Serie: Faszination Freeski – Profifahrer Andi Prielmaier im Interview

6. Januar 2015 - Katharina Teudt

Spektakuläre Freeride-Filme gibt es viele. Einige der besten wurden jüngst auf der Alp-Con CinemaTour gezeigt, einer internationalen Filmtour, die in 2014 zum vierten Mal stattfand. Mit-Organisator und Profifahrer Andreas Prielmaier erzählt über seine Film- und Freeride-Leidenschaft.

Andi in Aktion © Franz Faltermaier

Kürzlich endete die Alp-Con CinemaTour, eine erfolgreiche Filmreihe, die hochwertige Freeride-Streifen in vier Ländern zeigt: in den Ski-Nationen Österreich, Italien, der Schweiz und in Deutschland. Dafür hat sich Andi Prielmaier stark gemacht. Im Zuge seiner Recherchen als damaliger Chefredakteur des Freeski-Magazins SNOW wurde er auf die Alp-Con CinemaTour aufmerksam und sah sogleich ihr Potential. Er kontaktierte den Initiator Markus Eigentler aus Österreich. „Nach einigen Gesprächen mit Markus haben wir beschlossen die Tour, die es zuvor nur in Österreich gab, auf Deutschland auszuweiten. Dieses Jahr hatte die Tour 140 Stopps, damit ist sie eine der größten Freeski- und Snowboardfilm-Touren in Europa.“ Das Interesse an hochwertig produzierten, abendfüllenden Sportfilmen, in denen Abenteurer in faszinierenden Bergwelten Skifahren, ist ungebrochen und kam diesen Winter auch der Alp-Con CinemaTour zugute. Der Event verbucht noch mehr Besucher als in 2013. Das Ambiente spielt dabei sicherlich eine große Rolle, denn die Filme werden in Original-Länge gezeigt und sind ein visuelles und auditives Erlebnis. „Was gibt es Besseres, als mit deinen besten Freunden im gemütlichen Kinosessel die Freeride-Helden im Hollywoodflair auf einer riesigen Leinwand zu bestaunen?“

Der Steilhang fordert höchste Konzentration © Franz Faltermaier

Andi ist mächtig stolz auf die Tour, die er in ihrer jetzigen Form mit aufgebaut hat und bei der er selbst auch mitwirkt. Im Vorfilmprogramm haben nationale bzw. lokale Nachwuchstalente und kleinere Produktionsfirmen die Chance, ihr Können zu zeigen. Seine eigene Produktion „Die Freireiter“ mit den Filmen „Now! Powdermountains India“ und „Freeride Haute Route“ waren auch dabei.

Indischer Powder Der Name des Films „Now! Powdermountains India“, rührt einerseits von der atemberaubenden Filmkulisse, dem Norden Indiens, her. Andererseits trifft das Wort now (dt. jetzt) genau den Kern eines Themas, mit dem sich Andi intensiv auseinandersetzt. Es geht um das bewusste Erleben der Gegenwart, um das Motto „Lebe den Moment“. Andi bezieht sich vor allem auf den intensiven Moment oben am Berg, wenn er die bevorstehende Abfahrt vor Augen hat. „Das Gefühl ist bei mir das entscheidende Element. Ich fühle mich sehr konzentriert, spüre eine innere Anspannung, ich spüre wie mein Herz schlägt, bin aufgeregt. Dieser Zustand lässt mich in der Gegenwart sein, die Gedanken an Gestern und Morgen sind nicht mehr vorhanden, ich bin im Hier und Jetzt. Eben genau da, wo das Leben passiert. Deswegen ist damit auch ein großes Glücksgefühl verbunden, weil du genau da bist, wo das Leben passiert – im Jetzt. Im alltäglichen Leben verweilen wir meist gedanklich in der Zukunft und versuchen endlose To-Do Listen abzuarbeiten oder versuchen irgendwann etwas zu erreichen, was wir gerne hätten. Wir laufen dem Geld und der Eitelkeit hinterher oder wir verweilen in der Vergangenheit und setzen uns mit Problemen auseinander, die bereits passiert sind.“

Szene aus dem Film Deep Night © Colin Stewart

Weil ihn dieses Thema sehr beschäftigt, hat Andi den Film Now! produziert und zeigt darin, wie intensiv und erfüllend es ist, den Moment (am Berg) zu leben.

Wer dahinter steckt Andreas „Andi“ Prielmaier ist Profi-Freerider, Journalist und Abenteurer. Als gebürtiger Bayer stand er von Kindesbeinen an auf den Brettern. „Meine ersten Schwünge habe ich am Spitzingsee in Oberbayern gemacht, da war ich 3 Jahre alt. Mein Vater hat mir die Liebe zum Sport und zum Skifahren mitgegeben.“ Eigentlich ist Andi von Hause aus Ingenieur, doch zog es ihn schon immer in den Schnee anstatt an den Schreibtisch. Wie viele Schneesportler hat er sein Glück erst in einer anderen Disziplin versucht, dem Snowboarden. Er war sogar im Worldcup aktiv. Doch nach einer schweren Verletzung flaute das Interesse für den Rennsport ab. Als Ausgleich wurden die Skier angeschnallt. Die Tiefschnee-Verlockung wurde immer größer und schließlich war er nur noch im Gelände unterwegs. „Ich bin viel mit Freunden gereist, um unverspurte Powderhänge abzusurfen.“ Freerider sind Weltenbummler, immer auf der Suche nach der perfekten Line. So ist auch Andi mit seinen Jungs viel herum gekommen. „Wir waren in den entlegensten Ecken der Welt, u. a. im südlichen Himalaya in Burma, Pakistan, Indien, Alaska, Kanada, Argentinien, Patagonien, Neuseeland, Norwegen und Russland.“ Mittlerweile ist Andi so erfolgreich, dass er die großen Sponsoren  Vaude, Alpina, Lupine, Rose, Komperdell und ABS für sich gewinnen konnte.

Auf dem Nido de Condores (5.600 m) am argentinische Aconcagua, dem höchsten Berg Südamerikas.

Freeride ist ein Hype Wer alle Kontinente bereist, um Ski zu fahren, für den gibt es kein Saisonende. Für Andi gibt es daher kein Training nach einem Saisonplan, es wird gesportet wo und wie es nur geht. „Irgendwie ist immer Saison“, sagt er. Das Motto lautet: Hauptsache Sport. „Im Sommer gehe ich biken, klettern oder ab und zu surfen am Meer. Im Winter dann zum Freeriden und Skitouring. Es ist immer was los.“ Das klingt erst einmal romantisch, doch das professionelle Freeriden ist arbeits- und zeitintensiv. Es verlangt höchste körperliche Leistung, Konzentration und Mut. „Freeride ist schon ein Hype. Es reicht aber nicht, gerockerte breite Latten, Carbonstöcke, Protektoren und einen Helm auf zu haben. Deswegen ist man noch lange kein Freerider“, mahnt er. „Die Erfahrung, die richtige Lawinenausrüstung und der Umgang mit ihr sind enorm wichtig, und das braucht Zeit und viel Übung.“ Andis Empfehlung: Unbedingt Lawinencamps besuchen und am Anfang nur mit professionellen Bergführern ins Gelände gehen. Er weiß: „Was die Werbung suggeriert ist meist fernab der Realität.“

Andi auf den Lofoten in Norwegen © Ralf Neumann

Dazu könnten auch die Bilder von Fahrern gehören, die in Schussfahrt jeden Steilhang hinabsausen. Das sieht spektakulär aus, ist aber nicht immer ratsam. Ein bekannter Freeski-Profi hat einmal gesagt: „Geschwindigkeit ist Dein bester Freund beim Freeriden“. Andis Meinung dazu: „Das ist richtig und falsch zugleich. Wenn es brenzlig wird, kann dich bei Lawinenabgängen eine beherzte Schussfahrt aus der Gefahrenzone  bringen. Geschwindigkeit heißt in der Extremform aber auch Kontrollverlust und ist damit gefährlich. Also immer den Verstand einschalten und auf das eigene Bauchgefühl hören. Denn hier sind die Erfahrungen gespeichert.“ Hat man wie Andi erst einmal genug Kondition und Erfahrung gesammelt, ist Tiefschneefahren natürlich auch ein großer Spaß. Er lebt seine Leidenschaft in den Alpen aus. „Ich bin gerne in Hochfügen, im Zillertal oder Gasteinertal unterwegs. Wenn bei uns kein Schnee liegt, dann in Südtirol. Das Ultental ist ein feiner Spot.“ Die wenigen Geheimspots in seiner Heimat hält er – ganz Profi – lieber geheim. Schließlich sollen sie unberührte Spots bleiben.

Andi ist immer unterwegs.

More to come Die Alp-Con CinemaTour ist für diesen Winter vorbei. Doch die Filme, in denen Andi die Hänge hinabsaust, gibt es weiterhin auf Filmfestivals und im Internet zu sehen. Hier finden sich tolle Bilder wie zum Beispiel das Freeriden bei Nacht im Film Deep Night. Wer Andi demnächst auf der großen Leinwand sehen möchte, hat zum Beispiel am 06.02.2015 die Chance dazu. Dann wird sein Film „Now! Powdermountains India“ um 20 Uhr in München im Verlagshaus des Münchner Merkur gezeigt.  Alle Infos zu seinen Projekten, Teaser und Veranstaltungtermine sind demnächst unter diefreireiter.de zu finden.

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