Sicher Sesselbahn fahren

1. September 2018 - SnowTrex

Während die ersten Skilifte Wintersportler bequem den Berg hinauf transportieren konnten und somit den Wintersport zum Massensport machten, hatten sie einen entscheidenden Nachteil: Da die Liftfahrer ihre Ski über den Schnee gleiten lassen mussten, funktionierten die Skilifte nicht ohne Schnee am Boden. Im Sommer waren die Lifte also nicht nutzbar, was zu ersten Überlegungen führte, wie man Touristen auch außerhalb der Wintersaison – beispielsweise zum Wandern – den Berg hinauf befördern konnte. Das war die Geburtsstunde der Sesselbahnen. Davon profitieren mittlerweile nicht nur Wanderfreunde, sondern auch alle Wintersportler.

Aus den Skigebieten sind Sessellifte nicht weg zu denken.


Was ist eine Sesselbahn?

Unter einer Sesselbahn versteht man eine Seilbahn, die an einem Förderseil eine endlose Umlaufschleife fährt. An dem Förderseil sind Sitzvorrichtungen, in den meisten Fällen für ein bis zwei, maximal aber bis acht Personen, angebracht. In Europa haben die Sesselbahnen Sicherheitsbügel, in Nordamerika ist dies nicht immer der Fall.Im Gegensatz zu den Schleppliften, bei denen Wintersportler die Ski am Boden entlangführen, schwebt man bei Sesselbahnen in der Luft. Man unterscheidet bei den Sesselbahnen zwischen fixgeklemmten und kuppelbaren Sesselbahnen.

Viele Wintersportler lieben Sessellifte, da sie auch bergauf an de frischen Luft sind und die Bretter angeschnallt lassen können.

Fixgeklemmte Sesselbahnen: Vom Gehlift bis zum Korblift

Die simpelste Form sind die fixgeklemmten Sesselbahnen. In Österreich werden sie „Sessellift“ genannt, im englischen Sprachraum heißen sie „fixed grip chairlift“ (umgangssprachlich nur „chairlift“). Sie heißen deshalb „fixgeklemmt“, weil die Stange am Förderseil fest mit der Sitzvorrichtung verbunden ist. Wie auch beim Schlepplift steigen Wintersportler, während der Lift fährt, ein und wieder aus, die Sesselbahn hält nicht an. In moderneren Anlagen helfen Förderbänder beim Ein- und Ausstieg. An einigen Sesselbahnen drosseln Liftmitarbeiter das Tempo an den Stationen.

Eine Fahrt in einem 1er-Sessellift ist eine Erfahrung der besonderen Art.

Die erste fixgeklemmte Sesselbahn der Welt hatte nur eine Sitzvorrichtung für eine Person und war eine Art Gehlift. Sie funktionierte genau wie ein Schlepplift: Das Tempo war jedoch langsamer, sodass die Passagiere während der Fahrt ihre Füße am Boden mitgehen bzw. mitziehen lassen konnten.Der Schweizer Ingenieur Ernst Constam hatte schließlich die Idee, die Bügel gegen Sessel auszutauschen. So entstand 1943 im Jochpass in Engelberg die erste Sesselbahn. Genau genommen handelte es sich dabei um eine Kombibahn, an der sowohl Bügel als auch Sessel und Gondeln angebracht waren. Fahrgäste konnten ihre Transportform also selbst wählen. Die Bügel waren dabei die günstigste Variante, die Gondeln dagegen so etwas wie der Erste-Klasse-Transport.

1954 fuhr die weltweit erste fixgeklemmte Sesselbahn mit reinen Zweisitzern. Das brachte viele Vorteile mit sich: Es konnten mehr Wintersportler transportiert werden und das Skifahren wurde geselliger. In den 1980er Jahren erhöhte sich die Kapazität vielerorts auf vier Personen.

Im Sessellift kann es auch mal frostig werden.

Zu den Sonderformen der fixgeklemmten Sesselbahnen gehören die in Italien beliebten Korblifte. Dabei springen Skifahrer in Stehkörbe auf und fahren so den Berg hinauf. Eine weitere interessante Sonderform sind die Gruppenumlaufbahnen, die sowohl oben als auch unten an der Station gleichzeitig zum Halt kommen, sodass Wintersportler leichter ein- und aussteigen können. Diese Gruppenumlaufbahnen konnten sich aber bislang nicht in vielen Skigebieten durchsetzen, da sie kostspieliger sind und Skiliftbetreiber stattdessen lieber die beliebteren kuppelbaren Umlaufbahnen einsetzen.

Kuppelbare Sesselbahnen

Die kuppelbaren Sesselbahnen entstanden zeitgleich zu den fixgeklemmten Bahnen. Ihre Entstehungsgeschichte geht jedoch auf Materialseilbahnen aus dem 19. Jahrhundert zurück.

Kuppelbare Sesselbahnen oder „detachable chairlifts“, wie sie auf Englisch heißen, unterschieden sich vor allem darin von den fixgeklemmten Sesselbahnen, dass die Sitzvorrichtungen sich in den Stationen durch einen Mechanismus automatisch vom Seil lösen. Somit wird das Tempo am Gipfel sowie im Tal gedrosselt, sodass Wintersportler bequemer ein- und aussteigen können. Um die Transportkapazität nicht zu stark einzuschränken, fahren die kuppelbaren Sesselbahnen zwischen den Stationen schneller als fixgeklemmte Bahnen.

Kuppelbare Sesselbahnen können viel schneller als herkömmliche Sesselbahnen fahren, da sie beim Ein- und Ausstieg langsamer werden.

Die erste kuppelbare Sesselbahn der Welt wurde in der Schweiz kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs gebaut und konnte zwei Personen transportieren. Diese saßen dabei quer zum Hang, was ihnen eine bessere Aussicht geben sollte. Der Nachteil dieser Konstruktion war aber, dass Wintersportler sich ihre Ski abschnallen mussten, was das Ein- und Aussteigen komplizierter machte.

Erst als Mitte der 70er Jahre die kuppelbaren Sesselbahnen parallel zur Fahrtrichtung gebaut wurden, sodass Wintersportler ihre Ausrüstung anbehalten konnten, setzten sich die Bahnen in vielen Skigebieten durch.

Zu den Sonderformen gehören, wie bereits erwähnt, die Kabinenbahnen sowie die Kombibahn. Diese sogenannte „Telemix-„Bahn bietet sowohl Sessel als auch Kabinen an einem einzigen Förderseil an. Erfahrene Skifahrer, die schnell ein- und aussteigen können, können dabei die Sessel wählen. Anfänger oder Kinder bevorzugen daher häufig die Kabinen.

Mittlerweile werden die Sesselbahnen von den Skigebieten auch als Marketinginstrument erkannt. Sicherheitsbügel, die sich automatisch öffnen und schließen, sollen dafür sorgen, dass Fahrgäste sich sicherer fühlen. Beheizte Sesselbahnen sowie wetterdichte Kabinen, die sogenannten Bubbles, sollen Wintersportler durch den erhöhten Komfortfaktor anlocken.

Kuppelbare Sesselbahnen haben den Ein- und Ausstieg beim Liften revolutioniert.

Das richtige Verhalten in der Sesselbahn

Am sichersten fährt man in der Sesselbahn, wenn man die Verhaltensregeln kennt – und sich auch daran hält. Da die meisten Unfälle und Stürze beim Sesselbahn-Fahren beim Ein- und Ausstieg passieren, gilt es hier besonders vorsichtig zu sein. Doch nicht nur das erfordert Aufmerksamkeit:

Anstehen

Wie auch beim Skifahren, gilt auch für das Anstehen bei Sesselliften, dass man auf andere Rücksicht nimmt. Das bedeutet, dass man geduldig wartet, nicht schubst, sich ordentlich anstellt und sich nicht vordrängelt. Wenn es Liftpersonal gibt, sollte man stets den Anweisungen der Angestellten folgen. Wer Hilfe beim Einsteigen braucht, sollte dies frühzeitig ankündigen, um nachfolgende Fahrgäste nicht unnötig aufzuhalten.

Es kann verschiedene Formen von Schlangen geben. Entweder es gibt eine Reihe, dann stellt man sich einfach hinten an, man kann aber auch von verschiedenen Seiten einsteigen. Dazu spricht man sich vorher kurz mit anderen Mitfahrern ab, damit jeder weiß, wer sich wo hinsetzt. So vermeidet man sowohl langes Warten der folgenden Fahrer als auch Stürze, weil man doch noch die Plätze tauschen will.

Oft gibt es eine Extra Schlange (Single Line) für Personen, die alleine fahren. Sobald ein Platz im Sessellift frei ist, wird aufgefüllt. Auch Skischulen nutzen diese, um kleinere Kinder, die nicht alleine fahren können oder sollen, zu befördern.

Das Anstehen am Sessellift kann mal nerven, aber es geht oft schneller, als man denkt.

Einsteigen

Egal ob Förderband zum Lift oder Schranke – ist man an der Reihe, begibt man sich zügig zur Einstiegstelle. Dabei nimmt man die Skistöcke in eine Hand. Snowboarder steigen aus der hinteren Bindung. Ein Blick nach hinten zum Sessel und die freie Hand helfen beim sicheren Einsteigen. Wer einen Rucksack mitnimmt, sollte diesen am besten vorne um die Brust tragen. So stößt man niemanden ungewollt. Außerdem sollte man beim Ein- und Aussteigen gut darauf achten, dass sich die Schnallen oder Bänder des Rucksacks nirgendwo verfangen.

Das Einsteigen in den Sessellift haben Anfänger schnell raus.

Bügelschließen

In einigen Sesselliften muss man die Bügel manuell schließen. Hier gibt es entweder ein Signal, das anzeigt, wann man dies tun soll. Oder man spricht sich mit den Sesselpartnern ab. So sollte man zum Beispiel den Bügel nicht schon herunterziehen, während andere sich noch hinsetzen oder sich ausrichten.

Fahren

Während der Fahrt sollte man sich ruhig verhalten und nicht etwa hin und her schaukeln, um so die Bahn ins Wackeln zu bringen. Außerdem ist der Bügel geschlossen zu halten.

Unter keinen Umständen sollte man durch Abspringen den Lift während der Fahrt verlassen. Auch an Stellen, wo es vielleicht möglich ist (wenn zum Beispiel extrem viel Schnee liegt und ein Lift recht flach über den Boden fährt), ist das absolut verboten.

Rauchen und das Abwerfen von Müll während der Fahrt ist aus Gründen des Naturschutzes selbstverständlich ebenfalls strikt verboten. Darüber hinaus sollte man seine Ausrüstung gut festhalten und so sichern, dass nichts herausfallen kann.

Während der Fahrt gilt es, den Ausblick auf die umliegende Bergwelt zu genießen.

Anhalten während der Fahrt

Wenn die Sesselbahn während der Fahrt anhält, bleibt man ruhig sitzen. Sind Kinder in der Bahn oder werden andere Fahrgäste unruhig, sollte man diese beruhigen. Die wichtigste Regel ist: Ruhe bewahren und den Anweisungen des Personals folgen. Man sollte niemals eigenmächtig handeln oder gar versuchen abzuspringen. Sesselbahnen fahren oft höher als man es wahrnimmt, somit besteht hohe Verletzungsgefahr.

Vor dem Aussteigen

Der Ausstieg verläuft am reibungslosesten, wenn man sich rechtzeitig darauf vorbereitet. Dazu hält man seine Ausrüstung zusammen, bleibt aufmerksam und hebt kurz vor der Ankunft die Ski aus der Halterung und die Skispitzen etwas an, um die Ski nicht in den Schnee zu rammen und sich dabei möglicherweise zu verletzen.

Automatische Bügel öffnen sich etwa 20 Sekunden vor dem Ausstieg. Wenn man sie manuell öffnen muss, haben die meisten Anlagen Hinweisschilder, Liftpersonal oder Signalleuchten, die anzeigen, wann die Bügel geöffnet werden können. Zuvor sollte man sich mit den anderen Skifahrern abstimmen, sodass jeder zum Öffnen bereit ist.

Aussteigen

Sessellifte haben typischerweise zwei Phasen an der oberen Station. Zuerst kommt eine flache Ebene, auf der man die Ski aufsetzt, die Stöcke noch in einer Hand hält, sich mit der anderen vom Lift anschiebt und sein Gleichgewicht findet. Danach folgt ein leichter Abhang, der dabei hilft, zügig aus dem Ausfahrtsbereich hinwegzugleiten. Im Ausstiegsbereich sollte man sich nämlich nicht zu lange aufhalten, um nachfolgende Fahrer nicht zu behindern oder vom Lift getroffen zu werden. Erst wenn man weit genug vom Lift entfernt ist, nimmt man die Stöcke in beide Hände und beginnt die Abfahrt. Das ist deshalb wichtig, da der zu frühe Einsatz der Stöcke entweder die Stöcke beschädigen oder zu Stürzen führen kann. So kann man zum Beispiel andere Fahrgäste mit den Stöcken treffen oder die Stöcke bleiben im Schnee stecken und können von der Sesselbahn beschädigt werden.

Bei vollen Sesselliften kann es beim Ausstieg schon mal hakelig werden.

Wer beim Aussteigen hinfällt, sollte versuchen, sich so schnell wie möglich wieder aufzurichten und weiterzugleiten. Wer dies nicht schafft, kann sich zur Seite rollen, um so anderen aussteigenden Skifahrern nicht im Weg zu sein. Hat man größere Schwierigkeiten, gibt man dem Liftpersonal einen Hinweis. Dieses ist generell aber sehr aufmerksam und hilfsbereit und stoppt den Sessellift bei Bedarf.

Darüber hinaus ist es wichtig, die Markierungen und Schilder am Sessellift zu beachten. Hinweise wie „Schaukeln verboten“ oder „Jetzt Bügel öffnen“ sollten zur eigenen Sicherheit befolgt werden. Nicht immer sind diese Hinweise ausformuliert. Manchmal zeigen Piktogramme, wie etwa ein Pfeil, der zum Bügel deutet, was man zu tun hat.

Mit Kindern im Sessellift

Wer mit Kindern im Sessellift unterwegs ist, sollte einige Besonderheiten beachten. So gelten je nach Land unterschiedliche Regeln, welche Kinder in der Sesselbahn allein mitfahren dürfen und wann eine Begleitperson erforderlich ist. In der Schweiz dürfen zum Beispiel alle Kinder ab sechs Jahren allein fahren, in Deutschland dürfen nur schulpflichtige Kinder ohne Begleitperson in die Sesselbahn und in Frankreich ist die Größe (mindestens 1,25 Meter) entscheidend.

Auch die Regeln zur Begleitperson variieren je nach Land. In einigen Ländern muss es ein Erziehungsberechtigter sein, in anderen reicht eine Person, die mindestens 16 Jahre alt ist. Einige Skigebiete haben sogar spezielle Bahnen für Skischulkinder.

Wenn man mit Kindern oder auch nervösen Anfängern im Sessellift fährt, hilft es, diese während der Fahrt zu beruhigen und nochmals die Regeln zu erklären. Wer erfahrener ist, sollte das Heben und Schließen der Bügel übernehmen.

Die Zeit im Lift können dafür genutzt werden, den Kindern die FIS-Regeln erneut zu erklären.

Während der Fahrt sollte man Kinder nochmals daran erinnern, nicht zu weit vorne auf der Kante und ruhig zu sitzen, da sie sonst herausfallen können. Beim Ausstieg kann man Kindern und Anfängern bei Bedarf helfen oder das Liftpersonal gegebenenfalls darauf hinweisen, das Tempo etwas zu verlangsamen.

Generell empfiehlt es sich, Kindern das Sesselbahnfahren in einer Skischule beizubringen. So fahren auch die Kleinen sicher in der Sesselbahn.

Sesselbahnen oder Sessellifte bringen Wintersportler sicher und bequem in höhere Lagen. Zwar sind sie komfortabler als die klassischen Schlepplifte, doch auch hier gilt es, rücksichtsvoll zu sein und wichtige Verhaltensregeln zu beachten, um weder sich noch andere zu gefährden.

FAQs zu Sesselbahnen

Was ist der Unterschied zwischen einer fixgeklemmten und einer kuppelbaren Sesselbahn?

Bei der fixgeklemmten Sesselbahn sind Stange und Sitzvorrichtung fest mit dem Seil verbunden. Bei der kuppelbaren Sesselbahn dagegen löst sich der Sitz von dem Seil.

Was muss man beim Ein- und Aussteigen in die Sesselbahn beachten?

Da die meisten Unfälle in Sesselbahnen beim Ein- und Aussteigen passieren, muss man in diesen Phasen besonders vorsichtig sein. Dazu gehört, dass man nicht drängelt, Rücksicht auf andere nimmt und ruhig bleibt, aber auch nicht trödelt und den Anweisungen des Liftpersonals oder der Schilder folgt?

Was macht man, wenn man beim Aussteigen hinfällt?

Wer kann, steht so schnell wie möglich wieder auf und fährt aus der Auslauftrasse heraus. Ansonsten rollt man sich zur Seite, um so andere Fahrgäste nicht zu behindern oder gibt dem Liftpersonal einen Hinweis.

Was muss man beim Sesselbahnfahren mit Kindern beachten?

Je nach Land gibt es unterschiedliche Regeln, wann Kinder alleine Sesselbahn fahren dürfen und wer eine Begleitperson sein darf. Wer mit Kindern fährt, sollte diesen die Verhaltensregeln vorab erklären, sie beruhigen, wenn sie unruhig werden, und ihnen helfen. Auch kann das Fahren in Sesselbahnen in Skischulen für Kinder erlernt werden.

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