Interview: Frankreich – Skiurlaub mit allen Facetten

4. Juli 2013 - Nina Vogt

Das größte zusammenhängende Skigebiet der Welt, der höchste Skiort, die schnellste Seilbahn – mit Superlativen spart die Skination Frankreich nicht. Trotzdem ist das Land als Wintersportreiseziel noch eher verkannt. Gelten doch für viele Winterurlauber noch immer die Schweizer, Österreicher und deutschen Alpen als die traditionellen Wintersportdestinationen. Hinzu kommt das Vorurteil, Skiurlaub in Frankreich sei schlichtweg teuer – bestätigt durch einen ADAC-Test im vergangenen Jahr, nach dem die französischen Skiorte bei den Kosten auf Platz 2 rangierten. Dabei gerät schnell in Vergessenheit, wie viel Frankreich als Wintersportdestination zu bieten hat. Andreas Rühl (Foto), Gründer von Deutschlands größtem Wintersport-Reiseveranstalter SnowTrex und als ehemaliger Ski- und Snowboardlehrer selbst Wintersport-Experte, erklärt in einem Interview, warum Frankreich bei der Planung des nächsten Skiurlaubs in die engere Wahl gehören sollte.

Herr Rühl, Frankreich gilt als teure Wintersportdestination. Können Sie das aus Sicht von SnowTrex bestätigen? Nein, genau das Gegenteil ist der Fall. Durch hohe Einkaufsrabatte können wir unseren Kunden in Frankreich sogar mit Abstand den günstigsten Skiurlaub anbieten, und zwar noch vor den vom ADAC ermittelten Testsiegern Polen und Tschechien. Eine Woche in Chamrousse, dem Olympia-Skigebiet von 1968, gibt es bei SnowTrex zum Beispiel schon ab 99,- Euro pro Person, und zwar inklusive Unterkunft und 6-Tage-Skipass, wobei der Skipass alleine schon einen Wert von 153,- € hat. Und in Valfréjus gibt es das gleiche Paket bereits ab 129 Euro. Selbst Reisen ins berühmte Val Thorens in den 3 Vallées beginnen schon bei 277 Euro, selbstverständlich inklusive Skipass. Das Schöne an unseren Frankreich-Angeboten ist zudem, dass alle Unterkünfte direkt an der Piste liegen und mindestens 3 bis 4 Sterne haben. In nahezu allen Orten profitieren unsere Kunden zudem von um bis zu 50 Prozent reduzierten Preisen für Leihmaterial.

Was macht denn für Sie den Reiz Frankreichs als Wintersportdestination aus? Ganz klar die Vielfalt der Skigebiete. Sie können hier für jeden Geschmack etwas finden. So gibt es etwa die großen Zusammenschlüsse für Wintersportler, die Wert auf eine große Pistenauswahl legen. Da wären Les 3 Vallées, mit 600 Pistenkilometern das größte zusammenhängende Skigebiet der Welt, Paradiski mit 425 Pistenkilometern, Les Sybelles (310 km) und der Espace Killy (300 km). Sie finden in Frankreich aber auch kleine Dörfer, die trotzdem mit 50 bis 150 Kilometern relativ viele Pisten bieten. Traditionelle Orte wie Chamonix, das bereits 1924 Olympia-Austragungsort war, mischen sich mit jungen, modernen Skidörfern. Auch die einzelnen Orte punkten häufig durch Vielfalt: In vielen Skigebieten gibt es Freeride-Terrains ebenso wie präparierte Pisten, Steilhänge, aber auch Anfängerbereiche und Kinderländer genauso wie Funparks. Ein weiterer Vorteil der meisten Skigebiete ist die ideale Lage vieler Unterkünfte direkt an der Piste. So beginnt das Schneevergnügen morgens ohne lange Skibusfahrten und Wartezeiten an der Talstation.

Jeder Winterurlauber hat andere Vorstellungen von seinem Reiseziel. Testen wir doch einmal, inwiefern Frankreich ihnen gerecht werden kann. Nehmen wir zum Beispiel sportliche, anspruchvolle Fahrer. Gibt es Skigebiete, die Sie ihnen ans Herz legen würden? Ehrgeizige Fahrer lieben die Auswahl. Daher kann ich ihnen die 3 Vallées empfehlen. 600 Pistenkilometer, 199 Lifte – die müssen erst einmal alle erkundet werden. In Tignes und dem dazugehörigen Verbundskigebiet Espace Killy können sich Skifahrer und Snowboarder nicht nur auf ehemaligen Olympia-Pisten beweisen. Vor allem die Strecken auf dem 3.565 hohen Gletscher La Grande Motte gelten als anspruchsvoll. In Tignes hört das Abenteuer aber nicht beim klassischen Pistensport auf. Heliskiing, Snowkiten, Speedriding – wer mutig ist, kann einiges ausprobieren. Und schließlich hat auch das bekannte Tour-de-France-Etappenziel Alpe d’Huez einige herausfordernde Strecken zu bieten. Die längste Piste Europas etwa, die 16 Kilometer lange „La Sarenne“, und die Steilabfahrt „Le Tunnel“.

Nicht jeder fährt gerne jeden Tag auf der Piste. Haben Sie einen Tipp für Freerider? Viele der französischen Gebiete sind auch für ihre Freeride-Möglichkeiten bekannt. Ein beliebtes Ziel ist zum Beispiel Les 2 Alpes mit seinem Übergang in das Freeride-Gebiet La Grave. Es gilt als wahres Mekka für Tiefschnee-Fans. Auch Chamonix hat als Region für Freerider einen guten Ruf. Mit dem „Vallée Blanche“, „Le Pas de Chèvre“ und „Le Glacier de Rognins“ finden diese hier mehrere Hotspots. Das „Vallée Blanche“, eine unpräparierte Abfahrt von ca. 20 km runter nach Chamonix, gehört zu den berühmtesten Tiefschnee-Abfahrten der Welt.

Jüngere Skiurlauber wollen vor allem Spaß haben – auf der Piste in Funparks und abseits der Piste in Après-Ski-Locations. Finden sie in Frankreich dafür den passenden Ort? Val Thorens ist sicherlich ein Ort, der beide Wünsche erfüllen kann. Einerseits gilt er als Mekka des französischen Après-Ski – mit mehr als 20 Bars und zwei Diskotheken. Und andererseits ist der Snowpark des Skigebietes mit 70.000 Quadratmetern wirklich groß. Vier Linien mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden stehen zur Verfügung. Ich muss aber auch noch einmal Les 2 Alpes nennen. Der dortige Park ist selbst im Sommer befahrbar. Dann wird er statt auf 2.600 Metern Höhe auf 3.200 Metern aufgebaut. Im Winter gibt es einen Anfängerbereich, eine Jib Area, eine Slopestyle-Strecke, einen Boardercross, eine Rail-Zone und eine Halfpipe. Im Sommer kommen zu Anfänger- und Profibereich sowie einem Railpark ein Big Air von 20 Metern sowie Half- und Superpipe (140 m) hinzu. Übrigens hört auch in Les 2 Alpes der Spaß am Ende des Skitages nicht auf. Schon direkt an der Piste finden Sie viele Après-Ski-Bars. Im Ort selbst geht es mit Bars, Pubs, Diskotheken und Restaurants weiter. Herausragend ist zudem das Angebot in Vars-Le-Claux. Im Skigebiet Vars/Le Foret Blanche gibt es sechs Parks – darunter solche für Fortgeschrittene, aber auch einen extra für Kinder ab drei Jahren, einen nur für Mädels und einen, der nur aus natürlichen Materialien gebaut wurde. Was das Nachtleben angeht, kann ich Après-Ski-Fans noch La Plagne ans Herz legen. Hier gibt es eine große Auswahl an Bars. Praktisch ist der kostenlose Bus, der die Ortsteile bis Mitternacht miteinander verbindet.

Viele denken, dass die französischen Skiorte vor allem von großen Hotelbauten geprägt sind. Können Sie diesem Vorurteil mit schönen Skidörfern entgegentreten? Natürlich. Wir bieten zum Beispiel Unterkünfte in Saint Sorlin an, einem typisch savoyischen Dorf, das auch für seine kleinen Käsereien bekannt ist. Ebenfalls abseits vom Massentourismus wohnen Sie in Valfréjus, einem kleinen Ort mit vielen hübschen Chalets, dessen Ortszentrum hufeisenförmig um die Talabfahrt angeordnet ist.

Und wo finden Familien gute Voraussetzungen für einen entspannten Urlaub? Es gibt in Frankreich viele Orte, die für ihre Familienfreundlichkeit Auszeichnungen erhalten haben. Dazu gehören zum Beispiel Val d’Allos, Puy St.Vincent, Super Dévoluy, Vars-Le-Claux und Saint Sorlin. Vorteile, die Familien in den französischen Orten haben, sind einerseits die direkte Anbindung an die Piste und andererseits die Unterbringung in Appartements mit Selbstverpflegung.

Nennen Sie uns doch zum Schluss noch Ihren persönlichen Favoriten unter den französischen Skigebieten… Das ist sehr schwer, da es in Frankreich so viele tolle Skigebiete gibt. Der Ort, in dem ich in den letzten Jahren am meisten war, ist aber tatsächlich Chamrousse – wobei es mir weniger um das wirklich hervorragende Preis-Leistungsverhältnis ging. Das besondere an Chamrousse ist für mich das Skigebiet. Die Anfängerpisten beginnen direkt vor der Haustür, und je weiter man sich von unseren Unterkünften in Chamrousse 1750 entfernt, desto sportlicher werden die Pisten – bis hin zum olympischen Areal in Chamrousse 1650. Mit 92 Pistenkilometern hat das Skigebiet zudem eine perfekte Größe für eine Woche.

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