Hohe Kunst: Pistenpläne zeichnen

14. März 2018 - Carla Meyer

Sie zeigen uns, welcher Lift zu welcher Piste führt. Sie leiten uns zur nächsten Alm. Sie führen uns sicher durchs Skigebiet. – Pistenpläne. Hinter den leicht verständlichen Panoramakarten, auf die kein Skifahrer verzichten kann, stehen Monate von akribischer Arbeit. SnowTrex zeigt, welche Schritte seitens der Pistenplan-Zeichner notwendig sind, um solch ein Kunstwerk zu erstellen.

Heinz Vielkind beim Zeichnen einer Panoramakarte.

Der österreichische Maler Heinz Vielkind ist wohl der bekannteste Pistenplan-Zeichner, den die Skigebietsbetreiber dieser Welt kennen. Seit mittlerweile 62 Jahren zeichnet der 79 Jahre alte Künstler Pistenpläne und andere Arten von Panoramakarten. Seine Fußstapfen sind groß und gelten für den künstlerischen Nachwuchs als Herausforderung. Was für alle Künstler dieses Metiers aber ganz sicher keine Herausforderung darstellt, ist unsere zunehmend digitalisierte Welt. Wer nämlich denkt, dass die Arbeit der Panoramakarten-Zeichner bald durch „Maschinen“ ersetzt wird, der irrt sich. Die Karten sind alles andere als pures Abzeichnen.

Am Anfang steht die Recherche

Ersetzen können digitale Errungenschaften à la Google Earth, GPS und Navis die Arbeit der Pistenplan-Maler nicht. Für die anfängliche Recherche sind sie aber durchaus hilfreich. Sie zeigen dem Künstler, wie die Wirklichkeit aussieht, also wo Berggipfel sind, sich Schluchten und Täler befinden, Bergstationen stehen, welche Entfernung zwischen zwei Punkten liegt etc. Darüber hinaus ist auch ein Flug über die entsprechende Region unausweichlich, um alles durch Fotos zu erfassen – idealweise sogar zu verschiedenen Jahreszeiten.

Die Abbildung der Wirklichkeit hilft dem Künstler, das abzubildende Panorama zu erfassen, ist aber zugleich ein Knackpunkt seiner künstlerischen Arbeit. Denn durch die schlichte Abbildung der Wirklichkeit würden sich Skifahrer verirren. Die hohe Kunst der Pistenplan-Zeichner besteht im weiteren Schritt genau darin, die Wirklichkeit so zu verändern, dass die Karte ihren Zweck erfüllt: Wintersportler sicher ans Ziel führen.

Heinz Vielkind mit einem seiner Kunstwerke.

Die Wirklichkeit verändern

Eine maßstabsgetreue Zeichnung eines Panoramas würde Wintersportler nicht immer erkennen lassen, ob sie an einer Pistenkreuzung nach links oder nach rechts müssen. Der Pistenplan-Zeichner steht also vor der schwierigen Aufgabe, die Landschaft so zu vergrößern und in gewisser Weise auseinander zu ziehen, dass die Betrachter das Panorama so sehen, wie sie es zur Orientierung benötigen. Dafür skizziert er im Studio zunächst mit Blei- und Buntstift, um im Nachgang das Panorama mit Temperafarben zu malen. Abschließend vergrößert er die Bilder. Die Tourismusverbände fügen erst zu einem späteren Zeitpunkt Pisten, Lifte und Hütten hinzu, um den Plan schließlich im handlichen Format auf der Rückseite des Skipasses oder im Großformat für Schilder im Skigebiet zu auszudrucken.

Die Auftraggeber zufrieden stellen

Die Wirklichkeit wird von den Pistenplan-Zeichnern nicht etwa nur verändert, um den Betrachtern genügend Orientierung zu gewährleisten. Eine große Rolle bei der Gestaltung der Panoramakarten spielen auch die Belange der Auftraggeber. Ihr Interesse, die Region so schön und einzigartig wie möglich dazustellen, ist in der Regel sehr hoch. Dafür wird dann beispielsweise nicht nur der Himmel im fantastischsten blau gemalt, sondern auch mal ein Berg so gedreht, dass seine schönste Seite auf dem Plan erscheint. Schließlich soll der Pistenplan Lust machen, in der Region – und nur in dieser Region – Skifahren oder Snowboarden zu gehen.

 

Der eine oder andere Skifahrer wird nun sicher beim nächsten Blick auf einen Pistenplan die Arbeit zu schätzen wissen, die hinter diesem wahren Kunstwerk steckt. Dass es keine einfache Blaupause ist, spiegelt sich auch im Preis für ein Bild wieder. Das Ganze startet bei 2.000 Euro und kann hoch gehen auf bis zu 25.000 Euro. Dafür dauert die Erstellung aber, wie man sich nun gut vorstellen kann, auch meistens mehrere Monate. Eine Arbeit, die die Künstler erfüllt. So auch Heinz Vielkind. Er möchte solange weiter machen, wie es ihm möglich ist.

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