Auf den Spuren der Profis: Berühmt-berüchtigte Weltcup-Pisten

29. Oktober 2013 - Nina Vogt

An diesem Wochenende ist es soweit: Die Elite des Skisports startet in den jährlichen Weltcup-Zirkus. In Sölden startet am Samstag, 26. Oktober, der erste Riesenslalom der Damen, am Sonntag folgen die Herren. Anlass genug, einmal auf den Spuren des Mythos Weltcup zu wandeln. Denn sind Sportler und Zuschauer einmal weitergezogen zum nächsten Austragungsort, bleibt die Weltcup-Strecke – als „Mutprobe“ für jeden ambitionierten Hobby-Wintersportler. Die berühmtesten, berüchtigtsten und die meistbefahrenen haben wir hier zusammengestellt:

Streif (Kitzbühel)

Sie dürfte eine der bekanntesten Strecken sein – nicht zuletzt wegen des Promi-Andrangs, der jedes Jahr herrscht, wenn Kitzbühel zum Hahnenkammrennen bittet. Und sie ist definitiv eine der gefürchtetsten. Bis zu 85 % Gefälle, bis zu 80 m weite Sprünge, Spitzengeschwindigkeiten bis zu 140 km/h – das Hahnenkammrennen gilt als eines der härtesten der Welt. Im Januar 2014 – vom 24. bis 26. – lockt die 74. Auflage. Vorbehalten ist die Strecke den Herren. Die 3.312 m lange Streif weist alle Elemente einer klassischen Abfahrt auf: scharfe Geländekanten, Steilhänge, Schrägfahrten, Schuss- und Gleitstrecken, Kurven, spektakuläre Bodenwellen, kurze Bergauf-Passagen. Als kritische Abschnitte gelten die „Mausefalle“ mit 85 % Gefälle, der Steilhang und die „Hausbergkante“. Otto-Normalskifahrer können sie ebenso wie die anderen 2 Stellen umgehen – sie sind im normalen Skibetrieb als „Skiroute extrem“ gekennzeichnet. Die rote „Streif-Familienabfahrt“ führt drumherum. Eine Chance für Jedermann, ein wenig Weltcup-Luft zu schnuppern.

Auf der Kandahar © Bayerische Zugspitzbahn Bergbahn AG/Farys

Kandahar (Garmisch-Partenkirchen)

Seit dem Umbau in 2009 hat man in Garmisch einen Superlativ vorzuweisen: „Freier Fall“ heißt bezeichnender Weise  der Streckenabschnitt, der satte 92 % Gefälle vorzuweisen hat und die steilste Stelle im gesamten Weltcup ist. Nach der Lauberhornabfahrt im Schweizer Wengen gehört die Kandahar mit 3.300 m Länge übrigens auch zu den längsten Weltcup-Pisten. Die erste Herausforderung lauert bereits am Anfang auf die Wintersportler: die enge Einfahrt in den 63 % steilen Tröglhang. Weitere kritische Stellen lassen sich bereits an ihrem Namen erkennen: die „Prügelknaben“, die „Hölle“ und der „Eishang“. Am 25./26. Januar (Damen) und am 1./2. Februar 2014 (Herren) starten die Sportler wieder auf der Kandahar. Spektakulär ist hier übrigens die Siegerehrung: Einmalig im FIS Weltcup schweben die Sieger mit einer Gondel auf den Mohrenplatz.

Lauberhorn-Abfahrt (Wengen)

Sie gilt neben der Streif ebenfalls als sehr anspruchsvolle Piste – und das aus 2 Gründen. Die Lauberhorn-Abfahrt in Wengen ist mit knapp 4,5 km die längste Strecke im Weltcup. Zudem werden hier die höchsten Durchschnittsgeschwindigkeiten im laufenden Wettbewerb erreicht: 2013 erreichte Johan Clarey am Hanneggschuss mit 161,9 km/h die höchste je gemessene Geschwindigkeit im alpinen Weltcup. Das Gefälle ist mit maximal 42 Prozent allerdings nicht so hoch wie bei anderen Strecken. Markenzeichen der Piste vor der spektakulären Kulisse der Eiger-Nordwand ist der legendäre Engpass am Hundskopf, wo es zwischen 2 Felsen 15 m in die Tiefe geht. Weitere berüchtigte Passagen sind die „Minschkante“, die „Canadian Corner“ und das Ziel-S, das den Fahrern am Ende der Strecke noch einmal alles abverlangt. Vom 17. bis 19. Januar 2014 werden die Oberschenkelmuskeln hier wieder strapaziert.

Pista Stelvio (Bormio)

Steil, schnell, kurvenreich – das ist die Pista Stelvio im italienischen Bormio. Üblicherweise kurz vor Jahreswechsel tragen die Herren hier Weltcup-Rennen aus. Geliebt und gehasst wird „La Stelvio“, wie sie die Italiener nennen, bei den Sportlern, denn sie verzeiht absolut nichts. Ein Außenseiter hat hier noch nie gewonnen. Atemberaubend ist bereits der Start: Mit 63 % Steigung ist der Startschuss der steilste im Wettbewerb. 2 schnelle Kurven führen direkt zu Anfang zum Rocca-Sprung. Der entscheidende Abschnitt der Strecke ist die Traverse „Carcentina“, der schnellste der San-Pietro-Schuss, der durch den San-Pietro-Sprung eingeleitet wird. Vom 27. bis 29. Dezember sind die Herren wieder auf der 3.186 m langen Piste unterwegs.

Am Chuenisbärgli © Ski-Weltcup Adelboden AG

Chuenisbärgli (Adelboden)

Der Riesenslalom am Chuenisbärgli über Adelboden gilt als einer der schwierigsten der Welt – und als Klassiker. Neben Adelboden sind es nur Kitzbühel und Wengen, die seit Beginn des Weltcups 1967 jedes Jahr im Veranstaltungskalender stehen. Rund 40.000 Besucher stürmen jedes Mal den 3.500-Einwohner-Ort – sicher auch wieder am 11. und 12. Januar 2014. Start- und Zielhang sind besonders steil, die Piste fällt schräg ab. Am Hausberg von Adelboden stehen gleich mehrere unterschiedliche Streckenvarianten zur Verfügung: für Weltcup-Rennen, aber auch für Europacup- und andere FIS-Veranstaltungen.

Saslong (Gröden)

Berüchtigt ist die Weltcup-Piste unterhalb des Langkofels für ihre „Kamelbuckel“, einen der bekanntesten Streckenabschnitte im gesamten Weltcup. Etwa in der Mitte der Piste befindet sich die Kombination aus 3 Bodenwellen, ursprünglich „Sprung des Kängurus“ genannt. Besonders der 2. und 3. Sprung sind schwer zu bewältigen. Nach den Kamelbuckeln fordern die Furchen der Ciaslat-Wiese die Oberschenkelmuskulatur der Fahrer hinaus. Und selbst nach Zieleinlauf ist noch Konzentration angesagt: Der Auslauf ist besonders eng. In den Anfangsjahren waren vor allem Underdogs mit hohen Startnummern auf der Saslong im Vorteil: Am Nachmittag kommt die Sonne hinter dem Langkofel hervor und macht die Strecke schneller. Durch eine Verlegung der Startzeiten ist man diesem Problem jedoch mittlerweile beigekommen. Nächster Termin: 20./21. Dezember.

Gran Risa (Alta Badia)

Viel zu lachen, so wie es der italienische Name dieser Strecke vermuten lässt, haben die Skirennfahrer auf der „Gran Risa“ in Alta Badia nicht. Führt die Piste doch auf ihrer gesamten Länge durch eine Schneise im Kiefernwald. Durch die Lage im Schatten gleicht die Strecke meist einer Eisplatte. Seit 1990 ist Alta Badia jährlich Weltcup-Veranstaltungsort – das nächste Mal am 22. Dezember. Rekordsieger ist hier mit 4 Siegen übrigens eine italienische Legende: Alberto Tomba.

Planai (Schladming)

Im vergangenen Jahr hat sich Schladming als Austragungsort der alpinen Ski-WM einen Namen gemacht. Als Weltcup-Veranstaltungsort ist der Hausberg Schladmings, die Planai, bereits viel länger in aller Munde. Denn es ist das dortige „Nightrace“, das jedes Jahr die meisten Zuschauer im gesamten Weltcup anzieht: Bis zu 60.000 Menschen verwandeln den Bereich rund um den Zieleinlauf in ein Farbenmeer. Nachdem 1990 hier das vorerst letzte Weltcup-Rennen stattgefunden hatte, kehrte Schladming 1997 in den Renn-Kalender zurück. Seit 2001 findet das Nachtrennen immer am Dienstag nach dem Hahnenkammrennen statt. Streckenabschnitte wie der „Holzacker“ oder das „Italienerloch“ machen ihrem Namen alle Ehre.

Oreiller-Killy-Piste (Val d’Isère)

Benannt wurde die Strecke, auf der sich die Ski-Elite wieder am 14. und 15. Dezember trifft, nach den französischen Skilegenden Henri Oreiller und Jean-Claude Killy. Die O.-K.-Piste gehört sicher nicht zu den anspruchvollsten, aber neben der Saslong, der Lauberhorn-Abfahrt, der Streif und der Kandahar zu den 5 Klassikern im Weltcup. Konzipiert wurde sie für die Olympischen Spiele 1992. Heute finden hier nur noch die Damen-Wettbewerbe statt. Die Herren fahren auf der „Face de Bellevarde“. Seit 1968/69 gehört das „Kriterium des ersten Schnees“ – so heißt das jährliche Rennen in Val d’Isère – zum Weltcup.

Birds of Prey (Beaver Creek)

Zu guter Letzt lohnt es sich, auch in die Ferne zu schweifen – in die USA. Denn wenn eine Piste nach Raubvögeln benannt ist, dann gehört sie wohl zu den anspruchsvollsten im Wettbewerb. Im Skigebiet von Beaver Creek liegt die „Birds of Prey“, auf der seit 1997/98 jährlich Weltcup-Rennen ausgetragen werden. Besonders ist neben Steilhängen und waghalsigen Sprüngen wie dem „Golden Eagle Jump“ die Höhenlage: Der Zielraum befindet sich auf 2.700 bzw. 2.500 m. 2011 fanden hier erstmals auch Damen-Wettbewerbe statt. In diesem Jahr gibt es eine Wiederholung: vom 29. November bis 1. Dezember und vom 6. bis 8. Dezember.

Respekt bekommen? Keine Sorge. Oft sind es vor allem Streckenführung und Präparierung, die die Weltcup-Strecken so tückisch machen. Im Normalzustand sind sie auch für Hobbysportler befahrbar. Die können sich jetzt auf ihre eigene Weltcup-Tour begeben.

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