Spaß und Nervenkitzel: Funparks im Wintersport

1. September 2018 - SnowTrex

Grabs, Flips, Turns, Slides – eigentlich sind das Begriffe, die man eher aus dem Skateboarding kennt. Sie bezeichnen verschiedene Tricks, die die Skateboardfahrer mit ihren Brettern zum Besten geben. Doch seit Ende der 1980er Jahre sind dies auch im Wintersport bekannte Begriffe. In sogenannten Funparks oder Snowparks können Wintersportler, ähnlich wie Skateboarder, auf speziellen Parcours Tricks ausführen. Funparks finden sich in beinah jedem Skigebiet und geben dem Wintersport ein weiteres Spaß-Element.


Funparks bieten Spaß und Nervenkitzel

Unter Funparks versteht man spezielle Freizeitparks in Wintersportgebieten, in denen Skifahrer und Snowboarder Tricks wie Sprünge, Drehungen oder Flips ausführen können, die auf gängigen Pisten zu gefährlich werden.

Auch wenn die Tricks und Hindernisse in Funparks zum Freestyle-Skiing zählen, unterscheiden sich die Übungen in Funparks vom Skicross. Der Skicross ist eine olympische Disziplin, bei dem vier Skifahrer gleichzeitig auf einem Parcours mit Sprüngen, Wellen und Kurven fahren. Funparks dagegen folgen nicht den gleichen Regeln, haben andere Elemente und sind für die gedacht, die im Wintersport mal etwas anderes ausprobieren wollen.

Solche Funparks sind verhältnismäßig neu im Wintersport. Die ersten improvisierten Freestyle-Parks kamen in den 1960er Jahren in den USA auf. Erste offizielle Funparks stammen aus den 1980er Jahren und verdanken ihren Ursprung der wachsenden Beliebtheit des Snowboardings. Denn Snowboarder versuchten schon früh, ähnlich wie beim Skateboardfahren, Sprünge in ihre Abfahrt mit einzubauen. Die ersten Funparks waren deshalb speziell für Snowboarder gedacht, weshalb die Elemente der Funparks auch heute noch stark am Skateboarding angelehnt sind.

 

Auch im Alpenraum sind Funparks mittlerweile in fast jedem Skigebiet vorzufinden. Sie geben Wintersportlern die Möglichkeit, verschiedene Tricks und Techniken zu probieren, sie sind beliebt bei Kindern und geben etwas mehr Nervenkitzel beim Fahren. Daher locken sie auch ein anderes Publikum an als die klassischen Pisten,. Auch wollte man mit den Funparks der Alpenregion ein moderneres Image geben.

Es gibt jedoch Kritik an den Einrichtungen: Um die Funparks zu bauen, werden immer entlegenere Gebiete erschlossen, was die Natur gefährdet. Andererseits sensibilisiert die Nähe zur Natur Wintersportler auch für das Thema Umwelt und Naturschutz. So gehen einige Skigebiete einen Kompromiss ein und bauen die Funparks näher am Tal, sodass sensible Naturgebiete verschont bleiben und weniger Emissionen beim Bau der Parks entstehen.

Von Anfänger bis Profi: Die unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade in Funparks

Wie bei regulären Skipisten gibt es auch bei Funparks unterschiedliche Schwierigkeitsgrade:

Die Lines, wie die Pisten hier genannt werden, reichen von Anfänger-Lines bis Profi-Lines. Es gibt keine einheitliche Namensführung, sodass man sich bei jedem Funpark vorab über die Begrifflichkeiten informieren sollte.

  • Lines für Anfänger haben nur kleine Sprünge mit niedrigem Schwierigkeitsgrad. Sie heißen Beginner-Lines, Anfänger-Lines oder auch Small-Lines (S-Lines).
  • Fortgeschrittenere Anfänger fahren auf Lines, die mittelgroße bis große Sprünge erlauben, und einen mittleren Schwierigkeitsgrad aufweisen. Diese werden Medium-Lines oder auch Fun-Lines genannt.
  • Manchmal gibt es auch noch die Abstufung „Medium-High“. Diese Lines liegen zwischen den fortgeschrittenen Anfängern und Fortgeschrittenen.
  • Die Lines für Fortgeschrittene werden, je nach Schwierigkeitsgrad, Large-Lines (L) oder auch Extra-Large-Lines (XL) genannt. Sie können auch Advanced-Lines, Pro-Lines oder Progression Lines heißen.
  • Einige Funparks bieten darüber hinaus spezielle Lines für Familien mit Kindern. Diese heißen Familiy-Lines.

Von Jibs bis Kicker: Die verschiedenen Hindernisse in Funparks

Die unterschiedlichen Hindernisse oder Obstacles im Funpark lassen sich in vier grobe Hauptkategorien unterteilen: Jibs, Jumps, Pipes und Kicker. Es gibt darüber hinaus noch sehr spezielle Elemente wie Hips, Spines oder Urban Features.

Jibs

Unter Jibs versteht man wie beim Skateboarden auch längliche Befestigungen unterschiedlicher Länge und Breite, die entweder quer oder parallel zur Schneeoberfläche aufgestellt werden. Auf diesen Oberflächen kann man verschiedene Tricks wie Drehungen oder eine Rückwärts-Abfahrt ausführen. Zu den bekanntesten Jibs gehören zum Beispiel die Rails, Boxen, Tabletops oder Wall Rides.

Bei Rails handelt es sich um eine schmale abgerundete oder flache Metalloberfläche, auf der man gleiten kann („jibbing“).

Die Boxen sind von den Funboxen im Skateboarding inspiriert und ähneln den Rails, nur haben sie eine breitere Oberfläche. Meist sind sie nicht aus Metall, sondern aus synthetischer Chemiefaser.

Die Wall Rides sind beinahe vertikale, wandähnliche Konstruktionen.

Tabletops sind wie Rails, nur noch breiter, und eignen sich daher gut für Anfänger, die sich noch nicht an die Boxen oder Rails herantrauen. Sie leiten oft Sprünge ein, weshalb sie auch als Jump-Hindernis beschrieben werden.

Jumps

Bei den Jumps geht es darum, über verschiedene Vorrichtungen eine Vielzahl von Sprüngen ausführen zu können.

Besonders beliebt bei den Jumps ist das Tabletop: Dieses Element wird somit nicht nur zum Gleiten, sondern auch zum Springen genutzt. Beim Tabletop gleitet man von oben auf eine flache Oberfläche und springt von hier auf eine niedrigere Abfahrt. Step-Down bedeutet, dass man ebenfalls von einem höheren Ausgangspunkt weiter unten landet. Dabei fehlt allerdings die flache Oberfläche wie beim Tabletop. Ein Step-Up dreht das Prinzip um: Hier springt man von einem weiter unten gelegenen Ausgangspunkt auf eine höhere Landefläche. Darüber hinaus sind auch Gaps beliebt. Hier gibt es eine Lücke zwischen Start und Landung, sodass man im Flug verschiedene Tricks machen kann.

Pipes

Bei den Pipes unterscheidet man zwischen Half-Pipes und Quarter-Pipes. Die Half-Pipes sind wie ein „U“ geformt und haben an beiden oberen Enden breite Oberflächen, auf denen man landen kann, sogenannte Lips. Die Quarter-Pipes sind vertikal ausgelegt, sodass man von der Lip aufrecht in die Höhe springt, hier Tricks machen kann und schließlich wieder auf der gleichen Lip landet.

Kicker

Kicker sind Sprungschanzen, oft auch aus Schnee mit Pistenraupen planiert. Von hier aus springt man in die Luft und kann von Flips über Drehungen (Spins), Streckungen oder auch dem Festhalten der Ski (Grabs) viele Tricks machen. Es gibt keine Regeln, wie hoch oder steil die Kicker gebaut werden dürfen. Oft haben sie eine lange Anlaufbahn, sodass hohe Geschwindigkeiten erreicht werden. Hier sollte man also besonders vorsichtig sein.

Fahren auf Rails, Boxen und Kicker: Tipps und Tricks

Aus den genannten Elementen gehören Rails, Boxen sowie Kicker zu den beliebtesten Obstacles in Funparks. Sie sind deshalb so beliebt, da sie eine Vielzahl von Figuren und Tricks ermöglichen und sich so sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene eignen. Das Fahren auf Rails, Boxen und Kicker erfordert aber etwas Übung.

Wie fährt man auf Rails und Boxen?

Da Rails schmaler sind als Boxen, beginnen die meisten Anfänger mit den Boxen. Die Fahrtechnik ist jedoch sehr ähnlich: Bei Rails muss man durch die schmalere Oberfläche allerdings mehr auf die Position der Ski achten. Hierbei ist ein Ski flach auf dem Rail, der andere kontrolliert die Seite. Wer dabei merkt, dass er fällt, sollte einfach mit der Bewegung mitgehen und sich seitlich vom Rail fallen lassen. So landet man im Schnee und vermeidet einen harten Fall auf den Rail.

Der Anlauf sollte wie die Fahrt auf der Piste sein. Dabei legt man sein Gewicht zentral über die Ski und ist leicht gebeugt, um so besonders stabil zu fahren. Wichtig ist, das Tempo dabei nicht zu niedrig zu halten, da man sonst nicht bis zum Ende der Rail oder Box kommt. Ein zu hohes Tempo dagegen bringt einen leichter aus dem Gleichgewicht und man kommt gar nicht dazu, seine Tricks auszuüben. Es erfordert also einiges Ausprobieren, bis man das richtige Tempo heraus hat. Beim Anlauf hilft es, sich selbst laut nochmals den Trick vorzusagen, den man machen möchte, um so auch mental gut vorbereitet auf die Rail oder Box zu gleiten. Die Landung wiederum ist langsam und weich.

Typische Fehler bei Rails und Boxen sind, die Ski zu eng beieinander zu halten und die Arme zu viel zu bewegen. Beides kann schnell dazu führen, dass man das Gleichgewicht verliert und stürzt. Der Abstand der Ski sollte also nicht zu knapp sein und die Arme so ruhig wie möglich bleiben.

So bewältigt man Kicker

Die größte Herausforderung beim Kicker ist, den nötigen Schwung zu bekommen. Denn theoretisch springt man nur in die Höhe: Da man aber seine Unterschenkel durch die Bindungen nicht gut bewegen kann und noch dazu das Gewicht der Ski und der Skischuhe mit in die Luft bringen muss, ist es wesentlich anstrengender als ein gewöhnlicher Sprung.

Die Anfahrt passiert dazu in der Beuge, um möglichst viel Momentum beim Absprung zu bekommen. Hüfte und Knie sind gebeugt, der Oberköper hält das Gleichgewicht, indem er mittig über den Ski positioniert ist.

Zum Absprung gibt es zwei Techniken, das „Springing“ und „The Ollie“. Beim Springing kommt die Kraft aus den Oberschenkeln, beim Ollie reißt man dazu noch die Ski-Spitzen nach oben. Das gibt mehr Auftrieb und eine höhere Flugzeit, ist aber gleichzeitig nicht so ausgeglichen und ruhig wie das Springing. Es eignet sich daher eher für erfahrene Springer.

Neben dem Auftrieb ist auch das Timing entscheidend. Wer zu früh abspringt, kommt weder sehr hoch noch sehr weit. Wer zu spät abspringt, kommt zwar weit, aber auch nicht hoch genug, um Tricks in der Luft zu machen. Der ideale Zeitpunkt ist daher genau dann, wenn man die Lip des Kickers erreicht.

In der Luft zieht man die Füße leicht an und lehnt sich etwas nach vorne. Das mindert den Luftwiderstand und bewahrt das Gleichgewicht. Damit erhält man auch mehr Distanz, die man für eine weiche und sichere Landung braucht.

Kurz vor der Landung wird der Körper lang gemacht, um das Tempo und die Kraft aus der Landung herauszunehmen. Man sollte sich nicht ganz gerade ausstrecken, da man so beim Landen auf dem Schnee zu leicht umfallen kann. Sobald man den Schnee berührt, geht man sehr tief in die Knie. So hält man sich gerade und fängt den Aufprall gut ab. Die Ski landen flach auf dem Boden und der Oberkörper ist nach vorne geneigt. Ist man sicher gelandet, richtet man sich langsam wieder auf.

Sicherheit geht vor

Drehungen, Sprünge, Figuren in der Luft – wie man aus den oben genannten Beschreibungen bereits erkennen kann, erfordert das Fahren in Funparks hohe Konzentration und Akrobatik. Da die Obstacles darüber hinaus meist im hohen Tempo abgefahren werden und die Lines ebenfalls oft voll sind, ist das Thema „Sicherheit“ bei Funparks sehr wichtig.

Dazu gehört vor allem die passende Ausrüstung: Sie besteht aus einem Helm, einer Skibrille und Protektoren. Wichtig ist ein Protektor für den Rücken, um bei Stürzen in diesem Bereich geschützt zu sein.

Wie auch beim Pistenfahren ist die Ausrüstung aber nicht alles. Im Funpark ist es ebenfalls notwendig, umsichtig und rücksichtsvoll zu fahren. Das richtige Verhalten ist daher auch Teil der Sicherheitsvorschriften. Wer also im Funpark fährt, sollte die Parkregeln beachten. Zu diesen gehören:

  • Stets Rücksicht auf andere nehmen.
  • Sich vor der Abfahrt vergewissern, dass die Bahn frei ist.
  • Nicht vordrängeln.
  • Nicht von der Seite auf die Bahn fahren.
  • Vor der Abfahrt ein Handzeichen geben.
  • Beim Kicker sind die Anlaufstrecke und -zeit gut abzupassen. Wer sich unsicher ist, kann sich an anderen Springern orientieren.
  • Nach der Fahrt die Auslaufbahn schnell frei machen.
  • Das Tempo und den Schwierigkeitsgrad der Line stets dem eigenen Können anpassen.

Wer dies beachtet und wie auch sonst beim Wintersport fit, vorsichtig und umsichtig fährt, wird in den Funparks voll auf seine Kosten kommen.

Funparks gehören in fast allen Skigebieten zum Standard. Sie bieten Abenteuerlustigen mehr Nervenkitzel und Neugierigen die Möglichkeit, andere Techniken beim Skifahren und Snowboarden auszuprobieren. Wer dabei nicht übertreibt, sich durch die passende Schutzausrüstung entsprechend schützt sowie die Parkregeln achtet, wird in den Funparks garantiert viel Spaß haben.

Die wichtigsten Fragen zu Funparks

Was ist ein Funpark?

Funparks sind spezielle Freizeitareale in Wintersportgebieten, in denen Skifahrer und Snowboarder Tricks wie Sprünge oder Drehungen ausführen können – ähnlich wie auch beim Skateboarden.

Was ist der Unterschied zwischen Funpark und Skicross?

Während Funparks ein Angebot für Wintersportler sind und die Parcours keinen spezifischen Regeln folgen, hat das Freestyle-Skiing im Skicross andere Elemente und ist eine olympische Disziplin.

Welche Obstacles findet man im Funpark?

Die vier häufigsten Kategorien von Obstacles sind Jumps, Jibs, Kicker und Pipes, die jeweils unterschiedliche Tricks wie Sprünge, Gleiten und Drehungen ermöglichen.

Sind die Lines in Funparks nach Schwierigkeit unterteilt?

Ja! Wie auch auf regulären Skipisten haben auch die Lines in Funparks verschiedene Schwierigkeitsgrade. Sie werden entweder von S nach XL aufsteigend kategorisiert oder nach ihrem Niveau von Anfänger (Beginner) über Medium bis hin zu Progression oder Pro-Lines (Fortgeschrittene) unterteilt.

Welche Sicherheitsausrüstung braucht man für Funparks?

Neben Helm und Skibrille sind Protektoren wichtig, insbesondere auch für den Rücken, um sich gegen Stürze zu schützen. Doch nicht nur die Ausrüstung sorgt für mehr Sicherheit, Wintersportler im Funpark sollten sich auch an die Parkregeln und die generellen Verhaltensregeln halten und rücksichtsvoll fahren und ihr Tempo an ihr Können anpassen.

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