Hinter den Kulissen der Skigebiete – Pistenwartung nach Saisonende

19. August 2014 - Katharina Teudt

Wo parken eigentlich die Gondeln im Sommer? © SkiWelt Wilder Kaiser-Brixental/Roland Mühlanger

Die Saison ist vorbei, die Lifte stehen. Der Sommer steht an. Was passiert nun eigentlich mit den Skipisten? SnowTrex hat bei jemandem nachgefragt, der sich auskennt. Friedl Eberl ist Prokurist und Betriebsleiter der Bergbahnen Hohe Salve/SkiWelt Wilder Kaiser-Brixental. Er verantwortet Betrieb, Wartung und Pflege der Bergbahnen und Pisten in Hopfgarten-Itter.

Herr Eberl, wie viele Bahnen und Pistenkilometer verwalten Sie in der SkiWelt Wilder Kaiser-Brixental?

„Die Bahnen in der SkiWelt werden von verschiedenen Gesellschaften betrieben. Ich bin zuständig für Hopfgarten-Itter, wo wir 65 km Pisten haben.“

Die Saison endet bei Ihnen im April. Dann ist der Winter offiziell vorbei, die Lifte stehen. Was passiert danach?

„Am ersten Tag nach offiziellem Ende der Skisaison geht es direkt los mit dem Abbau auf den Pisten. Jede Bergbahn räumt in ihrem Zuständigkeitsgebiet die Sicherheitseinrichtungen, Pistenmarkierungen, Absperrbänder und Aufprallmatten. Alles, aber wirklich alles, was im Skigebiet optisch nicht gut ausschaut, muss im Frühjahr entfernt werden. Diese Arbeiten machen wir, solange noch Schnee liegt, damit wir das Material mit den Pistenmaschinen einfacher abtransportieren können. Das Material wird dann an den Talstationen eingelagert. Der nächste Schritt sind die Reinigungsarbeiten nach der Schneeschmelze. Von unten angefangen räumen wir die Pisten auf. Jedes Stück Dreck, jedes Papierchen, was die Leute so liegen lassen, muss aufgesammelt werden.“

Pistenraupen kommen meist nachts zum Einsatz © SkiWelt Wilder Kaiser-Brixental/Hannes Dabernig

Lassen die Gäste viel Müll zurück?

„Man muss sagen, in den letzten Jahren ist das Müllaufkommen weniger geworden. Hin und wieder mal eine Brille, ein Stock, Schlüssel oder Portemonnaie, das war‘s. Das Problem sind nach wie vor die kleinen Dinge wie Taschentücher und Zigarettenabfälle. Da fällt schon einiges an.“

Was war das kurioseste, was Sie bislang auf der Piste gefunden haben?

„Einmal bin ich auf einer Raupe mit rausgefahren. Es war in der Früh, bei leichtem Schneefall. Da haben wir mitten auf einer schönen Piste etwas Rotes liegen sehen. Wir sind ausgestiegen und haben es aus der Nähe betrachtet. Es war eine schmales Höschen, 20 Meter weiter oben lag der BH dazu. Da fragt man sich ja, wie Reizwäsche an diese Stelle gelangt? Wir mussten sehr schmunzeln. Fundstücke von Wert wie Reisepässe, Autoschlüssel oder Geldbörsen heben wir auf und führen eine Liste darüber.“

Von den Pisten muss demnach wirklich alles weg.

„Allerdings. Wir sind für die Sauberkeit im ganzen Skigebiet verantwortlich, damit die Flächen im Sommer landwirtschaftlich genutzt werden können. Die Bergbahnen kümmern sich darum, dass absolut kein Schmutz mehr herumliegt, damit die Bauern die Flächen mähen und bewirten können.“

Das Land wird im Sommer also genutzt?

„99 Prozent unserer Pisten werden landwirtschaftlich genutzt. Ende Mai werden alle Pisten gemäht und bis zur letzten Abfahrt alle Flächen komplett beweidet. Das Vieh wird aufgetrieben und auf die Flächen gebracht. Es hat sich herausgestellt, dass die Bauern einen großen Vorteil durch die Beschneiung der Pisten haben. Da im Frühjahr die Schneeschmelze länger dauert und die Weidefläche feuchter bleibt.“

Warum ist das von Vorteil? Ist das Gras dann noch saftiger?

„Genau. Das Gras bleibt länger saftig und grün. Das ist wirklich eine praktische Fügung sowohl für uns als auch für die Bauern. Die Almwirtschaft sieht ja ein allmähliches Abgrasen vor. Das Vieh soll erst das Gras neben den Pisten abfressen, da es weniger feucht und somit schneller welk wird. Danach ist das länger saftige Gras der Pisten dran. Der Vorteil ist, dass das Vieh so immer frisches Gras bekommt. Von dieser Vorgehensweise profitieren beide Seiten. Es geht sogar so weit, dass die Bauern teilweise zu uns kommen und uns bitten: „Schneit noch ein bisschen mehr ein, damit wir im Sommer noch länger frisches Gras für das Vieh haben.“

Es entsteht also eine Win-Win-Situation.

„Früher ist man erst auf die Niederalm und dann auf die Hochalm gegangen, da das Gras dort noch später frisch war. Hier erzielen wir diesen Effekt mit unserer Beschneiung. Die Vegetation wird praktisch zeitlich etwas verschoben. Diese Form der Landschaftspflege ist für uns ein großes Thema. Denn eine gute Grasnarbe mit gesunder Vegetation hat für uns den Effekt, dass wir im Herbst weniger Schnee brauchen, um einen optimalen Belag zu erhalten. Es sind zum Beispiel auch keine Steine dabei.“

Wie viel Zeit bleibt Ihnen für die Pistenwartung zwischen den Saisons?

„Bis Mitte April ist Skibetrieb. Mitte Mai muss das komplette Skigebiet dann sauber sein. Es muss alles innerhalb eines Monats fertig sein. Man kann nie ausschließen, dass mal eine Pistenmaschine etwas beschädigt, also Flurschäden entstehen. Dieser Schaden muss natürlich auch von uns behoben werden.“

Was passiert dann vor Beginn der Wintersaison?

„Der Almabtrieb ist Ende September. Sobald das Vieh weg ist können wir alles wieder aufbauen. Die Sommersaison endet Mitte Oktober, die Wintersaison beginnt Anfang Dezember. Also haben wir dafür wiederum nur etwas mehr als einen Monat Zeit. Natürlich müssen auch z. B. die Schneekanonen wieder aufgestellt werden.“

Wo übersommern eigentlich die Pistenraupen?

„Die Raupen parken In Garagen an den Pisten. Jedes Gerät benötigt einen eigenen Stellplatz, unsere zwölf Geräte benötigen also zwölf Garagen. Das ist platzaufwendig, aber im Freien können sie nicht stehenbleiben, nicht nur aufgrund der Optik, sondern auch aus technischen Gründen.“

Die Gondeln bleiben am Seil, da sie auch im Sommer genutzt werden. © SkiWelt Wilder Kaiser-Brixental

Gilt gleiches auch für die Lifte? Die Gondeln und Sessel müssen doch auch gewartet werden.

„Bei den modernen Bahnen werden die einzelnen Gondeln jeden Tag vom Seil genommen und bei Bedarf gewartet. Bei den älteren Bahnen bleiben die Sessel am Seil. Bei uns in der Skiwelt gibt es von älteren Sesselliften eh nicht mehr viele. Bei älteren Bahnen überlegt man im Einzelfall, ob die Sessel über den Sommer dran bleiben. In diesen Fällen zählt wirklich nur die Optik am Berg. Wenn es das Landschaftsbild stört, kommen die Sessel ab. Viele unserer Gondeln laufen auch im Sommer. Sofort nach der Saison muss die Grundwartung gemacht werden. Die Bahnen, die auch im Sommer laufen, werden jeweils zum Saisonende im Frühjahr und wieder vor Saisonbeginn im Herbst grundgewartet. Dabei sind sehr viele Vorschriften zu beachten, obwohl wir nur einen Monat Zeit dafür haben. Die Lifte, die nur im Winter laufen, werden dann allmählich über den Sommer gewartet.“

Was machen eigentlich die Liftarbeiter und Pistenraupenfahrer im Sommer?

„Im Winter haben wir in Hopfgarten ca. 100 Bedienstete. Davon sind 80 Leute nur in den drei Hauptmonaten bei uns. Die meisten sind Bauern und Bauarbeiter, die im Winter nicht am Bau arbeiten können. Sie sind allesamt gut qualifizierte Arbeiter. LKW-Fahrer bewegen die Pistenmaschinen, da sie die Geräte fahren können. Allein für unser Gebiet haben wir wie gesagt zwölf Raupen.“

Für die Pistenpräparation brauchen die Fahrer sicher viel Know-How.

„Die Pistenraupenfahrer haben einen harten Job, das ist ja reine Nachtarbeit. Die Fahrten dauern acht bis neun Stunden. In der Präparation hat sich in den letzten fünf Jahren die Seilwinden-Technik durchgesetzt, da sie das beste Ergebnis liefert. Der Schnee wird die Piste rauf, also immer von unten nach oben geschoben. Dazu wird die Pistenmaschine an einem Seil angehängt, das oben am Berg verankert ist. Das Seil wird dann bis zu 1.000 Metern nach unten gespannt und die Raupe am Seil nach oben gezogen. Dadurch spart die Maschine viel Energie. Auch sehr steile Pisten können wir so perfekt präparieren. Es ist die bislang energieeffizienteste Variante der Pistenpräparation.“

Die perfekte Pistenpräparation bedarf vieler Stunden Raupenfahrt  © SkiWelt Wilder Kaiser-Brixental

Die Präparation mit der Seiltechnik birgt auch Gefahren, oder?

„Das Seil wird ca. 1,70 m über dem Boden gespannt. Wen man da rein fährt ist das lebensgefährlich. Wir spannen das Seil nicht gleich nach Pistenende um 16:30 Uhr, aber wenn jemand später in der Dämmerung abfahren möchte, müssen unbedingt die Regeln beachtet werden. Wir stellen dazu Drehleuchten und Warnschilder auf. Nichtsdestotrotz übersehen oder ignorieren manche Leute unsere Warnungen und es passieren schon mal Unfälle. Da muss man wirklich aufpassen. Während des Liftbetriebs fahren natürlich keine Pistenmaschinen.“

Herr Eberl, wir danken Ihnen für das aufschlussreiche Gespräch.

Herr der Pisten in Hopfgarten-Itter: Friedl Eberl © SkiWelt Wilder Kaiser-Brixental

 

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