Exotische Skigebiete: Chile

27. Juni 2013 - Nina Vogt

Es waren einmal einige britische Ingenieure. Ihr Arbeitsplatz waren Ende des 19. Jahrhunderts die chilenischen Anden, ihre Aufgabe die Arbeit an einer Bahntrasse zwischen Zentral-Chile und der argentinischen Stadt Mendoza. Ihr häufigstes Fortbewegungsmittel: Skier. Als die Bahntrasse Anfang des 20. Jahrhunderts eröffnet war, nutzten auch andere Wintersportler die Verbindung in die Berge, um Ski zu fahren. Und schnell wurde der Ruf nach einem Skigebiet laut. Es war die Geburtsstunde eines der ersten Südamerikas, genannt „Portillo“.

Skiurlaub in Chile Wer an Skiurlaub denkt, der denkt in hiesigen Gefilden nicht gleich an Chile. Eher an die Schweiz, an Österreich, Frankreich, die deutschen Alpen. Dabei zieht sich mit den Anden einer der höchsten Gebirgszüge durch Chile – mit Gipfeln über 6.000 m Höhe. Was läge da im südamerikanischen Winter – unserem Sommer – näher, als die Skier unterzuschnallen und die Berghänge auszunutzen?

Portillo Als erstes war dies in Portillo möglich. Begann die Geschichte des Skigebietes nahe der Stadt Los Andes mit einem Lift und einer Hütte, ist Portillo heute eines der bekanntesten Skigebiete Chiles. Eng verknüpft ist es mit dem Grand Hotel Portillo, dessen Besitzer aus den USA stammt. Mittlerweile war das Skigebiet (2.500-3.310 m) bereits Austragungsort einer Ski-WM (1966), der bisher einzigen auf der Südhalbkugel. Es verfügt neben mehreren Freeride-Gebieten über 22 km Pisten sowie 14 Lifte – darunter 4 „Va-et-Vient-Seillifte“. Diese Schlepplifte können bis zu 5 Personen nebeneinander ziehen. Die Anzahl der Skipässe wird limitiert, damit es keine Lift-Schlangen gibt. Es gibt Tage, an denen sich nur die 450 Gäste des Hotels auf den Pisten tummeln. Wo sie auf Profis treffen können. Denn die Ski-Nationalmannschaften der USA, Kanadas und Australiens wählen Portillo gerne als Ziel für ihr Sommer-Trainingslager.

Tres Valles: Valle Nevado, El Colorado und La Parva Die Anden ziehen sich einmal durch ganz Chile und so ist Portillo selbstverständlich nicht der einzige Skiort. Im Gegenteil. So hat auch Chile seine drei Täler: Was in Frankreich die Trois Vallées sind, sind in Chile die Tres Valles. Dafür haben sich die Skigebiete Valle Nevado, El Colorado und La Parva zusammengeschlossen, keine 40 Kilometer von der Landeshauptstadt Santiago entfernt. Valle Nevado (2.860-3.670 m) kann wie Portillo mit einem hochkarätigen Event punkten: Mehrfach fand hier der Snowboard Weltcup statt. Daher bietet das Gebiet neben 37 km Piste und 11 Liften eine Halfpipe und eine Boardercross-Strecke. Mit mehr als 93 Quadratkilometern Fläche ist es zudem das größte Ski-Terrain Südamerikas. Das Skidorf ist nach dem Vorbild französischer Orte gebaut. Den Skipassverbund vervollständigen das El Colorado Ski Center (2.430-3.333 m) mit 40 km Piste und 18 Liften sowie La Parva mit 38 Pistenkilometern und 14 Liften. Mit 7000 Betten verfügt La Parva über eines der größten Angebote von Unterkünften.

Termas de Chillán Mit Besonderheiten können andere Skigebiete punkten: Das Gebiet „Termas de Chillán“ (1.600-2.700 m) beispielsweise. Hier fahren Wintersportler auf der längsten Piste Südamerikas – mit 13 km. Geführte Skitouren führen hinauf in Richtung des Gipfels des aktiven Vulkans Chillán und am Ende der Abfahrt kommen Skifahrer bei den Thermalquellen des Ortes an.

Arpa Arpa (2.690-3.740 m) hingegen bietet keine einzige normale Piste. Dafür aber ein reines Catskiing-Gebiet. Es geht mit Pistenraupen bergauf und durch den Pulverschnee wieder hinunter. Hier gibt es nicht einmal ein Hotel, nur eine Hütte für das Bier nach der Abfahrt.

Eröffnet werden die Skigebiete – zu denen weitere kleine hinzukommen – alle spätestens in diesem Monat. Es herrscht Winter in den Anden. Bis Oktober geht die Saison. Beste Chancen also, um dem Sommer hier ein Schnippchen zu schlagen. Einziger Wehmutstropfen: die Flugzeit von mindestens 16 Stunden…

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