Eco-Trend: Interview mit Picture Country Manager Sebastien Dumarest

24. März 2015 - Katharina Teudt

Die französische Marke Picture Organic Clothing ist mit ihrer nachhaltigen Skibekleidung auf dem Vormarsch. Sebastien Dumarest ist Country Manager bei Picture und kümmert sich um die Präsenz der Marke in Deutschland. Er ist von Anfang an dabei und weiß genau, was die nachhaltige Firmenphilosophie ausmacht.

Sebastien Dumarest trägt Picture.

Lieber Sebastien, seit der Gründung 2008 hat sich das Unternehmen und die Marke Picture Organic Clothing stark entwickelt. Was genau ist euer Erfolgsrezept? Wintersportmode aus Recycling-Materialen zu erschwinglichen Preisen – das ist einzigartig. Picture ist primär eine Umweltmarke, sekundär eine Ski-, Snowboard- und Outdoormarke für die jüngere Zielgruppe. Daher ist auch der modische Aspekt sehr wichtig. Der Kunde schaut primär auf den Style und den Preis, die technischen und ökologischen Aspekte sind für ihn nur das i-Tüpfelchen. Für uns ist die Nachhaltigkeit aber das A und O.

Woher kennen sich eigentlich die drei Firmengründer Vincent André, Jérémy Rochette und Julien Durant? Vincent, Jérémy und Julien sind schon zusammen zur Schule gegangen. Sie hatten von Anfang an einen gemeinsamen Traum. Inspiriert von der Philosophie der nachhaltigen Outdoormarke Patagonia sagten sie sich: Wir sind jung, wir haben nichts zu verlieren, lass uns unsere eigene grüne Marke kreieren. Nachdem die drei erst in verschiedenen Bereichen gearbeitet hatten, gründeten sie schließlich 2008 die Marke Picture.

Wie kamen die Jungs auf den Markennamen „Picture“? Es gibt einen Snowboardfilm aus dem Jahre 2007, der „Picture this“ heißt. Dieser hat die Jungs beeindruckt und so war der Markenname schnell geboren, wie ich finde ein sehr eingängiger und positiv besetzter Name.

Die Gründer präsentieren ihre Kollektion selbst – Ehrensache! (v. l.: Julien, Jérémy, Vincent)

Wer ist der kreative Kopf bei Picture? Jérémy war früher Architekt, nun designt er die Picture-Styles. Seine berufliche Herkunft ist unschwer in den geometrischen Formen, klaren Linien und klassischem Colorblocking der Designs erkennbar. Betont werden sie durch starke, freche Farben. Mit der so gestalteten Core-Linie „Friends“ sind wir bekannt geworden. Dazu kommt die technische Linie „Expedition“ für Outdoorsport und die modische Linie „Adventure“ als Mode aus den Bergen für die Stadt.

Wo und wie werden die Picture-Modelle produziert? Wir produzieren hauptsächlich in der Türkei, Indien und China. Für unsere Produktion von Stoffen aus Polyester z. B. recyceln wir alte Plastikflaschen (PET). Diese werden in Taiwan, dem Weltmarktführer für Recycling-Prozesse, zu Polyester verarbeitet. Das ist rund 50 Prozent günstiger als in Europa. Verarbeitet werden die Teile schließlich in China, da dort die technischen Mittel ausgereifter sind. Nur so können wir unsere Produkte mit Eco-Anspruch zu einem vergleichsweise günstigen Preis anbieten.

Picture heimste schon einige ISPO-Awards ein.

Der Nachhaltigkeitsaspekt geht euch wirklich über alles, ist das Teil einer ganz neuen Philosophie? Genau. Julien und Jérémy wollten von Anfang an eine grüne Marke aufbauen. Unser Fokus liegt auf einem absolut grünen Produkt, das in Sachen modischen Styles und Verkaufspreis mit anderen Sportmarken mithalten kann. Dafür machen wir kein großes Lifestyle-Marketing. Unser Marketing sind unsere Produkte und unsere Botschaft – und das funktioniert.

Ihr vermarktet euch ohne Marketing? Bislang wachsen wir jedes Jahr stetig und sind damit sehr zufrieden. Wir sind inzwischen in fast ganz Europa, USA, Kanada und Teilen Asiens vertreten. In den USA haben wir in zwei Jahren rund 100 Händler gewonnen. Wir möchten gesund wachsen und lieber in unsere nachhaltige Entwicklung als in großes Marketing investieren.

Picture-Stand auf der ISPO

Ihr garantiert, dass eure Stoffe zu 100 Prozent aus GOTS-zertifizierter Bio-Baumwolle hergestellt sind. Wie und wo prüft ihr das nach? Die GOTS (Global Organic Textile Standard) ist die anspruchsvollste Zertifizierung für textile, ökologisch hergestellte Rohstoffe. GOTS überprüft unseren Produktionsstandort in der Türkei und die dortigen Arbeitsbedingungen und zertifiziert uns, dass unsere Baumwolle dort fair und ökologisch, das heißt ohne Verwendung von genmanipuliertem Saatgut, Pestiziden oder anderen Chemikalien wie Blei oder Chlor hergestellt wird.

Sind die chemisch behandelten Funktionsstoffe denn auch recycelbar? Oh ja, wir haben die weltweit erste umweltfreundliche und recycelbare Membran aus Polyester entwickelt. Durch ihre Eigenschaften verliert die Membran zwar ein klein wenig an Wasserdichte, aber das nehmen wir gerne in Kauf, solange sie dafür abbaubar ist. Wir haben uns vorgenommen, dass bis 2020 alle Bestandteile unserer Bekleidung komplett recycelbar sind.

Picture produzierte 2014 mit dem Modell Hubber erstmals einen Bio-Skihelm. Ist das Ziel von Picture, von der reinen Bekleidung zum Gesamtanbieter zu expandieren? Wir experimentieren gerne in anderen Segmenten, so wie auch schon mit dem recycelbaren Rucksack Rethink-Bag. Bei dem Eco-Helm haben wir das Angebot des Helmherstellers Kali genutzt, um auszuprobieren, was möglich ist und weil es gut zu unserer Markenphilosophie passt. Der Helm Hubber besteht aus einem Maisstärke-Polymer und recycelten Materialien, wie z. B. aus alten Armaturenbrettern von Autos. Der Helm war ein voller Erfolg. Mit dem aktuellen Hubber-Modell haben wir sogar den Eco Achievement Award der ISPO gewonnen. Das freut uns natürlich sehr, unseren Fokus legen wir aber nach wie vor auf die Bekleidung.

Innovativ: Der Rethink-Bag kann in kleine Taschen zerschnitten werden.

Funktionsstoffe aus Kork und Bekleidung fast ohne Nähte – erzähl uns mehr über die Picture-Highlights? Wir forschen gerne mit alternativen Rohstoffen. Schon vor zwei Jahren haben wir Mützen aus Kork gemacht. Letztes Jahr haben wir es sogar geschafft, eine Jacke aus Kork herzustellen. Da ist aber noch viel Entwicklungsbedarf notwendig, weil das Material schnell Falten schlägt und brüchig wird. Unser aktuelles Highlight ist die ENO-Jacke mit minimalen Nähten. Sie besteht fast nur aus einer einzigen Bahn Stoff. An bewegungsintensiven Stellen wie der Schulterpartie wurde eine besondere Web-Art benutzt, so dass auch ohne Naht genügend Bewegungsfreiheit gewährleistet ist. So ist das Modell besonders atmungsaktiv und insgesamt haltbarer. Dabei haben wir immer das Ziel vor Augen: höchste Innovation und eine nachhaltige Produktion!

Lieber Sebastien, wir danken Dir für das aufschlussreiche Gespräch!

Zum Thema: Grüne Mode auf weißer Piste – der Eco-Trend in der Wintersportbekleidung

Print Friendly and PDF
Davos – Skigebiet Davos Klosters

Heilklimatischer Kurort, höchste Stadt Europas, „Zauberberg“ – Davos ist ...

Saisonfinale: Hier lohnt sich Skifahren im April

Lange Tage, milde Temperaturen, viel Sonne – in den Alpen herrscht Frühling. Und ...