So fahre ich sicher im Tiefschnee

3. Januar 2018 - SnowTrex

Tiefschneefahren abseits präparierter Pisten begeistert Wintersportler. Schließlich warten dort unberührte Hänge und pulvrige Schneeverhältnisse. Doch wer im Backcountry sicher unterwegs sein möchte, benötigt eine solide Fahrtechnik, eine vollständige Notfallausrüstung und die Fähigkeit, Risiken richtig einzuschätzen. Wie die richtige Vorbereitung gelingt und worauf es im Gelände ankommt, erklärt DSLV-Experte Max Holzmann jetzt bei SnowTrex.

Viele Freerider wagen ihre erste Powder-Fahrt im unpräparierten Schnee direkt neben der Piste.

Gefahren beim Tiefschneefahren objektiv beurteilen

  • Bewertung alpiner Risiken nach dem Lesen aktueller Lawinenlageberichte vor jeder Abfahrt
  • Analyse der Hangneigung, Exposition und der Witterungseinflüsse vor Ort
  • Einschätzung der Lawinensituation als größte Gefahr im ungesicherten Tiefschnee

Eine objektive Beurteilung alpiner Gefahren ist die unverzichtbare Grundlage für sicheres Tiefschneefahren abseits präparierter Pisten. Wer in unberührtes Gelände aufbricht, sollte seine Aufmerksamkeit gezielt auf sichtbare und messbare Faktoren richten, statt sich auf sein subjektives Bauchgefühl zu verlassen. Im freien Skiraum stellen Lawinen das größte Risiko dar, weshalb fundiertes Wissen über den Aufbau von Schneedecken und Geländeformen zwingend erforderlich ist.

Tiefschneefahren Lernen: 5 Schritte zur Optimalen Skitechnik!

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DSLV-Experte Max Holzmann unterstreicht diesen Aspekt deutlich: „Im Off-Piste-Bereich spielen die objektiven Gefahren eine besonders wichtige Rolle. Die größte objektive Gefahr ist hier eine Lawine. Sie können allerdings auch durch einen Skifahrer ausgelöst werden, weshalb im Gelände doppelte Vorsicht geboten ist.“

Tagesaktuelle Lawinenlageberichte helfen bei der präzisen Einschätzung der Schneedeckenstabilität und sind online sowie über mobile Anwendungen jederzeit abrufbar. An den Talstationen und an neuralgischen Punkten im Skigebiet weisen zudem Infotafeln und Warnleuchten auf die jeweilige Gefahrenstufe hin. Vor jedem Hangeinstieg prüfen Geländefahrer eigenständig die Hangneigung sowie die vorherrschende Gefahr von Lawinen.

Skiräume im Skigebiet präzise unterscheiden

  • Klare Abgrenzung zwischen dem gesicherten und dem freien, ungesicherten Skiraum
  • Unpräparierte Abfahrten innerhalb der Grenzen des Skigebiets werden als kontrollierte Geländezonen ausgewiesen
  • Eigenverantwortliches Handeln und ein verändertes Rettungswesen im freien Gelände

Im Skigebiet unterscheiden Wintersportler grundsätzlich zwischen gesichertem und ungesichertem, freiem Skiraum. Der gesicherte Skiraum wird vom Betreiber des Skigebiets ausgewiesen, fortlaufend kontrolliert und vor alpinen Gefahren wie Lawinen geschützt. Hierzu zählen auch unpräparierte Bereiche, die Geländefahrten bei minimiertem Risiko ermöglichen.

Max Holzmann vom DSLV (Deutscher Skilehrerverband) erklärt die Besonderheiten dieser Bereiche: „Gesicherter Skiraum ist immer vom Skigebietsbetreiber beschrieben, markiert und als sicher gekennzeichnet. Aufgrund der hohen Beliebtheit des Off-Piste-Fahrens gibt es auch gesichertes Gelände. Das sind dann unpräparierte Pisten, die Geländefahrten ermöglichen, aber es ist immer noch gesicherter Skiraum. Es besteht dort nur eine geringe Lawinengefahr.“

Ein genauer Blick auf den Pistenplan verschafft Klarheit über die Markierungen und Absicherungen im Areal. Offiziell ausgewiesene Skirouten sind im Pistenplan als Abfahrten gekennzeichnet und werden vom Rettungsdienst kontrolliert. Durchgezogene Markierungen weisen auf gesichertes, unpräpariertes Terrain hin, gestrichelte Linien kennzeichnen ungesicherte Variantenabfahrten ohne Pistensicherung.

Notfallausrüstung als Pflichtausstattung im freien Gelände

  • Mitnahme von LVS-Gerät, Lawinensonde und Schaufel ist standardmäßig vorgesehen
  • Begriffliche Trennung zwischen präventivem Handeln und Notfallausrüstung
  • Regelmäßige Funktionsprüfungen und sichere Beherrschung der Kameradenrettung

Für jede Abfahrt im ungesicherten Gelände ist die vollständige Notfallausrüstung bestehend aus LVS-Gerät, Sonde und Schaufel obligatorisch. Das LVS-Gerät wird stets direkt am Körper getragen, während die stabile Metallschaufel und die Lawinensonde im Rucksack Platz finden. Ergänzend erhöht ein Lawinenairbag die Wahrscheinlichkeit, bei einem Schneebrett an der Schneeoberfläche gehalten zu werden.

Skifahrer, die abseits der Pisten in den Tiefschnee wollen, müssen vor der ersten Abfahrt immer den lokalen Lawinenlagebericht überprüfen.

Skiexperte Max Holzmann legt großen Wert auf die exakte Bezeichnung dieser Ausrüstung: „Bevor es losgeht, muss immer erst die Lawinengefahr eingeschätzt und die entsprechende Ausrüstung gepackt werden. Sobald wir die präparierte Piste und den Skiraum verlassen, haben wir die Notfallausrüstung immer dabei. Es handelt sich nicht um eine Sicherheitsausrüstung, sondern um eine Notfallausrüstung. Sicherheit geht nur vom Einschätzen der Situation aus, nicht von der Ausrüstung!”

SnowTrex-Tipp: Bevor es im Gelände losgeht, führen Wintersportler an der Bergstation routinemäßig einen LVS-Gruppencheck durch. Dabei wird die Sende- und Empfangsfunktion aller Geräte überprüft, um im Ernstfall wertvolle Zeit bei der Suche zu sparen.

Rechtliche Verantwortung und Garantenpflicht in der Gruppe

  • Erfahrene Gruppenmitglieder tragen bei gemeinsamen Abfahrten eine besondere Mitverantwortung
  • Rechtliche Einstufung als Garant mit Haftungsrisiken bei grober Fahrlässigkeit
  • Notwendigkeit für transparente Absprachen über Können und Sicherheitsstandards

Erfahrene Skifahrer tragen beim Befahren von Hängen abseits der Piste im Rahmen der Garantenpflicht eine rechtliche Mitverantwortung für weniger versierte Gruppenmitglieder. Wer eine Skigruppe anführt oder über das größte alpine Wissen verfügt, übernimmt automatisch eine Fürsorgepflicht für die Begleiter. Unvorsichtige Entscheidungen bei der Hangeinfahrt können im Ernstfall zivil- und strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

Holzmann erläutert die Tragweite dieses juristischen Aspekts: „Im freien, ungesicherten Skiraum kann sich ein unvorsichtiger Fahrer auch grob fahrlässig verhalten. Bei Fahrten in der Gruppe ist die Person mit der größten Erfahrung für die anderen mitverantwortlich und steht in der sogenannten Garantenpflicht. Wer befreundete Begleiter mitnimmt, ungeeignete Hänge befährt oder Lawinen auslöst, gefährdet die gesamte Gruppe. Lässt sich solch eine grobe Fahrlässigkeit nachweisen, steht der Garant voll in der Haftung.“

Gemeinsame Abfahrten mit der Gruppe im Gelände erfordern daher eine offene Kommunikation über das individuelle Fahrkönnen aller Beteiligten. Entscheidungen über die Befahrung eines Hangs werden stets defensiv und im Einklang mit den Sicherheitsvorgaben getroffen. Im Zweifelsfall wählen verantwortungsvolle Skifahrer eine gesicherte Pistenvariante.

Fahrtechnik für kraftsparendes Gleiten im Tiefschnee

  • Abstimmung von Spurwahl, Tempo und kontinuierlicher Bewegung
  • Mittige Position auf den Skiern mit Orientierung an der Falllinie
  • Wechsel von Beugen und Strecken zur dynamischen Entlastung beim Schwung

Eine funktionierende Fahrtechnik im Tiefschnee basiert auf dem harmonischen Zusammenspiel von Gleichgewicht, kontinuierlicher Geschwindigkeit und einer rhythmischen Hoch-Tief-Bewegung. Wie auf präparierten Pisten gelten auch im Pulverschnee die klassischen Grundsätze für Spur, Tempo und Bewegung. Im weichen Schnee verhindert eine zentrale Position über der Skimitte, dass die Schaufeln einsinken.

DSLV-Experte Holzmann rät zu einer falllinienorientierten Fahrweise mit angepasster Fahrwucht: „Man sollte nicht zu große Winkel nehmen, sondern eher falllinienorientiert fahren. Mit einer gewissen Geschwindigkeit entsteht Fahrwucht, die beim Schwingen unterstützt. Auch hier gilt natürlich, dass das Fahren kontrollierbar bleiben muss. Wer das Timing beim Schwung beherrscht, wird im Tiefschnee die pure Freude erleben.”

Im Tiefschnee braucht es die passende Skiausrüstung und die richtige Technik, damit der Freeride-Tag nicht zu einem körperlichen Kampf wird.

Zur optimalen Krafteinteilung ist laut Holzmann ein präziser Rhythmus entscheidend: „Die Freude im Pulverschnee entsteht dadurch, dass Skifahrer die richtigen Bewegungen zum richtigen Zeitpunkt ausführen. Entscheidend sind die Hoch-Tief-Bewegung sowie die Vor-Rück-Bewegungen im Kurvenverlauf: Zur Entlastung strecken, zum Steuern beugen, zur Entlastung wieder strecken. Zur Entlastung strecken, zum Steuern beugen, zur Entlastung wieder strecken. Dazu kommt das klassische Ski-Drehen. Das ständige Wechseln von Spannung und Entspannung hilft der Muskulatur, sehr lange zu arbeiten. Mit dem richtigen Bewegungsablauf zum richtigen Zeitpunkt lässt sich kilometerweit Tiefschnee fahren.“

Fundierte Fahrtechniken erleichtern den Wechsel von der Piste in den Neuschnee spürbar. Pistenbegeisterte führen die Ski etwas enger als beim weiten Carven, um eine gemeinsame Auftriebsfläche im Schnee zu bilden. Durch das feine Ausfedern in den Kurven gleiten die Ski flüssig durch den Tiefschnee.

Die passende Skiausrüstung für tiefen Pulverschnee

  • Mittelbreiten ab 100 mm sorgen für hohen Auftrieb im lockeren Neuschnee
  • Rocker-Profile ermöglichen ein müheloses Aufschwimmen und verzeihen Fehler in Kurven
  • Optimale Abstimmung von Bindungshärte, Skischuhen und Teleskopstöcken

Breite Freeride-Ski mit einer Mittelbreite ab 100 mm und einem aufgebogenen Rocker-Profil verleihen im Tiefschnee hervorragenden Auftrieb und erleichtern die Schwungauslösung. Die vergrößerte Oberfläche verhindert, dass die Skispitzen eintauchen, und ermöglicht ein kraftsparendes Gleiten durch unverspurte Hänge. Für ausgiebiges Freeriden sind speziell konstruierte Skier das entscheidende Fundament.

Skiexperte Holzmann betont die Bedeutung des passenden Equipments: „Aktuelle Tiefschneeskier mit Mittelbreiten von 100 mm und mehr erleichtern das Skifahren immens. Kommen aktive Bewegungen hinzu, wird das Kurvenfahren im tiefen Schnee nochmals spürbar erleichtert. Die größte Wirksamkeit geht vom Material aus.”

SnowTrex-Tipp: In vielen Skiverleihstationen in den Skigebieten stehen aktuelle Freeride-Modelle bereit. So können Wintersportler je nach Schneelage flexibel breitere Latten wählen und das Fahrverhalten im frischen Neuschnee ausprobieren.

Tiefschnee-Experte vom DSLV

Max Holzmann ist staatlich geprüfter Skilehrer sowie Vorstand Ausbildung im Deutschen Skilehrerverband (DSLV). Er ist verantwortlich für die Inhalte der Ausbildungslehrgänge sowie die jeweiligen Prüfungslevel und Schwierigkeitsgrade in allen Ausbildungsstufen vom Level 1 bis zur staatlich geprüften Skilehrerprüfung in den Unterrichtsfächern Motorik, Methodik und Theorie.

FAQ zu Tiefschneefahren

Wie fahren Wintersportler im Tiefschnee?

Sie fahren mit einer zentralen Position über dem Ski, einer leicht geschlossenen Skiführung und einer kontinuierlichen Hoch-Tief-Bewegung entlang der Falllinie. Das Strecken zur Entlastung leitet die Kurve ein, während das Beugen zur Kurvensteuerung dient. Ein kontrolliertes Grundtempo liefert die nötige Fahrwucht, um kraftsparend von Schwung zu Schwung zu gleiten.

Welche Notfallausrüstung ist beim Tiefschneefahren verpflichtend?

Zur unverzichtbaren Notfallausrüstung abseits gesicherter Pisten gehören ein digitales LVS-Gerät, eine Lawinensonde und eine stabile Schaufel aus Metall. Das LVS-Gerät muss stets eingeschaltet am Körper getragen werden, während Sonde und Schaufel im Rucksack mitgeführt werden. Ein Lawinenairbag dient als wertvolle Ergänzung, um die Überlebenschancen bei einer Verschüttung zu erhöhen.

Worin unterscheidet sich der gesicherte vom ungesicherten Skiraum?

Der gesicherte Skiraum wird vom Skigebietsbetreiber ausgewiesen und markiert. Er ist vor alpinen Gefahren wie Lawinen geschützt. Im freien Gelände gilt dagegen vollständige Eigenverantwortung. Zu gesicherten Arealen gehören auch unpräparierte Skirouten mit durchgezogener Kennzeichnung. Im freien Gelände erfolgen keine behördlichen Kontrollen und Rettungseinsätze sind mit zusätzlichem Aufwand verbunden.

Welche Skibreite eignet sich am besten für Tiefschnee?

Am besten eignen sich Freeride-Ski mit einer Mittelbreite von 95 mm bis über 100 mm und einer Rocker-Konstruktion an Schaufel und Heck. Die breite Auflagefläche erzeugt hohen Auftrieb im lockeren Pulverschnee und verhindert so das Einsinken. Zudem erleichtert die Schaufelaufbiegung das Drehen der Ski bei geringem Kraftaufwand.

Was bedeutet die Garantenstellung beim Fahren im Gelände?

Die Garantenstellung verpflichtet die erfahrenste Person einer Gruppe rechtlich dazu, für die Sicherheit weniger versierter Mitfahrer im freien Gelände zu sorgen. Wer Führungsaufgaben übernimmt und grob fahrlässig Lawinen auslöst oder die Gruppe in Gefahrenbereiche leitet, haftet im Schadensfall persönlich. Transparente Absprachen und defensive Entscheidungen sind daher unverzichtbar.

Wie wird die Lawinengefahr vor dem Tiefschneefahren beurteilt?

Die Lawinengefahr wird anhand des tagesaktuellen regionalen Lawinenlageberichts beurteilt. Dieser weist Gefahrenstufen von 1 (gering) bis 5 (sehr groß) sowie kritische Expositionen und Höhenlagen aus. Vor Ort analysieren Geländefahrer zudem Neuschneemengen, Windverfrachtungen und Temperaturwechsel. Bei ungünstigen Bedingungen werden steile Hänge konsequent gemieden.

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