Skifahren im Funpark und die Frage: Soll ich oder soll ich nicht?

4. März 2013 - Gudrun Schlösser

Jeder kennt sie, die kleinen oder größeren Funparks, die heutzutage in den meisten Skigebieten zu finden sind und sich gerade bei jungem Publikum immer größerer Beliebtheit erfreuen. Park and Pipe Skiing nennt sich das Fahren in künstlich angelegten Funparks, die aus den verschiedensten Hindernissen bestehen.

(c) Mayrhofner Bergbahnen

Wenn man die Profis vom Lift aus beobachtet, wie sie geschmeidig durch die Halfpipe gleiten oder auf waghalsige Art und Weise über Kicker, Boxen und Rails springen oder fahren, ist das schon sehr beeindruckend. Da könnte man fast in die Versuchung kommen, es selbst auch einmal zu probieren. Spätestens wenn man den Ersten stürzen sieht, überlegt man es sich jedoch wieder anders. Nur gut, dass in den meisten Fällen nichts Schlimmeres passiert…

Auf den ersten Blick befremdlich sehen auch die Ski aus, mit denen viele Skifahrer im Funpark unterwegs sind. Die sogenannten Twin Tip Ski sind nämlich sowohl vorne als auch hinten nach oben gebogen. Die Bindung sitzt mittig auf dem Ski, wodurch eine verbesserte Balance und ein besseres Drehverhalten bei Sprüngen und Obstacles (jegliche Art von Hindernissen) erreicht werden soll. Außerdem zeichnen sich die Twin Tips durch eine bessere Beweglichkeit sowie die Möglichkeit sowohl rückwärts zu fahren als auch zu landen aus. Dies sind natürlich Vorteile, die einem im Funpark nützlich sein können. Aber auch mit „normalen“ Carvingski soll man im Funpark fahren können.

Ist das tatsächlich so? Ich mache den Test und wage mich nach langem Überlegen selbst in den Funpark. Beim ersten Versuch „besichtige“ ich den Park zunächst nur. Dabei wird mir allerdings schon ein wenig anders. Besonders die Kicker sehen vom Lift nicht so groß und steil aus, wie sie bei näherer Betrachtung tatsächlich sind.

Während ich gemütlich an jedem Hindernis vorbeifahre, überholt mich eine Skischulgruppe jüngerer Kinder. Wie selbstverständlich folgen sie dem Skilehrer über einen Wellenparcours. Direkt im Anschluss ein kleiner Sprung und die Kids sind glücklich. Allgemein sind relativ viele Kinder im Park unterwegs. Dabei haben sie ganz offensichtlich einen Riesenspaß. Mit strahlenden Gesichtern und lautem Gequatsche meistern sie ein Hindernis nach dem anderen. Wie schön, dass man sich als Kind keine Gedanken über die möglichen Konsequenzen macht.

Im Lift nach oben denke ich immer wieder an die Skischulgruppe und die anderen Kinder. Das kann ich so nicht auf mir sitzen lassen. Wenn die das können, kann ich das auch! Beim zweiten Besuch im Park geht es zuerst über den Wellenparcours. Mit ein wenig Anlauf meistere ich sogar den kleinen Sprung – das macht ja richtig Spaß. Schnell zum Lift und gleich noch einmal!

Nach einiger Zeit wage ich mich auch an andere Obstacles. Dabei fahre ich im wahrsten Sinne des Wortes über Tische und Bänke. Meine Sprünge werden sicherer, so dass ich auch die größeren Kicker ausprobiere. Bei den Sprüngen ist entscheidend, dass man genügend Geschwindigkeit hat, in der Luft das Gleichgewicht behält und die Landung gut abfedert. Das hört sich leicht an, kann aber auch mal danebengehen, wie ich am eigenen Leib erfahren durfte… Daher läuft ohne Helm gar nichts. Inzwischen  steht der Funpark nahezu täglich auf der To- Do- Liste für einen erfolgreichen Skitag.

Schließlich werde ich doch noch größenwahnsinnig. Ich spiele tatsächlich mit dem Gedanken einen Sprung über einen der großen Kicker zu wagen – oder lieber doch nicht? Erst mal schauen, was die anderen Parkbesucher so machen und wie es bei ihnen klappt. Ich fahre einmal in den Park, gucke mir den großen Kicker an, fahre aber vorbei. Zweiter Versuch, gleiches Prozedere. Ich glaube, ich traue mich doch nicht. Dritter Versuch, noch einmal gucken. Beim vierten Mal nehme ich all meinen Mut zusammen: Jetzt oder nie – du schaffst das. Sind die Piste und der Kicker frei? Los geht’s. Die Ski einfach laufen lassen, ohne Schwung geht schließlich gar nichts. Die Absprungkante kommt immer näher. Nun gibt es wirklich kein Zurück mehr. Es sind sekundenbruchteile, die ich in der Luft bin und einfach „fliege“. Währenddessen rutscht mir das Herz in die Hose. Was tue ich hier eigentlich? Ich bin verrückt! Doch dann wird mir klar, nach dem Flug kommt die Landung – der schwierigste Teil des Ganzen. Also volle Konzentration. Wenn auch etwas wackelig, jedoch ohne Sturz lande ich wieder. In dem Moment überkommt mich ein gigantisches Gefühl. „Ich bin der König der Welt! Ich habe den großen Kicker bezwungen!“

Bei dem einen Sprung ist so viel Adrenalin frei gesetzt worden, dass ich den ganzen Tag mit einem Strahlen im Gesicht weiter fahre und einfach nur happy bin. Meine Mitfahrer ermuntern mich, noch einmal zu springen. Aber das kommt nicht in Frage. Man soll sein Glück schließlich nicht herausfordern. Insgeheim waren sie sicherlich dankbar, denn die Zeit zwischen dem 1. Anlauf und dem Sprung, war sehr lang. Die letztendliche Entscheidung dafür ist nämlich doch ganz spontan gefallen und direkt wieder von mir in Frage gestellt worden…

Trotzdem bin ich froh, es einmal ausprobiert zu haben. Jetzt kann ich sagen: „Da bin ich auch drüber gesprungen.“ Wenngleich sich die folgenden Besuche im Funpark eher auf kleine Sprünge und Obstacles beschränken werden.

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