Faszination Firn – spezieller Skigenuss im Frühling

31. März 2017 - Katharina Teudt

Das mit Abstand schönste Skierlebnis im Frühjahr ist das Wedeln auf glitzerndem Firnschnee. Wir haben uns einmal genauer angesehen, was hinter dieser besonderen Schneedecke steckt.

Firnabfahrt im Frühling.

Wenn die Frühlingssonne tagsüber die oberste Schneeschicht schmelzen lässt, diese dann nachts wieder anfriert, dann ist das der Beginn von etwas ganz Wunderbarem: es entsteht Firnschnee. Dieser Firn, oder zumindest das, was Wintersportler darunter verstehen, macht den Sonnenskilauf erst einzigartig. Es handelt sich dabei um eine ganz besondere Schneeschicht, über die man genüsslich dahingleitet, weil sie weich und doch stabil ist. Da Pisten täglich gewalzt werden, entsteht die Firnschicht meist auf unberührter Schneedecke. Daher ist dieses Phänomen vor allem bei Skitourengehern und Freeridern bekannt und beliebt. Vor allem im April und Mai finden sich die günstigen Wetterbedingungen für Firn, wenn in den Tälern schon Frühling herrscht, aber am Berg noch die Skisaison läuft. Dann zieht es die Firnfahrer auf die exponierten Sonnenhänge und ins pure Skivergnügen.

Wie entsteht der „richtige“ Firn?

Firn (Althochdeutsch firni: „vorjährig“) bezeichnet eigentlich den Altschnee, der mindestens ein Jahr alt ist und somit über eine Ablationsperiode (Abschmelzen von Schnee und Eis innerhalb eines Jahres) liegen geblieben ist. Die besondere Schneeform entsteht, wenn die fein verästelten Eiskristalle – wir kennen sie als hübsche Schneeflocken – durch wiederholtes Auftauen und Gefrieren zu größeren, körnigen Gebilden verschmelzen. Die Eiskristalle runden zunächst ab und werden grobkörnig. Je größer die Körner werden, desto mehr Luft verschwindet aus ihren Zwischenräumen, bis schließlich wasserundurchlässiges Firneis entsteht. Aus rund acht Metern Neuschnee entwickelt sich ungefähr ein Meter Firn. Unter dem steigenden Druck der überlagernden Schneemassen wird aus Firneis schließlich Gletschereis. Dieser Prozess dauert mehrere Jahre! Firn wird dann zu einer Schicht zwischen dem Gletschereis und dem Schnee, der auf dem Gletscher aufliegt. Die Firngrenze ist je nach geographischer Lage unterschiedlich hoch, liegt meist aber weit über 2.000 m Höhe, also dort, wo Schnee das ganze Jahr über liegen bleibt. Firn entsteht erst nach einem Jahr? Wie passt diese Definition zu unserem weichen Frühlingsschnee, der uns ab April erwartet?

Firn ist nicht gleich Firn

Unser geliebter Firnschnee neben der Piste hat mit dem Firn im engeren Sinn nichts zu tun. Der Begriff Firn deutet hier primär auf den Schmelzvorgang und die Strukturveränderung der Eiskristalle hin. So nennt sich das Antauen einer Schneeschicht schon Auffirnen. Nachts gefriert diese Schicht dann wieder und nach mehrmaligem Tauen und Gefrieren entsteht bereits nach einigen Tagen eine feste Kruste, auf der sich wunderbar wedeln lässt. Lyrisch angehauchte Wintersportler nennen diese aufgefirnte Schneedecke auch liebevoll Zuckerkruste oder Crème brûlée. Doch Vorsicht: Wird die Schneekruste dicker und fester, entsteht Harsch bzw. Bruchharsch. Der ist dann leider nicht mehr gut befahrbar, da er aufbrechen und zu Stürzen führen kann. Schreitet hingegen die Schmelze weiter voran, wird der Untergrund gerne als weiche Butter oder Cremeeis bezeichnet. Dann wird der grobkörnige Schnee immer feuchter und schwerer und es entsteht der allseits bekannte, unliebsame Sulz. Abseits der Piste kann das sogar richtig gefährlich werden, da hier die Lawinengefahr durch den Nassschnee stark erhöht ist. Gerade im Frühling gilt also besondere Vorischt in Tiefschneehängen! Es empfiehlt sich, den Hang vor der Sulzphase zu erwischen. Der perfekte Firnhang besteht im Tagesverlauf nur für kurze Zeit. Diese will optimal genutzt werden.

So findet man Firn-Abfahrten

Die Firn-Bildung ist maßgeblich von zwei Faktoren abhängig: Temperatur und Sonneneinstrahlung. Es gibt sogar mathematische Formeln, um die idealen Bedingungen der Schmelzprozesse und somit die besten Hänge für die Firnabfahrt ausfindig zu machen. Sonnenstrahlen, die im rechten Winkel (90°) auf die Schneeoberfläche treffen, entfalten die meiste Energie und wo die Sonneneinstrahlung am stärksten ist, firnt der Schnee schneller auf. Wem das zu kompliziert ist, der merke sich Folgendes: In steileren Hängen mit Ostlage ist früher am Tag Firn zu finden als in flacheren im Westen. Wer diese Phase also möglichst lang genießen möchte, fährt morgens am steilen Osthang und am Nachmittag am flachen Westhang und folgt somit dem Lauf und der Intensität der Sonneneinstrahlung. Wer die Bedingungen des Geländes und den Höhenstand der Sonne berücksichtigt, kann seine Firnroute relativ konkret im Voraus planen. Wo das zum Beispiel sehr gut funktioniert, ist Sölden im Ötztal. Das Gletscherskigebiet bietet mit einer Hangexposition nach Westen und Osten die entscheidenden Vorteile für den Firnlauf am Vor- bzw. Nachmittag.

Die Firnschicht findet sich meist im Gelände, wo der Tiefschnee mindestens drei Tage liegt.

Firngenuss bis in den Juni

Zahlreiche Skigebiete haben dank hoher Schneesicherheit und Variantenabfahrten in Gletschernähe bis in den Juni geöffnet. Dort ist das auftretende Firn-Glück im Frühling noch wahrscheinlicher. Zu diesen Skigebieten zählen die Gletscherskigebiete wie etwa der Stubaier, Kaunertaler, Hintertuxer, Pitztaler, Mölltaler und Schnalstaler Gletscher. Aber auch am Kitzsteinhorn, in St. Anton am Arlberg, Ischgl-Samnaun, Kitzbühel, Les 2 Alpes, Val Thorens, Val d’Isere & Tignes und vielen weiteren Regionen sind die Voraussetzungen für das knirschende Firnerlebnis gegeben. Es gilt einzig, das richtige Timing zu erwischen. Viel Erfolg!

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