Die Leidenschaft zum Beruf gemacht: Interview mit Nicola Thost

10. Dezember 2013 - Nina Vogt

Die Olympischen Spiele 2014 stehen bevor. Anfang Februar ist es soweit: Dann trifft sich die Elite des Wintersports in Russland und der Kampf um die Medaillen beginnt. Wir haben mit einer gesprochen, die diesen Kampf schon einmal gewonnen hat. 1998 war unsere Trexpertin Nicola Thost sogar die erste Olympiasiegerin in der Halfpipe überhaupt. Heute konzentriert sie sich vor allem darauf, dass ihr junge Talente nachfolgen. Mit ihrem Projekt „Sprungbrett“ und weiteren Engagements fördert sie den Nachwuchs der Boarderszene.

Über Vergangenheit und Zukunft sprach Nicola Thost (36) mit uns im Interview:

Nicola, mit dem Slopestyle wird im kommenden Jahr die nächste Snowboard-Disziplin olympisch. Da denkt man automatisch in der Geschichte zurück – und stößt natürlich auf deinen Sieg von 1998, dem Jahr, in dem das Snowboarden olympisch wurde. Erzähl uns doch noch einmal, was das damals für ein Gefühl war… Ich habe das damals gar nicht so recht realisiert. Das Gefühl, auf dem Podest zu stehen, die Medaille um den Hals, die Fahne gehisst, die Nationalhymne wurde gespielt, alle Kameras auf mein Gesicht gerichtet , wie ich es auch nur aus dem Fernsehen kannte… Das war ein spezieller Moment, für mich eine riesige Erleichterung damals. Erst in den Wochen und Monaten danach wurde mir klar, was dieser Sieg bedeutet. Olympisches Gold – das bleibt für immer und es ist ein Erfolg, der auf der ganzen Welt Bedeutung hat.

Nicola in Action. © Matthias Fend

Wie siehst du die Chancen deiner Nachfolger aus Deutschland bei den Spielen in Sotschi? Und welche Athleten siehst du – gerade in deiner Disziplin, der Halfpipe – vorne? Eine Olympiaqualifikation sieht für die Freestyler aus Deutschland sowohl in der Halfpipe als auch im Slopestyle leider eher schlecht aus. Wir haben tolle Nachwuchsfahrer, die aber noch ein paar Jahre Zeit brauchen. Ich denke, dass auch diesmal wieder die Amerikaner weit vorn sein werden, hätte aber auch nichts gegen Überraschungssieger aus anderen Nationen. Es wird sicher spannend.

Was würdest du den Sportlern heute für die Vorbereitung auf den Wettbewerb raten? Hast du dich damals speziell vorbereitet oder war es ein Wettbewerb wie jeder andere für dich? Das Wichtigste ist, sich in der Vorbereitung nicht verrückt machen zu lassen und vor allem gesund zu bleiben. Die mediale Aufmerksamkeit und auch die eigene Erwartungshaltung sind riesig. Um zu gewinnen gehört aber so viel mehr dazu: Da muss einfach alles passen – auch Dinge, die man nicht selbst in der Hand hat. Da kann ein gesundes „Wettkampf wie jeder andere“- Gefühl in der Vorbereitung glaube ich ganz hilfreich sein.

Heute kümmerst du dich vor allem um die junge Generation. Bereits seit 2009 gibt es dein Nachwuchs-Projekt „Sprungbrett“. Warum liegt dir die Förderung junger Talente so sehr am Herzen? Ich selbst konnte durch das Snowboarden meine Träume verwirklichen. Es macht mir Freude, der nächsten Generation und auch dem Sport, der mir so viel gegeben hat, etwas weiterzugeben. Mit „Sprungbrett“ kann ich begeisterte Rookies dabei unterstützen, ihren eigenen Weg im Snowboarden zu finden und zu gehen. Ich mag das Snowboarden einfach und die Art Lebensschule, die der Sport und alles drumherum mit sich bringt.

Beim „Sprungbrett“-Coaching © Flo Jäger

Was hat sich im Vergleich zu deiner Jugend heute in der Nachwuchsförderung getan? Was hättest du dir vielleicht damals gewünscht? Es hat sich einiges getan in der Verbandsarbeit, auch wenn es in einem Land, das die Berge nicht unmittelbar vor der Türe hat, nicht einfach ist, einen flächendeckenden Support zu bieten. Ich selbst war ohne Trainer oder Verein unterwegs, dafür mit meinen Freunden und Kollegen. Ich kannte es nicht anders und habe daher auch nichts vermisst. Bis auf einen Physiotherapeuten, das wäre toll gewesen.

Du arbeitest mit sehr jungen Talenten zusammen – zwischen 6 und 15 Jahren. So eine Rasselbande kann doch manchmal sicher nur schwer zu „zähmen“ sein, oder? Es ist schon eine Herausforderung, diese breite Altersklasse unter einen Hut zu bekommen. Ich habe ein großartiges Team mit Coaches, Pros, Fotografen und Filmern mit dabei und gerade die Mischung macht’s. Zudem verbringen wir mit den Kids einen Tag mit etwas, was ihnen Spaß macht. Sie wissen, dass der Tag umso schöner wird, wenn sie sich auf das einlassen, was die Nicola für sie geplant hat.

Ist es für dich möglich, die Talente auch über das Projekt hinaus zu begleiten? Bei fast 5 Jahren sind da ja sicher mittlerweile viele zusammengekommen. Viele der Rookies sind bei mehreren Stops auch über ein paar Jahre mit dabei. Da hat man natürlich einen speziellen Kontakt – auch zu den Eltern. „Sprungbrett“ bietet viele Möglichkeiten, wie man auch über die Events hinaus profitieren kann. Ich unterstütze immer wieder gerne, wenn ich sehe, dass Eigenengagement da ist und die Kids sich auch wirklich weiterentwickeln wollen.

Du bereitest die Kids unter anderem auf das Leben als Snowboard-Profi vor. Wie habe ich als Hobbysportler mir dieses Leben eigentlich vorzustellen? Welche Herausforderungen hast du selbst damals als die größten empfunden? Als Profisportler ist jeder seines Glückes Schmied. Natürlich können Eltern, Trainer, Teams und Sponsoren maßgeblich unterstützen, aber die Motivation muss von dir selbst kommen. Die größte Herausforderung ist es, Rückschläge und Verletzungen zu überwinden, sich immer wieder neue Ziele zu setzen und an sich selbst zu glauben.

Nicola Thost © Mike Marte

Sprungbrett“ ist nicht das einzige Nachwuchsförderungsprojekt, das du begleitest. Welche Projekte betreust du außerdem noch? Und was geben dir diese Engagements? Kannst du vielleicht von den „Kleinen“ auch selbst noch etwas lernen? Ich organisiere seit vielen Jahren auch Girls Snowboard Camps und über den Winter ergeben sich immer wieder einzelne Projekte und Events, bei denen ich mitwirke. Wie auch bei meiner eigenen Profikarriere hat sich mein heutiger Beruf aus meiner Leidenschaft entwickelt. Damals wollte ich selbst herausfinden, wie gut ich werden kann. Heute darf ich andere Menschen dabei unterstützen, ihr eigenes Potential zu entdecken, ihre Ziele zu erreichen und Träume zu leben. Von den „Kleinen“ können wir alle noch was lernen. Sie sind der direkte Spiegel für unsere eigenen Schwächen.

Wie oft stehst du eigentlich heute selbst noch auf dem Brett? Kannst du unseren SnowTrex-Kunden vielleicht einige Tipps mit auf den Weg geben, in welchen Skigebieten du dich am liebsten austobst? Oh ja, ich bin heute wohl mehr auf dem Brett als zu meiner aktiven Wettkampfzeit. Meine Winter-Destinationen orientieren sich dabei natürlich an meinen Events, daher bin ich hauptsächlich in Österreich unterwegs. Das Kleinwalsertal, die Region um Leogang und Westendorf, aber auch das Montafon und Damüls sind meine Lieblingsregionen. Ich bin überall gerne. Wenn’s Neuschnee hat und die Sonne scheint – umso besser.

Lust bekommen, Nicola zu treffen und vor allem auch von ihr zu lernen? Dann jetzt noch bis zum 13. auf unserer Facebook Fanpage vorbeischauen und bei unserem Gewinnspiel mitmachen! Wir verlosen ein Snowboard-Coaching mit Nicola!

Viel Glück!

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