Lawinengefahr ist Lebensgefahr: Das richtige Verhalten bei Lawinen

27. August 2026 - SnowTrex

Jeder Wintersportler weiß, dass Skifahren, wie jeder Sport, Risiken birgt. Eines davon ist die Lawinengefahr. Auch wenn im Vergleich zu früher weniger Menschen in Lawinen geraten, können die weißen Schneemassen immer schnell lebensbedrohlich werden. Die größte Gefahr bei Lawinen ist daher, sie zu unterschätzen und nicht entsprechend vorbereitet zu sein. Wie Wintersportler das am besten umsetzen und welche Ausrüstung im Ernstfall gebraucht wird, erklärt SnowTrex.
Lawinen können zu einer tödlichen Gefahr werden.

Kleine Lawinenkunde: Was sind Lawinen und wie entstehen sie?

Eine Lawine ist eine dynamische Masse aus Schnee, Eis sowie Luft und löst sich an steilen Berghängen, wo sie meist mit großer Kraft ins Tal donnert. Dabei entstehen sie durch physikalische Prozesse innerhalb des Schneeprofils.

  • Temperaturunterschiede: Große Temperaturdifferenzen zwischen dem wärmeren Erdboden und der kalten Luft führen zur Umwandlung von Schneekristallen.
  • Schwachschichten: Es entstehen kantige, lockere Kristallformen, die als instabile Gleitschichten im Schneedeckenaufbau fungieren.
  • Spannungsaufbau: Wind und Neuschnee lagern sich auf diesen lockeren Kristallen in gebundenen Schichten ab.
Sobald die mechanische Spannung in den Schneekristallschichten ihre Festigkeit übersteigt, gerät die darüberliegende Schicht in Bewegung. In solchen Situationen genügen dann selbst geringe Zusatzbelastungen, um tonnenschwere Schneemassen hangabwärts in Bewegung zu setzen. Dabei kursieren zu Lawinen, wie zu vielen anderen Alltagsthemen auch, immer wieder einige Mythen und Irrtümer. Warum mit Schnee unter bestimmten Umständen nicht zu spaßen ist, wird im folgenden Video erklärt:
Gefährliches Lawinenhalbwissen: Wir klären 9 Mythen auf! | Bergzeit

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Die bedeutendsten Lawinenarten im Überblick

In der alpinen Lawinenkunde wird grundsätzlich nach fünf primären Lawinenarten unterschieden, die sich durch ihren Anrissmechanismus, ihre Feuchtigkeit und ihre Fließdynamik charakterisieren lassen.

Schneebrettlawine

Schneebrettlawinen zeichnen sich durch einen markanten, linienförmigen Bruchanriss aus. Dabei gleitet eine zusammenhängende, gebundene Schneeschicht auf einer darunterliegenden schwachen Schneeschicht ab. Diese Lawinenart erreicht typischerweise eine Breite von 50 m sowie eine Länge von 150 m bis 200 m und entwickelt Geschwindigkeiten von bis zu 100 km/h. Aufgrund der großen Schneemassen, die hier in Bewegung kommen, sind Schneebrettlawinen die häufigste Unfallursache beim Freeriden, da sie zumeist durch die Zusatzbelastung eines Wintersportlers, der mit Ski oder einem Snowboard durch den Tiefschnee schneidet, selbst ausgelöst werden.

Staublawine

Staublawinen entstehen nach intensiven Neuschneefällen meist an Steilhängen mit einer Hangneigung von mehr als 40 Grad. Sie donnern als große Aerosolwolke aus feinen Schneekristallen sowie Luft zu Tal und durch die Beimischung großer Luftmengen bildet sich hier zudem eine Druckwelle, die Geschwindigkeiten von bis zu 300 km/h erreichen kann! Und diese Kombination aus einer enormen Fließgeschwindigkeit und einer dichten Staubwolke erzeugen Staublawinen einen gewaltigen Luftdruck, der auch im flacheren Gelände große Kräfte entfaltet.

Lockerschneelawine

Lockerschneelawinen entstehen an einem einzelnen Punkt am Berg im ungebundenen Schnee und breiten sich dann birnen- oder dreiecksförmig nach unten aus. Aber im Vergleich zu Schneebrettlawinen transportieren sie in der Regel geringere Schneemassen und bewegen sich mit einem moderateren Tempo. Sie treten häufig kurz nach ergiebigen Neuschneefällen oder durch intensive Sonneneinstrahlung auf, wenn lockere Schneekristalle an Steilhängen die Haftung verlieren.

Gleitschneelawine

Wie der Name schon sagt, „gleitet“ die Schneedecke bei einer Gleitschneelawine auf einem glatten Untergrund, zumeist Gras oder Felsen, talwärts. Diese Lawinen entstehen häufig, wenn im Spätherbst erster Schnee auf ungefrorenen Boden fällt und die isolierende Schneeschicht den Untergrund erwärmt. Dadurch kann sich zwischen Schnee und Erdboden ein dünner Wasserfilm bilden, auf dem die Schneedecke kontinuierlich abrutschen und bei zunehmendem Eigengewicht schlagartig ins Tal gleiten kann.

Fließlawine

Nassschneelawinen (auch Fließlawinen genannt) entstehen durch die Durchfeuchtung und Destabilisierung der Schneedecke, etwa durch warmes Wetter, starke Sonneneinstrahlung oder Regen. Durch das Einsickern von Wasser verliert das Gefüge der Schneekristalle dabei unter den richtigen Bedingungen seine Bindung, sodass schwere, feuchte Schneemassen spontan abgleiten. Diese Lawinenart tritt gerade im Frühjahr und nachmittags an sonnenexponierten Hängen auf.

Auslöser von Lawinen: Naturkräfte und Außeneinflüsse

Neuschnee ist der Traum eines jeden Tiefschneeliebhabers. Er erhöht jedoch auch signifikant das Lawinenrisiko.

Lawinen werden durch ein komplexes Zusammenspiel aus meteorologischen Umweltbedingungen und externen mechanischen Belastungen verursacht. Dabei lassen sich die Auslöser für Lawinen immer zwei Kategorien zuordnen:

  • Natürliche Einflüsse: viel Neuschnee, starke Winde und Triebschneeverwehungen, rasche Erwärmung und Geländeneigungen von über 30 Grad.
  • Externe Zusatzbelastungen: rund 90 Prozent aller Lawinen werden durch Freerider, Skitourengeher oder Tiere direkt ausgelöst.
Ski- und Snowboardfahrer laufen beim Fahren im Gelände Gefahr, Lawinen auszulösen.

Beim Befahren von ungesicherten Hängen reicht oft ein einziger dynamischer Schwung aus, um die darunterliegende, schwache Schneeschicht kollabieren zu lassen und so ein Schneebrett loszutreten.

Prävention und Tourenplanung: Der Lawinenlagebericht

Der offizielle Lawinenlagebericht ist ein unverzichtbares Instrument bei der Planung jeder Tour abseits der Pisten, das fundierte Informationen über den Aufbau der Schneedecke, deren Stabilität und die Gefahrenzonen liefert.

Um sicher im Tiefschnee unterwegs zu sein, ist es unabdingbar, das Gelände gut zu kennen.
Der Bericht, der von den regionalen Lawinenwarndiensten nach den einheitlichen Kriterien des „European Avalanche Warning Service“ (EAWS) herausgegeben wird, fasst die aktuelle Gefahrenlage in einer fünfstufigen Skala zusammen. Neben der Gefahrenstufe enthält er auch präzise Angaben zu kritischen Höhen, Hanglagen und den Lawinenmustern, etwa Triebschnee oder Nassschnee.
GefahrenstufeSchneedeckenstabilitätLawinen-Auslösewahrscheinlichkeit
sehr groß/rotDie Schneedecke ist allgemein schwach verfestigt und weitgehend instabil.Spontan sind viele sehr große, mehrfach auch extrem große Lawinen zu erwarten, auch in mäßig steilem Gelände.
groß/rotDie Schneedecke ist an den meisten Steilhängen schwach verfestigt.Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung an zahlreichen Steilhängen wahrscheinlich. Fallweise sind spontan viele große, mehrfach auch sehr große Lawinen zu erwarten.
erheblich/orangeDie Schneedecke ist an vielen Steilhängen nur mäßig bis schwach verfestigtLawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen möglich. Fallweise sind spontan einige große, vereinzelt aber auch sehr große Lawinen möglich.
mäßig/gelbDie Schneedecke ist an einigen Steilhängen nur mäßig verfestigt, ansonsten allgemein gut verfestigt.Lawinenauslösung ist insbesondere bei großer Zusatzbelastung, vor allem an den angegebenen Steilhängen möglich. Sehr große spontane Lawinen sind nicht zu erwarten.
gering/grünDie Schneedecke ist allgemein gut verfestigt und stabil.Lawinenauslösung ist allgemein nur bei großer Zusatzbelastung an vereinzelten Stellen im extremen Steilgelände möglich. Spontan sind nur kleine und mittlere Lawinen möglich.
Der EAWS unterteilt das Gelände in mäßig steiles Gelände (unter 30 Grad), Steilhänge (ab 30 Grad) und extremes Steilgelände (ab 40 Grad). Was die Auslöser betrifft, wird zwischen geringer Zusatzbelastung (etwa einzelne Wintersportler) und großer Zusatzbelastung (etwa Skigruppen oder Pistenfahrzeuge) unterschieden. Statistische Auswertungen zeigen dabei, dass die meisten Unfälle bei Gefahrenstufe 3 (erheblich) registriert werden. Dies liegt daran, dass die Verhältnisse hier für Außenstehende verlockend wirken, die Chance einer Lawinenauslösung im Steilgelände jedoch bereits hoch ist.SnowTrex-Tipp: Vor jedem Start einer Skitour oder einem Freeride-Ausflug in den Tiefschnee empfiehlt es sich, den regionalen Lawinenlagebericht zu studieren oder sich gleich die Begleitung eines staatlich geprüften Berg- und Skiführers zu sichern.

Die essenzielle Lawinen-Notfallausrüstung für das Freeriden

Eine vollständige Lawinen-Notfallausrüstung ist in Sachen unverzichtbar bei der Sicherheit für jeden Aufenthalt in einem ungesicherten Skiraum. Denn im Ernstfall ermöglicht sie eine schnelle Rettung. Neben der passenden Skiausrüstung muss das Sicherheitsequipment folgende Gegenstände inkludieren:

  • LVS-Gerät (Lawinenverschüttetensuchgerät): Hierbei handelt es sich um ein digitales 3-Antennen-Gerät zur schnellen Signal- und Distanzortung, das am Körper getragen wird.
  • Lawinensonde: Diese stabile Sonde aus Aluminium oder Carbon ist zwischen 2,4 m und 3 m lang und ermöglicht eine punktgenaue Tiefenmessung.
  • Lawinenschaufel: Eine bruchfeste Metallschaufel mit ergonomischem Stiel macht es möglich, kompakten Lawinenschnee auszubuddeln.
  • Lawinenairbag-Rucksack: Das aufblasbare Kissensystem erhöht das Volumen eines Lawinenopfers und verhindert so das Versinken in den Schneemassen.
Das Tragen eines GPS-Trackers hilft im Ernstfall dabei, von den Rettungskräften schnell gefunden zu werden.

Zur erweiterten Sicherheitsausstattung zählen auch ein GPS-Tracker, ein aufgeladenes Smartphone mit Notfall-Apps, ein Erste-Hilfe-Set, ein Biwaksack sowie passive Reflektoren. Außerdem sollte vor dem Start ins freie Gelände stets ein standardisierter LVS-Gruppencheck durchgeführt werden, mit dem sich die Sende- und Empfangsfunktionen aller Geräte überprüfen lassen.

Risikofaktoren und Überlebenschancen bei Verschüttung

Bei einer Lawinenverschüttung sind die ersten 15 Minuten entscheidend für den Erfolg einer Rettung, denn in diesem Zeitfenster liegt die statistische Überlebenswahrscheinlichkeit eines Lawinenopfers bei über 90 Prozent.

Diese gelb-schwarzen Absperrbänder sollten nicht ignoriert werden, denn sie sperren lawinengefährdete Hänge ab.

Die medizinischen Gefahrenphasen gliedern sich zeitlich wie folgt:

  • Überlebensphase (Lawinenabgang bis 15 Minuten): Die Überlebensrate ist mit über 90 Prozent sehr hoch, sofern keine tödlichen Verletzungen vorliegen und die Atemwege frei bleiben.
  • Erstickungsphase (15 bis 35 Minuten): Die Überlebenskurve fällt steil auf rund 30 Prozent ab, da es durch die blockierten Atemwege rasch zu einem Sauerstoffmangel kommt.
  • Latenzphase (ab 35 Minuten): Für das Überleben sind hier nur noch eine vorhandene Atemhöhle und der Schutz vor fortschreitender Unterkühlung entscheidend.

Bei der Bergung stark unterkühlter Personen muss jede unbedachte Bewegung vermieden werden, um den sogenannten Bergungstod zu verhindern. Dieser tritt ein, wenn plötzlich kaltes Blut aus den Extremitäten in das warme Körperzentrum strömt und dadurch lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen ausgelöst werden.

Richtiges Verhalten beim Abgang einer Lawine

Im Moment eines Lawinenabgangs ist schnelles und überlegtes Handeln für Menschen, die von den Schneemassen erfasst werden, entscheidend, um an der Schneeoberfläche zu bleiben und sich einen lebenswichtigen Atemraum zu sichern.

Vor und während des Abgangs

Wird ein Lawinenabgang bemerkt, müssen Wintersportler mit hoher Geschwindigkeit schräg aus der Falllinie herausfahren, um dem Fließbereich der Schneemassen seitlich zu entkommen.

  • Fluchtversuch: Skifahrer und Snowboarder sollten, wenn sie können, schräg zur Hangrichtung aus der Rutschbahn herausfahren.
  • Airbag auslösen: Skifahrer und Snowboarder sollten unverzüglich den Auslösegriff des Lawinenairbags ziehen.
  • Ausrüstung lösen: Um verletzende Hebelwirkungen im Schnee zu vermeiden, sollten Skistöcke weggeworfen und die Bindungen von Skiern oder Snowboards geöffnet werden.
  • Dynamische Bewegungen: Um an der Oberfläche zu bleiben, müssen Schwimmbewegungen durchgeführt werden.

Beim Stillstand der Lawine

Kurz bevor die Schneemassen endgültig zum Stillstand kommen, nehmen Betroffene eine kompakte Kauerstellung ein und formen mit beiden Händen eine stabile Atemhöhle vor Mund und Nase.
Die beste Chance, dass eine verschüttete Person in einer Lawine gefunden wird, besteht durch die feine Nase von Suchhunden.
Da der Schnee beim Stillstand schlagartig verfestigt, muss die Atemhöhle vor dem Festbacken der Schneemassen geschaffen werden. Ein tiefer Atemzug spannt den Brustkorb an und verschafft etwas Raum. Nach dem Stillstand der Lawine ist es wichtig, Ruhe zu bewahren, um Sauerstoff zu sparen. Und erst wenn Retter direkt an der Oberfläche hörbar sind, sollten Verschüttete laut rufen.

Kameradenrettung: Ablauf der Notfallbergung nach einem Lawinenunglück

Die Rettung von Verschütteten durch Begleiter vor Ort ist die effektivste Maßnahme, da professionelle Bergrettungskräfte die Unfallstelle selten innerhalb des kritischen 15-minütigen Zeitfensters erreichen.

1) Lage erfassen und Notruf absetzen

Wurde ein Wintersportler im Gelände verschüttet, sollten in jedem Fall die Experten der Bergrettung alarmiert werden.
Begleiter verschaffen sich einen Überblick über den Hang, achten auf Folgelawinen und markieren die Punkte, wo Verschüttete von den Schneemassen erfasst wurden, sowie wo sie verschwunden sind. Über die europäische Notrufnummer 112 oder die regionalen Alpin-Notrufnummern wird sofort Hilfe alarmiert.

2) Signalsuche und Ortung

Alle Suchenden schalten ihre LVS-Geräte auf Empfang. Nach dem Erfassen des Erstsignals wird mithilfe der Grobsuche entlang der Feldlinien die Stelle mit dem stärksten Signal ermittelt. Bei der Feinsuche nahe der Schneeoberfläche wird dann der geringste Distanzwert ermittelt, bevor anschließend mit der Lawinensonde im 90-Grad-Winkel zum Hang nach einem „Treffer“ getastet wird.

3) Systematisches Freischaufeln

Das Ausgraben erfolgt hangabwärts der Sonde in einem organisierten, v-förmigen System. Dabei schaufeln die Retter den Schnee seitlich und nach hinten weg, um die Atemwege der Person so schnell wie möglich freizulegen.

4) Erstversorgung und Wärmeschutz

Nachdem Mund und Nase von Schnee befreit wurden, werden Atmung und Kreislauf kontrolliert. Anschließend erfolgen Erste-Hilfe-Maßnahmen, das Isolieren gegen Bodenkälte mit Rettungsdecken sowie die Vorbereitung für den Abtransport. Wie die Bergwacht nach einem Lawinenabgang vorgeht und was ihre Mitarbeiter dabei zu beachten haben, erklären die Bergretter in diesem Video:
Tutorial: Richtige Verhalten bei Lawinenabgang | LAB SNOW

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Alpine Unfallstatistiken und Sicherheitskultur

Statistische Erhebungen von Alpinexperten belegen, dass mehr als 90 Prozent aller tödlichen Lawinenunfälle im ungesicherten Gelände von den Wintersportlern selbst ausgelöst werden, während geöffnete und präparierte Pisten dagegen umfassenden Schutz bieten.

Sperrungen von lawinengefährdeten Hängen sind unbedingt ernstzunehmen.

Die langjährigen Erhebungen des WSL-Instituts für Schnee- und Lawinenforschung SLF, des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit (ÖKAS) und der Bergrettungsdienste ergeben für den Alpenraum folgende Verteilungswerte:

  • Schweiz (SLF): Der 20-Jahres-Mittelwert in der Schweiz liegt bei rund 19 bis 21 Lawinentoten pro Jahr. Über 90 Prozent der Vorfälle ereignen sich im freien Gelände bei Skitouren und Variantenabfahrten.
  • Österreich (ÖKAS/Alpinpolizei): Im Durchschnitt gibt es in Österreich pro Jahr 18 bis 20 Todesopfer durch Lawinenabgänge, die fast ausnahmslos im unkontrollierten Skiraum passieren.
  • Frankreich (ANENA): Die Zahl der Lawinentoten liegt in Frankreich im Durchschnitt bei 25 bis 30 pro Jahr im gesamten Hochgebirgsraum.
  • Deutschland (DAV/Bergwacht): Im Durchschnitt gibt es in Deutschland pro Saison ein bis zwei Lawinentote, was rund zwei Prozent aller tödlichen Bergunfälle in den bayerischen Alpen entspricht.
  • Pistenareale: Fast kein tödlicher Lawinenunfall hat sich auf behördlich freigegebenen und geöffneten Skipisten ereignet.

Die markierten und geöffneten Pisten in Skigebieten werden von den örtlichen Bergbahnen kontinuierlich überwacht und bei Bedarf durch gezielte Lawinensprengungen gesichert. Dabei signalisieren gelb-schwarze Absperrbänder und Warnleuchten dort akute Gefahren und müssen unbedingt respektiert werden.

SnowTrex-Tipp: Freeride-Anfänger profitieren von Lawinensicherheitskursen, die von Bergführerschulen in zahlreichen Alpendestinationen angeboten werden.

FAQ zu Lawinen

Was verstehen Experten unter Lawinengefahr im Wintersport?

Lawinengefahr bezeichnet das Risiko, dass sich an geneigten Berghängen Schneemassen lösen und als Schnee- oder Eislawinen zu Tal gleiten. Dieses Risiko hängt von meteorologischen Faktoren, dem Schichtaufbau der Schneedecke sowie von Geländeeigenschaften ab.

Wie entstehen Lawinen in den Bergen?

Lawinen entstehen, wenn die Verbindung zwischen den einzelnen Schneeschichten instabil wird und die mechanischen Spannungen die Festigkeit der Schneedecke übersteigen. Auslöser können Neuschneemengen, Windverfrachtungen, Temperaturanstiege oder die Zusatzbelastung durch Wintersportler sein.

Wie können sich Wintersportler wirksam vor Lawinen schützen?

Am wirksamsten schützen sie sich, indem sie auf markierten Pisten bleiben und vor jeder Geländeabfahrt den Lawinenlagebericht genau studieren. Bei Touren im freien Gelände minimieren defensives Fahrverhalten, das Einhalten von Sicherheitsabständen, die Teilnahme an Lawinenkursen und eine vollständige Notfallausrüstung das Risiko.

Wie sollten sich Wintersportler bei einem Lawinenabgang verhalten?

Bei einem Lawinenabgang ist es wichtig, unverzüglich schräg zur Falllinie zu fahren, den Lawinenairbag auszulösen und Stöcke sowie Skier abzuwerfen. Vor dem Stillstand der Schneemassen sollte eine Kauerstellung eingenommen und mit beiden Händen eine stabile Atemhöhle vor Mund und Nase geformt werden.

Welche Ausrüstung gehört zur Standard-Lawinenausrüstung?

Zur essenziellen Standardausrüstung im freien Skiraum gehören ein digitales 3-Antennen-LVS-Gerät, eine Lawinensonde und eine Lawinenschaufel aus Metall. Ergänzend erhöhen Lawinenairbag-Rucksäcke, Erste-Hilfe-Sets und Biwaksäcke die persönliche Sicherheit.

Was bedeuten die Lawinengefahrenstufen der europäischen Lawinengefahrenskala?

Die fünf Gefahrenstufen des EAWS (1 = gering, 2 = mäßig, 3 = erheblich, 4 = groß, 5 = sehr groß) definieren die Stabilität der Schneedecke und die Auslösewahrscheinlichkeit von Lawinen. Sie geben klare Orientierungswerte für die Routenwahl im Gelände.

Warum ist das 15-minütige Zeitfenster bei einer Verschüttung so entscheidend?

Innerhalb dieses Zeitfensters liegt die Überlebenswahrscheinlichkeit bei über 90 Prozent, da der Sauerstoffvorrat im Schnee meist noch ausreicht. Danach sinken die Überlebenschancen aufgrund von Sauerstoffmangel und Unterkühlung rapide.

Wie läuft die Kameradenrettung nach einem Lawinenabgang ab?

Sie umfasst das Absetzen des Notrufs, die Grob- und Feinsuche mittels LVS-Gerät, die punktgenaue Sondierung und das V-förmige Freischaufeln des Verschütteten. Nach der Befreiung der Atemwege stehen lebensrettende Sofortmaßnahmen und der Kälteschutz im Fokus.
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