„Ich habe gelernt, nicht an Medaillen zu denken“: Felix Neureuther im Interview

19. November 2013 - Nina Vogt

Mit dem Weltcup-Rennen in Sölden Ende Oktober ist die Ski-Elite  in die aktuelle Wintersaison gestartet. Auch unser Trexperte Felix Neureuther. Dabei musste der 29-jährige Garmisch-Partenkirchener im Sommer lange um seinen Einsatz zittern. Aus der ursprünglich vorgesehenen zwei- bis dreiwöchigen Pause nach einer Knöchel-OP im Juni war ein langwieriger Heilungsprozess geworden. Doch Neureuther hatte Glück: Im September konnte er schließlich doch ins Training einsteigen. Was ihm im Laufe des Heilungsprozesses durch den Kopf ging, welche Erwartungen er an die kommende Saison hat und warum er gemeinsam mit seiner Mutter Werbung macht, das erzählt er im Interview mit SnowTrex.

Die Saisonvorbereitung ist für dich dieses Jahr nach deiner Knöchel-OP alles andere als optimal gelaufen. Wie hält man die Hoffnung aufrecht, rechtzeitig fit zu werden, wenn sich ein Heilungsprozess derart verzögert? Ich bin ja ein Rennläufer, der schon einige Jahre unterwegs ist. Ich weiß von vielen älteren Rennkollegen, dass man „im Alter“ nicht mehr so viel Training braucht. Schlimmer wäre so eine Verletzung für einen Nachwuchsfahrer, der seine Technik noch verfeinern muss. Ich hatte aber auch immer wieder Phasen, in denen ich echt deprimiert war, weil die Wunde sich einfach nicht schließen wollte. Zudem gab es auch im ärztlichen Umfeld Prognosen, die von einem Totalausfall sprachen. Gott sei Dank habe ich dann aber doch einen Arzt gefunden, Dr. Riccardo Giunta, der die Wunde schließen konnte.

Obwohl du erst im September wieder ins Schneetraining eingestiegen bist, lagst du im ersten Rennen der Saison in Sölden nach dem ersten Durchgang gleich auf Platz 7. Lässt dich das – trotz des unglücklichen Ausscheidens im zweiten Lauf – auf eine gute Saison hoffen? Der erste Durchgang war ok. Im zweiten hatte ich mich viel besser gefühlt. Mein Servicemann hatte die Platte gewechselt. Leider passierte dann das Missgeschick. Ich nehme aber viel positive Energie aus diesem Rennen mit.

Welche Ziele hast du dir für diese Saison gesteckt? Ich habe gelernt, nicht zu sehr an Medaillen oder Siege zu denken. Da verkrampft man leicht. Ich will nur bei jedem Rennen mein Potenzial abrufen. Dann sehe ich, was rauskommt. Alles andere wäre belastend.

Wer könnte dir deiner Meinung nach in dieser Saison die größten Steine in den Weg legen? Dein Kollege Ted Ligety hat in Sölden ja zum Beispiel direkt wieder das Feld absolut dominiert. Es gibt so viele außergewöhnliche Fahrer. Die Weltspitze ist sehr, sehr eng. Im Riesenslalom sind sicher Ted Ligety, Marcel Hirscher und Alexis Pinturault und im Slalom Marcel Hirscher und Alexis Pinturault die dicksten Brocken.

Wie schätzt du das deutsche Team in diesem Winter ein? Wir sind ein sehr starkes Team geworden. Die Jungen drängen nach, das ist ein gutes Gefühl. Fritz Dopfer ist stark, Stefan Luitz braucht nach seiner Kreuzbandverletzung noch Zeit, aber in Sölden war er schon wieder richtig stark Ich glaube im Abfahrtsteam wird uns Peppi Ferstl viel Freude machen.

In dieser Saison gilt es ja nicht nur, sich auf den Weltcup zu konzentrieren, sondern auch auf die Olympischen Spiele im Februar. Wie stellt man sich auf eine solche Doppelbelastung ein? Einfach nur von Rennen zu Rennen denken. In einer Skisaison, bei dem komplexen Sport kann so viel passieren, da kann man schwer planen und muss sich immer nach den momentanen Gegebenheiten richten. Man weiß ja nie, ob es davor gut oder schlecht läuft. In Sotschi ist dann sowieso alles anders.

Was erwartest du dir von Sotschi, also Russland, als Austragungsort/Gastgeberland? Ich erwarte perfekte Wettkampfstätten. Alles andere muss und werde ich ausblenden.

Kurz nach dem Weltcup-Finale im kommenden Jahr wirst du 30 Jahre alt. Ist man damit als Skirennfahrer im besten Alter oder zählst du dich eher schon zu den alten Eisen? Meine Planung geht bis zu einem Alter von 36 Jahren. Also befinde ich mich im besten Korridor.

Seit kurzem können wir dich im Fernsehen in einem Werbespot gemeinsam mit deiner Mutter sehen. Hat man es als Sohn eigentlich schwerer, die Eltern stolz zu machen, wenn diese selbst so erfolgreiche Sportler waren wie in deinem Fall? Diese Kampagne ist von mir mit Herzen ausgewählt worden. Ich finde sie einzigartig. Es geht doch nicht darum, jemanden stolz zu machen – erst recht nicht meine Eltern. Ich möchte damit nur ausdrücken, dass ich meinen Eltern dankbar bin, für das, was sie meiner Schwester und mir ermöglicht haben.

Zu guter letzt möchten wir dich noch um einen Tipp für unsere SnowTrex-Kunden bitten: Als Profisportler kennst du die berühmtesten Abfahrten der Welt. Erst vor kurzem haben wir die berüchtigten Weltcup-Abfahrten in unserem Magazin thematisiert. Welche muss man deiner Meinung nach als Hobbysportler auf jeden Fall einmal gefahren sein? Streif, Lauberhorn und natürlich die Kandahar hier in Garmisch-Partenkirchen.

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