Phänomen Skihalle – Skifahren 365 Tage im Jahr

3. April 2013 - SnowTrex

Was früher als undenkbar galt und in den Anfängen von allen Seiten belächelt wurde, hat sich im Laufe der letzten Jahre als fester Bestandteil der Wintersportwelt entwickelt – die Skihalle.

Mittlerweile gibt es in Deutschland fünf Skihallen, die sich, räumlich gesehen, alle im nördlichen Teil Deutschlands befinden. Mit der Jever Skihalle in Neuss und dem Alpine Center in Bottrop liegen gleich zwei davon in Westdeutschland. Nimmt man die Skihalle Landgraaf in Holland nahe bei Aachen hinzu, hat man die Auswahl zwischen drei Hallen in naher Umgebung. Grundsätzlich haben die verschiedenen Hallen Einiges gemein. Es handelt sich in der Regel um sehr große, meist schlauchartig gebaute, überdachte Räume. Damit der Platz für Liftanlagen etc. genutzt werden kann, werden solche Gebäude meist ohne aufwendige Stützkonstruktionen gebaut. Um einen künstlichen Berg zu erzeugen, hat der Boden ein Gefälle zwischen 10 und 35°. Mit Hilfe von Klimaanlagen liegt die Temperatur dauerhaft zwischen 2-5°C, so dass Kunstschnee zu jeder Zeit hergestellt werden kann. Dadurch ist Wintersport unabhängig von Jahreszeit und Wetter. Das Angebot der Skihallen geht jedoch weit über das pure Skifahrvergnügen hinaus. Die Standorte in Deutschland sind förmliche Fun- und Erlebnisparks, in denen man vom Kindergeburtstag bis zum Firmenevent alles buchen kann.

Die Skihalle in Neuss bietet eine schön breite Abfahrt.

Die erste Skihalle Deutschlands entstand 2001 in Neuss. Auf einer 300m langen Piste werden über einen Sessellift, Schlepplifte und Förderbänder Groß und Klein auf den „Berg“ gebracht. Die Kapazität dieser Lifte liegt bei etwa 5.000 Gästen pro Stunde. In vielen verschiedenen Kursen kann man sein Können verbessern oder im Funpark die ersten Erfahrungen sammeln. Wer noch keine Ausrüstung besitzt, hat die Möglichkeit sich das komplette Material (Ski und Stöcke, Skischuhe und Kleidung) auszuleihen, zu testen und ggfs. anschließend im Shop zu kaufen. Fachkundiges Personal sucht für jede Bedürfnisse das Passende heraus. Wer beim Skifahren noch nicht alle Energie verbraucht hat, kann die Rodelbahn, die Outdoorkletterwand oder Europas größten freistehenden Hochseilgarten nutzen, um sich aus zu toben. Sollten die Kräfte doch einmal schwinden, laden im Anschluss verschiedene Restaurants mit alpenländlicher Küche zum Verweilen ein. Bei einer typischen Après Ski Party kann man seinen Skitag ordnungsgemäß ausklingen lassen. Der Deutsche Skilehrerverband nutzt die Halle für seine Ausbildungslehrgänge. Die zahlreichen Tagungsräume sind für Schulungen etc. jeglicher Art bei Unternehmen sehr beliebt.

Die Skihalle Bottrop von oben.

Die längste Indoor-Piste der Welt befindet sich in der Skihalle in Bottrop. Die 640m lange Piste des Alpincenter Bottrop bietet genug Abwechslung um den unterschiedlichsten Bedürfnissen gerecht zu werden – vom Anfänger bis Fortgeschrittenen. Neben einem Anfängerhang, werden Fortgeschrittene auf der Abfahrt mit 24% Gefälle gefordert. Freestyle-Fans kommen im Funpark voll auf ihre Kosten und können die neusten Sprünge testen. Materialverleih und Skischule runden das Angebot ab. Wer noch mehr Abwechslung sucht, kann sich im Hochseilgarten, auf der Sommerrodelbahn, beim Paintball oder im einzigen Indoor Skidiving Windkanal Deutschlands austoben. Der eigene Biergarten lädt im Anschluss zur Entspannung ein.

Die nahe bei Aachen gelegene SnowWorld in Landgraaf ist das größte Indoor-Wintersportgebiet der Welt. Auf fünf verschiedenen Pisten ist Spaß vorprogrammiert. Auf der 500 m langen offiziellen FIS- Rennstrecke kommen selbst anspruchsvolle Fahrer auf ihre Kosten. Außerdem ist die SnowWorld damit die einzige Skihalle, die FIS World-Cup rennen organisieren darf. Die Mattherhorn-Piste ermöglicht mit einer Länge von 520 m die längste Abfahrt der Skihalle. Wie in den Schweizer Bergen üblich befindet sich auf halber Strecke eine urige Graubündner Hütte, die zum Einkehren einlädt. Im größten, neu gestalteten Indoor-Funpark weltweit ist viel Platz zum Ausprobieren neuer Sprünge und Stunts. Direkt an die Skihalle angegliedert befindet sich, ähnlich wie in Neuss, ein großer Outdoorpark. Hier sollen im Hochseilgarten, auf dem Adventure Trail und der Zip Line oder im Alpine Coaster, der mit einer Geschwindigkeit von 42 km/Std. ins Tal fährt, alle Wünsche abseits der Skipiste erfüllt werden.

Aus eigener Erfahrung lohnt sich der Besuch einer Skihalle in jedem Fall. Für Anfänger ist es eine gute Möglichkeit erste Erfahrungen im „Schnee“ zu sammeln und zumindest ansatzweise ein Gefühl dafür zu bekommen, was Wintersport in den Bergen zu bieten hat. Fortgeschrittene können neue Ski vor dem Kauf testen, sich auf die Wintersaison einstimmen oder einfach die „schneefreie“ Zeit des Jahres überbrücken. Die Atmosphäre in einer Skihalle wird jedoch immer künstlich erzeugt und das Angebot an Pisten ist begrenzt. Pulverschnee, angenehm kalte Temperaturen und Sonnenschein kann man nicht auf Knopfdruck herstellen. Daher kann der Besuch in der Skihalle eine Skireise in die Berge keinesfalls ersetzen. Denn Skifahren ist mehr als nur die Piste herunter zu fahren und Après ski. Es ist ein einmaliges Naturerlebnis über glitzernde, tief verschneite Berge und Täler zu schauen und mit dem Geruch von Schnee in der Nase die Pisten hinunter zu fahren. Diese Erfahrungen und schönen Erinnerungen kann man in einer Skihalle nicht sammeln.

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