Fahrtechnik – Teil 3: So fahre ich auf der Buckelpiste

12. Juli 2016 - Katharina Teudt

Zum Skifahren gehört eine ganze Menge Fahrtechnik und Taktik. SnowTrex hat zu diesem vielschichtigen Thema mit Max Holzmann, Ausbildungsleiter des Deutschen Skilehrer Verbandes (DSLV), gesprochen. Im Teil 3 unserer Serie gibt der Staatlich geprüfte Skilehrer wertvolle Experten-Tipps zum sicheren Befahren einer Buckelpiste.

Die Buckelpiste Gentianes in den Schweizer 4 Vallées. © skiresort.de

Buckelpisten sind eine knifflige Angelegenheit. Das unebene Gelände kann vereist, gewellt und dazu auch noch sehr steil sein. Keine einfache Aufgabe. Für manche gilt die Buckelpiste gar als Königsdisziplin unter den schweren Könner-Abfahrten. Doch mit der richtigen Technik ist auch diese Pisten-Variation gut beherrschbar.

Die meisten Pisten sind nur kurzzeitig mit Buckeln gesegnet. © shutterstock.de – Helmut Konrad Watson

Wie entstehen Buckelpisten?

In Skigebieten werden die gewellten, unebenen Pisten nicht extra angelegt. Die meisten von ihnen entstehen im Laufe eines Skitages, wenn die zuvor glatt planierte Abfahrt von zahlreichen Skipaaren und Snowboards durchwühlt und zerfurcht wurde. Je weicher und tiefer der Schnee, desto höher türmen sich später die Schneehaufen auf. Zerwühlte Pisten gibt es also nach einer gewissen Zeit in jedem Skigebiet. Auch im weichen Tiefschnee neben den präparierten Abfahrten bilden sich nach regelmäßiger Frequentierung ordentliche Hügellandschaften. Geländefahrer finden darin eine besondere Herausforderung.

Buckeltäler und -spitzen

Da Buckelpiste-fahren auch Bestandteil der Skilehrerprüfung ist, kennt sich Skilehrer Holzmann in diesem Feld bestens aus. Seine erste Lektion: Es gibt sogenannte Buckeltäler und -spitzen. Die „Täler“ sind die Zwischenräume zwischen den Höckern, die „Spitzen“ der höchste Punkt des Buckels. Die Kunst ist es, auf beidem die korrekte Fahrweise anzuwenden. „Dieses Terrain ist höchst variantenreich, wodurch eine eingeschränkte, vorgegeben Spur entsteht“, so Holzmann. „In welligem Gelände kann der Fahrer seine Spur nicht uneingeschränkt frei wählen. Um die einzelnen Höcker zu bezwingen, muss man sich deren Beschaffenheit bewusst machen.“ Es geht also unentwegt auf und ab und schnelle Drehungen müssen vollführt werden.

Buckel ist nicht gleich Buckel

Sind Buckelpisten also nur für sehr gute Fahrer geeignet? Nicht unbedingt. „Es hängt von der Höhe und den Abständen der Erhebungen ab“, weiß Holzmann. „Wenn die Buckel hart und steil sind, wird es besonders schwierig. Eine klassische Buckelpiste im Steilhang sollte man nur befahren, wenn man seine Bewegungen sicher und schnell anpassen kann. Es gibt aber auch Buckelpisten im flacheren Gelände mit geringer Buckelhöhe. Das ist ein hervorragendes Lerngelände.“ Hier wie dort ist jedoch immer eine bewegliche Körperhaltung wichtig.

Wendigkeit und ein mittiger Schwerpunkt über dem Ski sind enorm wichtig. © shutterstock.de – Maksym Gorpenyuk

Agil und stabil

Buckelpistenfahrer müssen eine große Beweglichkeit an den Tag legen. Man muss schnell auf die neuen Gegebenheiten reagieren können, die hinter dem nächsten Höcker warten und auch der Kurvenwechsel will ordentlich eingeleitet werden. Schnelligkeit, Koordination und Rhythmusgefühl sind hier enorm wichtig. „Man muss sich ständig den Geländegegebenheiten anpassen können“, mahnt Holzmann. „Wenn das nicht der Fall ist, ist es anstrengend und letztendlich gefährlich.“ Dazu ist eine bewegungsbereite Position einzunehmen: ein mittiger, gleichmäßiger Stand auf dem Ski, Knie-, Hüft- und Fußgelenke sind leicht gebeugt, der Oberkörper aufrecht. Die Skier werden eng geführt und sollten immer Bodenkontakt haben. Zur agilen Körperhaltung gehört auch das Federn in den Knien. Diese rhythmische Auf- und Ab-Bewegung dient als Stoßdämpfer für den holprigen Untergrund. Der Oberkörper und die Arme bleiben derweil so gut es geht ruhig. Entscheidend ist eine gute Körperspannung, die durch eine stabile Rumpfmuskulatur erzeugt wird.

Abfedern und die Knie beugen beim Auffahren auf die Buckelspitze ist gar nicht so einfach. © shutterstock.de – Maksym Gorpenyuk

Kurvenwechsel

Mit dem Federn hängt auch der Kurvenwechsel zusammen. Die Kurveneinleitung, der Wechsel und das Auffahren auf den nächsten Buckel funktionieren nur mit einem gleichmäßigen Fahrrhythmus. Holzmanns Tipp: „Je enger die Buckel stehen, desto schwieriger ist es, sich im Wellental zu bewegen. Wer sich also gekonnt durch die Buckel kämpfen will, der sollte die Kurve am besten nicht im Tal einleiten.“ Der Kurvenwechsel findet idealerweise neben der Buckelspitze, die Kurve selbst in der Abwärtsbewegung statt. Beim Einleiten der Kurve werden die Beine angezogen, in der Kurve werden sie dann wieder gestreckt. Diese Bewegung nennt man auch Ausgleichstechnik, da sie genau anders herum ausgeführt wird als beim Befahren einer ebenen Piste. „Wichtig ist auch, dass das Bremsen beim schnellen Drehen auf den Buckeln nicht automatisch gegeben ist. Wenn man auf der Buckelspitze die Ski dreht und dann die Buckel mit gedrifteten Skiern mehr oder weniger hinunterrutscht, erhöht das die Bremswirkung und die Sicherheit beim Kurvenfahren.“

Generell gilt die Faustformel: Der Experte fährt von Buckelflanke zu Buckelflanke. Die Könner driften von der Buckelspitze ins Wellental und der Anfänger fährt nur im Wellental.

Pistentipps

Am Nebelhorn gibt es einen echten Klassiker unter den Buckelpisten: Die Abfahrt im Skigebiet von Oberstdorf gilt mit 700 m als längste Buckelpiste Deutschlands. Gefürchtet ist auch die Gamsleiten 2 in Obertauern, da sie sehr steil ist und ihre unzähligen Buckel oft vereist sind. Auch die Schweizer Wand, die eigentlich „Chavanette“ heißt, ist legendär. Die extreme Buckelpiste befindet sich im Megaskigebiet Portes du Soleil an der Passhöhe zwischen Champéry (Schweiz) und Avoriaz (Frankreich). Weitere große Buckelpisten sind eher im Westalpenraum – in Frankreich oder in den Dolomiten – zu finden.

Zusammenfassung

Zum Befahren von welligen Pisten ist eine bewegungsbereite Körperhaltung mit viel Körperspannung und enger Skiführung nötig. Beim Kurvenwechsel zwischen Buckelspitze und Wellental zählen aktive Beinarbeit und federnde Knie. Der Oberkörper bleibt von den schnellen Bewegungen weitestgehend unberührt und ruhig. Besonders hohe Buckel lassen sich mit der Ausgleichstechnik – aktives Anziehen der Beine im Kurvenwechsel und Beinstrecken in der Kurve – bewältigen.

DSLV-Ausbildungsleiter Max Holzmann © Deutscher Skilehrerverband e. V.

Unser Experte vom DSLV

Max Holzmann ist Staatlich geprüfter Skilehrer und Vorstand Ausbildung im deutschen Skilehrerverband (DSLV). In seinem Verantwortungsbereich liegen die Inhalte der Ausbildungslehrgänge, die jeweiligen Prüfungslevel und Schwierigkeitsgrade in allen Ausbildungsstufen vom Level 1 bis zur staatlich geprüften Skilehrerprüfung, in den Unterrichtsfächern Motorik, Methodik und Theorie.

Mehr zum Thema: Fahrtechnik – Teil 1: So fahre ich vorausschauend und sicher Fahrtechnik – Teil 2: So fahre ich auf der Steilpiste Fahrtechnik – Teil 4: So fahre ich im Tiefschnee

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