen. Das zur Schneeerzeugung verbrauchte Wasser geht ja nicht verloren, sondern wird als Schnee gespeichert und als Schmelzwasser dem natürlichen Kreislauf wieder zugeführt. Dennoch gibt es auch durchaus kontrovers diskutierte Punkte. So vertreibe der Beschneiungslärm in Dämmerung und Dunkelheit viele Tiere aus ihren angestammten Revieren, monieren Kritiker. Zudem weisen sie auf eine ironische Entwicklung hin: der vermehrte Einsatz von Schneekanonen, der dem Klimawandel und den zurückgehenden Schneemassen geschuldet ist, trägt aufgrund des hohen Energieverbrauchs weiter zur globalen Erwärmung bei.

Für und wider gibt es auch im direkten Skialltag. Da Kunstschnee dichter und härter ist, ist er auch länger haltbar und belastbarer als Naturschnee. Allerdings lässt der stumpfe Kunstschnee die Kanten der Ski schneller stumpf werden. Auch das Gleiten der Ski auf Kunstschnee ist problematischer als auf Naturschnee. Ski und Kanten müssen also häufiger gewachst werden.

Dennoch: ohne künstliche Beschneiung wäre in vielen Skigebieten oftmals nur stark eingeschränkter Winterurlaub möglich. Und zweifelsohne wird sich die zukünftige Entwicklung von Schneekanonen auch an den Bedürfnissen der Umwelt orientieren.

Quelle:

Ski Magazin Ausgabe 2/2011 http://www.wikipedia.de

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