Fit für den Winter – Phase 1: Grundlagenausdauer und Kondition
- Eine gezielte Sommer- und Saisonvorbereitung im Skisport steigert die Fitness, Ausdauer und Kraft, erhöht den Skispaß, reduziert die Ermüdung am Berg und senkt gleichzeitig das Verletzungsrisiko – sowohl bei Profis als auch bei Freizeitsportlern.
- Eine starke Grundlagenausdauer bildet die Voraussetzung für effektives Kraft- und Kraftausdauertraining im Wintersport, verbessert die Herz-Kreislauf-Leistung und die muskuläre Energiebereitstellung.
- Der 8-wöchige „Fit für den Winter“-Trainingsplan des Deutschen Skiverbands (DSV) kombiniert Ausdauer-, Koordinations- und Laufeinheiten mit systematischer Belastungssteigerung, Regeneration und Intervallen, um optimal auf die Skisaison vorzubereiten.
Grundlage schaffen
In der Saisonvorbereitung stehen der Ausbau der Grundlagenausdauer und der Konditionsaufbau im Vordergrund. Das Ausdauertraining verbessert dabei nicht nur die Leistungsfähigkeit des Herzkreislaufsystems, sondern auch die Energiebereitstellung in der Muskulatur und schafft somit die Grundlage für das Training von Kraft und Kraftausdauer. Eine gut ausgeprägte Grundlagenausdauer ist also die Basis für einen fitten Körper, der anschließend intensiv antrainiert werden kann.Phase 1 läuft über 8 Wochen
Der „Fit für den Winter“-Fitnessplan des DSV gliedert sich in drei Trainingsphasen und umfasst zwei bis drei Einheiten pro Woche. In der ersten Phase werden dabei die Grundlagenausdauer und die allgemeine Koordination trainiert, um diese dann zu vertiefen und Kraft hinzuzugewinnen. Sportarten wie Radfahren, Inlineskating, Laufen oder Nordic Walking kurbeln hier primär die Ausdauer an. Und so geht es mit einfachen Bewegungseinheiten alle zwei Tage los, wo eine systematische Belastungssteigerung im Wechsel mit Erholungsphasen wichtig ist, um eine sogenannte Superkompensation zu erreichen. Denn nur, wer sich nach einer Trainingseinheit ausreichend erholt, kann seine Leistung dauerhaft steigern.
Auf welchen Wochentag die einzelnen Einheiten gelegt werden, ist dabei egal. Hauptsache ist, dass die Reihenfolge und die Pausen eingehalten werden. Das bedeutet auch, dass verpasste Einheiten nicht nachgeholt werden müssen. Besser ist es, eine Pause einzulegen und dann den Trainingsabschnitt noch einmal von vorn zu beginnen. Insgesamt gliedern sich die Einheiten wie folgt:
Woche 1 bis 3: Basis-Grundlagenausdauer
Das Herz-Kreislauf-System sollte langsam an die körperliche Belastung gewöhnt werden. In dieser Trainingsphase raten die DSV-Aktiv-Experten zu drei Einheiten pro Woche mit dem Mountainbike oder zu Aktivitäten wie Nordic Walking, Wandern oder lockerem Laufen mit geringer Intensität. Erst am Ende der dritten Woche sollten einige etwas intensivere Einheiten in den Fitnessplan aufgenommen werden.
Beispielplan:
| Tag | Übung |
|---|---|
| Montag | Pause |
| Dienstag | Mountainbike, Inlineskaten, Wandern oder Nordic Walking, 60-90 Minuten, geringe Intensität |
| Mittwoch | Pause |
| Donnerstag | Mountainbike, Inlineskaten, Wandern oder Nordic Walking, 60-90 Minuten, geringe Intensität |
| Freitag | Pause |
| Samstag | Mountainbike, Inlineskaten, Wandern oder Nordic Walking, 60-90 Minuten, geringe Intensität |
| Sonntag | Pause |
Woche 4 bis 6: Regeneration und Intensitätserhöhung
In der vierten Woche sollte die Trainingsintensität weiterhin niedrig gehalten werden. Um den Bewegungsapparat langsam an die größere Belastung zu gewöhnen, sollte nun auch das Laufen in den Trainingsplan integriert werden. In der fünften Woche stehen wieder zwei Intervalleinheiten auf dem Programm, bevor in der sechsten Trainingswoche erneut nur mit geringer Intensität trainiert wird.
Beispielplan:
| Tag | Übung |
|---|---|
| Montag | Pause |
| Dienstag | Mountainbike, Inlineskaten oder Nordic Walking, 60-90 Minuten, geringe Intensität; ab der fünften Woche: 60 Minuten Mountainbike oder Inlineskates, wobei sechs Mal ein fünfminütiges Intervall mit etwas höherer Intensität eingebaut werden sollte, sprich: fünf Minuten Vollgas in die Pedale treten, dann fünf Minuten entspannt radeln, dann wieder fünf Minuten Vollgas usw. |
| Mittwoch | Pause |
| Donnerstag | Mountainbike Inlineskaten oder Nordic Walking, 60-90 Minuten, geringe Intensität; ab der 5. Woche 60 Minuten Mountainbike oder Inlineskates genauso wie in der Dienstags-Einheit |
| Freitag | Pause |
| Samstag | Laufen, 45-60 Minuten, geringe Intensität |
| Sonntag | Pause |
Woche 7 und 8: Wechsel von intensiven und regenerativen Einheiten
In der siebten und achten Woche sind zwei Laufeinheiten vorgesehen. Am Wochenende sollte die Intensität mit Intervallen im Fitnessplan jedoch wieder erhöht werden.
Beispielplan:
| Tag | Übung |
|---|---|
| Montag | Pause |
| Dienstag | Mountainbike, Inlineskaten, Wandern oder Nordic Walking, 60-90 Minuten, geringe Intensität |
| Mittwoch | Pause |
| Donnerstag | Laufen, 45-60 Minuten, geringe Intensität |
| Freitag | Pause |
| Samstag | Laufen, 60 Minuten, dabei fünf Minuten schneller laufen, dann fünf Minuten normal, das insgesamt fünf Mal |
| Sonntag | Pause |
Felix Neureuthers Fitness-Tipp zur Grundlagenausdauer
„Die Ausdauer ist die wichtigste aller sportmotorischen Fähigkeiten. Das gilt gleichermaßen für Leistungssportler wie für Otto Normalverbraucher. […] Radfahren mag ich und es liegt mir. Wenn ich es mir aussuchen dürfte, dann würde ich immer zuerst das Mountainbike auspacken“, weiß Felix Neureuther und empfiehlt je nach Jahreszeit bis zu dreimal pro Woche Rad zu fahren.Fit für den Winter – Phase 2: Kraft und Koordination
- In Phase 2 des „Fit für den Winter“-Trainings steht nach dem Ausdaueraufbau die gezielte Stärkung von Kraft, Koordination und sportartspezifischen Fähigkeiten im Mittelpunkt. Diese sind für Skifahren, Snowboarden und Langlauf essenziell.
- Dabei müssen Koordinations- und Krafttraining sinnvoll kombiniert werden. Ein dynamisches Warm-up, koordinative Übungen vor dem Krafttraining sowie die Stärkung von Bein-, Rumpf- und Oberkörpermuskulatur beugen Verletzungen vor und steigern die Leistungsfähigkeit.
- Durch vielseitige, funktionelle Übungen mit dem eigenen Körpergewicht wird vor allem die Maximalkraft aufgebaut. Diese dient als Grundlage für Schnell- und Reaktivkraft und verbessert somit Kontrolle, Stabilität und Explosivität im Wintersport.
Nachdem in den ersten acht Wochen Ausdauer und Kondition verbessert wurden, geht es in der zweiten Phase des Fitnessplans darum, die für das Skifahren benötigte Kraft und Koordination zu trainieren. Der Fokus liegt dabei auf der Verbesserung der sportartspezifischen koordinativen Fähigkeiten. Und wer jetzt denkt, dass Laufen und Radfahren damit beendet sind, der irrt. Zudem sind auch Kraftübungen und Skigymnastik wichtige Aspekte, um sich fit für den Winter zu machen. Beides lässt sich hier leicht in das bestehende Programm integrieren und zusätzlich zum bestehenden Pensum fortführen.
Alpines Skifahren, Snowboarden und Skilanglauf sind komplexe Bewegungsabläufe, die nahezu alle Muskelgruppen beanspruchen. So spielen dabei etwa die Beinmuskulatur und die Rumpfmuskulatur zur Stabilisation eine entscheidende Rolle. Um wirklich fit für den Winter zu sein, ist es daher wichtig, diese Körperbereiche gezielt anzutrainieren.
Warm-up nicht vergessen
Wie bei jeder Sportart gilt auch beim Krafttraining, dass sich Wintersportler vor der eigentlichen Aktivität ordentlich warmmachen sollten. Empfehlenswert sind dabei zunächst zehn Minuten Laufen, Radfahren, Aerobic, Inlineskating oder Walking. Hier kann jeder die Aktivität frei wählen, die ihm am besten gefällt. So kommt der Körper auf Betriebstemperatur und der Stoffwechsel wird angeregt. Im Anschluss sollten dann die Muskelgruppen aktiviert werden. Leichtes, dynamisches Dehnen erhöht an dieser Stelle den Muskeltonus, also die Anspannung der Muskelgruppen. Aber Vorsicht: Statisches Dehnen ist eher ungünstig, da dabei die Muskelfasern auseinandergezogen werden, was die Fähigkeit zur schnellen, explosiven Kraftentfaltung drosselt. Deswegen ist es also wichtig, erst die Koordination und dann die Kraft zu trainieren! Schließlich ist der Muskeltonus nach einem Krafttraining stark erhöht, was die Feinmotorik temporär beeinträchtigen kann. Deshalb sollte das Krafttraining immer erst nach dem Koordinationstraining erfolgen.
Koordinative Übungen
Um rundum fit für den Winter zu sein, müssen auch die koordinativen Fähigkeiten geschult werden. Dafür gibt es viele sportliche Möglichkeiten, wie Inlineskating. Hier ist etwa ein Slalom-Parcours ein probates und zudem spaßiges Mittel. Wer diesen Kurs dann fehlerfrei bewältigt, sollte im Anschluss seine Gleichgewichts-, Rhythmisierungs- und Umstellungsfähigkeit schulen. Außerdem ist die Kopplungsfähigkeit gefragt, wenn mehrere Aufgaben gleichzeitig und am besten asynchron absolviert werden müssen. Eine sehr effektive Übung hierfür ist das Balancieren auf instabilen Untergründen wie einem Schaumgummi-Kissen in Kombination mit Bewegungen wie der Abfahrtshocke. Diese Übung kann variiert werden, indem der Wintersportler dabei in die Knie geht und auch mal auf einem Bein steht. Wer das beherrscht, kann zusätzlich versuchen, mit einer Hand einen Gegenstand hochzuwerfen und wiederzufangen. Das schärft diese Kopplungen ungemein. Als Outdoor-Übung bei schönem Wetter empfiehlt sich auch eine Runde auf der Slackline. Dieses wackelige Band eignet sich wunderbar für einfache bis komplexe Balanceübungen.
Ebenfalls nicht zu vernachlässigen sind die motorischen Fähigkeiten, die eine schnelle Reaktionsfähigkeit begünstigen. Diese wird durch schnell wechselnde Bewegungsabfolgen trainiert, die auf ein akustisches oder optisches Signal hin erfolgen. Generell gilt: Je vielfältiger die Aufgaben, desto komplexer entwickeln sich die neuronalen Netze.Kraft ist nicht gleich Kraft
Muskeln können unterschiedliche Kraftaufwände leisten. Die Maximalkraft bezeichnet die höchstmögliche Kraft, die bei willkürlicher Kontraktion erzeugt werden kann. Ansonsten gibt es die Schnellkraft, die Reaktivkraft und die Kraftausdauer. Beim Skisport treten all diese Kräfte in Mischformen auf. In Phase 2 des Trainings steht zunächst der Aufbau der Maximalkraft im Mittelpunkt, da diese sich positiv auf die Schnell- und Reaktivkraft auswirkt. Hier ist primär das intramuskuläre Koordinationskrafttraining (IKT) wichtig, das die Feinsteuerung innerhalb des Muskels optimiert. Durch den explosiven Krafteinsatz wird auch die Kontraktionsgeschwindigkeit der Muskeln verbessert, sodass Bewegungen schneller ausgeführt werden können, obwohl mehr Kraft aufgewendet werden muss.
Bein, Rumpf, Oberkörper
Die DSV-Experten schlagen mehrere Übungen für die drei wichtigsten Bereiche des Bewegungsapparats vor. Beine, Rumpf und Arm-Schulter-Partie. Die Liste der Übungen sieht auf den ersten Blick lang aus, doch es handelt sich um kleine Übungen, die ganz einfach und ohne große Gerätschaften durchführbar sind. Somit lassen sich diese „Fit für den Winter“-Übungen wunderbar in jeden Fitnessplan einbringen. Man sollte zwei bis drei Einheiten pro Woche einplanen und dazwischen ausreichende Regenerationsphasen von 48 Stunden einhalten. Die Intensität der Übungen muss allmählich dem Kraftzuwachs angepasst werden. Dies kann durch eine höhere Wiederholungszahl, eine Steigerung der Intensität oder zusätzliche Trainingseinheiten erfolgen.
Im folgenden Video gibt Kitzbühel-Sieger Thomas Dressen ein paar Trainingstipps:
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Übungen zur Kräftigung der Beinmuskulatur
Übung 1: Kniebeugen- Kniebeugen mit explosivem Absprung (hohe Intensität)
- Einbeinige Kniebeugen (hohe Intensität), evtl. mit Zusatzgewicht
- Kniebeugen in Schrittstellung
- Kniebeugen in Schrittstellung mit Absprung (hohe Intensität)
Übung 2: Hocksprünge auf der Stelle
Variationen: über Hindernisse; auf höhere Hindernisse (höhere Intensität)
Übung 3: Einbeinsprünge
Variationen: über Hindernisse (höhere Intensität)
Übung 4: Einbeiniges Aufstehen von einer Bank
Variation: einbeiniges Aufsteigen auf eine Bank und je höher die Bank, desto höher die Intensität
Übung 5: Hochdrücken auf Zehenspitzen
Variation: einbeiniges Hochdrücken auf Zehenspitzen
Übung 6: Kurze Sprints
Variation: Treppenläufe mit explosivem Abdruck
Übung 7: Abfahrtshocke auf instabilen Untergründen (Weichboden, Trampolin, Wackelbrett)
Variation: Wippen mit Gewichtsverlagerung von rechts nach links
Übungen zur Kräftigung der Rumpfmuskulatur
Übung 1: Anheben der Extremitäten aus Bauchlage
Variationen: Paddeln (Arme und Beine bewegen sich auf und ab); wechselseitiges Anheben (rechter Arm und linkes Bein gleichzeitig und umgekehrt), der Kopf befindet sich in Verlängerung der Wirbelsäule
Übung 2: Diagonales Anheben der Extremitäten aus Vierfüßlerstand
Variation: wippende Bewegungen
Übung 3: Unterarmliegestütz
Variationen: Beine abwechselnd anheben (höhere Intensität); diagonales Anheben der Extremitäten, seitlicher Stütz mit und ohne angehobenes Bein
Übung 4: Crunches (Sit-Up-Alternative)
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Variationen: frontal; seitlich zum angewinkelten Knie; schnell/langsam; mit langen Haltezeiten; mit zusätzlichen Gewichten
Übungen zur Kräftigung der Oberkörpermuskulatur
Übung 1: Liegestütz (Push-up)
Variationen: auf Knien (geringere Intensität); Arme erhöht (geringere Intensität); Beine erhöht (höhere Intensität); Fingerspitzen nach innen – Ellenbogen nach außen; Fingerspitzen nach vorne – Ellenbogen am Körper
Übung 2: Rückwärtige Trizepsdrücker am Stuhl oder Bank (Dips)
Variation: ein Bein wird während der Beugung der Arme nach vorn gestreckt, Dips am Barren (höhere Intensität)
Übung 3: Klimmzug (Pull-Up)
Variationen: Mit Theraband (geringere Intensität), aus dem Stand (geringere Intensität), Chin-Ups (Handflächen in Richtung Körper gedreht)
Felix Neureuthers Fitness-Tipp zum Kraftaufbau
„Wenn die jeweilige Person ein wenig flexibel ist, kann sie ihr Krafttraining sehr vielseitig gestalten. Wenn es nicht regnet, trainiere ich draußen im Grünen. Besonders gut gefallen mir Liegestütze rückwärts an den Zuschauertreppen im Skistadion in Garmisch-Partenkirchen. Mit den Füßen nach hinten und dem Blick Richtung Grashalme einen Schritt nach dem anderen die Treppe hinaufzugehen, ist unglaublich gut für den ganzen Körper und auch für den Kopf“, erklärt Felix Neureuther.Fit für den Winter – Phase 3: Kraftausdauer und Koordination
- In Phase 3 des „Fit für den Winter“-Trainings liegt der Fokus auf der sportartspezifischen Kraftausdauer. Das Ziel besteht darin, Ermüdung zu verzögern, brennende Muskeln zu reduzieren und die Leistungsfähigkeit im alpinen und nordischen Skisport zu steigern.
- Durch gezieltes Kraftausdauertraining werden Stoffwechsel, Muskelzusammenspiel und Energiebereitstellung an die Anforderungen von Abfahrt, Langlauf oder Biathlon angepasst. Je nach Intensität werden dabei aerobe und anaerobe Reize gesetzt.
- Mithilfe disziplinspezifischer Übungen und Zirkeltrainings mit angepasster Intensität und Wiederholungszahl wird die Belastbarkeit der Bein-, Rumpf- und Oberkörpermuskulatur nachhaltig verbessert, wodurch die Wintersportform optimal abgerundet wird.
Kraftausdauer ist das Zauberwort
Brennende Oberschenkel auf der Piste und übersäuerte Muskeln in der Loipe gehören zum ambitionierten Skifahren einfach dazu. Durch eine systematische Vorbereitung können diese Ermüdungserscheinungen minimiert und das Einsetzen der Ermüdung hinausgezögert werden. Dieses Ziel erreichen wir mit Kraftausdauer. In unserer dritten Trainingsphase wird sie intensiv gestärkt. Je nach Sportart und Disziplin sind die Ausprägungen der Kraftausdauer unterschiedlich. Ein Abfahrtsspezialist, der über einen relativ kurzen Zeitraum große Kräfte aufbringt, benötigt eine andere Form der Kraftausdauer als ein Langläufer, der ein 50-Kilometer-Rennen bestreitet, bei dem über einen sehr langen Zeitraum nur geringe oder mittlere Kräfte wirken. Entscheidende Kriterien für die Kraftausdauer sind also die Kraftintensität und die Reizdauer.
Exkurs ins Muskelinnere
Beim Training der Kraftausdauer geht es darum, die Stoffwechselvorgänge im Muskel an die Belastungen anzupassen und zu optimieren. Die Energiebereitstellung im Muskel wird durch Reizintensität und Reizumfang beeinflusst. Dabei unterscheidet man zwischen aerobem und anaerobem Training. Beim aeroben Training haben die Muskeln einen Sauerstoffüberschuss, weniger Blut wird in die Arterien gepumpt und Puls sowie Blutdruck sind niedriger als beim anaeroben Training. Aerobes Training kurbelt das Herz-Kreislaufsystem an und kann über einen längeren Zeitraum ausgeübt werden, etwa Joggen oder Radfahren. Beim anaeroben Training ist es genau andersherum: Die Muskeln werden kurz, aber intensiv beansprucht und verbrennen Energie ohne Sauerstoff. Eine klassische anaerobe Trainingsform ist das Krafttraining an Geräten. Das Kraftausdauertraining zeigt je nach Intensität mehr oder weniger aerobe und anaerobe Stoffwechselanteile. In der Praxis gilt es also, entsprechend der sportartspezifischen Belastung die richtigen Trainingsreize zu setzen.
Neben der Optimierung des Stoffwechsels zielt das Kraftausdauertraining auch darauf ab, die Zusammenarbeit der beteiligten Muskeln zu verbessern. Dadurch verringert sich der Kraftaufwand, der Energiebedarf sinkt und die Muskeln werden nicht so schnell müde. Ein Training, das ausschließlich die Koordination zwischen den Muskeln verbessern soll, muss nah an der tatsächlichen Bewegungsabfolge sein. Die hier genannten Übungen zielen hingegen eher auf eine Optimierung des Stoffwechsels ab, wobei aber auch Aspekte der Muskelkoordination berücksichtigt werden.
Spezielle Kraftausdauer für Alpin-Skifahrer
Bei alpinen Disziplinen sollte das Training der Kraftausdauer eher zu höheren Intensitäten und einer kürzeren Belastungsdauer tendieren. Das bedeutet: großer Kraftaufwand, aber nur für einige Sekunden. Es werden vier bis sieben Sätze mit 20 bis 50 Prozent der Maximalkraft und kürzerer Reizdauer trainiert. Die Übungen können dynamisch oder statisch sein und Belastungen im aeroben und anaeroben Bereich umfassen. Als Zusatzgewichte, die sich leicht in den „Fit für den Winter“-Fitnessplan integrieren lassen, eignen sich Gewichtsmanschetten, kleine Hanteln, Sandsäcke, Medizinbälle oder ähnliche Gewichte, die je nach Maximalkraft nicht mehr als ein bis fünf Kilogramm wiegen.Übungen zur Steigerung der Kraftausdauer der Beinmuskulatur
Übung 1: Hockstrecksprünge
aus der halb tiefen Hocke zum Strecksprung, 20–25 Wiederholungen, aufgeteilt auf mehrere Sätze
Übung 2: Seilspringen
ohne Zwischenhüpfer, 40–60 Sekunden
Übung 3: Kniebeugen
mit Zusatzgewichten, 15–20 Wiederholungen, aufgeteilt auf mehrere Sätze
Übung 4: Kniehebelauf
bergauf, 30–40 Sekunden
Übung 5: Hopserlauf
mit kleinen Zusatzgewichten und aktivem Abdruck des Sprungbeines, die Arme werden gegengleich mitgeführt, 20–30 Wiederholungen pro Bein, aufgeteilt auf mehrere Sätze
Spezielle Kraftausdauer für Langläufer und Biathleten
Für Langläufer und Biathleten ist es wichtig, Belastungen über einen langen Zeitraum standzuhalten. Die Übungen für das Kraftausdauertraining sollten mit 5 bis 20 Prozent der Maximalkraft ausgeführt werden. Das Training ist außerdem durch große Wiederholungszahlen und eine lange Reizdauer charakterisiert. Die Übungen sind dynamisch und durch einen überwiegend aeroben Energiestoffwechsel gekennzeichnet. Es werden drei bis fünf Sätze trainiert. Bei intensiven Trainingseinheiten können die Übungen auch bis zur maximalen Wiederholungszahl ausgereizt werden. Im folgenden Video gibt der DSV ein paar Tipps für Skilangläufer:Bitte beachten Sie zudem, dass durch die Nutzung unserer Dienste und der Einbindung der YouTube API Services die YouTube Terms of Service sowie die YouTube API Services Terms gelten und Ihre Nutzung unserer Website als Zustimmung zu diesen Bedingungen betrachtet wird.
Übungen zur Steigerung der Kraftausdauer der Beinmuskulatur
Übung 1: Kniebeugen
ohne Zusatzgewichte, 30–50 Wiederholungen, aufgeteilt auf mehrere Sätze
Übung 2: Kniehebelauf
auf der Stelle, mindestens 40 Sekunden
Übung 3: In Ausfallschritten gehen
rechts und links jeweils 20–40 Wiederholungen, aufgeteilt auf mehrere Sätze
Übung 4: Hopserlauf
30–50 Wiederholungen pro Bein, aufgeteilt auf mehrere Sätze
Übungen zur Steigerung der Kraftausdauer der Rumpfmuskulatur
Übung 1: Spinnengang
Bauch zeigt nach oben, die Arme sind nahezu gestreckt, Beine sind angewinkelt, Füße am Boden, Hüfte weitgehend gestreckt; Fortbewegung vorwärts und rückwärts, 40–60 Sekunden
Übung 2: Nackenbrücke
Nacken und Füße sind am Boden, Hüfte wird auf und ab bewegt; 20–30 Wiederholungen; aufgeteilt auf mehrere Sätze
Übungen zur Steigerung der Kraftausdauer der Muskulatur von oberen Extremitäten
Übung 1: Liegestütze gegen die Wand
30–40 Wiederholungen, aufgeteilt auf mehrere Sätze.
Übung 2: Imitationsübung
Armbewegung wie beim Doppelstockeinsatz mit kleinen Zusatzgewichten, 40–60 Wiederholungen, aufgeteilt auf mehrere Sätze
Übung 3: Klimmzug aus dem Stand oder mit Thera-Band
20–30 Wiederholungen, aufgeteilt auf mehrere Sätze
