Häufige Ski-Irrtümer – hätten Sie’s gewusst?

17. März 2015 - Katharina Teudt

Skisport ist gefährlich, Skifahren ist nichts für Senioren und lernen geht auch im Do-it-yourself-Kurs – rund ums Skifahren kursieren viele Halbwahrheiten. Es wird Zeit, mit diesen „Weisheiten“ aufzuräumen.

Kinder lernen am besten in der Skischule.

Skifahren können Eltern ihren Kindern selbst beibringen. Es ist naheliegend, das eigene Kind bei den ersten Rutschversuchen am Übungshang zu begleiten, um es an das neue Fahrgefühl zu gewöhnen. Bei den ersten Gehversuchen auf Skiern können Mutter oder Vater ihren Kindern am besten die Angst nehmen, doch das ersetzt nicht den professionellen Skikurs. In zertifizierten Skischulen sind Profis am Werk, die Tricks und Kniffe kennen, so dass sie mit Abwechslung, Spiel und Spaß die Aufmerksamkeit der Kinder fördern und den Lerneffekt erhöhen. Skischulen bieten überdies optimales Trainingsterrain mit Ski-Kindergärten und Seilliften an. Der Lerneffekt einer Profi-Anleitung gilt natürlich auch für ältere „Skischüler“.

Die Bindung kann jeder selbst einstellen, Hauptsache der Schuh sitzt fest. Fast jeder fünfte Skiunfall ist auf fehlerhafte Ausrüstung zurückzuführen – ein Großteil von ihnen ließe sich mit einer korrekt eingestellten Bindung vermeiden. Skibindung sollten niemals im „Do-it-yourself“-Verfahren eingestellt werden, denn für die optimale Einstellung spielen mehrere Faktoren zusammen: Körpergröße, Gewicht, Kniedurchmesser, skifahrerisches Können, Alter und die Sohlenlänge der Skischuhe. Diese Werte sollten im Sportfachhandel nachgemessen und die Skibindung darauf eingestellt werden. Damit fällt auch der spontane Skiwechsel flach. So gern Sie den Ski des Freundes einmal selbst testen möchten – von einem spontanen Skitausch auf der Piste sollten Sie absehen.

Skifahren ist nichts für alte Menschen. Keineswegs! Skifahren geht grundsätzlich in jedem Alter. Wer Skifahren will, sollte lediglich fit sein und seine Technik den eigenen Fähigkeiten anpassen. In der zweiten Lebenshälfte schrumpft die Muskelmasse, die Ausdauerleistung sinkt und auch die Gleichgewichtsfähigkeit sowie das Reaktionsvermögen nehmen ab. Die Skitechnik muss daher immer dem Alter angepasst werden. Dank Carving-Ski mit Rocker-Technologie ist einfaches und kraftsparendes Skifahren möglich. Viele Skigebiete und Skischulen haben sich auf die Bedürfnisse von Best Agern eingestellt. Vergünstigte Senioren-Tarife am Lift und spezielle Skikurse helfen selbst kompletten Neulingen der Generation 50+ in wenigen Tagen zur ersten sicheren Abfahrt.

Gegen ein, zwei Bier am Schirm ist nichts einzuwenden. Alkoholgenuss im Skiurlaub sollte grundsätzlich ins Tal verlagert werden. Bekanntermaßen schränkt Alkohol im Blut die Koordinationsfähigkeit ein und sorgt für Wahrnehmungsprobleme. Skifahren verlangt dem Körper aber genau das ab: Viele Teilbewegungen müssen gleichzeitig durchgeführt, das Gleichgewicht gehalten und auf die anderen Abfahrer geachtet werden. Betrunkene Skifahrer gefährden nicht nur sich selbst, sondern auch die anderen Wintersportler. Hinzu kommt, dass die Pisten am späten Nachmittag und gerade im Frühjahr oft sulzig und tief sind. Umso mehr Geschick, Muskelkraft und Konzentration sind gefragt.

Die zehn Jahre alten Skischuhe funktionieren noch sehr gut. Die altbewährten Skischuhe sind angenehm zu tragen und haben sich bewährt. Warum also neue kaufen? Bequemlichkeit ist nicht alles und kann gefährlich werden. Das Material verliert mit der Zeit Formflüssigkeit, Weichmacher dünsten aus und die Schale wird spröde und brüchig. Der feste Halt und die Kraftübertragung lassen nach. Auch die Sohle und damit die Anschlussstücke zwischen Skischuh und Bindung nutzen sich über die Jahre ab. Sicheres Skifahren ist nicht mehr gewährleistet. Skischuhe, die 10 Jahre oder älter sind, sollten also schleunigst ausgetauscht werden.

Kürzere Skier kosten weniger Kraft und sind leichter zu fahren. Ein kurzer Ski hat zwar einen geringeren Drehwiderstand, muss dafür aber mit viel Kraft auf der Kante gefahren werden. Also braucht der Fahrer eines kürzeren Skis mehr Kraft, um die Fahrlinie in der Kurve muskulär zu halten. Das bedeutet zwar weniger Kraft für die Kurveneinleitung, aber insgesamt mehr Arbeit für die Muskeln. Da geht ein Skitag schnell mal in die Beine. Dank der Rocker-Konstruktionen können viele Modelle generell wieder länger gefahren werden, daher empfehlen sich längere Skier, da sie gutmütiger, fehlerverzeihend und kraftsparender zu fahren sind.

Kunstschnee ist hart und gefährlich. Im Prinzip sind Naturschnee und „technischer Schnee“ nichts anderes als gefrorenes Wasser. Der Unterschied ist, dass natürlicher Schnee von den Wolken bis zur Erde einen deutlich längeren Weg zurücklegt. Die Schneekristalle, die durch den Kontakt mit feinsten Luftpartikeln entstehen, bilden sich besser aus. Da dies bei künstlich hergestelltem Schnee nicht der Fall ist, hat dieser immer eine andere Konsistenz. In der Regel produzieren Schneekanonen feinen, dichten Schnee. Doch auch technischer Schnee kann recht pulvrig sein, wenn die äußeren Bedingungen es zulassen: Je kälter die Temperatur bei der Herstellung ist, desto stärker bilden sich die Kristalle aus – weicher Pulverschnee entsteht. Für den Skisportler ist so zumindest in den ersten Stunden des Skitags kaum ein Unterschied zu bemerken.

Von spotanem Skitausch ist abzuraten.

„So schnell bin ich doch gar nicht.“ Das eigene Tempo auf den Skipisten wird häufig unterschätzt. Selbst auf blauen Pisten sind 30 bis 40 km/h schnell erreicht. Ein fortgeschrittener Skifahrer fährt im Schnitt zwischen 50 und 60 km/h. Bei solchen Geschwindigkeiten ist vorausschauendes und rücksichtsvolles Fahren das A und O. Eine Gefahrenquelle ist der häufig unterschätzt Bremsweg. „Die meisten Skifahrer denken, dass sie innerhalb von ein bis drei Metern abbremsen können“, erklärt DSV-Sicherheitsexperte Andreas König. „Realistisch sind hingegen Bremswege von fünf bis zehn Metern – bei mittlerer Geschwindigkeit. Je nach Pistenverhältnissen und Bedingungen können diese Zahlen variieren.“ Es ist also Vorsicht geboten – bei allen Geschwindigkeiten!

Hänge mit vielen Fahrspuren sind ungefährlich. Die Lawinengefahr sollten Wintersportler niemals unterschätzen. Auch an einem bereits befahrenen Hang kann eine Lawine abgehen. Viele Faktoren wie Schneedeckenaufbau, Hanglage und -exposition beeinflussen das Risiko eines Lawinenabgangs. Auch bei vielen Spuren im Tiefschneehang ist weder zu erkennen, wie alt die Schneespuren sind, noch wie das Gelände darunter aussieht. Die Schneedecke selbst verändert sich kontinuierlich durch Niederschläge, Windverfrachtungen und Temperaturentwicklungen. Durch das Befahren von Schneehängen wird Druck auf das komplexe Spannungsverhältnis innerhalb der Schneedecke ausgeübt – die Schneedecke verändert sich dadurch nachhaltig. Gefährlich wird es dann, wenn einzelne Schneeschichten zueinander keine Bindung aufbauen oder sie verlieren. Zwar haben die ersten Tiefschneefahrer die Schneedecke noch nicht so stark beeinflusst, dass eine Lawine ausgelöst wurde. Trotzdem kann die eigene Fahrt ausreichen, die Schneedeckenstruktur zusammenbrechen zu lassen. Wer das Gelände nicht kennt und nur wenig über den langfristigen Schneedeckenaufbau weiß, sollte nicht abseits der Pisten fahren. Tipp: Immer dann, wenn die orangene Lawinenwarnleuchte an den Liftkassen bzw. am Lifteinstieg blinkt, gilt Lawinenwarnstufe 3 oder höher. Dann ist das Tiefschneefahren tabu!

Quelle: DSV aktiv Ski- und Sportmagazin

Print Friendly and PDF
5 außergewöhnliche Skigebiete außerhalb der Alpen

Skifahren in den Alpen ist toll, keine Frage. Aber auch außerhalb der Alpen gibt es ...

Am höchsten, am längsten, am steilsten: Top 10 Alpen-Rekorde

Der höchste Berg, die steilste Piste, das höchstgelegene Hotel Europas oder sogar ...