Sicher Sesselbahn fahren

30. Dezember 2022 - SnowTrex

Während die ersten Skilifte Wintersportler bequem den Berg hinauf transportieren konnten und somit den Wintersport zum Massensport machten, hatten sie einen entscheidenden Nachteil: Da die Liftfahrer ihre Ski über den Schnee gleiten lassen mussten, funktionierten die Skilifte nicht ohne Schnee am Boden. Im Sommer waren die Lifte also nicht nutzbar, was zu ersten Überlegungen führte, wie Touristen auch außerhalb der Wintersaison – beispielsweise zum Wandern – den Berg hinauf befördert werden könnten. Das war die Geburtsstunde der Sesselbahnen. SnowTrex weiß, dass davon mittlerweile nicht nur Wanderfreunde, sondern auch alle Wintersportler profitieren.

Aus den Skigebieten sind Sessellifte nicht wegzudenken.


Was ist eine Sesselbahn?

Unter einer Sesselbahn ist eine Seilbahn zu verstehen, die an einem Förderseil eine endlose Umlaufschleife fährt. An dem Förderseil sind Sitzvorrichtungen, in den meisten Fällen für ein bis zwei, maximal aber bis acht Personen, angebracht. In Europa haben die Sesselbahnen Sicherheitsbügel, in Nordamerika ist dies nicht immer der Fall.

Im Gegensatz zu den Schleppliften, bei denen Wintersportler die Ski am Boden entlangführen, schweben die Passagiere in einer Sesselbahn in der Luft. Es wird zwischen fixgeklemmten und kuppelbaren Sesselbahnen unterschieden.

Viele Wintersportler lieben Sessellifte, da sie auch bergauf an der frischen Luft sind und die Bretter angeschnallt lassen können.

Fixgeklemmte Sesselbahnen: Vom Gehlift bis zum Korblift

Die simpelste Form sind die fixgeklemmten Sesselbahnen. In Österreich werden sie „Sessellift“ genannt, im englischen Sprachraum heißen sie „fixed grip chairlift“ (umgangssprachlich nur „chairlift“). Sie heißen deshalb „fixgeklemmt“, weil die Stange am Förderseil fest mit der Sitzvorrichtung verbunden ist. Wie auch beim Schlepplift steigen Wintersportler, während der Lift fährt, ein und wieder aus, die Sesselbahn hält nicht an. In moderneren Anlagen helfen Förderbänder beim Ein- und Ausstieg. An einigen Sesselbahnen drosseln Liftmitarbeiter das Tempo an den Stationen.

Eine Fahrt in einem 1er-Sessellift ist eine Erfahrung der besonderen Art.

Die erste fixgeklemmte Sesselbahn der Welt hatte nur eine Sitzvorrichtung für eine Person und war eine Art Gehlift. Sie funktionierte genau wie ein Schlepplift: Das Tempo war jedoch langsamer, sodass die Passagiere während der Fahrt ihre Füße am Boden mitgehen oder mitziehen lassen konnten.Der Schweizer Ingenieur Ernst Constam hatte schließlich die Idee, die Bügel gegen Sessel auszutauschen. So entstand 1943 am Jochpass in Engelberg die erste Sesselbahn. Genau genommen handelte es sich dabei um eine Kombibahn, an der sowohl Bügel als auch Sessel und Gondeln angebracht waren. Fahrgäste konnten ihre Transportform also selbst wählen. Die Bügel waren dabei die günstigste Variante, die Gondeln dagegen so etwas wie der Erste-Klasse-Transport.

1954 fuhr die weltweit erste fixgeklemmte Sesselbahn mit reinen Zweisitzern. Das brachte viele Vorteile mit sich: Es konnten mehr Wintersportler transportiert werden und das Skifahren wurde geselliger. In den 1980er-Jahren erhöhte sich die Kapazität vielerorts auf vier Personen.

Im Sessellift kann es auch mal frostig werden.

Zu den Sonderformen der fixgeklemmten Sesselbahnen gehören die in Italien beliebten Korblifte. Dabei springen Skifahrer in Stehkörbe auf und fahren so den Berg hinauf. Eine weitere interessante Sonderform sind die Gruppenumlaufbahnen, die sowohl oben als auch unten an der Station gleichzeitig zum Halt kommen, sodass Wintersportler leichter ein- und aussteigen können. Diese Gruppenumlaufbahnen konnten sich aber bislang nicht in vielen Skigebieten durchsetzen, da sie kostspieliger sind und Skiliftbetreiber stattdessen lieber die beliebteren kuppelbaren Umlaufbahnen einsetzen.

Kuppelbare Sesselbahnen

Die kuppelbaren Sesselbahnen entstanden zeitgleich zu den fixgeklemmten Bahnen. Ihre Entstehungsgeschichte geht jedoch auf Materialseilbahnen aus dem 19. Jahrhundert zurück.

Kuppelbare Sesselbahnen oder „detachable chairlifts“, wie sie auf Englisch heißen, unterschieden sich hauptsächlich darin von den fixgeklemmten Sesselbahnen, dass die Sitzvorrichtungen sich in den Stationen durch einen Mechanismus automatisch vom Seil lösen. Somit wird das Tempo am Gipfel sowie im Tal gedrosselt, sodass Wintersportler bequemer ein- und aussteigen können. Um die Transportkapazität nicht zu stark einzuschränken, fahren die kuppelbaren Sesselbahnen zwischen den Stationen schneller als fixgeklemmte Bahnen.

Kuppelbare Sesselbahnen können viel schneller als herkömmliche Sesselbahnen fahren, da sie beim Ein- und Ausstieg langsamer werden.

Die erste kuppelbare Sesselbahn der Welt wurde in der Schweiz kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs gebaut und konnte zwei Personen transportieren. Diese saßen dabei quer zum Hang, was ihnen eine bessere Aussicht geben sollte. Der Nachteil dieser Konstruktion war aber, dass Wintersportler ihre Ski abschnallen mussten, was das Ein- und Aussteigen komplizierter machte.

Erst als Mitte der 1970er-Jahre die kuppelbaren Sesselbahnen parallel zur Fahrtrichtung gebaut wurden, sodass Wintersportler ihre Ausrüstung anbehalten konnten, setzten sich die Bahnen in vielen Skigebieten durch.

Zu den Sonderformen gehören, wie bereits erwähnt, die Kabinenbahnen sowie die Kombibahn. Diese sogenannte „Telemix-“Bahn bietet sowohl Sessel als auch Kabinen an einem einzigen Förderseil an. Erfahrene Skifahrer, die schnell ein- und aussteigen können, können dabei die Sessel wählen. Anfänger oder Kinder bevorzugen daher häufig die Kabinen.

Mittlerweile werden die Sesselbahnen von den Skigebieten auch als Marketinginstrument erkannt. Sicherheitsbügel, die sich automatisch öffnen und schließen, sollen dafür sorgen, dass Fahrgäste sich sicherer fühlen. Beheizte Sesselbahnen sowie wetterdichte Kabinen, die sogenannten Bubbles, sollen Wintersportler durch den erhöhten Komfortfaktor anlocken.

Kuppelbare Sesselbahnen haben den Ein- und Ausstieg beim Liften revolutioniert.

Das richtige Verhalten in der Sesselbahn

Am sichersten fährt es sich in der Sesselbahn, wenn die Verhaltensregeln bekannt sind – und sich auch daran gehalten wird. Da die meisten Unfälle und Stürze beim Sesselbahn-Fahren beim Ein- und Ausstieg passieren, gilt es hier besonders vorsichtig zu sein. Doch nicht nur das erfordert Aufmerksamkeit:

Anstehen

Wie auch beim Skifahren, gilt auch für das Anstehen bei Sesselliften, dass dort auf andere Rücksicht genommen wird. Das bedeutet, dass die Wintersportler geduldig warten, nicht schubsen, sich ordentlich anstellen und sich nicht vordrängeln. Wenn es Liftpersonal gibt, sollte stets den Anweisungen der Angestellten gefolgt werden. Wer Hilfe beim Einsteigen benötigt, ist gut beraten dies frühzeitig ankündigen, um nachfolgende Fahrgäste nicht unnötig aufzuhalten.

Es kann verschiedene Formen von Schlangen geben. Entweder es gibt eine Reihe, dann wird sich einfach hinten angestellt, oder es kann aber auch von verschiedenen Seiten eingestiegen werden. Dazu lohnt sich vorher eine kurze Absprache mit anderen Mitfahrern, damit jeder weiß, wer sich wo hinsetzt. So werden sowohl langes Warten der folgenden Fahrer als auch Stürze vermieden, weil vielleicht doch noch die Plätze getauscht werden sollen.

Oft gibt es extra eine separate Schlange (Single Line) für Personen, die alleine fahren. Sobald ein Platz im Sessellift frei ist, wird aufgefüllt. Auch Skischulen nutzen diese, um kleinere Kinder, die nicht alleine fahren können oder sollen, zu befördern.

Das Anstehen am Sessellift kann mal nerven, aber am Ende geht es oft schneller als gedacht.

Einsteigen

Egal, ob Förderband zum Lift oder Schranke – ist der Wartende an der Reihe, dann begeben er oder sie sich zügig zur Einstiegsstelle. Dabei bleiben die Skistöcke in einer Hand. Snowboarder steigen aus der hinteren Bindung. Ein Blick nach hinten zum Sessel und die freie Hand helfen beim sicheren Einsteigen. Wer einen Rucksack mitnimmt, sollte diesen am besten vorne um die Brust tragen. So stoßen Wintersportler niemanden ungewollt weg. Außerdem sollte beim Ein- und Aussteigen gut darauf geachtet werden, dass sich die Schnallen oder Bänder des Rucksacks nirgendwo verfangen.

Das Einsteigen in den Sessellift haben Anfänger schnell raus.

Bügel schließen

In einigen Sesselliften muss der Bügel manuell geschlossen werden. Hier gibt es entweder ein Signal, das anzeigt, wann dies zu tun ist, oder es wird sich mit den Sesselpartnern abgesprochen. So sollte insbesondere der Bügel nicht schon heruntergezogen werden, während andere sich noch hinsetzen oder sich ausrichten.

Fahren

Während der Fahrt sollten Skifahrer sich ruhig verhalten und nicht etwa hin und her schaukeln, um so die Bahn ins Wackeln zu bringen. Zudem ist der Bügel geschlossen zu halten.

Unter keinen Umständen sollten Passagiere durch Abspringen den Lift während der Fahrt verlassen. Auch an Stellen, wo es vielleicht möglich ist (wenn etwa extrem viel Schnee liegt und ein Lift recht flach über den Boden fährt), ist das absolut verboten.

Rauchen und das Abwerfen von Müll während der Fahrt ist aus Gründen des Naturschutzes selbstverständlich ebenfalls strikt verboten. Ebenso gilt es seine eigene Ausrüstung gut festzuhalten und so zu sichern, dass nichts herausfallen kann.

Während der Fahrt gilt es, den Ausblick auf die umliegende Bergwelt zu genießen.

Anhalten während der Fahrt

Wenn die Sesselbahn während der Fahrt anhält, heißt es ruhig sitzen bleiben. Sind Kinder in der Bahn oder werden andere Fahrgäste unruhig, sollten sie beruhigt werden. Die wichtigste Regel ist: Ruhe bewahren und den Anweisungen des Personals folgen. Passagiere sollte niemals eigenmächtig handeln oder gar versuchen abzuspringen. Sesselbahnen fahren oft höher als angenommen und somit besteht hohe Verletzungsgefahr.

Vor dem Aussteigen

Der Ausstieg verläuft am reibungslosesten, wenn sich die Fahrgäste rechtzeitig darauf vorbereiten. Dazu ist es absolut ratsam seine Ausrüstung zusammenzuhalten, aufmerksam zu bleiben und kurz vor der Ankunft die Ski aus der Halterung und die Skispitzen etwas anzuheben. So rammen sich die Ski nicht in den Schnee, wodurch das Verletzungsrisiko gesenkt wird.

Automatische Bügel öffnen sich etwa 20 Sekunden vor dem Ausstieg. Wenn sie manuell geöffnet werden müssen, haben die meisten Anlagen Hinweisschilder, Liftpersonal oder Signalleuchten, die anzeigen, wann die Bügel geöffnet werden können. Zuvor sollten sich alle Skifahrer abstimmen, sodass jeder zum Öffnen bereit ist.

Aussteigen

Sessellifte haben typischerweise zwei Phasen an der oberen Station. Zuerst kommt eine flache Ebene, auf der die Ski aufsetzen, die Stöcke allerdings noch in einer Hand gehalten werden, bevor sich mit der anderen vom Lift abgestoßen und das Gleichgewicht gefunden wird. Danach folgt ein leichter Abhang, der dabei hilft, zügig aus dem Ausfahrtbereich hinauszugleiten. Dort sollten Skifahrer und Snowboarder sich nämlich nicht zu lange aufhalten, um nachfolgende Fahrer nicht zu behindern oder vom Lift getroffen zu werden. Erst wenn man weit genug vom Lift entfernt ist, werden beide Stöcke in die Hand genommen und die Abfahrt beginnt. Das ist deshalb wichtig, da der zu frühe Einsatz der Stöcke entweder die Stöcke beschädigen oder zu Stürzen führen kann. So können zum Beispiel andere Fahrgäste mit den Stöcken getroffen werden oder die Stöcke bleiben im Schnee stecken, was die Gefahr von Beschädigungen am Material erhöht.

Bei vollen Sesselliften kann es beim Ausstieg schon mal hakelig werden.

Wer beim Aussteigen hinfällt, sollte versuchen, sich so schnell wie möglich wieder aufzurichten und weiterzugleiten. Wer dies nicht schafft, kann sich zur Seite rollen, um so anderen aussteigenden Skifahrern nicht im Weg zu sein. Haben Wintersportler größere Schwierigkeiten, geben sie dem Liftpersonal einen Hinweis. Dieses ist generell aber sehr aufmerksam und hilfsbereit und stoppt den Sessellift bei Bedarf.

Ansonsten ist es wichtig, die Markierungen und Schilder am Sessellift zu beachten. Hinweise wie „Schaukeln verboten“ oder „Jetzt Bügel öffnen“ sollten zur eigenen Sicherheit befolgt werden. Nicht immer sind diese Hinweise ausformuliert. Manchmal zeigen Piktogramme, wie ein Pfeil, der zum Bügel deutet, was zu tun ist.

Mit Kindern im Sessellift

Wer mit Kindern im Sessellift unterwegs ist, sollte einige Besonderheiten beachten. So gelten je nach Land unterschiedliche Regeln, welche Kinder in der Sesselbahn alleine mitfahren dürfen und wann eine Begleitperson erforderlich ist. In der Schweiz dürfen zum Beispiel alle Kinder ab sechs Jahren alleine fahren, in Deutschland dürfen nur schulpflichtige Kinder ohne Begleitperson in die Sesselbahn und in Frankreich ist die Größe (mindestens 1,25 Meter) entscheidend.

Auch die Regeln zur Begleitperson variieren je nach Land. In einigen Ländern muss es ein Erziehungsberechtigter sein, in anderen reicht eine Person, die mindestens 16 Jahre alt ist. Einige Skigebiete haben sogar spezielle Bahnen für Skischulkinder.

Wenn Kinder oder auch nervöse Anfänger im Sessellift mitfahren, hilft es, diese während der Fahrt zu beruhigen und nochmals die Regeln zu erklären. Wer erfahrener ist, sollte das Heben und Schließen der Bügel übernehmen.

Die Zeit im Lift können dafür genutzt werden, den Kindern die FIS-Regeln erneut zu erklären.

Während der Fahrt sollten die Kinder nochmals daran erinnert werden, nicht zu weit vorn auf der Kante und ruhig zu sitzen, da sie sonst herausfallen können. Beim Ausstieg kann Kindern und Anfängern bei Bedarf geholfen oder das Liftpersonal gegebenenfalls darauf hinweisen werden, das Tempo etwas zu verlangsamen.

Generell empfiehlt es sich, Kindern das Sesselbahnfahren in einer Skischule beizubringen. So fahren auch die Kleinen sicher in der Sesselbahn.

Sesselbahnen oder Sessellifte bringen Wintersportler sicher und bequem in höhere Lagen. Zwar sind sie komfortabler als die klassischen Schlepplifte, doch auch hier gilt es, rücksichtsvoll zu sein und wichtige Verhaltensregeln zu beachten, um weder sich noch andere zu gefährden. Wie das am besten vonstattengeht, erklärt SnowTrex-Expertin und Skifreestylerin Sabrina Cakmakli im folgenden Video:

Sicher Sesselbahn fahren

FAQs zu Sesselbahnen

Was ist der Unterschied zwischen einer fixgeklemmten und einer kuppelbaren Sesselbahn?

Bei der fixgeklemmten Sesselbahn sind Stange und Sitzvorrichtung fest mit dem Seil verbunden. Bei der kuppelbaren Sesselbahn dagegen löst sich der Sitz vom Seil.

Was müssen Skifahrer beim Ein- und Aussteigen in die Sesselbahn beachten?

Da die meisten Unfälle in Sesselbahnen beim Ein- und Aussteigen passieren, gilt in diesen Phasen eine besondere Vorsicht. Dazu gehört auch, dass nicht gedrängelt wird, Rücksicht auf andere genommen wird und die Wintersportler ruhig bleiben, aber auch nicht trödeln und den Anweisungen des Liftpersonals oder der Schilder folgen.

Was verhalten sich Skifahrer, wenn sie beim Aussteigen hinfallen?

Wer kann, steht so schnell wie möglich wieder auf und fährt aus der Auslauftrasse heraus. Ansonsten ist es ratsam, sich zur Seite zu rollen, um so andere Fahrgäste nicht zu behindern oder der Gestürzte gibt dem Liftpersonal einen Hinweis.

Was müssen Wintersportler beim Sesselbahnfahren mit Kindern beachten?

Je nach Land gibt es unterschiedliche Regeln, wann Kinder alleine Sesselbahn fahren dürfen und wer eine Begleitperson sein darf. Wer mit Kindern fährt, sollte diesen die Verhaltensregeln vorab erklären, sie beruhigen, wenn sie unruhig werden, und ihnen helfen. Zudem kann das Fahren in Sesselbahnen in Skischulen für Kinder erlernt werden.

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