Kleine Liftkunde – Liftarten von Schlepplift bis 3S-Bahn

14. Juni 2019 - Carla Meyer

Ohne Lifte wäre Skifahren nur halb so schön. Denn wer hat schon Lust, den Berg nach erfolgreicher Abfahrt wieder hinaufzustapfen? Aber welche verschiedenen Liftarten gibt es eigentlich? Was ist zum Beispiel der Unterschied zwischen einer Gondel und einem Funitel? Eine kleine Liftkunde zu sämtlichem Liftarten:

Ohne Lifte wäre Skifahren kein allzu großes Vergnügen.

Grundsätzliches zu Seilbahnen

Sie sind für das alpine Sportvergnügen unabdingbar: Seilbahnen. Der umgangssprachliche Begriff „Skilift“ wird gern für jegliche Anlagen verwendet, welche die Skifahrer auf den Berg transportieren. Doch hinter diesem simplen Begriff steckt eine umfangreiche Wissenschaft. Umso größer die Bahn, desto aufwendiger gestaltet sich die Technik dahinter. Die Wenigsten können zum Beispiel den Unterschied zwischen einer Doppel- und einer Dreiseilumlaufbahn erklären. So kompliziert ist es mit den Liftarten aber meist gar nicht, wie der folgende Überblick über die gängigsten Seilbahn-Varianten deutlich macht:

Grundsätzlich gibt es drei Arten von Seilbahnen bzw. drei Liftarten:

  • Schlepplifte
  • Luftseilbahnen
  • Standseilbahnen

Sie alle werden mit einem Förderseil bewegt, das über eine Seilwinde geführt wird. An einer Klemmvorrichtung hängt schließlich die Fahrgastzelle beziehungsweise bei Schleppliften der Teller oder Bügel. Bei Sesseln und Kabinen sind die Klemmen entweder fest fixiert oder lösbar.

Ein klassischer Zweier-Sessellift ohne „Schnick-Schnack“.

Fix geklemmt oder kuppelbar?

Bei der Aufhängung am Seil gibt es bei den verschiedenen Liftarten bedeutsame Unterschiede. Schlepplifte und einige Sesselbahnformen sind mit einer Klemme fest mit dem Seil verbunden, sie sind „fix geklemmt“. Kuppelbare Sessel- und Kabinenbahnen sind auch ans Seil geklemmt, können aber in der Station vom Seil gelöst werden. Dazu sind an jeder Klemme mehrere Rollen angebracht, die in der Station auf eine Hängeschiene rollen. Die Kabinen werden dann über eine Schiene durch die Station geführt. Diese Technik hat einen entscheidenden Vorteil: Die Bahn kann nach ihrer Fahrt gebremst und langsamer durch die Station gefahren werden, was das Ein- und Aussteigen für die Gäste komfortabler und die Abfertigung insgesamt schneller gestaltet. Da die Fahrtgeschwindigkeit nur in der Station gedrosselt wird, kann die Bahn danach wesentlich schneller fahren, so dass sie bis zu 6 m pro Sekunde zurücklegt. Dank dieser Kombination aus Geschwindigkeit und Komfort gelten kuppelbare Bahnen als „State of the art“ im Lift-Geschäft. Doch fangen wir klein an:

Liftart 1: Schlepplift

1. Tellerlift

Häufig als „Babylift“ bezeichnet wird der Tellerlift. Dieser Einsitzer erfordert jedoch schon einiges an Balance auf den Brettern und muss ganz allein gefahren werden. So trifft die Bezeichnung „Baby“ keineswegs auf seine Fahrgäste zu. Allerdings finden sich Tellerlifte meist nur an flachen Anfängerhügeln. Größere Kinder und Erwachsene fahren hier relativ sicher im Stehen und fest mit dem Boden verbunden.

Mit dem Tellerlift fährt man alleine.

2. Bügellift

Als Flirt-Lift beliebt, aber in vielen Skigebieten bereits durch komfortablere Sessellifte ersetzt, ist der Bügellift, teilweise auch als Ankerlift bezeichnet. Da man am bequemsten zu zweit darauf fährt, gilt diese Liftart als prädestinierte Chance zum Smalltalken oder gar Flirten. Allerdings ist auch eine längere Auffahrt mit dem Bügellift nicht besonders angenehm, da der leicht angewinkelte Stand im Skischuh auf Dauer anstrengend werden und schließlich zu brennenden Oberschenkeln führen kann. Der Vorteil beim so genannten Schlepper ist immerhin, dass man, wenn es wirklich gar nicht mehr geht, jederzeit aussteigen kann.

Gemütlich zu zweit liften: Der Bügel- bzw. Ankerlift macht’s möglich.

3. Zauberteppich

Eine Sonderform der bodennahen Liftsysteme ist der sogenannte Zauberteppich, ein gummiertes Fließband, das vor allem im flachen Gelände für Skianfänger eingesetzt wird. Das Fließband auf dem Boden fährt wie von Zauberhand mit den Skikindern vorwärts. Kaum ein Kinderland kommt noch ohne diese Form des Babyliftes aus. Vermutlich um den Schrecken vor dem beweglichen Band zu nehmen, hat der Teppichlift-Hersteller „Sunkid“ den ansprechenderen Namen „Zauberteppich“ kreiert. Die beliebten Fließbänder gibt es in fast allen Kinderländern zu finden.

Beliebt bei den Kleinen: der Zauberteppich.

Liftart 2: Luftseilbahn

Die größeren Seilbahn-Varianten, die Luftseilbahnen, sind nur über ihre Stützpfeiler mit dem Boden verbunden und transportieren weit mehr Personen gleichzeitig. Zu den Luftseilbahnen zählen Sessel-, Kabinen- und Gondelbahnen. Ein grundlegender Unterschied ist hier, dass man im Sessel die Skier oder das Board anbehalten kann, hingegen sie in der Kabinenbahn abgeschnallt werden müssen. Doch es gibt noch mehr zu differenzieren. Luftseilbahnen fahren zum Beispiel entweder im Pendel- oder Umlaufbetrieb.

Mit Luftseilbahnen geht’s hoch hinaus. Hier eine Form der Kabinenbahn.

1. Pendelbahn

Pendelbahnen verkehren auf immer derselben Strecke zwischen Berg und Tal. Dabei sind zwei Großraumgondeln im Pendelbetrieb unterwegs, in die jeweils bis zu 200 Personen auf einmal hineinpassen. Sie sind sehr windstabil und ideal für unwegsames Gelände und große Höhen. Ein berühmtes Pendelbahn-Beispiel ist der Vanoise Express in der französischen Skiregion Paradiski. In jede der beiden doppelstöckigen Kabinen passen 200 Wintersportler inklusive Ausrüstung und selbst voll beladen braucht sie für die knapp 2 km lange Strecke nur vier Minuten Fahrtzeit.

Die berühmte Pendelbahn „Vanoise Express“.

2. Umlaufbahn

Umlaufbahnen werden an einem endlos im Kreis umlaufenden Förderseil geführt, an das mehrere Gondeln oder Sessel geklemmt werden. So bewegen sich die Fahrgastzellen immer vorwärts bzw. in eine Richtung und werden an der Berg- und Talstation durch eine Kurve geführt. Bei den umlaufenden Bahnen gibt es wiederum mehrere Arten zu unterscheiden:

Sesselbahn

Die in Skigebieten mit Abstand am häufigsten eingesetzte Seilbahnform ist die Sesselbahn. Sie hat relativ günstige Investitionskosten und bietet heutzutage mit Sitzheizung, Abdeckhauben und elektronischen Bügeln mit Kindersicherung einen umfangreichen Komfort. Moderne Bahnen transportieren bis zu 10 Personen in einem Sessel und haben eine recht hohe Kapazität. Kleinere Sesselbahnen für zwei oder vier Personen sind fix geklemmt, die größeren mit acht oder zehn Sitzen sind kuppelbar und schaffen so eine höhere Transportleistung.

Die am häufigsten eingesetzte Seilbahnform: die Sesselbahn.

Einseil-Umlaufbahn

Wie es der Name schon sagt, besitzen diese Seilbahnen nur ein Seil, das als Trag- und Zugseil zugleich dient. Häufig sind es Kabinenbahnen, die mit schmalen Sitzbänken für sechs bis zehn Personen ausgelegt sind. Die meisten kuppelbaren Sessellifte sind Einseil-Umlaufbahnen, es gibt aber auch Kabinenbahnen als Zubringer in Skigebiete oder zu Zwischenstationen, die an nur einem Seil hängen.

Eine Einseil-Umlaufbahn bzw. Gondel vor winterlicher Kulisse.

Zweiseil-Umlaufbahn

Das wesentlich Merkmal bei den Zweiseil-Umlaufbahnen ist, dass sie ein Trag- und ein Zugseil besitzen. Bei der sogenannten 2S-Bahn übernimmt neben dem umlaufenden Förderseil ein zweites, nicht bewegliches Tragseil die Aufgabe, einen Teil des Gewichtes der Kabinen zu tragen. Der Vorteil der 2S-Bahn sind die großen Spannfelder, so dass weniger Stützpfeiler gebraucht werden. Doppelseil-Umlaufbahnen sind fast immer Kabinenbahnen, die zwischen zehn und 15 Personen aufnehmen, so dass die Förderleistung ebenfalls höher ist.

Dreiseil-Umlaufbahn

Die sogenannte „3S-Bahn“ ist das Non-Plus-Ultra der Großraumgondeln. Sie besitzt zwei Tragseile und ein Zugseil, wodurch sie besonders betriebssicher und windstabil ist. Sie hat zudem die höchste Transportleistung (bis zu 5.000 Personen pro Stunde) und ein enormes Spannfeld, was noch weniger Stützpfeiler nötig macht. All das macht sie für große und hoch gelegene Skigebiete sehr attraktiv. Die höchstgelegene 3S-Bahn der Welt ist die „Matterhorn glacier ride“-Bahn in Zermatt.

Die höchstgelegene 3S-Bahn der Welt in Zermatt.

Funitel

Eine spezielle Form der Zweiseil-Umlaufbahnen ist der Funitel. Die Besonderheit dieser Liftart sind die parallel geführten Förderseile und die sehr kurze Aufhängung der Gondel. Durch die doppelte Ankupplung sind sie sehr windstabil und bewegen sich sehr ruhig. Durch den hohen Fahrkomfort auf längeren Strecken sowie die hohe Kapazität (ca. 4.000 Personen pro Stunde) ist der Funitel vor allem als Skigebietszubringer geeignet. Der allererste Funitel wurde Anfang der 1990er Jahre im französischen Val Thorens in Betrieb genommen, wo er bis heute im Einsatz ist.

Funitel in Val Thorens.

Kombibahn

Mancherorts werden Kabinenbahnen und Sessellifte zu Kombibahnen vereint. Beim sogenannten Telemix hängen im Wechsel jeweils eine Kabine und ein Sessel am Seil. Der Fahrgast kann an der Station also auswählen, ob er in einem Sessel oder in der Kabine Platz nimmt. Diese Variante ist vor allem praktisch, wenn viele Fußgänger oder Anfänger mit der Bahn fahren. In Skigebieten ist der Telemix allerdings eher selten zu finden. Ein Beispiel steht im Skigebiet Mayrhofen-Hippach.

Liftart 3: Standseilbahn

Aus der klassischen Zahnradbahn entstand die Standseilbahn, die auf Schienen geführt und fest mit einem Drahtseil verbunden ist, das an der Bergstation über eine Seilscheibe geführt wird. Charakteristisch ist vor allem der Aufbau des Wagens, der in schräger Ausrichtung an die Steigung angepasst ist. Da es oftmals nur eine Schienenführung gibt, treffen sich die beiden Wagen auf ihrer Berg- bzw. Talfahrt in der Mitte der Strecke, wo sich eine Ausweichstelle befindet.

Die Standseilbahn auf der Wurzeralm.

 

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