Skineuling mit Fragen

19. April 2013 - Gudrun Schlösser

„Skiurlaub ist der entspannenste Urlaub, den man sich vorstellen kann. Ski fahren macht so viel Spaß, das musst du unbedingt auch einmal probieren!“ Diese oder ähnliche Sätze hat vielleicht der ein oder andere bereits mehrfach von einem begeisterten Skifahrer gehört.

Welche Vorstellungen und Erwartungen man als Skianfänger an einen Skiurlaub und das Skifahren haben und welche Probleme dies auch mit sich bringen kann, ist einem Skifahrer, der seit Kindertagen auf Ski unterwegs ist, gar nicht bewusst. Auch mir fällt es schwer mich in einen Nichtskifahrer hinein zu versetzen und seine möglichen Bedenken nach zu vollziehen. Meine uneingeschränkte Begeisterung für den Skisport steht schließlich fest.

Daher haben wir den Test gemacht und absolute Skineulinge bei den ersten Skiversuchen begleitet und sie vor, während und nach den ersten Skitagen befragt.

Bevor es tatsächlich in Richtung Berge geht, möchte ich wissen, welche Erwartungen die Skineulinge an das Skifahren stellen und ob sie irgendeine Vorstellung haben, wie es ablaufen könnte. Die Antwort auf die erste Frage überrascht mich schon. Vorstellung und Realität können manchmal weit auseinander liegen. Ein Skigebiet bietet einen 360° Rundumblick auf alle Skipisten – so die Vorstellung unserer Skianfänger. Deshalb kann man sich gut und schnell orientieren. Wenn dies tatsächlich so wäre, würde den meisten Skifahrern nach kürzester Zeit sehr langweilig werden. Die Anzahl Pistenkilometer wäre schließlich deutlich begrenzt. Nur gut, dass dem nicht so ist.

Ski fahren fängt jedoch nicht erst mit dem Anschnallen der Ski auf der Piste an. Die ersten Schwierigkeiten können bereits vor Erreichen der Bergbahn auftreten. Das Gehen mit Skischuhen an den Füßen und das Tragen der Skiausrüstung kann nämlich schon eine Herausforderung darstellen.

Mir persönlich würde nichts einfallen, was ich als das Schlimmste am Skifahren bezeichnen könnte. Nur vielleicht die Tatsache, dass die Tage viel zu schnell vergehen. Doch mancher Neuling nimmt das Tragen der Ausrüstung als furchtbar wahr oder beklagt das enorme Gewicht des Schuhs am Fuß. Der Schuh wirkt dann wie ein Bleiklotz, der die Bewegung bzw. das Laufen erheblich erschwert und sehr anstrengend macht. Ein anderer fühlt sich, bedingt durch die Vorlage, die man im Skischuh automatisch einnimmt, wie ein Hip-Hopper mit einem sehr coolen und lässigen Gang. Die meisten Erwachsenen haben diesen Status des „Cool sein wollen“ doch bereits hinter sich gelassen.

Zu dem Gewicht der Skischuhe kommt noch das Gewicht der Ski und Stöcke. Irgendwie müssen die schließlich auch zum Lift befördert werden. Wenn man nicht gerade einen persönlichen Skiträger – die Männer wissen bestimmt wovon ich rede – hat, muss man das schließlich selbst übernehmen. „Bevor es überhaupt los geht, bin ich schon klitschnass geschwitzt“, ist die einstimmige Meinung unserer Probanden. Morgens lässt sich dies noch einigermaßen leicht bewältigen. Nach einem langen Skitag fällt das alles noch viel schwerer. Selbst der letzte Rest Energie geht verloren und alle kommen richtig müde und abgekämpft von der Piste.

Jetzt aber zum eigentlichen Thema: dem Skifahren. Es ist natürlich klar, dass man als Anfänger wesentlich mehr Kraft und Energie aufwenden muss, um eine Piste herunterzufahren als ein Fortgeschrittener. Nichtsdestoweniger kann Ski fahren auch zu Beginn viel Spaß machen und begeistern. Dass es aber viele Variablen gibt, die dieses Gefühl und diese Ansicht positiv oder negativ beeinflussen können, mussten wir beziehungsweise unsere Skineulinge am eigenen Leib erfahren.

Die Wetterbedingungen und die Auslastung der Skilifte können sich deutlich auf den Spaßfaktor bei Anfängern wie auch bei Fortgeschrittenen auswirken. Bei Nebel, Schneeregen und Sulzschnee macht es nun mal weniger Spaß als bei blauem Himmel, Sonne und Pulverschnee. Schlechtes Wetter erschwert das Skifahren für Anfänger. Zu den „normalen“ Schwierigkeiten, die man zu Beginn haben kann, ist man noch verunsicherter und vorsichtiger als bei gutem Wetter und tollen Schneebedingungen. Wenn dann noch viel los ist, die anderen Skifahrer und Snowboarder an einem vorbeischießen, einem das letzte Bisschen Selbstvertrauen nehmen und die Schlange am Lift lang ist, kann es schwierig sein, sich für den nächsten Tag zu motivieren. Dies war auch bei unseren Skineulingen so. Auf diese Gegebenheiten hat man nur leider keinen Einfluss. Das Skifahren bei Sonnenschein mehr Spaß macht, steht außer Frage. Wenn wir ehrlich sind, ist dies bei jeder Art Urlaub so. Ich kenne niemanden, der gerne bei Kälte und Regen eine Städtereise macht oder am Strand liegt.

Nicht nur Wetter und Auslastung des Skigebietes beeinflussen die Laune der Skianfänger, sondern auch das Lift fahren. In unserem Fall das Schlepplift fahren. Für den erfahrenen Skifahrer ist es ein Mittel zum Zweck, mit dem man sich möglichst schnell wieder den Berg hoch und von A nach B befördern lassen möchte. Für einen Anfänger kann es ein kräftezehrender und langwieriger Prozess sein, über den man schon vor Fahrtantritt nachgrübeln kann. „Hoffentlich kann ich alleine im Lift fahren und habe nicht noch einen anderen Skifahrer oder noch schlimmer, einen Snowboarder neben mir. Es reicht schließlich schon aus meine Ski unter Kontrolle zu halten. Da kann man doch nicht auch noch auf einen anderen achten. Mir wird schon ganz warm, wenn ich an den Einstieg zum Lift denke. Bitte, bitte lass jemanden am Lift sein, der mir hilft, damit ich den Bügel richtig zu fassen bekomme!“ Dies könnte ein typischer Gedankengang eines Anfängers sein. Wenn es dann endlich los geht, ist der Skianfänger hoch konzentriert und spricht sich gut zu. „Du schaffst das, es ist gar nicht mehr weit! Jetzt nur nicht rausfallen!“ Ein Blick über die schöne Landschaft oder auf die Skipiste stellt schon die absolute Überforderung dar. Geschweige denn, dass man die Personen auf der Piste, die man eventuell kennt, wahrnimmt. Bei langen Liftfahrten ist die Gefahr zwischendrin herauszufallen natürlich größer, was ziemlich frustrierend sein kann, je nachdem wie oft es passiert. Dann fängt nämlich das ganze Spiel von vorne an. Andererseits muss man das Herausfallen aus dem Lift mit Humor nehmen und als Herausforderung ansehen, die einfach dazu gehört. Leichter gesagt als getan – vor allem wenn es einen selbst nicht betrifft. Als Außenstehender sind hier und da spannende Versuche, ein Herausfallen aus dem Lift zu verhindern, zu beobachten. Manchmal sind sie erfolgreich und fast einen Applaus Wert bei so viel Einsatzbereitschaft.  Manchmal sind sie vergebens und man möchte direkt hinfahren und fragen, ob alles in Ordnung ist, weil sie so waghalsig aussahen. In jedem Fall ist das Lift fahren für Anfänger eine nicht zu verachtende Hürde, bei der jedes Mal aufs Neue die Frage im Raum steht: Schaffe ich es oder schaffe ich es nicht? Ich kann jedoch alle beruhigen. Mit der Zeit wird man sicherer und irgendwann stellt Liftfahren kein Problem mehr da, sondern ist nur das besagte Mittel zum Zweck.

Nach dem ersten Skitag sind wir auf Feedback unserer Skianfänger gespannt. Sie sind sowohl in Bezug auf die Begeisterung für den Sport als auch auf die Motivation für den nächsten Tag sehr unterschiedlicher Meinung. Aufgrund der äußeren Witterungs- und Schneebedingungen machen die Meisten leider keine Jubelsprünge, dass es am nächsten Tag wieder auf die Piste geht. Die Einstellung am liebsten den ganzen Tag durchzufahren und die Ski nicht mehr abzuschnallen, konnten nur Wenige von Ihnen nachvollziehen. Dennoch stehen alle am nächsten Morgen einigermaßen erholt und mit etwas Muskelkater wieder auf der Piste.

Jetzt meinte es Petrus auch besser mit uns und wir haben Bilderbuchwetter: blauer Himmel, Sonne, schöner Schnee: Was will man mehr?! Die Laune unserer Skineulinge wird zunehmend besser. Bei den ersten Abfahrten schaut man zwar in sehr konzentrierte und angestrengte Gesichter, hin und wieder ist jedoch auch ein Lächeln zu sehen. Man könnte fast meinen, dass sie Spaß haben. Die Fortschritte und der Zuwachs an Selbstvertrauen bei unseren Anfängern sind aber auch deutlich sichtbar! Der ein oder andere tritt fast etwas zu selbstsicher auf, was sich an abenteuerlichen Fahrmanövern erkennen lässt. Das Feedback am Abend des zweiten Skitages fällt in jedem Fall positiver aus, als am Vortag. Für alle war es eine tolle Erfahrung die Piste herunter und sogar einzelne Kurven fahren zu können. Der Stolz, dies geschafft zu haben, ist allen deutlich ins Gesicht geschrieben und man kann ein kleines Funkeln in den Augen erkennen, wenn sie von ihren Fortschritten erzählen. Ich glaube, jetzt ist der Funke übergesprungen! Oder vielleicht noch nicht ganz?!

Der eine plant gedanklich schon den ersten eigenen Skiurlaub. Die Mehrheit ist zwar prinzipiell begeistert, ob sie aber ihren nächsten Urlaub im Schnee verbringen, da wollen sie sich nicht festlegen. Vor allem das Wetter spielt eine wichtige Rolle. Wenn es eine Schönwettergarantie gäbe, würden alle direkt wieder losfahren, ansonsten eher weniger. Jetzt wissen wir auch, wo der Ausdruck Schönwetterskifahrer herkommt…

Allerdings sind sich in einer Hinsicht alle einig. Um ansatzweise einen Eindruck davon zu bekommen, was Skifahren auszeichnet und die ersten Lernfortschritte zu machen, sind zwei Tage gerade ausreichend. Danach würde es bestimmt von Tag zu Tag noch mehr Spaß machen, weil man einfach ein sichereres Gefühl hat. Ganz nach dem Motto: Gut Ding will Weile haben.

Zum Abschluss haben unsere Skineulinge aber noch ein paar Tipps für alle, die auch mit dem Gedanken spielen einmal in den Skiurlaub zu fahren. Bevor es los geht, gehört ein Skihelm, eine Skibrille und Skihandschuhe in jedem Fall mit zur obligatorischen Ausrüstung. Was die sonstige Kleidung betrifft, hat sich das Zwiebelprinzip als sehr sinnvoll und hilfreich erwiesen, da man, sollte es einem zu warm werden, ein Teil nach dem anderen ausziehen kann. Bei den Socken reicht definitiv ein Paar aus! Alles andere ist sogar kontraproduktiv und führt womöglich zu Blasen und Druckstellen, die sehr schmerzhaft sein können.

Entgegen der Meinung eines Fortgeschrittenen, der den Skiurlaub als Entspannungsurlaub, bei dem man sich wunderbar erholen kann, ansieht, ist es für Anfänger das genaue Gegenteil: körperlich und geistig sehr anstrengend, weil man sich auf das, was man macht sehr konzentrieren muss. Entspannung ist das nicht!

Ansonsten ist es äußerst praktisch zu wissen wie man bremsen kann. Schneller fahren tut man nämlich von ganz alleine. Ob man will oder nicht. Sollte die „normale“ Bremstechnik nicht helfen, einfach den Talski mehr belasten, um den Berg hoch zu fahren, damit man langsamer wird. Auch das Fahren ohne Stöcke könnte zu Beginn hilfreich sein, weil man sich auf ein Teil weniger konzentrieren muss.

Ein wichtiger Rat von Anfängern und Fortgeschrittenen zum Abschluss. Ski fahren lernen braucht Zeit und Geduld. Daher muss man sich diese Zeit auch geben und nicht zu schnell die Flinte ins Korn werfen, wenn es nicht gleich klappt. Es schadet von Zeit zu Zeit auch nicht, den Kopf auszuschalten und sich nicht über alles Gedanken zu machen. Manchmal muss man die Dinge einfach auf sich zukommen lassen. Wenn man einmal den Dreh raushat, macht es nämlich wahnsinnig viel Spaß und die Tage vergehen wie im Fluge!

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