Kleine Liftkunde – von Schlepplift bis 3S-Bahn

26. August 2015 - Katharina Teudt

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einer Gondel und einem Funitel? Und was ist das Besondere an einer 3S-Bahn? So kompliziert ist es gar nicht – wir klären auf.

Sessellifte sind die häufigste Seilbahnform in den Skigebieten. © dotshock/shutterstock.de

Sie sind für das alpine Sportvergnügen unabdingbar: Seilbahnen. Der umgangssprachliche Überbegriff „Skilift“ wird gern für jegliche Anlagen verwendet, welche die Skifahrer auf den Berg transportieren. Doch hinter diesem simplen Begriff steckt eine umfangreiche Wissenschaft. Umso größer die Bahn, desto aufwendiger gestaltet sich die Technik dahinter, gleichwohl werden die Unterschiede der Techniken feiner. Die wenigsten Wintersportler können zum Beispiel den Unterschied zwischen einer Doppel- und einer Dreiseilumlaufbahn erklären. So komplex ist es meist gar nicht, wie der folgende Überblick über die gängigsten Seilbahn-Varianten deutlich macht.

Grundsätzlich gibt es drei Arten von Seilbahnen: Luftseilbahnen, Standseilbahnen und Schlepplifte. Sie alle werden mit einem Förderseil bewegt, das über eine Seilwinde geführt wird. An einer Klemmvorrichtung hängt schließlich die Fahrgastzelle, bzw. bei Schleppliften der Teller oder Bügel. Bei Sesseln und Kabinen sind die Klemmen entweder fest fixiert oder lösbar.

Fix geklemmt oder kuppelbar? Bei der Aufhängung am Seil gibt es bedeutsame Unterschiede. Schlepplifte und einige Sesselbahnformen sind mit einer Klemme fest mit dem Seil verbunden, sie sind „fix geklemmt“. Kuppelbare Sessel- und Kabinenbahnen sind auch ans Seil geklemmt, können aber in der Station vom Seil gelöst werden. Dazu sind an jeder Klemme mehrere Rollen angebracht, die in der Station auf eine Hängeschiene rollen. Die Kabinen werden dann über eine Schiene durch die Station geführt. Diese Technik hat einen entscheidenden Vorteil: Die Bahn kann nach ihrer Fahrt gebremst und langsamer durch die Station gefahren werden, was das Ein- und Aussteigen für die Gäste komfortabler und die Abfertigung insgesamt schneller gestaltet. Da die Fahrtgeschwindigkeit nur in der Station gedrosselt wird, kann die Bahn danach wesentlich schneller fahren, so dass sie bis zu 6 m pro Sekunde zurücklegt. Dank dieser Kombination aus Geschwindigkeit und Komfort gelten kuppelbare Bahnen als „State of the art“ im Lift-Geschäft, so besitzen die meisten neuen Sessel- und Kabinenbahnen die Kuppel-Vorrichtung. Doch fangen wir klein an.

Schlepplifte

Tellerlift Häufig als „Babylift“ bezeichnet wird der Tellerlift. Dieser Einsitzer erfordert jedoch schon einiges mehr an Balance auf den Brettern und muss ganz allein gefahren werden. Daher trifft die Bezeichnung „Baby“ nicht unbedingt auf seine Fahrgäste zu. Allerdings finden sich Tellerlifte meist nur an flachen Anfängerhügeln. Größere Kinder und Erwachsene fahren hier relativ sicher im Stehen und fest mit dem Boden verbunden.

Zauberteppich Eine Sonderform der bodennahen Liftsysteme ist der sogenannte Zauberteppich, ein gummiertes Fließband, das vor allem im flachen Gelände für Skianfänger eingesetzt wird. Das Fließband auf dem Boden fährt wie von Zauberhand mit den Skikindern vorwärts. Vermutlich um den Schrecken vor dem beweglichen Band zu nehmen, hat der Teppichlift-Hersteller „Sunkid“ den ansprechenderen Namen „Zauberteppich“ kreiert. Kaum ein Kinderland kommt noch ohne diese Form des Babyliftes aus.

Bestens für Kinder geeignet: Der Zauberteppich. © gorillaimages/shutterstock.de

Bügellift Als Flirt-Lift beliebt, aber in vielen Skigebieten bereits durch komfortablere Sessellifte ersetzt, ist der Bügellift, teilweise auch als Ankerllift bezeichnet. Da man am bequemsten zu zweit darauf fährt, gilt diese Liftform als prädestinierte Chance zum Smalltalken oder gar Flirten. Allerdings ist auch eine längere Auffahrt mit dem Bügellift nicht besonders angenehm, da der leicht angewinkelte Stand im Skischuh auf Dauer anstrengend werden und schließlich zu brennenden Oberschenkeln führen kann. Der Vorteil beim so genannten Schlepper ist immerhin, dass man jederzeit aussteigen kann. Beispiel: Der Gandstegg-Lift im Skigebiet Zermatt ist mit einer Länge von knapp 3,9 km der längste Schlepplift der Welt, der als zusätzliche Besonderheit sogar eine Mittelstation besitzt.

Luftseilbahnen

Die größeren Seilbahn-Varianten, die Luftseilbahnen, sind nur über ihre Stützpfeiler mit dem Boden verbunden und transportieren weit mehr Personen gleichzeitig. Zu den Luftseilbahnen zählen Sessel-, Kabinen- und Gondelbahnen. Ein grundlegender Unterschied ist hier, dass man im Sessel die Skier oder das Board anbehalten kann, hingegen sie in der Kabinenbahn abgeschnallt werden müssen. Doch es gibt noch mehr zu differenzieren. Luftseilbahnen fahren zum Beispiel entweder im Pendel- oder Umlaufbetrieb.

Pendelbahnen verkehren auf immer derselben Strecke zwischen Berg und Tal. Dabei sind zwei Großraumgondeln im Pendelbetrieb unterwegs, in die jeweils bis zu 200 Personen auf einmal hineinpassen. Sie sind sehr windstabil und ideal für unwegsames Gelände und große Höhen. Ein berühmtes Pendelbahn-Beispiel ist der Vanoise Express im französischen Skigebiet Paradiski. In jede der beiden doppelstöckigen Kabinen passen 200 Wintersportler inklusive Ausrüstung und selbst voll beladen braucht sie für die knapp 2 km lange Strecke nur vier Minuten Fahrtzeit. Damit ist der Vanoise Express nicht nur die größte, sondern auch die schnellste Seilbahn der Welt.

Der Vanoise Express im französischen La Plagne fasst rund 200 Personen. © Compagnie des Alpes

Weitere Beispiele: Eibseebahn in Garmisch-Partenkirchen, Venetbahn in Zams, Vallugabahn in St. Anton am Arlberg, G-Link in Wagrain, Hochjochbahn in der Silvretta Montafon, Verbindungsbahn Hörnli-Urdenfürggli in Arosa-Lenzerheide, Nebelhornbahn in Oberstdorf.

Umlaufbahnen werden an einem endlos im Kreis umlaufenden Förderseil geführt, an das mehrere Gondeln oder Sessel geklemmt werden. So bewegen sich die Fahrgastzellen immer vorwärts bzw. in eine Richtung und werden an der Berg- und Talstation durch eine Kurve geführt. Bei den umlaufenden Bahnen gibt es wiederum mehrere Arten zu unterscheiden:

Sesselbahn Die in Skigebieten mit Abstand am häufigsten eingesetzte Seilbahnform ist die Sesselbahn. Sie hat relativ günstige Investitionskosten und bietet heutzutage mit Sitzheitzung, Abdeckhauben und elektronischen Bügeln mit Kindersicherung einen umfangreichen Komfort. Moderne Bahnen transportiert bis zu zehn Personen in einem Sessel und bieten so eine recht hohe Kapazität. Kleinere Sesselbahnen für zwei oder vier Personen sind fix geklemmt, die größeren mit acht oder zehn Sitzen sind kuppelbar und schaffen so eine höhere Transportleistung.

Auch einfache Zweiersessellifte gibt es vielerorts noch. © Dinga/shutterstock.de

Einseil-Umlaufbahn Wie es der Name schon sagt, besitzen diese Seilbahnen nur ein Seil, das als Trag- und Zugseil zugleich dient. Häufig sind es Kabinenbahnen, die mit schmalen Sitzbänken für sechs bis zehn Personen ausgelegt sind. Die meisten kuppelbaren Sessellifte sind Einseil-Umlaufbahnen, es gibt aber auch Kabinenbahnen als Zubringer in Skigebiete oder zu Zwischenstationen, die an nur einem Seil hängen. Beispiele: Gletscherexpress in Sölden, Alpenrosenbahn in Westendorf, Hintertuxer Gletscherbahn, Matterhorn-Express, Nockalmbahn in Bad Kleinkirchheim.

Zweiseil-Umlaufbahn Der wesentliche Unterschied bei den Zweiseil-Umlaufbahnen ist, dass sie ein Trag- und ein Zugseil besitzen. Bei der sogenannten 2S-Bahn übernimmt neben dem umlaufenden Förderseil ein zweites, nicht bewegliches Tragseil die Aufgabe, einen Teil des Gewichtes der Kabinen zu tragen. Der Vorteil der 2S-Bahn sind die großen Spannfelder, so dass weniger Stützpfeiler gebraucht werden. Doppelseil-Umlaufbahnen sind fast immer Kabinenbahnen, die zwischen zehn und 15 Personen aufnehmen, so dass die Förderleistung ebenfalls höher ist. Beispiele: Stubaier Gletscherbahn, Brunnenkogelbahn in St. Leonard, Kreuzeckbahn in Garmisch-Partenkirchen, Seiser-Alm-Bahn in Seis am Schlern.

Funitel Eine spezielle Form der Zweiseil-Umlaufbahnen ist der Funitel. Die Besonderheit dieser Anlage sind die parallel geführten Förderseile und die sehr kurze Aufhängung der Gondel. Durch die doppelte Ankupplung sind sie sehr windstabil und bewegen sich sehr ruhig. Durch den hohen Fahrkomfort auf längeren Strecken sowie die hohe Kapazität (ca. 4.000 Personen pro Stunde) ist der Funitel vor allem als Skigebietszubringer geeignet. Der allererste Funitel wurde Anfang der 1990er Jahre im französischen Val Thorens in Betrieb genommen, wo er bis heute im Einsatz ist.

Der windstabile Funitel in Val Thorens. © OT Val Thorens – J. Schneider

Weitere Beispiele: Silvrettabahn in Ischgl, Gletscherjet in Kaprun, Gletscherbus II am Hintertuxer Gletscher.

Dreiseil-Umlaufbahn Die sogenannte „3S-Bahn“ ist das Non-Plus-Ultra der Großraumgondeln. Sie besitzt zwei Tragseile und ein Zugseil, wodurch sie besonders betriebssicher und windstabil ist. Sie hat zudem die höchste Transportleistung (bis zu 5.000 Personen pro Stunde) und ein enormes Spannfeld, was noch weniger Stützpfeiler nötig macht. All das macht sie für große und hoch gelegene Skigebiete sehr attraktiv. Die 3S-Bahn im Skigebiet Kitzbühel beispielsweise benötigt nur alle 2,5 km eine Stütze, so dass auf der gesamten Strecke von 3,7 km nur eine einzige Stütze aufgestellt werden musste. Sie ist mit 400 m über Grund außerdem die 3S-Bahn mit dem höchsten Bodenabstand in ganz Europa. Eine der Gondeln besitzt sogar einen Glasboden, um den Fahrgästen das Gefühl für die Höhe noch anschaulicher zu machen. Wem das zu viel ist, der kann aber auch in eine andere Kabine steigen, es gibt schließlich noch 23 andere. Weitere Beispiele: Pardatschgrat-Bahn in Ischgl, 3S-Bahn in Kitzbühel, Penkenbahn in Mayrhofen, Gaislachkogelbahn in Sölden.

Seltenere Mischform Mancherorts werden Kabinenbahnen und Sessellifte zu Kombibahnen vereint. Beim sogenannten Telemix hängen im Wechsel jeweils eine Kabine und ein Sessel am Seil. Der Fahrgast kann an der Station also auswählen, ob er in einem Sessel oder in der Kabine Platz nimmt. Diese Variante ist vor allem praktisch, wenn viele Fußgänger oder Anfänger mit der Bahn fahren. In Skigebieten ist der Telemix allerdings eher selten zu finden. Beispiele: Sunjet Hochwurzen in Schladming-Dachstein, Dorf-Jet Natrun am Hochkönig, La Chaux Express in Verbier (Les 4 Vallées).

Zu guter Letzt: die Standseilbahn Aus der klassischen Zahnradbahn entstand die Standseilbahn, die auf Schienen geführt und fest mit einem Drahtseil verbunden ist, das an der Bergstation über eine Seilscheibe geführt wird. Charakteristisch ist vor allem der Aufbau des Wagens, der in schräger Ausrichtung an die Steigung angepasst ist. Da es nur eine Schienenführung gibt, treffen sich die beiden Wagen auf ihrer Berg- bzw. Talfahrt in der Mitte der Strecke, wo sich eine Ausweichstelle befindet.

Die Standseilbahn an der Wurzeralm ist die schnellste ihrer Art. © Wurzeralm – OÖT Erber

Schöne Beispiele für Standseilbahnen in Skigebieten sind im SnowTrex-Magazin zu finden.

Natürlich könnte man noch viel tiefer in die Seilbahn-Materie eindringen, doch schon mit den hier zusammengefassten Fakten kann der Wintersportler sicherlich vor seinen Freunden glänzen, entweder beim Plausch auf der Hütte – oder eben im Lift.

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