Freeski: Tipps für Freerider und Tiefschneefahrer

3. August 2018 - SnowTrex

Immer rein in den frischen Powder! Freeriden ist berauschend und populär. Der Adrenalinkick und das Gefühl der Freiheit beim Tiefschneefahren lockt immer mehr Skifahrer und Snowboarder ins Gelände. Die Experten vom Deutschen Skilehrerverband geben Tipps, worauf Freeski-Einsteiger achten müssen.

Die Geländeabfahrt erfordert großes Fahrkönnen.

Unberührte Tiefschneehänge oder variantenreiche Abfahrten abseits überfüllter Strecken lassen die Herzen vieler Wintersportler höher schlagen. Durch neue „Allmountain“ oder Freeride-Ski wurde das Fahren im Gelände dabei sehr vereinfacht und Neueinsteigern zugänglich gemacht. So schön das Freeriden auch ist, nicht jeder kann einfach im Wald oder einen Tiefschnee-Steilhang runterbrettern. Zunächst bedarf es einer gründlichen Vorbereitung. Geländekenntnis und Fitness sind das A und O für jeden Freeskier. Ohnehin sollten Einsteiger nur in Begleitung von erfahrenen und professionellen Begleitern ins Gelände gehen. Für den DSLV-Ausbilder Thomas Brunner vom Deutschen Skilehrerverband (DSLV) steht das Risikomanagement daher im Zentrum seiner Ausbildung. Am allerwichtigsten sei es, die Gefahren einschätzen zu können, im Zweifel nicht ins Gelände zu gehen und im Notfall schnell und sicher handeln zu können. Er selbst lernte das nötige Wissen für das Geländefahren in jahrelanger Ausbildung, nun gibt er es an seine Kursteilnehmer weiter. Er und seine Kollegen vom DSLV-Ausbilderteam empfehlen, folgende Tipps unbedingt zu beachten:

Lawinenkunde ist essenziell

Studieren der Lawinenlage und des Wetterberichts gehören beim Freeski unbedingt zur Vorbereitung. Die offizielle „Europäische Gefahrenskala für Lawinen“ unterscheidet fünf Warnstufen: Bei Lawinenwarnstufe 1 (gering) gibt es keine Einschränkungen im Befahren steiler Hänge. Bei Stufe 2 (mäßig) sind Hänge mit einer Neigung von 40 Grad und mehr tabu. Bei Stufe 3 (erheblich) dürfen sich die Tiefschneefans nur noch in Hängen mit maximal 35 Grad Steigung vergnügen. Die Stufe 4 (groß) sowie Stufe 5 (sehr groß) bedeutet ganz klar: kein Off-Piste-Vergnügen. Vorsicht ist aber in jedem Fall geboten!

Schnelles Ausgraben will gelernt sein.

Um die Lawinengefahr einzuschätzen, müssen beim Freeski diverse Faktoren wie Schneebeschaffenheit, Temperatur, Schneebelastung durch Skifahrer, geographische Hangausrichtung, Hangneigung und Windrichtung berücksichtigt werden. Um all das richtig zu „lesen“, bedarf es eines speziellen Knowhows und einer sicheren Einschätzung, die sich jeder Geländefahrer aneignen sollte. Experten-Vereinigungen wie die SAAC (Snow & Alpine Awareness Camps), die Bergwacht und teilweise auch die Tourismusverbände in den Skiregionen selbst bieten dazu entsprechende Lawinenkurse an.

Nur mit der richtigen Ausrüstung

Bei guter Wetterprognose und geringer Lawinengefahr kann es losgehen. Für den Ernstfall muss das richtige Equipment trotzdem immer dabei sein. Zur Notfallausrüstung gehören folgende Utensilien:

  • Lawinenverschütteten-Suchgerät (LVS) mit drei Antennen und digitaler Signalauswertung
  • Lawinensonde aus stabilen Rohren mit Schnellspannverschluss
  • Lawinenschaufel aus Aluminium
  • Lawinen-Airbag

Auch ein Erste-Hilfe-Set und ein Handy sollten immer mit im Gepäck sein. Nützlich können auch eine Gebietskarte, ein Kompass und ein Höhenmesser sein. DSLV-Ausbilder Brunner empfiehlt: „Hier geht es nicht nur darum, abgelegene Abfahrten zu erschließen. Es geht um Sicherheit. Man muss für den Notfall gerüstet sein.“ Daher ist es unabdingbar, das nötige Equipment bei sich zu haben. Dazu gehört auch, dass jeder Fahrer mit der Verschütteten-Ausrüstung umgehen kann. „Alles einfach nur zu kaufen, reicht definitiv nicht aus. Auch das Lesen der Betriebsanleitung oder ein Trockentraining können unter keinen Umständen als ausreichende Vorbereitung gelten“, betont Brunner. „Das eigene LVS-Gerät müssen angehende Freerider unter einigermaßen realen Bedingungen im Schnee kennenlernen. Vor allem muss jeder die komplette Kameradenrettung erlernen und immer wieder üben.“ Um die nötigen Techniken kennenzulernen, gibt es in vielen Skigebieten Lawinensuchfelder, auf denen man teilweise kostenfrei mit den Gerätschaften üben kann. Meist kann man das Equipment auch vor Ort leihen. Wichtig ist vor allem die präzise Anwendung des LVS-Geräts, oft auch einfach „Pieps“ genannt (nach dem Hersteller des allerersten LVS-Modells). Es hat immer einen Sende- und einen Suchbetrieb. Bei der Abfahrt ist es auf Sendebetrieb gestellt und wird eng am Körper getragen. Erst um jemand anderes zu orten, wird es auf den Suchmodus umgestellt.

Zu den besten Abfahrten geht es oft nur zu Fuß.

Auch die richtigen Freeride-Skier sind wichtig für das Gelingen einer Geländefahrt. DSLV-Ausbilder Brunner rät Freeride-Neulingen zu etwa körperlangen Skiern mit einer Mittelbreite von rund 90 cm. Die Rocker lassen sich leicht im Tiefschnee drehen, ein Full-Rocker ist jedoch eher den erfahrenen Tiefschneefahrern zu empfehlen. Die Stöcke haben extra große Teller, damit sie im tiefen Schnee greifen. Der Helm ist natürlich auch im Gelände obligatorisch.

Ohne Fitness geht es nicht

Der tiefe Schnee sieht zwar aus wie feinster Puderzucker, doch das Off-Piste-Fahren ist alles andere als ein Zuckerschlecken. Es stellt hohe Anforderungen an die körperliche Fitness und das Gleichgewichtsgefühl. Freeski erfordert starke Muskeln an Beinen und Rumpf sowie schnelle Reaktionsfähigkeit und Beweglichkeit. Außerdem ist es leider ein häufiger Irrglaube, dass die Rückenlage das Kurvenfahren im Gelände erleichtert. Vielmehr erschwert sie das Fahren noch, weil sie den Widerstand im Tiefschnee erhöht. Die DSLV-Experten raten, die Grundlagen erst auf der Piste zu üben und sie dann immer wieder auf kurzen, flachen Tiefschneepassagen neben der Piste zu versuchen. Das Gefühl für den höheren Widerstand und den optimalen Anstellwinkel der Skier muss intensiv einstudiert werden.

Respekt vor der Natur

Wer Freeski fahren möchte, sollte gehörigen Respekt vor der Natur haben. Nicht nur wegen der Lawinengefahr, sondern auch um der Natur Willen. Wichtig ist, Wald- und Wildschutzzonen zu meiden und keine Zerstörung zu hinterlassen. Desweiteren sollte man niemals ganz alleine fahren. Hingegen ist es auch nicht ungefährlich, in der Gruppe einen Hang hinunter zu brettern. Es ist sogar verboten, Steilhänge gleichzeitig zu befahren. Dies erhöht den Druck auf den Hang und das Risiko, eine Lawine auszulösen.

Was tun im Ernstfall?

Das Zeitfenster zur Rettung eines Lawinenverschütteten ist sehr klein. In den ersten 15 Minuten besteht eine 90 % Überlebenschance, danach geht diese gen Null! Droht ein Skifahrer beim Abgang einer Lawine unter ihr begraben zu werden, sollten sich die Mitfahrer unbedingt den Erfassungspunkt der Person und ihren Verschwindepunkt merken. Anhand dieser beiden Punkte und der zu erwartenden Fortbewegung der Lawine lässt sich der primäre Suchbereich ermitteln. Das spart bei der Ortung wertvolle Minuten. Das konkrete Vorgehen bei der Suche, die Berechnung des Liegepunkts und die Bergung des Verschütteten werden in Lawinenkursen und auf dem Lawinensuchfeld eingehend geübt. Tipp: In vielen Skigebieten gibt es ein abgestecktes Lawinensuchfeld, in dem für den Ernstfall geübt werden kann, z. B. im Gasteinertal, am Kitzsteinhorn, am Stubaier Gletscher oder in Lech-Zürs-Warth-Schröcken.

Der Empfangsbereich des LVS-Geräts in der Demo.

Freeski-Kurse besuchen

Bei den staatlich geprüften Ski- und Snowboardlehrern ist der Off-piste-Bereich fester Bestandteil der Ausbildung. In einer neuen Zusatzausbildung vom Verband Deutscher Berg- und Skiführer e.V. (VDBS), dem VDBS-Freeride-Guide, werden Fahrtechnik und Sicherheit im Gelände unterrichtet. Dieses Knowhow geben die Ausbilder dann weiter. In speziellen Freeride-Seminaren und Fahrtechnikkursen für Freeride-Einsteiger können auch Nicht-Mitglieder des DSLV das Off-Piste-Fahren erlernen. Den Kurs betreuen immer ein staatlich geprüfter Bergführer sowie ein Ski- oder Snowboardausbilder, so dass jeder Neuling einen fundierten Einstieg ins Freeriden erhält. Das einzige und wichtigste, worauf jeder eigenverantwortlich achten muss, ist die realistische Einschätzung der eigenen Fähigkeiten und der Respekt vor der Natur!

Mit anderen über Freeski austauschen

Mittlerweile gibt es eine große Szene von Freeskiern. Im englisch- und französischsprachigen Raum ist der Sport weit populärer als in Deutschland, sodass dort eine Vielzahl an Organisationen existiert, die Wettbewerbe organisieren und über das Thema informieren. Eine sehr bedeutende ist z.B. die International Free Skiers Association (IFSA). Der großen Gemeinschaft an Hobbyfahrern, die ihre Freizeit in Funparks und an Offpist-Hängen verbringen, steht eine wachsende Zahl an professionellen Freeskiern gegenüber, die mit dem Sport ihren Lebensunterhalt verdienen.

Wettkämpfe für Freeskier

Die größte und wichtigste Veranstaltung der Szene, die Freeskiing auch international immer populärer macht, sind die X Games. Dies ist eine Veranstaltung für Extremsportler, die in Wettbewerben um Medaillen kämpfen. Die X Games sind in Winter und Summer Games aufgeteilt und wurden 1994 zum ersten Mal von ESPN veranstaltet, einem US-amerikanischen Fernsehsender.

Skigebiete für Freeskier

Als Top-Freeride Gebiet Österreichs zählt das Arlbergmassiv rund um St. Anton. Vom Albonagrat können hier per „Lift and Go“ zwei herrliche Variantenabfahrten gestartet werden. Außerdem gehören Tiefschneeabfahrten an der Valuga oder dem Schindlergrat an guten Powdertagen zum Muss. Abwechslung ist hier aber nicht nur bei anspruchsvollen Strecken, sondern auch bei Unterkünften, Freizeitangeboten und Après-Ski für Jeden garantiert. Wer lieber nach Frankreich reist, findet in Chamonix ein ebenso abwechslungsreiches wie exklusives Skigebiet für Freerider.

Lust bekommen? SnowTrex kennt weitere Top-Abfahrten für Freerider.

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