Weltneuheit in Laax – der erste Porschelift

20. Dezember 2012 - Gudrun Schlösser

Neben dem ersten Solarskilift, der in der Saison 2011/2012 in Tenna eingeweiht wurde, hat Graubünden auch in diesem Jahr wieder eine Innovation im Bereich der Liftanlagen vorzuweisen. Das Skigebiet Flims Laax Falera verfügt nämlich über einen neuen 6-er Sessellift, der nach den Liftbetreibern sowohl in Sachen Technik als auch Design einzigartig ist.

Bei dem Lift handelt es sich um eine Erneuerung des 2-er Sesselliftes von Alp Ruschein zum Crap Masegn, die aus Skifahrersicht absolut an der Zeit war. Den “alten“ Lift nahm man schließlich nur in Kauf, weil die Abfahrt über den “Sattel” nach Alp Ruschein zu einer der Schönsten im ganzen Skigebiet gehört. Wartezeiten am Lift von bis zu 45 Minuten oder sogar länger, klapprige Holzsitze und eine extrem lange Fahrzeit musste man dafür aber hinnehmen. Umso größer war die Freude, als sich herum sprach, dass der Sessellift erneuert werden solle. Das ein neuer Lift so luxuriös daherkommen würde, damit war jedoch nicht zu rechnen. Meine Neugier war extrem hoch, hatte ich in der Presse doch schon einiges über den neuen Lift gelesen. Jetzt wollte ich ihn mit eigenen Augen sehen und mir ein Bild von ihm machen. Ähnlich dem alten Lift von Alp Ruschein ist eine Abfahrt nach Lavadinas nicht nur über den “Sattel“, sondern ebenfalls von der Bergstation Fuorcla Sura direkt, möglich. Wie das mit Neuheiten so ist, sie haben eine gewisse Anziehungskraft. Dementsprechend hoch war auch der Andrang. Davon lies ich mich jedoch nicht abschrecken. Man will doch schließlich mitreden können!

Aber was macht diesen Lift denn nun so einzigartig und besonders? Auf der einen Seite das Design und auf der anderen Seite die Technik.

Der Sessellift wurde zusammen mit den Porsche Design Studios entwickelt und verspricht wirklich absoluten Komfort. Neben sehr bequemen Sitzen, die natürlich auch über eine Sitzheizung verfügen, sehen die Sessel einfach gut aus. Der Name Porsche steht schließlich für Qualität und vor allem Exklusivität. Nur das sich einen Porsche nicht jedermann leisten kann…

Aussehen allein war bei der Planung jedoch nicht ausschlaggebend. Es wurde zusätzlich auf Nachhaltigkeit und damit verbunden, erneuerbare Energien gesetzt. Die Sitzheizung wird zum Beispiel durch ein auf der Rückseite jedes einzelnen Sitzes befindliches Solarpanel gespeist. Die inzwischen fast schon obligatorische Wetterschutzhaube tut ihr Übriges, um den Wintersportlern die Fahrt so angenehm wie möglich zu machen. Eine eingebaute Kindersicherung an jedem Sessel sowie das automatische Öffnen der Bügel an der Bergstation sind sicherlich weitere positive Vorteile des neuen Liftes. Wenngleich sich mancher Snowboarder beschweren wird, wenn es ihm nicht gelingt sein Board beziehungsweise seine Beine schnell genug zwischen den Sicherungsbügel zu schieben und er die Fahrt doch eher ungemütlich hinter sich bringen muss. Die Skifahrer haben dieses Problem nicht. Das automatische Öffnen des Bügels finde ich persönlich eine tolle Neuerung. Es dient nicht nur dem Schutz von Kindern, die bei einem zu frühen Öffnen des Bügels herausfallen könnten, sondern trägt zur Sicherheit aller Wintersportler bei.

Neben den äußeren Auffälligkeiten, hat der Lift auch technisch viel zu bieten. Da er auf einer komplett neu angelegten Trasse von Plaun Lavadinas nach Fuorcla Sura verläuft, waren hier technische Neuerungen möglich. Der Sessellift fährt nicht nur wesentlich ruhiger und geräuschloser als andere Anlagen, sondern auch erheblich schneller. Die rund 600 Höhenmeter werden mit einer Geschwindigkeit von 6 m/s absolviert, normal sind 5 m/s. Dadurch wird eine Kapazitätssteigerung von rund 20% erreicht und es lassen sich ca. 2400 Personen/ Stunde befördern. Das macht sich natürlich bemerkbar.

Ein weiteres Highlight ist der um 45° schwenkbare Sessel. Jetzt mag man sich fragen, was das für einen Sinn hat. Ganz einfach, dem Insassen wird eine viel schönere Aussicht geboten. Statt auf den Vordersessel und die Stützpfeiler zu schauen, guckt man auf das herrliche Bergpanorama und in die Sonne.

Das Konzept der Weiße Arena Gruppe umfasst, abgesehen von der Konzeption eines neuartigen, schicken Sessellifts an sich, natürlich ebenfalls die Tal- und Bergstation der neuen Anlage. Nachhaltigkeit und die Verwendung umweltfreundlicher Materialien waren den Betreibern an dieser Stelle gleichermaßen wichtig. Daher sind die beiden Stationen teilweise aus alternativen, umweltfreundlichen Materialien gebaut. Schon von Weitem ist die Bergstation durch ihren hohen Holzanteil sichtbar. Obwohl sich ein solcher Bau niemals komplett in die Landschaft einfügen wird, ist es doch schöner auf natürliche Materialien zu schauen als auf einen Betonklotz. Dies ist zumindest meine Meinung.

Mein persönliches Highlight ist allerdings die Regelung der Wartezeiten bis zum Einsteigen in den Lift. Normalerweise wird dem Fahrgast durch eine Schranke oder, wie es mittlerweile häufiger üblich ist, durch rote und grüne Leuchtschranken signalisiert, wann er zum Lifteintritt vorfahren darf. Für den Porschelift wurde eine ganz eigene, etwas andere Lösung gefunden. Bei der Einfahrt in die Talstation regeln nämlich Ampelmännchen den “Verkehr”. Leuchtet das rote Ampelmännchen müssen die sechs Personen, die den nächsten Sessel nehmen wollen, warten. Sobald das grüne Ampelmännchen aufleuchtet, ist die Einfahrt bedenkenlos möglich. Nicht nur für Kinder vereinfacht es das Liftfahren und erhöht die Sicherheit. Auch mir hat es bei jeder Benutzung ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.

Wie lautet nun aber mein Fazit? Handelt es sich wirklich um eine Weltneuheit wie sie in den Medien angepriesen worden ist?

Ich denke, der Lift ist eine tolle Innovation und wird sicherlich mit anderen, neuen Liftanlagen eine  Bereicherung für das Skigebiet sein. In Sachen Komfort und Design sucht der Lift im Alpenraum tatsächlich seines Gleichen. Ob ein Skilift allerdings unbedingt schwenkbare Sessel benötigt, um dem Fahrgast eine schöne Aussicht auf die Berge zu ermöglichen, sei dahingestellt. Abzuwarten bleibt sicherlich, wie sich diese technischen Neuerungen auf den Verschleiß und die Wartung der Anlage auswirken werden. Wenn es dadurch zu höheren Betriebskosten käme, die sich auch immer in den Liftpreisen wiederspiegeln, ist der Nutzen für den Wintersportler sicherlich fraglich. Nichtsdestoweniger war das Fahrgefühl hervorragend und ich bin bislang mit noch keinem so bequemen Sessellift gefahren. Außerdem ist die Einführung des Lifts schon allein deshalb positiv zu sehen, weil die Abfahrt über den „Sattel“ dadurch zeitlich auch mehrfach täglich möglich wird…

Letztendlich muss sich aber jeder seine eigene Meinung bilden. Also auf nach Laax!

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