Auf den Spuren der Profis: Berühmt-berüchtigte Weltcup-Pisten

30. Oktober 2017 - Carla Meyer

Jedes Jahr im Herbst startet die Elite des Skisports in den Weltcup-Zirkus. Die Pisten, die die Renn-Profis hierbei hinunter brettern, gelten als „Mutprobe“ für jeden ambitionierten Hobby-Wintersportler. SnowTrex hat die berühmt-berüchtigtsten Weltcup-Pisten zusammengestellt, die auch für Nicht-Profis befahrbar sind. Wer traut sich, eine der Pisten zu bezwingen?

Die Lauberhorn-Abfahrt in Wengen.

Lauberhorn, Wengen/Schweiz

Die Lauberhorn-Abfahrt im Weltcup-Ort Wengen ist mit knapp 4,5 km die längste Strecke im Weltcup. Zudem werden hier die höchsten Durchschnittsgeschwindigkeiten im laufenden Wettbewerb erreicht: 2013 erreichte Johan Clarey am Hanneggschuss mit 161,9 km/h die höchste je gemessene Geschwindigkeit im alpinen Weltcup. Das Gefälle ist mit maximal 42 Prozent allerdings nicht so hoch wie bei anderen Strecken. Markenzeichen der Piste vor der spektakulären Kulisse der Eiger-Nordwand ist der legendäre Engpass am Hundskopf, wo es zwischen zwei Felsen 15 m in die Tiefe geht. Weitere berüchtigte Passagen sind die Minschkante, die Canadian Corner und das Ziel-S, das den Fahrern am Ende der Strecke noch einmal alles abverlangt.

Saslong, Gröden/Italien

Berüchtigt ist die Weltcup-Piste unterhalb des Langkofels für ihre „Kamelbuckel“, einen der bekanntesten Streckenabschnitte im gesamten Weltcup. Etwa in der Mitte der Piste befindet sich die Kombination aus drei Bodenwellen, ursprünglich „Sprung des Kängurus“ genannt. Besonders der zweite und dritte Sprung sind schwer zu bewältigen. Nach den Kamelbuckeln fordern die Furchen der Ciaslat-Wiese die Oberschenkelmuskulatur der Fahrer heraus. Und selbst nach Zieleinlauf ist noch Konzentration angesagt: Der Auslauf ist besonders eng. In den Anfangsjahren waren vor allem Underdogs mit hohen Startnummern auf der Saslong im Vorteil: Am Nachmittag kommt die Sonne hinter dem Langkofel hervor und macht die Strecke schneller. Durch eine Verlegung der Startzeiten ist man diesem Problem jedoch mittlerweile beigekommen.

Blick auf einen Teil der Saslong in Gröden.

Planai, Schladming/Österreich

Als Weltcup-Veranstaltungsort ist der Hausberg Schladmings, die Planai, schon viele Jahre in aller Munde. Denn es ist das dortige „Nightrace“, das jedes Jahr die meisten Zuschauer im gesamten Weltcup anzieht: Bis zu 60.000 Menschen verwandeln den Bereich rund um den Zieleinlauf in ein Farbenmeer. Nachdem 1990 hier das vorerst letzte Weltcup-Rennen stattgefunden hatte, kehrte Schladming 1997 in den Renn-Kalender zurück. Seit 2001 findet das Nachtrennen immer am Dienstag nach dem Hahnenkammrennen statt. Streckenabschnitte wie der „Holzacker“ oder das „Italienerloch“ machen ihrem Namen alle Ehre.

Auf der Planai in Schladming findet immer das “Nightrace” statt.

Kandahar, Garmisch-Partenkirchen/Deutschland

Die legendäre Kandahar ist seit 2009 Teil der Weltcup-Strecken und weist den steilsten Abschnitt aller Weltcup-Abfahrten auf: Mit bis zu wahnsinnigen 92 Prozent Gefälle müssen die Ski-Rennprofis kurz vor dem Ziel nochmal richtig ran. Kein Wunder, dass dieser Streckenabschnitt den Namen „freier Fall“ trägt. Und auch die anderen Abschnitte haben es in sich: Am Tröglhang sind es 63 Prozent Gefälle, das lässt Beschleunigungen bis zu 140 km/h kurz nach dem Start zu. Weiter geht es über die Olympiakurve, den Panoramasprung – Sprünge bis zu 60 m stehen an der Tagesordnung – und den Eishang. Nichts für schwache Nerven und Oberschenkel!

Die Kandahar ist ultra steil.

Chuenisbärgli, Adelboden/Schweiz

Der Riesenslalom am Chuenisbärgli über Adelboden gilt als einer der schwierigsten der Welt – und als Klassiker. Neben Adelboden sind es nur Kitzbühel und Wengen, die seit Beginn des Weltcups 1967 jedes Jahr im Veranstaltungskalender stehen. Rund 40.000 Besucher stürmen jedes Mal den 3.500-Einwohner-Ort. Start- und Zielhang sind besonders steil, die Piste fällt schräg ab. Am Hausberg von Adelboden stehen gleich mehrere unterschiedliche Streckenvarianten zur Verfügung: für Weltcup-Rennen, aber auch für Europacup- und andere FIS-Veranstaltungen.

Olympia-Abfahrt, Cortina d’Ampezzo/Italien

Trotz aller Geschwindigkeit, die man auf der Olympia-Abfahrt in Cortina d’Ampezzo an den Tag legen kann, sollte man hier auf keinen Fall die Aussicht verpassen. Die Strecke liegt in der UNESCO Weltkulturerbe-Region der Dolomiten und bietet durch ihre sonnige Lage atemberaubende Blicke. Somit gilt sie auch als eine der schönsten und beliebtesten Strecken des Weltcups. Die Skirennprofis starten auf rund 2.300 m Höhe direkt unterhalb des Dreigestirns Tofane. „Erstmal reinkommen“ ist nicht – kurz nach dem Start geht es direkt auf den Tonalen Schuss, auf dem bis zu 130 km/h erreicht werden.

Nicht vergessen: In Cortina d’Ampezzo hat man tolle Blicke.

Pista Stelvio, Bormio/Italien

Steil, schnell, kurvenreich – das ist die Pista Stelvio im italienischen Bormio. Üblicherweise kurz vor dem Jahreswechsel tragen die Herren hier ihr Weltcup-Rennen aus. Geliebt und gehasst wird „La Stelvio“, wie sie die Italiener nennen, denn sie verzeiht absolut nichts. Atemberaubend ist bereits der Start: Mit 63 Prozent Gefälle ist der Startschuss der steilste im Wettbewerb. Zwei schnelle Kurven führen direkt zu Anfang zum Rocca-Sprung. Der entscheidende Abschnitt der Strecke ist die Traverse Carcentina, der schnellste der San-Pietro-Schuss, der durch den San-Pietro-Sprung eingeleitet wird.

Gran Risa, Alta Badia/Italien

Viel zu lachen, so wie es der italienische Name dieser Strecke vermuten lässt, haben die Skirennfahrer auf der Gran Risa in Alta Badia nicht. Die Piste führt auf ihrer gesamten Länge durch eine Schneise im Kiefernwald. Durch die Lage im Schatten gleicht die Strecke meist einer Eisplatte. Seit 1990 ist Alta Badia jährlich Weltcup-Veranstaltungsort. Rekordsieger ist hier Marcel Hirscher.

Oreiller-Killy, Val d’Isère/Frankreich

Benannt wurde die Strecke nach den französischen Skilegenden Henri Oreiller und Jean-Claude Killy. Die O.-K.-Piste gehört sicher nicht zu den anspruchvollsten, aber neben der Saslong, der Lauberhorn-Abfahrt, der Streif und der Kandahar zu den Klassikern im Weltcup. Konzipiert wurde sie für die Olympischen Spiele 1992. Heute finden hier nur noch die Damen-Wettbewerbe statt. Die Herren fahren auf der „Face de Bellevarde“. Seit 1968/69 gehört das „Kriterium des ersten Schnees“ – so heißt das jährliche Rennen in Val d’Isère – zum Weltcup.

 

Respekt bekommen? Keine Sorge. Oft sind es vor allem Streckenführung und Präparierung, die die Weltcup-Strecken so tückisch machen. Im Normalzustand sind sie auch für Hobbysportler befahrbar. Die können sich jetzt auf ihre eigene Weltcup-Tour begeben und die Strecken ganz nach Belieben, ohne sich an die Weltcup-Disziplinen zu halten, genießen.

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