Afghanistan – Vom Kriegsgebiet zur Skiregion

31. August 2011 - Katharina Teudt

Männer und Frauen, die auf seltsamen langen Brettern und mit Stöcken in den Händen einen beschneiten Berg besteigen, sieht man doch recht selten in Afghanistan. Ein Skiurlaub in Österreich oder  Frankreich gehört zum Alltag, aber Skifahren in Afghanistan? Skilaufen ist eine sehr unbekannte Sportart in diesem Land und ihr wird noch viel Argwohn entgegengebracht. Allerdings verfügt Afghanistan über ein hohes Potential, was den Skisport betrifft. So erfüllt die Region Bamiyan beispielsweise alle Voraussetzungen, die für ein unvergessliches Skierlebnis benötigt werden. Mit seinen Hängen, die wochenlang mit feinstem Pulverschnee bedeckt sind, kann man kaum eine bessere Qualität in einem Skigebiet finden.

Die Idee, aus einem Kriegsgebiet ein Skigebiet zu machen steht, die Umsetzung ist jedoch nicht ganz einfach.

Zum Einen gibt es momentan nur zwei Wege, die von Kabul nach Bamiyan führen: die Reise über den Shibar-Pass, die acht Stunden andauert, aber sicher ist oder die vierstündige, möglicherweise todbringende Fahrt durch Taliban-Gebiet. Es wird bereits daran gearbeitet, dass der Weg über den Shibar-Pass verkürzt werden kann. So wird die Straße eingeebnet, verbreitert und asphaltiert. Nach der Fertigstellung sollte auch diese Fahrt die vier Stunden nicht überschreiten. Das zweite Problem, das der Entstehung eines Skigebiets im Wege steht, ist, dass es keine zivilen Flugverbindungen zwischen Bamiyan und Kabul gibt. Daher sind die Reisenden bisher auf Maschinen der Vereinigten Nationen oder Charterflüge angewiesen. Weiterhin ist die touristische Infrastruktur im potenziellen Skigebiet noch nicht entwickelt. So  fehlt es komplett an Skiliften und jede entspannte Abfahrt ist mit einer anschließenden Bergbesteigung verbunden.

Das Skilaufen ist den Leuten in Afghanistan jedoch nicht so ganz fremd, denn in den Sechzigern und Siebzigern lebte der Sport schon einmal auf. Zu dieser Zeit stürmten die Diplomaten an den Wochenenden die Pisten nahe Kabul. Es gab einen einfachen Schlepplift, Restaurants, Teehäuser und eine Fläche zum Sonnenbaden. Auch wurden Skirennen unter verschiedenen Skiclubs ausgetragen. Der winterliche Zeitvertreib wurde allerdings mit der Invasion der Sowjets 1979 beendet.

Jetzt versucht man, die Menschen wieder für das Skilaufen zu begeistern und somit eine längst vergessene Touristenattraktion erneut zum Leben zu erwecken. Gleichzeitig ist dies eine gute Möglichkeit die atemberaubende Provinz Bamiyan aus ihrer Armut zu holen, indem ein profitables Skigebiet geschaffen wird.

Die Vorbereitungen laufen bereits. Es wird derzeit eine Gruppe von jungen Männern ausgebildet, die Afghanistans erste Skilehrer werden wollen. Im Klassenzimmer werden ihnen die wichtigsten Eigenschaften und Grundkenntnisse, über die ein Skilehrer verfügen sollte, beigebracht.

Ferdinando Rollando geht mit gutem Beispiel voran. Der italienische Skilehrer unterrichtet eine Gruppe von insgesamt 36 Jugendlichen im Alter von 13 bis 16 Jahren. Sie alle sind sehr begeistert und es ist geplant, dass jeder von ihnen einmal als Skilehrer, Bergführer oder Mitglied eines Bergrettungsdienstes arbeitet.

Trotz der sehr günstigen Gegebenheiten, muss man hoffen, dass sich die Dinge in Afghanistan bessern, denn wenn das Land untergeht, so tut es auch Bamiyan.

Quellen:

http://www.freitag.de/ http://www.gmx.net/

Print Friendly and PDF
Neukirchen & Bramberg – Skigebiet Wildkogel-Arena

Abwechslungsreiche Pisten, ein tolles Familienangebot und faszinierende ...

Andalo, Molveno, Fai – Skigebiet Paganella

Paganella ist eines der anspruchsvolleren Skigebiete mittlerer Größe im Trentino. ...