SnowTrex goes Venediger Rush – ein Erlebnisbericht

1. Juni 2017 - Alexandra Arendt

Von Salzburg auf den 160 km entfernten und 3.666 m hohen Großvenediger. Auf dem Rad, in Laufschuhen und mit Tourenski. Drei Disziplinen vereint der Venediger Rush, der in diesem Jahr zum vierten Mal stattgefunden hat. Alexandra von SnowTrex war bei diesem außergewöhnlichen Event dabei und hat erlebt, was es heißt an die eigenen Grenzen zu gehen und dass am Berg doch alles anders kommt, als man denkt. Ein Erlebnisbericht.

Mit Tourenski auf den Großvenediger.

Radfahren, Laufen, Skibergsteigen. Drei Sportarten, die ich liebe und die mich faszinieren, in einem sportlichen Event vereint. Von der Landeshauptstadt Salzburg auf den höchsten Berg des Salzburger Landes, den Großvenediger.

Die Liebe zu den Bergen, der Traum vom Gipfel, neue Herausforderungen, das besondere Naturerlebnis, Teamgeist und Grenzerfahrung – all das hat mich motiviert, mich meiner bisher größten sportlichen Herausforderung zu stellen: dem Venediger Rush, einem Sportevent der Extreme, Kontraste – und des Genusses. Sofort war ich Feuer und Flamme, als mir Veranstalter Hans Peter Kreidl im April 2016 im Rahmen eines Presse-Skitourenevents im Salzburger Land vom Rush erzählte. Rennrad, Laufen und Skitourengehen? Als Teamevent und ohne den Druck eines Wettkampfes? Sofort war mir klar – da bin ich nächstes Jahr dabei!

Venediger Rush 2017 – nicht ohne Vorbereitung

Natürlich nicht ohne Vorbereitung. Auch wenn ich sportbegeistert bin, für ein Event wie den Venediger Rush hätte das alleine sicher nicht ausgereicht. Allein 160 Kilometer auf dem Rad – so viel war ich zuvor noch nie gefahren. Insgesamt 4.000 Höhenmeter sind dazu auch nicht mein tägliches Pensum. Was das Laufen angeht, habe ich mir die wenigsten Sorgen gemacht, ist Laufen doch der Sport, den ich regelmäßig betreibe. Anders als Skitourengehen.

Als Kölnerin lässt sich nicht mal eben die Skitour nach Feierabend oder die Sonntagstour realisieren. Auch Höhenluft schnuppert man in Köln mit seinem höchstgelegenen Gipfel „Monte Troodelöh“ mit stolzen 118,04 m eher selten. Trotzdem – mit dem Ziel vor Augen, habe ich so gut es geht für mein sportliches „Highlight“ trainiert. Zehn Tage Trainingslager auf Mallorca mit etlichen Rennradkilometern und Höhenmetern, Trailrunning und Krafttraining und vor allem das SnowTrex-Skitourencamp im Trattenbachtal mit Blick auf den Großvenediger waren die Highlights meiner Vorbereitung. Top motiviert? Definitiv! Fit genug? Wir werden sehen…

Fünf Nationen beim ausverkauften Venediger Rush 2017

Am 4. Mai 2017 war es dann endlich soweit. Der große Start! Los geht es am Hotel Untersberg in Salzburg Grödig. Nach zwei Tagen sollten wir den Gipfel des Großvenedigers erreichen. Tag 1: Radfahren in zwei Etappen bis Neukirchen, Berglaufen bis zur Schneegrenze und anschließen mit den Skiern hoch zur Kürsinger Hütte. Am zweiten Tag in Seilschaften am Gletscher hoch zum Gipfelkreuz, anschließend: Powderabfahrt nach Neukirchen.

Der Start mit dem Rennrad in Salzburg Grödig.

In diesem Jahr erreichte der Venediger Rush erstmals 50 Teilnehmer und war damit restlos ausverkauft. Fünf Nationen waren vertreten: Schweden, Polen, Deutschland, Österreich und Belgien. Fit. Motiviert. Hungrig auf den Berg. Darunter jedoch nur drei Frauen. Eine davon: Ina Forchthammer, Bergläuferin und Skibergsteigerin, Mitglied der österreichischen Nationalmannschaft. Schon vor dem Start kamen mir so erste Bedenken, ob ich als Kölnerin aus dem Flachland überhaupt fit genug sei und genug trainiert habe. Auch der Wetterbericht machte mir Sorgen. Eine leichte Erkältung, die ich mir ein paar Tage zuvor zugezogen hatte, wollte nicht so richtig verschwinden und vor Aufregung konnte ich vor dem Event nur eine Stunde schlafen. Erste Zweifel kamen auf.

Gemeinsam kämpfen. Gemeinsam leiden. Gemeinsam schlemmen!

Nach der kurzen Nacht war der Start um 6 Uhr morgens entsprechend holprig. Die ersten Radkilometer rollten noch nicht so rund, wie ich mir erhofft hatte. Der erste Anstieg und die erste Abfahrt ließen erahnen, dass ich es als „Flachländerin“ nicht leicht haben werde. Während die meisten Athleten den Berg nahezu herauf- und herunter stürmten, hatte ich mit müden Beinen und zu großem Respekt bei der Abfahrt zu kämpfen. Doch zum Glück ist man beim Venediger Rush nicht auf sich allein gestellt. Nach einigen kräftezehrenden Kilometern gegen den Wind, wurde ich mit einigen weiteren Teilnehmern wieder zu einer Radgruppe zusammengeführt. Gemeinsam radelten wir weiter und mit jedem Kilometer und jedem weiteren Sonnenstrahl lief es besser.

Mit dem Rad durch die traumhafte Berglandschaft des Salzburger Landes.

Nach der leckeren Stärkung im Alpenhaus Kaprun Hotel war der Knoten endgültig geplatzt. Die Beine hatten wieder genug Kraft, der Kaffee hatte die Müdigkeit, die Sonne die Kälte vertrieben und die traumhafte Landschaft tat ihr übriges: purer Genuss! So war ich ganz schön überrascht, das Ziel der ersten Disziplin, den Gasthof Siggen in Neukirchen, so schnell erreicht zu haben. Pure Glückgefühle! Auch hier wurden wir wieder mit leckerem Essen versorgt. „Die schönste Radfahrt meines Lebens!“, wenn man das nach 160 welligen Kilometern sagen kann, läuft es richtig rund – das dachte ich zumindest zu diesem Zeitpunkt. Doch das richtige Abenteuer sollte erst beginnen. Der Berg. Ab hier geht es nur noch aufwärts.

Für die nötige Stärkung nach der Radfahrt sorgt der Gasthof Siggen in Neukirchen.

Eine Reise durch die Jahreszeiten: vom Frühling in den tiefsten Winter

Schon beim Lauf – meiner eigentlichen Spezialdisziplin – kam ich an meine körperlichen Grenzen. Innerhalb von Minuten änderte sich das Wetter. Von sommerlichen Temperaturen in Neukirchen war innerhalb kürzester Zeit nichts mehr zu spüren. Stattdessen: Schneeregen, Schnee, eiskalter Wind. Und ich? Im luftigen Sport-Sommeroutfit.

Die 2. Disziplin: Berglaufen. Noch wird geschwitzt und gelacht.

Nach wenigen Kilometern war das Gefühl in den Beinen verschwunden und die Frage im Kopf: Warum? Warum? Warum habe ich mir keine lange Hose angezogen? Warum habe ich nicht vorher an so einen Wetterumschwung gedacht? Die einzige Lösung: schneller laufen. Den Körper auf Temperaturen bringen und Höhenmeter für Höhenmeter nach oben arbeiten. Den Traum von warmer Kleidung und Wasser am Wechselpunkt vor Augen. Immer fokussiert auf das Ziel, von dem ich nicht wusste, wann ich es erreichen werde. Aus den angekündigten acht Kilometern wurden 14 Kilometer – mit über 1.000 Höhenmetern. Völlig verausgabt erreichte ich den Wechselpunkt. Durchgefroren. Platt.

Wetterumschwung: plötzlich im tiefsten Winter.

Trotzdem freue ich mich umso mehr endlich die Tourenski unter die Füße zu schnallen und mich in der Gruppe mit unserem Bergführer auf den Weg zum Tagesziel, der Kürsinger Hütte, zu machen. Auf Skiern hatte ich bisher nie Probleme. Bergauf gehen, da waren mir Gruppen meist eher zu langsam als zu schnell. Dementsprechend motiviert machten wir uns auf den Weg. Doch bereits nach 200 Metern wurde ich auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Enorme Luftprobleme, ein – gefühlt – tonnenschwerer Rucksack. Kraftlose Beine. Jeder Höhenmeter wurde zur Qual. Die Kürsinger Hütte erreiche ich nach einer gefühlten Ewigkeit. Dank der Hilfe meiner Gruppe und unseres Bergführers. Endlich! Noch nie habe ich mich so gefreut am Tagesziel anzukommen, auf das Abendessen und vor allem auf das Hüttenbett, um am nächsten Tag wieder fit und gestärkt zu sein!

Der Aufstieg zur Kürsinger Hütte ist nach dem Radfahren und Laufen mühsam. Doch noch spielt das Wetter mit.

Nur das Atmen will noch nicht so richtig funktionieren. Fehlt mir die Erfahrung am Berg, war ich übermotiviert? Habe ich meine Erkältung und die Vorbelastung unterschätzt? Was hab ich falsch gemacht? Hab ich nicht genug trainiert? Hat mich die Stunde Schlaf zu viel Kraft gekostet? Fehlte mir die Höhen-Akklimatisierung im Vorfeld? Viele offene Fragen. Die Antwort: vermutlich eine Mischung aus allem.

Ein Extremsportevent ohne Wettkampfcharakter

Der Venediger Rush ist ausdrücklich kein Rennen, hier geht es nicht um Rekorde und darum, wer der Schnellste ist. Macht es das einfacher? Ja und nein. Ja, weil man sich gegenseitig hilft, hier bleibt keiner alleine zurück! Pausen sind nicht nur erlaubt, sondern werden auch zelebriert, wie beim Halbzeitbrunch der Radfahrt im Alpenhaus in Kaprun. Und nein, denn die Belastung für den Körper bleibt. Ich habe auch ohne Wettkampfgedanken am Berg meine Grenzen erreicht und habe kämpfen müssen: am Ende des ersten Tages um jeden Höhenmeter, jeden Schritt. Und doch hätte ich alleine vielleicht aufgeben müssen. Durch die Unterstützung des Teams und der Bergführer war daran jedoch gar nicht zu denken.

Am Großvenediger wird jeder Schritt zu einer Herausforderung.

Der Rush zählt mittlerweile zu einer Serie aus vier Rush-Events. Ausgehend von der Landeshauptstadt wird der höchste Gipfel des jeweiligen österreichischen Bundeslandes erklommen. Die ultimative Challenge: der Austria Rush. Von der Bundeshauptstadt Wien auf den Großglockner, den höchsten Berg Österreichs. Die Idee zum Rush kommt von Hans-Peter Kreidl, der mit Skitourenwinter.com Menschen für das Tourengehen begeistert. Auch unser SnowTrex-Skitourencamp fand in Kooperation mit Skitourenwinter.com statt. Die Leidenschaft für Skitourengehen mit den Sportarten Rennradfahren und Laufen verbinden, das funktioniert bestens im Frühling.

Unsere Seilschaft mit unserem eigenen „Gipfelkreuz“.

Der Weg ist das Ziel

Wir haben in diesem Jahr keinen Gipfel erreicht, war dann alles umsonst? Die Qualen, das Training? Nein! Auch wenn es abgedroschen klingt: Der Weg ist das Ziel. Und auf dem Weg habe ich einiges gelernt, bin an meine Grenzen gestoßen, habe mich völlig verausgabt, an mir gezweifelt, bin hingefallen und wieder aufgestanden und habe gekämpft, Erfahrungen für mein Leben gesammelt. Eine Lektion habe ich gelernt: Es gibt Dinge am Berg, auf die man sich nicht vorbereiten kann. Aber es gibt eben auch die Dinge, wie die richtige Ausrüstung, auf die man sich vorbereiten kann.

Nichts ist umsonst. Nur ein Grund, wiederzukommen!

Alle Teilnehmer im Ziel: dem Gasthof Siggen in Neukirchen am Großvenediger.

 

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